Autor Thema: Die überaktive Blase  (Gelesen 2042 mal)

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Evi

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Die überaktive Blase
« am: 23. Juli 2008, 19:09 »

18/07/08,12:00, Elsevier
Antimuskarinika bei überaktiver Blase: Wirksam, sicher, bessere Lebensqualität

Die antimuskarine Behandlung ist bei Patienten mit überaktiver Blase die Therapie der 1. Wahl…

Schätzungen zufolge leiden etwa 12% der Nordamerikaner und Europäer an einer überaktiven Blase. Betroffen sind mehr ältere Personen, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist ausgewogen. Gegenwärtig stellt die antimuskarine Behandlung die Therapie der 1. Wahl dar. Verträglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit älterer und neuerer Anticholinergika nahmen Christopher Chapple vom Royal Hallamshire Hospital in Sheffield, London, und Kollegen in einem in der Fachzeitschrift European Urology veröffentlichten Review-Update unter die Lupe.

Daten aus 73 Studien ergaben, dass ..... http://www.univadis.de/medical_and_more/de_DE_Praxisradar_Detail?articleItemId=f8b49e9695ac93cdb1e37b05c7dc143d

Geri

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Re: Die überaktive Blase
« Antwort #1 am: 13. Oktober 2008, 23:54 »

Linderung der Symptome bereits nach drei Tagen

Überaktive Blase: Solifenacin mindert plötzlichen Harndrang

13.10.08 - Eine Therapie mit Solifenacin führt bei Patienten, die an überaktiver Blase leiden, zu einer signifikanten Reduktion des plötzlichen Harndrangs. Das zeigt die SUNRISE-Studie mit Teilnehmern aus 14 Ländern.

An der Multi-Center Studie unter der Leitung von Prof. Linda Cardozo vom King's College Hospital in London (UK) nahmen 863 Patienten teil. 640 der Probanden (74 Prozent) erhielten lang täglich 5 mg Solifenacin, 223 ein Placebo.

Erstmals wurde als primärer Endpunkt der Harndrang anhand der Patient Perception of Intensity and Urgency Scale (PPIUS) definiert. Zudem verwendeten die Forscher die Patients Perception of Bladder Condition Score, eine visuelle Analogskala und Patiententagebücher.

Bei Teilnehmern, die Solifenacin erhalten hatten, verminderte sich der plötzliche Harndrang (mit und ohne Inkontinenz) um 70 Prozent. Bei Patienten aus der Kontrollgruppe waren es 50 Prozent. Die Verbesserungen der Symptome traten bereits nach einer Therapiedauer von drei Tagen ein. "Ein starker Placebo-Effekt ist aus Studien zur überaktiven Blase wohl bekannt", stellt Cardozo fest. "Diese Untersuchung bildet da keine Ausnahme." Dennoch sei der Effekt signifikant. Schon kleine Verbesserungen könnten einen großen Unterschied in der Lebensqualität machen.

Nebenwirkungen: Mundtockenheit und Obstipation

Als häufigste Nebenwirkungen traten Mundtrockenheit und Obstipation auf - jedoch waren in sie in der Regel nur schwach bis moderat ausgeprägt. 3,6 Prozent der Patienten aus der Solifenacin-Gruppe brachen deswegen die Behandlung ab.

Die 16-wöchige Untersuchung wurde in zwei Blöcke unterteilt. Nach den ersten acht Wochen sollten die Teilnehmer äußern, ob sie bei der Dosis von 5 mg Wirkstoff bleiben oder diese auf 10 mg erhöhen wollten. 46,5 Prozent aus der Solifenacin-Gruppe wünschten sich eine Dosis-Erhöhung - im Vergleich zu 66 Prozent aus der Placebo-Gruppe. Die Hälfte der Solifenacin-Patienten erhielt dann im zweiten Versuchsteil tatsächlich 10 mg des Wirkstoffs täglich. Die Ergebnisse dieser sekundären Analyse stehen allerdings noch aus.

BJUI 102 [2008], 1120 - 1127

Geri

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Training hilft bei Blasenschwäche
« Antwort #2 am: 13. Oktober 2008, 23:57 »
Bei Stressinkontinenz kommt es vor allem darauf an, den Beckenboden zu kräftigen

Gezieltes Training hilft Blasenschwäche lindern

Harninkontinenz lässt sich mit konservativen Methoden meist wirksam lindern. Allerdings hängt es von der Pathophysiologie der Störung ab, welche Therapieansätze Erfolg versprechen.
Je nachdem, ob es sich eher um Belastungsinkontinenz (stress urinary incontinence [SUI]) oder eine überaktive Blase (overactive bladder syndrome [OAB]) handelt, erzielen die diversen Therapieoptionen unterschiedlich hohe Erfolgsraten. So verspreche Trink- und Miktionstraining vor allem bei letzterem Befund positive Effekte, referieren Dr. med. Sven Schiermeier et al. (Geburtsh. Frauenheilk. 66 [2006] 643-649). Hilfreich kann es sein, bereits morgens die Trinkmenge für den gesamten Tag bereit zu stellen, und aus einem großen Glas einen Großteil davon bereits im Laufe des Vormittags zu trinken, die Trinkmenge zum Abend hin jedoch zu drosseln.

Ziel der Übung ist, eine tägliche Ausscheidung von rund zwei Litern zu erreichen, die in Portionen von 200 bis 500 ml/Miktion abgesetzt werden, so dass nächtliches Wasserlassen weitgehend ausbleibt. Den Therapieerfolg prüfen kann man mittels Miktionsprotokoll, das anfangs wöchentlich, später monatlich geführt werden sollte. Darin notiert die Betroffene 24 Stunden lang Inkontinenzereignisse sowie Trink- und Miktionsvolumina.

Beckenbodengymnastik verspricht vor allem bei SUI guten Erfolg, besonders, wenn die Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt werden. Den Frauen Merkblätter oder schriftlich formulierte Instruktionen auszuhändigen kann hilfreich sein. Auch Elektrostimulation, eine technisch unterstützte Form passiver Beckenbodengymnastik, kann das aktive Training unterstützen. Von Biofeedback profitieren vor allem Patientinnen, die ihren Beckenboden nicht willkürlich an- oder entspannen können.

80 Prozent der Frauen profitieren von Vibrationstraining

Als gut wirksam bei SUI erwies sich die vibratorische Muskelstimulation. Das Training - bei dem die Patientinnen auf einer schwingenden Plattform stehend die Balance zu halten lernen - vermochte in einer Studie die Beschwerden bei 80 Prozent der Betroffenen zu bessern oder gänzlich zu vertreiben. Die Untersuchungen legen nahe, dass zwei Therapieeinheiten über jeweils acht Wochen zu empfehlen sind.

Gilt es, die Zeit zu überbrücken, bis konservative Methoden anschlagen, bieten sich Pessare als Soforttherapie bei Harninkontinenz an. Und auch bei inoperablen Patientinnen stellen Pessare eine relevante Option dar. SUI-Patientinnen werden eher Pessarformen empfohlen, welche die Urethra unterstützen. Besteht neben der Inkontinenz auch ein Deszensus, bieten Urethraschalenpessare zusätzlichen Halt.

