Darmkrebs: Positive Familienanamnese verbessert Prognose
Mittwoch, 4. Juni 2008
Boston – Wer Angehörige hat, die an einem Kolorektalkarzinom erkrankt sind, hat Glück im Unglück. Zwar ist sein Risiko erhöht, selbst einen Darmkrebs zu entwickeln. Doch die Chancen, das Krebsleiden zu überleben, stehen nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2008; 299: 2515-2523) deutlich besser als bei Patienten ohne positive Familienanamnese.
Das Kolorektalkarzinom hat eine starke erbliche Komponente. Jeder fünfte bis sechste Patient hat wenigstens einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an Darmkrebs erkrankt ist oder war. Und zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine positive Familienanamnese das eigene Krebsrisiko verdoppelt, berichtet die Gruppe um Jennifer Chan vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston.
Die Onkologen wollten wissen, wie sich diese positive Familienanamnese auf die Prognose auswirkt. Deshalb werteten sie die Ergebnisse einer früheren Therapiestudie aus. Am Trial 89803 der Cancer and Leukemia Group B (CALGB) hatten 1.087 Patienten mit einem Kolorektalkarzinom im Stadium III (Tx, N1-2, M0) teilgenommen. Da die Tumoren bereits in die lokalen Lymphknoten gestreut hatten, erhielten die Patienten nach der Operation unterschiedliche Chemotherapien.
Ob diese ein späteres Rezidiv verhindern konnten, hing, wie die Analyse der Daten jetzt ergab, in hohem Maße von der familären Häufung des Tumors ab: Den Endpunkt Rezidiv oder Tod erreichten 29 Prozent der Patienten , bei denen wenigsten ein Verwandter ersten Grades ebenfalls an Darmkrebs erkrankt war, gegenüber 38 Prozent der Patienten ohne positive Familienanamnese.
Chan errechnet eine adjustierte Hazard Ratio von 0,72 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,54-0,96) für das krankheitsfreie Überleben und eine adjustierte Hazard Ratio von 0,75 (0,54-1,04) für das Gesamtüberleben. Dass in diesem wichtigsten Endpunkt das Signifikanzniveau verfehlt wurde, schwächt ein wenig die Aussagekraft der Studie.
Für eine Kausalität spricht indes die „Dosisabhängigkeit“ der Assoziation: Bei Patienten mit einem erkrankten Verwandten ersten Grades sinkt das Risiko auf Krebserkrankung oder Tod um 33 Prozent (multivariate Hazard Ratio 0,77; 0,57-1,04). Sind zwei oder mehr Verwandte erkrankt, ist das Risiko sogar mehr als halbiert (multivariate Hazard Ratio 0,49; 0,23-1,04).
Eine nahe liegende Erklärung wäre, dass Angehörige von Darmkrebspatienten eine intensivere Früherkennung betreiben und sich gesünder ernähren. Diese und andere Möglichkeiten glauben die Autoren jedoch ausschließen zu können.
Boris Pasche von der Northwestern Universität in Chicago überzeugen die Ergebnisse. Sollten sie in weiteren Kohorten bestätigt werden, könnte die Familienanamnese zu einem wichtigen Prognoseparameter für das Kolorektalkarzinom werden, meint der Editorialist, der sich die Frage stellt (ohne sie freilich beantworten zu können), welche genetischen Schutzwirkungen sich hinter der Assoziation verbergen (JAMA 2008; 299: 2564-2565).
Im letzten Jahr hatten die Bostoner Autoren anhand der gleichen Studie herausgefunden, dass eine westliche Diät die Prognose von Darmkrebspatienten deutlich verschlechtert (JAMA 2007; 298: 754-764): Patienten, die sich gesund ernähren und viel Obst und Gemüse, Geflügel und Fisch verzehren, dagegen rotes Fleisch, tierische Fette, Weißbrot und Süßspeisen meiden, haben demnach bessere Chancen den Krebs zu überleben. Ob dies zutrifft, ist ............
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32599 Links zum Thema
» PDF der aktuellen Studie
» Pressemitteilung JAMA
» Studie CALGB 89803
» PDF der Studie zum Einfluss der westlichen Diät