Pankreaskarzinompatienten entwickeln häufiger vor der Krebsdiagnose Diabetes
Patienten mit Diabetes während der 60 Monate vor der Diagnose des Pankreaskarzinoms
Neue Fälle von Diabetes waren bei Pankreaskarzinompatienten vor ihrer Krebsdiagnose signifikant häufiger als bei Kontrollen, wie die in der Januarausgabe von Gastroenterology vorgestellten Daten von 736 Pankreas-Ca-Patienten und 1875 Kontrollen zeigen.
Auch wenn ältere Studien eine Verbindung zwischen einem bestehenden Diabetes und einem Pankreaskarzinom gezeigt haben, so sei über die zeitliche Verbindung zwischen den beiden Erkrankungen – und ob diese Verbindung zur Vorhersage von Krebs genutzt werden könnte – nicht viel bekannt, schrieben Dr. Suresh T. Chari und Kollegen an der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota.
Um die Prävalenz eines neu manifestierten Diabetes bei Patienten mit Pankreaskarzinom sowie die zeitliche Assoziation zwischen diesen Erkrankungen zu bestimmen, sichteten die Wissenschaftler Aufzeichnungen von Pankreas-Ca- und Kontrollpatienten, die zwischen 15. Januar 1981 und 9. Juli 2004 an der Mayo Clinic behandelt wurden. Dabei ordneten sie jedem Krebsfall zwei passende Kontrollen zu. Das Durchschnittsalter sowohl von Patienten wie Kontrollen betrug 69 Jahre und rund 27 Prozent der Personen in beiden Gruppen waren männlich.
Ein Diabetes wurde angenommen, wenn eine Person einen Nüchternglukosespiegel von 126 mg/dl hatte oder Diabetesmedikamente einnahm. Diabetesdiagnosen wurden, beginnend 60 Monate vor der Krebsdiagnose der Krebspatienten, in zwölfmonatigen Abständen geprüft (Gastroenterology 2008;134:95-101).
Insgesamt erfüllten signifikant mehr Pankreaskarzinompatienten als Kontrollen während der 60-monatigen Periode vor der Diagnose des Pankreas-Ca die Diabeteskriterien (40 versus 19 Prozent). Der Anteil von Personen mit Diabetes unterschied sich allerdings in den zwölfmonatigen Intervallen von 60 bis 48 Monate sowie 48 bis 36 Monate vor der Krebsdiagnose zwischen Krebs- und Kontrollgruppe nicht signifikant.
Im Gegensatz dazu stieg die Diabetesprävalenz ab 36 Monate vor der Krebsdiagnose in jedem zwölfmonatigen Intervall stetig an, während die Diabetesprävalenz bei den Kontrollen während der gesamten Studienperiode relativ stabil blieb. Ein neumanifestierter Diabetes wurde als spätestens 24 Monate vor der Krebsdiagnose aufgetretener Diabetes definiert.
Unter den Personen, bei denen die Diabetesdauer bekannt war, war eine Diabeteserkrankung bei Patienten signifikant wahrscheinlicher neu manifestiert als bei den Kontrollen (52,3 versus 23,6 Prozent); dieser Unterschied war hochsignifikant.
“Die sehr hohe Diabetesprävalenz bei Pankreaskarzinomen und die enge zeitliche Assoziation mit der Krebsdiagnose bieten starke epidemiologische Belege zur Unterstützung der Annahme, dass Pankreaskrebs [Diabetes mellitus] verursacht“, schrieben die Wissenschaftler.
Die Ergebnisse stützen Daten aus kleinen klinischen Studien, in denen die Entfernung von Tumoren bei Pankreaskarzinompatienten deren Glukosetoleranz verbesserte und ihre Stoffwechseldefekte umkehrte. Es sind jedoch prospektive Studien notwendig, um den Nutzen eines Screenings älterer Patienten mit neu manifestiertem Diabetes auf Pankreaskarzinome zu belegen; und ein solches Screening wäre nur hilfreich, wenn die Art neumanifestierter Diabetes, die mit Pankreaskarzinomen assoziiert ist, vom Typ-2-Diabetes unterschieden werden könnte, z.B. durch einen Biomarkertest, merkten die Wissenschaftler an.
Es mangele an praktischen Kriterien, die zum Ausschluss eines Pankreaskarzinoms bei Patienten mit neu manifestiertem Diabetes dienen könnten, schreibt Dr. Niels Teich von der Universität Leipzig in einem begleitenden Editorial. Die Studienergebnisse laden zu weiterer Forschung ein, um zu bestimmen, ob ein neu manifestierter Diabetes bei Pankreaskarzinompatienten sich vom einem neu manifestierten Typ-2-Diabetes generell unterscheidet, und ob ein neu manifestierter Diabetes bei ansonsten asymptomatischen Personen ein frühes Anzeichen für diesen Krebs sein könnte, merkte er an.
“Die heute verfügbaren Daten legen eindeutig nahe, dass Diabetes mellitus sowohl eine lang-bestehende Ursache von Pankreaskrebs als auch, wie jetzt gezeigt, eine frühe Manifestation der Erkrankung sein kann“, sagte Dr. Teich.