Geri

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Inkontinenz - Beckenbodentraining
« Antwort #3 am: 14. Oktober 2008, 00:00 »
Mehr als fünf Millionen Deutsche leiden unter Inkontinenz

Mehr als fünf Millionen Menschen leiden hierzulande unter unwillkürlichem Harn- oder Stuhlabgang. Inklusive der Dunkelziffer könnten es sogar insgesamt zehn Millionen Betroffene sein, teilt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft mit.
"Inkontinenz ist ein großes Tabuthema", sagt Prof. Manfred Wirth von der Dresdner Universitätsklinik im Vorfeld des 1. Deutschen Kontinenz-Tages am 30. Juni. Die bundesweite Aktion der Deutschen Kontinenz Gesellschaft (DKG) soll das Bewusstsein für Probleme mit Blase und Darm schärfen, über Therapien informieren und zur Vorbeugung motivieren.

"Betroffene schämen sich und gehen häufig zu spät zum Arzt", erklärt Wirth. Mit guter Prophylaxe aber lasse diese sich weitgehend verhindern, etwa durch regelmäßige Physiotherapie. Die DKG rechnet angesichts der demografischen Entwicklung künftig mit einer weiteren Verschärfung der Situation. Laut Wirth werden in Deutschland derzeit rund fünf Milliarden Euro pro Jahr für Inkontinenzhilfen ausgegeben. "Schon jetzt sind 70 Prozent der Bewohner in Altenheimen betroffen." Die Versorgung erfolge meist mit Windeln, Vorlagen oder Dauerkatheter, was die Gefahr von Infektionen berge.

"Schon in der Schule sollte Beckenbodentraining gelehrt werden"

Mit rund sieben Millionen Betroffenen sei auch die überaktive Blase schon zu einer Volkskrankheit geworden, sagt die Dresdner Urologin Ina Baumann. Betroffene würden die Beschwerden aber aus Scham verschweigen, trotz eingeschränkter Lebensqualität. "Schon in der Schule sollte Beckenbodentraining gelehrt werden", rät Wirth, der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist. "Gut trainierte Frauen haben durch regelmäßige Physiotherapie im Alter kaum Probleme." Menschen, die bei normaler Trinkmenge von 1,5 bis zwei Litern mehr als acht Mal täglich Wasserlassen müssten, sollten den Hausarzt aufsuchen.

Informationen im Internet: www.kontinenz-gesellschaft.de

Werner

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Re: Die überaktive Blase
« Antwort #4 am: 16. Oktober 2008, 13:47 »

Ärzte Zeitung, 16.10.2008

Neue Arznei beruhigt überaktive Blase

Fesoterodin reduziert Zahl der Miktionen deutlich / Besondere Pharmakokinetik

STUTTGART (sto). Zur Behandlung von Patienten mit überaktiver Blase gibt es jetzt eine neue Option: das Antimuskarinikum Fesoterodin. Die Arznei ist als Retardtablette in zwei Dosierungen erhältlich.

Fesoterodin (Toviaz®) wird ebenso wie das strukturverwandte Tolterodin im Körper in den aktiven Metaboliten 5-HMT umgewandelt, hat Privatdozent Tim Schneider aus der Praxisklinik Urologie Rhein/Ruhr in Mülheim erläutert.

Im Gegensatz zu Tolterodin werde Fesoterodin jedoch ohne die Beteiligung des Leberenzyms CYP2D6 verstoffwechselt, so Schneider auf einer Veranstaltung von Pfizer in Stuttgart. Dieser Unterschied in der Pharmakokinetik sorge dafür, dass Fesoterodin auch bei Patienten eingesetzt werden kann mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sowie bei Patienten, die eine Begleitmedikation einnehmen, die unter Umständen den Leberstoffwechsel hemmt. Als Anfangsdosis werden 4 mg einmal täglich empfohlen. Je nach Erfolg könne die Dosis auf 8 mg einmal täglich erhöht werden. Das einschleichende Dosieren könne zu einer besseren Compliance beitragen, so Schneider.

In den klinisch relevanten Zulassungsstudien sei die Zahl der Miktionen pro 24 Stunden mit beiden Dosierungen des neuen Mittels im Vergleich zu Placebo deutlich reduziert worden. Mit 4 mg verringerte sich die Zahl der Miktionen um 17 Prozent und mit 8 mg um 19 Prozent. Auch die Zahl der Dranginkontinenz-Episoden wurde mit beiden Dosierungen deutlich reduziert. Zugleich erhöhte Fesoterodin in beiden Dosierungen das Miktionsvolumen um bis zu 20 Prozent bereits nach zwei Wochen.

Werner

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Die überaktive Blase - Tolterodin (Detrusitol®
« Antwort #5 am: 05. Juli 2009, 14:22 »
FDA-Medikamentenliste: Arzneimittel mit potenziellen Risiken , USA 2009

Aktuelle Liste mit 19 Wirkstoffen, die wegen potentieller Gefahren derzeit untersucht werden.

"Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA veröffentlicht neuerdings vierteljährlich Listen mit Medikamenten, zu denen vermehrt Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen (UAW) eingegangen sind und die deshalb einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden...

darunter

Tolterodin (Detrusitol®), ein Wirkstoff zur Behandlung der hyperaktiven Blase, ist als potenzieller Auslöser eines Stevens-Johnson Syndroms in der Diskussion. ..."Mehr im DÄ...

    *

      Potential Signals of Serious Risks/New Safety Information Identified from the Adverse Event Reporting System (AERS) between October - December 2008
    *

      Siehe auch: Medikamente bei älteren Patienten - US-Negativliste 2003


Geri

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War da nicht mal was von 3 Liter?
« Antwort #6 am: 07. August 2009, 23:02 »
06/08/09,00:01, Aerzte_Zeitung

Einfacher Trick bei überaktiver Blase: weniger trinken!

NEU-ISENBURG (ikr). Patienten mit überaktiver Blase hilft es einer aktuellen Studie zufolge, wenn man ihnen dazu rät, die tägliche Trinkmenge um 25 Prozent zu reduzieren. Es sollte jedoch nicht weniger als ein Liter pro Tag getrunken werden, raten britische Kollegen (Aktuel Urol 40, 2009, 62).

An der randomisierten Studie nahmen 24 Erwachsene mit Symptomen einer überaktiven Blase teil. Sie hatten eine durchschnittliche Miktionsfrequenz von acht oder häufiger pro Tag und eine oder mehrere Episoden einer Drangsymptomatik oder Dranginkontinenz.

Die Ergebnisse: Wenn die Patienten ihre Trinkmenge um 25 Prozent reduzierten, nahm ihre Miktionsrate am Tage signifikant um 23 Prozent ab. Und die Drangsymptomatik nahm bei den Patienten um 34 Prozent ab. Auch die Nykturie-Rate reduzierte sich signifikant um sieben Prozent.

Eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme um 25 und 50 Prozent resultierte hingegen in einer verschlechterten Miktionsfrequenz. Auch wenn sich die Nykturie-Episoden durch Reduktion der Trinkmenge verringerten, war der Effekt der Maßnahme für die Patienten vor allem während des Tages zu spüren. Auf die Dranginkontinenz hatte die Flüssigkeitsrestriktion bei den Teilnehmern der britischen Studie keinen Einfluss. Allerdings war die Fallzahl gering.


Jutta

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Überaktive Blase: Was hilft Frauen bei sehr häufigem Harndrang?
« Antwort #7 am: 29. November 2010, 19:55 »

Überaktive Blase: Was hilft Frauen bei sehr häufigem Harndrang?

http://www.gesundheitsinformation.de/ueberaktive-blase-was-hilft-frauen-bei-sehr-haeufigem-harndrang.704.de.html

Blasen- und Beckenbodentraining können bei einer überaktiven Blase Inkontinenzbeschwerden lindern und die Zahl der Toilettengänge reduzieren. Auch Medikamente können etwas helfen. Zu operativen Eingriffen bei einer überaktiven Blase gibt es bisher nicht ausreichend Forschung.

Ständig zur Toilette zu müssen ist lästig und unangenehm. Frauen mit einer überaktiven Blase (auch Reizblase genannt) erleben dies täglich. Sie haben einen deutlich erhöhten Harndrang, den sie nur schwer kontrollieren können. Viele Betroffene empfinden es auch als peinlich, im Beisein anderer ständig zur Toilette gehen zu müssen, und sagen, dass dies ihr soziales Leben beeinträchtigt. Einige – besonders ältere – Frauen versuchen das Problem zu beheben, indem sie kaum etwas trinken. Der Drang, Wasser zu lassen, kann manchmal so stark sein, dass jemand seinen Urin gar nicht mehr zurückhalten kann und einnässt (Inkontinenz). Viele Frauen mit einer überaktiven Blase müssen nachts häufiger aufstehen und können deswegen auch kaum eine Nacht durchschlafen.     

Etwa jede zehnte Frau hat eine überaktive Blase, ältere Frauen häufiger als jüngere. Sie wird in der Regel dadurch verursacht, dass die Blasenmuskeln übermäßig aktiv sind und sich zu oft anspannen (kontrahieren). Warum das passiert, ist nicht bekannt. Bestimmte Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder Nervenerkrankungen können ähnliche Beschwerden auslösen. Auch einige Medikamente können zu einem erhöhten Harndrang führen. Daher kann eine Diagnose „überaktive Blase“ nur gestellt werden, wenn zuvor andere Ursachen ausgeschlossen worden sind.

Auch Männer können eine überaktive Blase haben. Da sich die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten aber unterscheiden, beschäftigen wir uns hier nur mit Behandlungsansätzen für Frauen.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer überaktiven Blase

Bei einer überaktiven Blase gibt es drei Behandlungsansätze:

    * Nicht-medikamentöse Maßnahmen
    * Medikamentöse Maßnahmen
    * Operationen


Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Zu den nicht-medikamentösen Möglichkeiten zählen beispielsweise Blasen- und Beckenbodentraining, psychotherapeutische Behandlungen (zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie), Reizstromtherapie, Biofeedback sowie eine bewusste Steuerung des Trinkverhaltens. So wird beispielsweise oft geraten, vor sozialen Aktivitäten oder dem Schlafengehen weniger Kaffee und Alkohol zu sich zu nehmen, da sie harntreibend wirken. Zu den alternativmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten gehören bei einer überaktiven Blase die Akupunktur und die Fußzonenmassage.

Medikamentöse Maßnahmen

Spasmolytika sind Medikamente, die die Blasenmuskulatur auf unterschiedlichen Wegen beeinflussen. Anticholinergika gehören zu dieser Gruppe von Medikamenten und werden bei einer überaktiven Blase am häufigsten angewendet. Sie hemmen die Wirkung von Acetylcholin, das an der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt ist. Ziel ist, die Blasenmuskeln davon abzuhalten, sich zu oft anzuspannen, sodass die Betroffenen nicht mehr so häufig Wasser lassen müssen. Manche Frauen in den Wechseljahren versuchen das Problem auch mit Arzneien zu behandeln, die Östrogene enthalten – das sind weibliche Hormone. Mehr über die Wechseljahre und diese Hormonbehandlungen können Sie hier lesen.

Manchmal wird auch das Medikament Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt, was die Blasenmuskulatur entspannen soll. In Deutschland ist Botulinumtoxin für diesen Einsatz nicht zugelassen. Wenn es dennoch bei einer überaktiven Blase gespritzt wird, spricht man von einem "Off-Label-Use". Ärztinnen und Ärzten haben dann eine besondere Aufklärungspflicht. Mehr über den "Off-Label-Use" können Sie hier lesen.

Operationen

Operationen gelten als letzte Möglichkeit, wenn alle anderen Maßnahmen nicht geholfen haben. Es kann beispielsweise ein Blasenschrittmacher oberhalb des Gesäßes eingepflanzt werden. Der Schrittmacher ist ein Gerät, das elektrische Signale mit dem Ziel sendet, die Kontrolle über die Blasenfunktion zu verbessern.

Forschung zu verschiedenen Behandlungsansätzen

Eine Forschungsgruppe der US-amerikanischen Regierungsbehörde für Gesundheitsforschung und Versorgungsqualität (Agency for Health Care Quality and Research – AHRQ) wollte herausfinden, wie gut die verschiedenen Behandlungsansätze Frauen mit einer überaktiven Blase helfen. Sie suchte nach Studien, die prüften, ob die Maßnahmen die Zahl der Toilettengänge verringern und die Inkontinenz mindern konnten. Insgesamt schlossen die Forscherinnen und Forscher 232 Studien in ihre Analyse ein. Medikamente waren die Behandlungsart, die am häufigsten getestet wurde, gefolgt von Operationen. Weniger Studien fand die Forschungsgruppe zu nicht-medikamentösen und alternativmedizinischen Verfahren.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Frauen mit einer überaktiven Blase probieren häufig zunächst verschiedene therapeutische Ansätze aus. Sie könnten beispielsweise ein Blasentraining absolvieren, bei dem sie versuchen sollen, die Zeit zwischen zwei Toilettengängen immer mehr auszudehnen. Auch ein Beckenbodentraining und die Änderung des Trinkverhaltens gehören zu den möglichen Maßnahmen. Leider gibt es nur eine Handvoll Studien, die untersucht haben, wie erfolgreich solche nicht-medikamentösen Strategien sind. Aber diese wenigen Studien legen nahe, dass diese Ansätze ähnlich nützlich sein könnten wie einige Medikamente, ohne deren unerwünschte Wirkungen zu haben.

Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, welche Ansätze es gibt, hier ein Beispiel aus einer der Studien: Die Teilnehmerinnen – ältere Frauen mit einer überaktiven Blase – erlernten Strategien, um einer Inkontinenz vorzubeugen. Sie wurden ermutigt, bei Harndrang nicht sofort zur Toilette zu eilen, sondern sich hinzusetzen, zu entspannen und die Beckenbodenmuskeln anzuspannen, um den Harndrang zu unterdrücken und sich selbst davon abzuhalten, sofort zur Toilette zu laufen und Wasser zu lassen. Danach sollten sie, sobald der Harndrang nicht mehr so stark war, mit normaler Geschwindigkeit zur Toilette gehen. Außerdem setzten sie die Methode des Biofeedback ein, um ihre Körperwahrnehmung zu verbessern, und führten täglich Übungen durch, um ihre Beckenbodenmuskeln zu kräftigen. Beim Biofeedback lernt man, körperliche Prozesse zu erkennen, die uns normalerweise nicht bewusst sind. Indem man sie sich bewusst macht – so die Hoffnung – könnte man lernen, mehr Kontrolle über körperliche Abläufe zu erlangen, die normalerweise automatisch ablaufen.

Verschiedene Ansätze miteinander zu kombinieren, scheint hilfreich zu sein – zum Beispiel ein Blasen- und Beckenbodentraining zu machen sowie gleichzeitig den Koffeinkonsum zu reduzieren. Weil verhaltenstherapeutische Strategien, Trainingsmaßnahmen und Medikamente für sich allein genommen erfolgreich sind, könnte man meinen, dass die Kombination zweier Ansätze doppelt so erfolgreich ist. Aber die bisher durchgeführten Studien haben nicht gezeigt, dass dies so ist.

Obwohl der Nutzen einer Kombination von Medikamenten, Trainings- und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen objektiv nicht groß ist, empfanden viele Frauen diesen Effekt schon als Verbesserung ihrer Lebensqualität. Auch nur eine Maßnahme anzuwenden, kann bereits einen positiven Effekt haben – die Wirkung ist dann aber möglicherweise kleiner. Die Forscherinnen und Forscher fanden keine Studien zu anderen Möglichkeiten wie beispielsweise einer alleinigen Steuerung des Trinkverhaltens oder dem Erlernen psychologischer Strategien im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Mehr über die kognitive Verhaltenstherapie finden Sie hier.

Zu alternativmedizinischen (komplementären) Behandlungen der überaktiven Blase gibt es kaum Studien. Zwar wurden Akupunktur und Fußzonenmassage untersucht. Die Studien waren aber zu klein, um sagen zu können, ob diese Behandlungen bei einer überaktiven Blase helfen.

Medikamentöse Maßnahmen

Die Studien zeigten, dass sowohl Anticholinergika als auch andere Spasmolytika die Symptome einer überaktiven Blase etwas lindern können. Die AHRQ-Forschungsgruppe fand keine Hinweise, dass eines der Medikamente den anderen möglicherweise überlegen ist. Der Nutzen der Medikamente war nicht groß. Konkret: Bevor die Frauen an den Studien teilnahmen, mussten sie durchschnittlich 7 bis 14 Mal pro Tag zur Toilette gehen. Nach Einnahme der Medikamente mussten sie etwas weniger oft gehen. Sie gingen durchschnittlich 1 Mal weniger am Tag auf Toilette als Frauen, die ein Scheinmedikament einnahmen. Dies verbesserte auch ihre Lebensqualität. Frauen, die Medikamente einnahmen, verloren auch etwas seltener unfreiwillig Harn.

Die häufigste unerwünschte Wirkung der Mittel war Mundtrockenheit; auch Verstopfung war relativ häufig. Seltener traten vermehrte Entzündungen der Harnwege und Schwierigkeiten beim Wasserlassen auf. Die Studien liefen meist nicht länger als 12 Monate, weshalb sich wenig über die langfristigen Folgen sagen lässt, wenn Menschen die Medikamente über mehrere Jahre nehmen.

Es gibt einige Hinweise, dass auch Blasenspülungen mit dem Wirkstoff Oxybutynin (ein Anticholinergikum) helfen können. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einer Blaseninstillation. Dabei gelangt das Medikament über einen Kunststoffschlauch (Katheter) in die Blase. In einer kleinen Studie sank durch die Blasenspülungen die Zahl der Toilettengänge. Es ist aber noch mehr Forschung erforderlich, bevor sich dies sicher sagen lässt. Blasenspülungen mit dem Medikament Resiniferatoxin zeigten dagegen keinen Nutzen. Blasenspülungen können zu Blasenentzündungen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen führen. Der Nutzen und Schaden von Injektionen mit Botulinumtoxin bei überaktiver Blase lässt sich nicht beurteilen. Hierzu fehlen gute Studien.

Operationen

Operationen kommen in der Regel erst dann in Betracht, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind und die Betroffenen weiterhin starke Beschwerden haben. Die AHRQ-Forschungsgruppe fand eine Vergleichsstudie zur Einpflanzung eines Blasenschrittmachers. Dies wird auch sakrale Neuromodulation genannt. In dieser Studie wurden Menschen untersucht, denen Medikamente nicht geholfen hatten und denen dann ein Blasenschrittmacher eingepflanzt wurde. Sie wurden verglichen mit Menschen, die keinen Schrittmacher erhielten und weiterhin Medikamente nahmen. Zwar lieferte diese Studie positive Ergebnisse, aber es ist mehr Forschung erforderlich, bevor man sicher sagen kann, dass Frauen von einem Blasenschrittmacher eine Verbesserung erwarten können. Dies gilt umso mehr, als dass die Einpflanzung eines Blasenschrittmachers wie alle operativen Eingriffe nicht ohne Risiko ist und beispielsweise zu Wundinfektionen führen kann.

Die Auswertung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des AHRQ unterstützt insgesamt den Ansatz, zunächst strukturierte Angebote zur Selbsthilfe zu nutzen und dabei professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine medikamentöse Therapie helfen. Mehr über Blasen- und Beckenbodentraining können Sie hier lesen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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    * Erstellt am: 27. Oktober 2010 10:41
    * Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2010 15:59
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    * Quellen:

      Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

      Hartmann KE, McPheeters ML, Biller DH, Ward RM et al. Treatment of Overactive Bladder in Women. Evidence Report/Technology Assessment No. 187. Rockville: Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ). August 2009. [Volltext]

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Jutta

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Der Beckenboden
« Antwort #8 am: 29. November 2010, 19:55 »
Beckenbodentraining

Den Beckenboden sieht und spürt man nicht. Trotzdem kann man lernen, die Muskeln des Beckenbodens willkürlich zu bewegen und durch ein Training zu stärken – ähnlich wie die Muskeln an Armen und Beinen. Ein Beckenbodentraining umfasst sowohl Spannungs- als auch Entspannungsübungen. Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens können beispielsweise mit Hilfe einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten erlernt werden.

Was ist der Beckenboden?

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die den Bauchraum und die Beckenorgane von unten abschließt und an seinen Rändern nach oben gebogen ist. Die Muskeln erstrecken sich vom Schambeinknochen bis nach hinten zum Kreuz- und Steißbein, seitlich setzen die Muskeln an beiden Sitzbeinhöckern an. Für den Enddarm, die Harnröhre und Scheide führen Öffnungen durch die Muskelplatte hindurch. Beim Stuhlgang, Wasserlassen und bei Frauen beim Geschlechtsverkehr und der Geburt entspannen sich die Beckenbodenmuskeln. Auch der Damm ist ein Teil des Beckenbodens, er liegt bei Männern zwischen Hodensack und After, bei Frauen zwischen Scheide und After.

Welche Aufgaben hat der Beckenboden?

Ein kräftiger und gesunder Beckenboden ist wichtig für die Gesundheit, denn er

    * gibt den Bauch- und Beckenorganen Halt,
    * unterstützt die Schließmuskulatur von Harnröhre und After,
    * hält dem hohen Druck stand, der unter anderem beim Husten und Lachen, beim Pressen beim Stuhlgang und bei körperlicher Belastung, beispielsweise beim Heben schwerer Gegenstände entsteht.


Wann ist ein Beckenbodentraining sinnvoll?

Eine schlechte Haltung, Übergewicht und viel Sitzen können mit der Zeit dem Beckenboden zusetzen und ihn schwächen. Bei Frauen werden die Muskeln durch Schwangerschaft und Geburt zusätzlich beansprucht.

Ein Beckenbodentraining kann vor allem hilfreich sein bei:

    * Blasenschwäche
    * Darmschwäche
    * Übergewicht
    * Haltungsschwächen


Bei Frauen zusätzlich:

    * Vor und nach der Geburt
    * Bei Bindegewebsschwäche durch Hormonveränderungen in den Wechseljahren
    * Bei Gebärmutterabsenkung
    * Nach Operationen im Beckenbereich


Bei Männern zusätzlich:

    * Nach Operationen an der Prostata
    * Bei Potenzproblemen


Die Atmung

Bei der Beckenbodengymnastik ist die Atemtechnik sehr wichtig, denn Zwerchfell und Beckenboden hängen eng miteinander zusammen:

    * Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, sodass die Bauchorgane nach unten gedrückt werden. Der Beckenboden dehnt sich dadurch etwas aus und senkt sich nach unten.
    * Beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell wieder, die Beckenbodenmuskeln ziehen sich wieder zusammen und der Beckenboden steigt nach oben.

Ohne das Zusammenspiel mit der Atmung und der Bewegung des Zwerchfells können sich die Beckenbodenmuskeln nicht kraftvoll zusammenziehen und wieder ausreichend entspannen.

Diese Übungen können Ihnen helfen, ein Gefühl für Ihre Atmung zu entwickeln:

    * Legen Sie sich bequem auf den Rücken. Stellen Sie die Beine leicht gegrätscht auf und legen Sie eine Hand locker auf den Bauch. Atmen Sie gleichmäßig aus und ein. Bei der Einatmung hebt sich die Bauchdecke leicht, beim Ausatmen senkt sich der Bauch wieder.
    * Sie können sich auch vorstellen, dass Ihr Bauch von innen mit einem Luftballon ausgekleidet ist: Beim Einatmen füllt sich der Luftballon mit Luft und weitet sich in alle Richtungen aus, der Beckenboden senkt sich. Beim Ausatmen entweicht die Luft aus dem Ballon, der Bauch zieht sich zusammen und der Beckenboden hebt sich wieder.


Den Beckenboden wahrnehmen

Viele Menschen finden das Beckenbodentraining anfangs etwas schwierig, weil es um Muskeln im Inneren unseres Körpers geht, die man nicht sieht. Um den Beckenboden trainieren zu können, ist es daher wichtig, ihn zunächst einmal zu erspüren. Dabei können folgende Übungen helfen:

    * Wenn Sie den Schließmuskel Ihrer Harnröhre zusammenkneifen, so als ob Sie beim Wasserlassen den Urinstrahl willentlich unterbrechen wollten, spannen sich automatisch auch andere Muskeln an: die Muskeln des Beckenbodens. Diese Übung sollten Sie aber nicht regelmäßig machen; sie dient nur dazu, ein Gefühl für die Beckenbodenmuskeln zu bekommen.
    * Eine angespannte Beckenbodenmuskulatur können Sie auch am Damm ertasten. Wenn sie sich bequem auf den Rücken legen, können Männer den Damm zwischen Hodensack und After ertasten; Frauen ertasten die Spannung am Damm zwischen Scheide und After. Der Beckenboden wird beispielsweise angespannt, wenn Sie probieren, den Damm in den Körper zu ziehen.


Beim Training des Beckenbodens ist es wichtig, die Beckenbodenmuskeln isoliert ohne Hilfe der Bauch- und Gesäßmuskeln anzuspannen. So vermeidet man, die „falschen“ Muskeln zu trainieren.

Beckenboden-Training ist individuell

Beim Beckenbodentraining wird der Beckenboden angespannt, die Spannung für eine gewisse Zeit gehalten und der Muskel dann wieder entspannt. Die Übungen werden in der Regel mehrmals wiederholt. Wichtig ist, dass Sie während des Trainings nicht den Atem anhalten, sondern die Übungen mit der Atmung kombinieren.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Übungen, die den Beckenboden trainieren. Er lässt sich sowohl im Stehen als auch im Sitzen oder Liegen kräftigen. Welche Übungen für Sie geeignet sind, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen oder mit physiotherapeutischer Hilfe herausfinden. Auch Volkshochschulen, Hebammenpraxen und viele andere Institutionen bieten Kurse zum Beckenbodentraining an.

Was Sie im Alltag tun können, um den Beckenboden zu unterstützen, können Sie hier nachlesen. Informationen zu einem Blasentraining bekommen Sie hier. Mehr über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei einer überaktiven Blase lesen Sie hier.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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    * Erstellt am: 27. Oktober 2010 10:52
    * Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2010 15:03
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Jutta

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Blasentraining
« Antwort #9 am: 29. November 2010, 19:57 »

Blasentraining

http://www.gesundheitsinformation.de/blasentraining.706.de.html

Eine überaktive oder schwache Blase lässt sich in gewissem Maße „erziehen“: Sie steht zwar hauptsächlich unter dem Einfluss des unwillkürlichen Nervensystems, wird aber auch von willkürlichen Nerven kontrolliert. Ein Blasentraining – auch Urotherapie genannt – kann manchen Menschen mit überaktiver oder schwacher Blase helfen, zumindest teilweise die Kontrolle über ihre Blase wiederzuerlangen, sodass sie im Idealfall nicht mehr durch vermehrten Harndrang gezwungen sind, sofort die Toilette aufzusuchen, oder den Urin tröpfchenweise verlieren, bevor sie die Toilette erreicht haben.

Der Blasenmuskel kann trainiert werden und lernen, sich stärker zu dehnen und mehr Harn zu speichern. Zu einem Blasentraining gehören auch verschiedene verhaltenstherapeutische Ansätze sowie ein konkreter Trink- und Toilettenplan.

Genaueres zum Nutzen verschiedener Behandlungsmethoden bei einer überaktiven Blase (Reizblase) lesen Sie hier.

Erster Schritt: Tagebuch

Grundlage für ein Blasentraining ist ein Tagebuch. In einem solchen Tagebuch können Sie für zwei bis vier Tage aufschreiben

    * wie häufig Sie zur Toilette gehen,
    * wie viel Urin abgeht und
    * wie viel Flüssigkeit Sie über den Tag verteilt trinken.


Auch Angaben zu Medikamenten und zu Situationen, in denen Sie unbeabsichtigt Harn verlieren, sind wichtig. Ihre Aufzeichnungen können bei einem Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihr Arzt helfen und wichtige Hinweise darauf liefern, welche Ursache hinter Ihren Beschwerden stecken.

Der Toilettenplan: Regelmäßigkeit zählt

    * Regelmäßiger Rhythmus: Um die Blase an einen Rhythmus zu gewöhnen, ist es wichtig, regelmäßig in einem festen Zeitabstand zur Toilette zu gehen. Dabei kann ein Toilettenplan hilfreich sein. Oft wird im Rahmen eines Blasentrainingsprogramms empfohlen, nach der morgendlichen Entleerung direkt nach dem Aufstehen und gegebenenfalls noch einmal nach dem Frühstück die Abstände zwischen den Toilettengängen möglichst gleichmäßig einzurichten.
    * Vorbeugende Toilettengänge vermeiden: Wenn Sie vorbeugend in zu kurzen Abständen auf die Toilette gehen, könnten Sie in Stress geraten oder Urin verlieren. Dadurch könnten sich die Beschwerden einer überaktiven Blase eventuell verschlimmern, da die Blase durch dieses Verhalten regelrecht darauf „trainiert“ wird, schon bei einer geringen Füllung Harndrang anzumelden. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
    * Nicht sofort Wasser lassen: Auch wenn der Harndrang sehr stark ist, hält er meist nur einige Minuten an, dann beruhigt sich die Blase wieder. Die Blase nicht sofort zu entleeren, wenn sie sich meldet, kann man üben. Auch ruhig und langsam zur Toilette zu gehen – und nicht laufen – kann hilfreich sein.
    * Die Zeit zwischen den Toilettengängen ausdehnen: Sie können versuchen, die Abstände zwischen den Toilettengängen auszudehnen, dies aber langsam und ohne Stress. Auch dabei kann Ihnen ein Toilettenplan helfen. Dort können Sie beispielsweise festhalten, dass Sie in den ersten Tagen versuchen wollen, 5 Minuten auszuhalten, bevor Sie auf die Toilette gehen und diesen Rhythmus etwa eine halbe Woche lang beibehalten. Später können Sie aus den 5 Minuten dann 10, 15 und schließlich 20 Minuten machen, in denen Sie es schaffen, Ihren Harndrang zurückzustellen.


Das Training nachts anzuwenden, kostet viel Energie. Tagsüber lassen sich eher Erfolge verzeichnen und das Training kann dann später auf die Nacht ausgeweitet werden.

Techniken zur Ablenkung

Wenn Sie versuchen, nicht sofort dem Harndrang nachzugeben und die Zeit zwischen den Toilettengängen zu verlängern, sind einige Techniken hilfreich, mit denen man sich ablenken kann:

    * Wenn sich Ihre Blase meldet, können Sie versuchen, sich zu entspannen und mit positiven Vorstellungen abzulenken. Sie können sich etwa in Gedanken etwas vorsagen, beispielsweise: „In 5 Minuten werde ich auf die Toilette gehen, bis dahin werde ich an etwas Anderes denken“.
    * Hilfreich kann es sein, sich auf einen Stuhl zu setzen und den Oberkörper aus der Hüfte nach vorne zu beugen, bis der Drang nachlässt. Durch die vornüber gebeugte Haltung ändern sich die Druckverhältnisse im Bauchraum und die Harnröhre kippt dadurch ab, so dass der Harndrang nachlässt. Im Alltag können Sie beispielsweise in diesem Moment augenscheinlich Ihre Schnürsenkel neu binden.
    * Sie können auch im Sitzen mit geradem Rücken Ihren Beckenboden anspannen und nach innen hoch ziehen.


Der Trinkplan: Regelmäßig und genug trinken

Viele Menschen mit einer schwachen Blase trinken zu wenig, weil sie Angst haben, die Toilette nicht mehr rechtzeitig zu erreichen. Aber Regelmäßigkeit hilft nicht nur bei der Entleerung, sondern auch beim Füllen der Blase. Daher wird beim Blasentraining ein Toilettenplan mit einem Trinkplan kombiniert, in dem festgehalten wird, wann man wie viel trinkt. Als hilfreich hat sich in vielen Fällen ein Timer herausgestellt, der durch ein akustisches Signal an die vereinbarten Zeiten erinnert.

    * Ausreichend Flüssigkeit ist aus einem anderen Grund noch wichtig: Ist der Wassergehalt des Urins zu gering, können die stark konzentrierten Bestandteile des Urins die Blasenschleimhaut angreifen. Dadurch wird diese auf Dauer gereizt und die Beschwerden können sich verschlimmern.
    * Sie können versuchen, vor jeder Mahlzeit 1 bis 2 Gläser Wasser ohne Kohlensäure zu trinken, dazwischen Säfte, in geringen Mengen auch Kaffee und schwarzen Tee.
    * Um die Nachtruhe so wenig wie möglich zu stören, kann es helfen, ab circa zwei Stunden vor dem Schlafengehen weniger oder gar nichts mehr zu trinken.
    * Kaffee, schwarzer oder grüner Tee und alkoholische Getränke wirken harntreibend. Aber auch Nieren- und Blasentees oder Brennnessel-Tee verstärken die Urinbildung. Direkt vor dem Schlafengehen ist es hilfreich, wenn Sie diese Getränke komplett meiden.
    * Auch vor sozialen Aktivitäten, bei denen Sie viel unterwegs sind, kann es hilfreich sein, auf harntreibende Getränke zu verzichten.


Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen

    * Versuchen Sie, weiter Buch zu führen, denn nur so können Sie Erfolge erfassen und haben einen Überblick über mögliche Rückschläge.
    * Auch ist es gut zu wissen, dass Rückschläge ganz normal sind. Gerade in Zeiten großer Erschöpfung oder bei seelischem Stress kann dies passieren.
    * Auch eine Harnwegsentzündung, eine Erkältung oder nasses, windiges Wetter können der Grund sein.


Ein Blasentraining eignet sich nicht für alle Formen der Blasenschwäche. Es ist daher gut, wenn Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen, ob ein solches Training in Ihrem Fall sinnvoll sein kann.

Wenn Sie sich für ein Beckenbodentraining interessieren, klicken Sie hier. Was Sie im Alltag tun können, um den Beckenboden zu unterstützen, können Sie hier nachlesen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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    * Erstellt am: 27. Oktober 2010 11:02
    * Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2010 15:04
    * Historie: Liste anzeigen

    * Quellen:

      Wyman JF, Burgio KL, Newman DK. Practical aspects of lifestyle modifications and behavioural interventions in the treatment of overactive bladder and urgency urinary incontinence. International Journal of Clinical Practice 2009; 63: 1177-1191. [Volltext]

      Wyman JF, Fantl JA, McClish DK, Bump RC et al. Comparative efficacy of behavioural interventions in the management of female urinary incontinence. Continence Program for Women Research Group. General obstetrics and Gynecology 1998; 179: 999-1007. [PubMed-Zusammenfassung]

      Jarvis GJ, Millar DR. Controlled trial of bladder drill for detrusor instability. British medical Journal 1980; 281: 1322-1323. [Volltext]


Edi

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Mittwoch, 22. Juni 2011

Harninkontinenz verdoppelt Depressionsrisiko bei jungen Müttern

Hamilton – Laut einer neuen Studie sind Wöchnerinnen einem doppelten so hohen Risiko für Depressionen ausgesetzt, wenn sie in den Wochen nach der Geburt ihres Kindes harninkontinent sind.

Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler unter der Leitung von Wendy Sword von der McMaster University`s School of Nursing in einer prospektiven Kohortenstudie. Sie publizierten ihre Ergebnisse im British Journal of Obstetrics and Gynecology (10.1111/j.1471-0528.2011.02950.x). 

Von der auch Wochenbettdepression genannten Erkrankung sind bis zu zwanzig Prozent aller Mütter betroffen. Oft wird diese Depressionsform erst aufgrund von körperlichen Symptomen erkannt.

Häufig sind Frauen betroffen, die bereits psychisch vorerkrankt sind oder waren, jedoch zeichnet sich mit der Harninkontinenz laut dieser neuen Studie auch ein körperliches Symptom als Risikofaktor ab.

zum Thema

    Abstract der Studie
    Wendy Sword
    Edinburgh Postnatal Depression Scale

Ziel dieser Studie war es eigentlich, den Zusammenhang zwischen Gebärmethoden und postpartalen Depressionen innerhalb der ersten sechs Wochen zu untersuchen. Sword und ihre Kollegen analysierten eine Patientenkohorte von knapp 1.900 Frauen, die sie innerhalb der ersten sechs Wochen nach ihrer Niederkunft mittels Telefoninterviews nach ihrem Gesundheitszustand befragten. Zusätzlich sollten die Probandinnen einen auf depressive Verstimmungen ausgerichteten Fragebogen, die Edinburgh Postnatal Depression Scale, ausfüllen.

Doch zunächst stellten sie fest, dass die Wahl der Gebärmethode keinen Einfluss auf das Risiko für eine Wochenbettdepression hatte, was sich auch mit vorangegangenen wissenschaftlichen Studien deckte.

Stattdessen fanden sie heraus, dass fünf Faktoren entscheidende Risikofaktoren darstellten, darunter auch die Harninkontinenz, die das Risiko für postpartale Verstimmungen im Vergleich zu Frauen ohne Inkontinenz verdoppelte.

Die anderen vier Faktoren, die in diesen sechs Wochen ebenfalls signifikant mit den Depressionen korrelierten, waren ein Gebäralter von unter 25, erneute Einweisungen in das Krankenhaus, die unterlassene Brusternährung und schlechtes subjektives Gesundheitsempfinden.

Die Autoren sind überrascht, ausgerechnet die Harninkontinenz als Risikofaktor ausfindig gemacht zu haben. Warum diese Korrelation besteht, können sie derzeit noch nicht erklären, betonen aber, dass die behandelnden Ärzte nun ein besonderes Augenmerk auf dieses gesundheitliche Problem bei Wöchnerinnen legen sollten. © hil/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46348/Harninkontinenz_verdoppelt_Depressionsrisiko_bei_jungen_Muettern.htm

Geri

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Die überaktive Blase
« Antwort #11 am: 21. Juli 2011, 15:24 »
Die überaktive Blase: Management und Trends

Im Jahr 2002 wurde durch die International Continence Society (ICS) das Krankheitsbild der „überaktiven Blase“ neu definiert. Der Begriff „überaktive Blase“ („overactive bladder“, OAB) wurde als vermehrter Harndrang mit (OAB wet) oder ohne (OAB dry) Dranginkontinenz, üblicherweise mit vermehrter Miktionsfrequenz und Nykturie, festgelegt. Damit wurde aus einer bis zu diesem Zeitpunkt vorwiegend urodynamisch definierten Diagnose ein symptomorientiertes Beschwerdebild, welches den Zugang zu und den Umgang mit diesen Patientinnen erleichtern sollte.

Tatsächlich erfährt die Harninkontinenz einen Prozess der Enttabuisierung, von dem betreuende Ärzte, Wissenschaft, Pharmaindustrie und vor allem die Patientinnen profitieren. Seitens der österreichischen (AUB) und der deutschen (AGUB) Fachgesellschaft für Urogynäkologie wurde eine Leitlinie für die überaktive Blase erarbeitet.

Epidemiologie und Verlauf

In der Literatur wird die Prävalenz der überaktiven Blase in der westlichen Welt zwischen 9 und 25% angegeben. Eine in Österreich durchgeführte epidemiologische Studie eruierte eine Prävalenz der überaktiven Blase nach der ICS-Definition bei Frauen über 20 Jahren von 16,8%. Dabei gaben 10,3% der befragten Frauen eine OAB dry und 6,5% eine OAB wet an. Der Prozentsatz der Frauen mit OAB dry blieb durch alle Lebensdekaden etwa stabil, während die OAB wet ab dem 40. Lebensjahr eine Zunahme der Prävalenz zeigte. Etwa 50% der betroffenen Frauen gaben keine Beeinträchtigung der Lebensqualität an, 14% eine deutliche bis starke Minderung der Lebensqualität. 30% der betroffenen Frauen berichteten einen negativen Einfluss auf die Sexualität. In Longitudinalstudien konnte gezeigt werden, dass die OAB oftmals nicht progredient verläuft, sondern dass auch Remissionen möglich und somit dynamische Verläufe durchaus üblich sind.

Evaluierung

Anamnese und Fragebögen
Da es sich bei der überaktiven Blase um einen Symptomkomplex handelt, stellt die Anamnese einen wesentlichen Baustein der Diagnostik dar. Prädisponierende Faktoren sollten dabei angesprochen werden (Zustand nach Inkontinenz-operation oder Bestrahlungstherapie des kleinen Beckens, Diabetes mellitus, rezidivierende Harnwegsinfekte, Pharmaka). Eine strukturierte Anamnese kann durch validierte Fragebögen, z.B. den OAB-q, unterstützt werden und sollte bei wissenschaftlicher Bearbeitung fixer Bestandteil sein. Neben den Symptomen gilt es vor allem auch den Grad der Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erheben und zu dokumentieren. Des Weiteren sollten die Erwartungen der Patientinnen an die Therapie angesprochen und dokumentiert werden.

Blasentagebuch
Ein einfaches und verlässliches Instrument zur Objektivierung von Patientinnenangaben bleibt das Blasentagebuch. Neben den Miktionsfrequenzen tagsüber wie auch während der Nachtruhe können auch die Flüssigkeitsaufnahme, Drangepisoden und Inkontinenzepisoden erhoben werden. Das Führen des Blasentagebuchs (Abb. 1) über zwei bis drei Tage ist hierfür ausreichend, das Führen des Blasentagebuchs über eine Woche bringt keinen Wissensgewinn und ist durch abnehmende Compliance weniger zuverlässig. Der Einfachheit des Blasentagebuchs steht die Tatsache entgegen, dass sich bisher keine klaren Cut-off-Werte bezüglich normaler Miktionsfrequenzen oder der Miktionsvolumina etablierten. In groß angelegten Studien an asymptomatischen Frauen zeigten die einzelnen Parameter eine Änderung mit dem Lebensalter. Insgesamt lag die 24-Stunden-Miktionsfrequenz bei 7 (5. bis 95. Perzentile: 4,4 bis 10,4), das durchschnittliche Volumen pro Miktion lag bei 245ml (5. bis 95. Perzentile: 119 bis 406), die Nykturierate bei 0 bis 2.

Urogynäkologische Basisdiagnostik
Harnstreifentest und Harnkultur zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts sollten durchgeführt sowie die Restharnmenge bestimmt werden (sonografisch empfohlen). Eine Spekulumuntersuchung mit geteilten Spekula zur Erhebung eines eventuell vorliegenden Deszensus sollte erfolgen, eine Atrophie des Vaginalepithels dokumentiert werden. Eine bimanuelle Palpationsuntersuchung sollte durchgeführt werden. Bei Drangbeschwerden ist die Durchführung einer Zystoskopie indiziert.

Urodynamik
Die urodynamische Untersuchung hat wesentlich zum Verständnis der Pathophysiologie der Harnblase beigetragen und hat lange Zeit als Goldstandard in der Abklärung der überaktiven Blase gegolten. Aus rein klinischer Sicht bringt die Urodynamik aber oftmals weder diagnostisch noch prognostisch einen deutlichen Benefit im Vergleich zur guten Anamnese und dem Blasentagebuch. Die Demonstration der pathophysiologischen Zusammenhänge gelingt nicht bei jeder Patientin, sowohl dranggeplagte Patientinnen mit unauffälliger urodynamischer Untersuchung als auch das Aufzeichnen von Detrusorkontraktionen bei asymptomatischen Frauen erschweren die Interpretation. Zudem ist es nicht möglich, die subjektive Beeinträchtigung durch Drangbeschwerden oder prädiktive Faktoren den Therapieerfolg betreffend aus der urodynamischen Untersuchung abzuleiten.

Das patientinnenorientierte und beschwerdebildorientierte Vorgehen wird in Zukunft durch den restriktiveren Einsatz der Urodynamik sicherlich noch weiter an Bedeutung gewinnen. Auch in der Leitlinie der AUB/AGUB sowie in der neuesten Ausgabe des Standardwerks „Incontinence“ der International Consultation on Incontinence (ICI) wird zur Einteilung der Inkontinenzform (Stressharninkontinenz – Mischinkontinenz – überaktive Blase) die urodynamische Utersuchung nicht verlangt, vor allem wenn zunächst eine konservative Therapie erfolgen soll. Als Indikationen für die Durchführung einer urodynamischen Untersuchung werden die therapieresis-tente Harninkontinenz, relevante Begleit-erkrankungen und Voroperationen genannt.

Spezialabteilung
Eine Überweisung an eine Spezialabteilung sollte erfolgen bei Hämaturie, persistierendem oder rekurrentem Harn-wegsinfekt, Deszensus, Obstruktion oder Restharnbildung, neurologischer Erkrankung, Tumor (Blase, Scheide, Becken) oder bei Zustand nach vaginaler/pelviner Operation.

Therapie

Konservative Therapie
Beckenbodentraining zusammen mit Blasentraining und anticholinerger Therapie stellt evidenzbasiert die Behand-lungskombination der ersten Wahl dar. Jede Behandlungsform für sich allein stellt eine geringere Effektivität in Aussicht als die Kombination der genannten Therapieformen. Dabei sollte das Beckenbodentraining aktiv unter regelmäßiger Anleitung durchgeführt werden. Das Motivieren der Patientin durch Aufzeigen bereits erzielter Verbesserungen ist dabei hinsichtlich der Compliance besonders wichtig. Elektrostimulation ist dem aktiven Training unterlegen, stellt jedoch eine gute Variante bei kognitiver Einschränkung dar, welche ein aktives Beckenbodentraining nicht erlaubt. Zusätzlich sollte von einer übermäßigen Flüssigkeitszufuhr abgeraten werden, sofern keine medizinische Indikation hierfür vorliegt. So konnte gezeigt werden, dass eine Reduktion der Flüssigkeitszufuhr um 25% eine objektive und subjektive Besserung der Beschwerden brachte. Die Empfehlung liegt bei 1 bis 1,5 Liter Flüssigkeitsaufnahme pro Tag. Alkohol und Koffein können Drangbeschwerden verschlechtern.

Medikamentöse Therapie
Als medikamentöse Therapie sind Anticholinergika etabliert und in ihrer Wirksamkeit gut dokumentiert: Oxybutynin (Ditropan), Trospiumchlorid (Spasmolyt, Inkontan) sowie Tolterodin (Detrusitol). Diese Medikamente entsprechen einander in etwa in ihrer Wirksamkeit sowie auch in ihrem generellen Nebenwirkungsprofil – vor allem Mundtrockenheit und Obstipationsneigung. Die Schwerpunkte der Nebenwirkungen sind je nach Medikament jeweils etwas unterschiedlich gewichtet, da sich diese sowohl von der Molekülgröße der Substanz als auch von den Angriffspunkten an den Muskarinrezeptoren her unterscheiden. Die Verabreichung als Retardform (Oxybutynin: Kentera – transdermales Pflaster; Trospiumchlorid: Urivesc-Retardkapseln; Tolterodin: Detrusitol-Retardkapseln) hat jeweils eine geringere Nebenwirkungsrate (da keine Peaks in den Medikamentenkonzentrationen auftreten) bei gleich guter Wirksamkeit und ist somit zu bevorzugen; sie kann in der Praxis aber oft erst nach dokumentierten Probeversuchen mit den vorher genannten Produkten erfolgen, wenn diese von der Patientin nicht gut vertragen werden. In den letzten Jahren sind neue Anticholinergika auf den Markt gekommen: Solifenacin (Vesicare) sowie Fesoterodin (Toviaz) zeigten in Studien eine signifikant bessere Wirksamkeit als Tolterodin bei geringerer Nebenwirkungsrate.

Hormontherapie
Östrogen spielt eine wesentliche physio-logische Rolle im unteren Harntrakt und Östrogenmangel ist einer der ätiologischen Faktoren bei überaktiver Blase. Dennoch zeigte sich in zahlreichen Studien, unter anderem in der Studie Women’s Health Initiative (WHI), der Nurses Health Study als auch in randomisierten Studien, kein positiver Effekt unter systemischer Östrogentherapie. Überraschenderweise ergab sich der Hinweis, dass sich alle Inkontinenzformen unter systemischer Östrogentherapie verschlechtern. In klinischen Studien allerdings wird ein positiver Effekt von lokaler Östrogentherapie beschrieben. Dies wird durch laufende empirische Beobachtungen unterstützt.

Botulinumtoxin
Botulinumtoxin A ist ein potentes Neurotoxin, welches die Freisetzung von Azetylcholin und anderen Transmittern von präsynaptischen cholinergen Nervenenden hemmt. Dies resultiert in einer lokalisierten, reversiblen chemischen Denervierung mit herabgesetzter Muskelkontraktilität. Botulinumtoxin A kann zystoskopisch-operativ in die Harnblasenwand injiziert werden (Abb. 2) und stellt bei konservativem Therapieversagen eine gute Behandlungsoption dar. In systematischen Reviews ist die Effektivität gut dokumentiert. Niedrig dosierte Behandlungen (100 bis 150IE) scheinen bei nur schwach geringerer Wirksamkeit eine deutlich geringere Nebenwirkungsrate zu haben als höher dosierte (300IE) Applikationen, wobei die Dosis bei beiden verfügbaren Präparaten bei gleicher Wirkung unterschiedlich ist. Als Nebenwirkungen können Harnverhalt (bei hoch dosierten Applikationen: bis zu 25%) mit passagerer Notwendigkeit des Selbstkatheterismus sowie Restharnbildung mit Infektanfälligkeit auftreten. Die Wirkungsdauer beträgt etwa ein Jahr, die Behandlung kann wiederholt angewendet werden.

Sakrale Nervenstimulation (SNS)
Diese invasiv zu positionierende Therapieform zeigt eine gute Wirksamkeit (ca. 45% komplette Kontinenz, bei weiteren 30% Reduktion der Inkontinenzepisoden um mindestens die Hälfte; signifikante Abnahme der Drangepisoden sowie der Anzahl der verwendeten Vorlagen). Allerdings ist das Risiko für Komplikationen hoch: Die Revisions- oder Entfernungsrate liegt in der Literatur bei 16–32%. Häufigste Gründe hierfür sind Schmerzen an der Implantatstelle, der Stimulationsstelle oder reflektorisch (30%), Displatzierung der Elektrode (8%), Entzündung (6%), wohingegen Defäkationskomplikationen nur in 3% zu einer Revision führen.

Die Implantation eines SNS-Systems erfolgt in zwei Stufen: Zunächst wird eine passagere Stimulationssonde an der dorsalen Nervenwurzel S3 positioniert. Bei deutlicher Besserung des Beschwerdebildes nach einer 4-wöchigen Probezeit wird ein permanenter Neurostimulator implantiert.

Überaktive Blase und Deszensus

Zystozelen können ein Beschwerdebild einer überaktiven Blase hervorrufen (Abb. 3). In solch einer Konstellation ist die anticholinerge Therapie nicht erfolgversprechend. Unabhängig vom Vorliegen von Detrusorkontraktionen sind die meisten Patientinnen nach Zystozelenkorrektur ein Jahr nach der Operation frei von Drangbeschwerden und Dranginkontinenz.

Zusammenfassung

Mit der neuen Definition der überaktiven Blase wurde eine wesentliche Voraussetzung geschaffen für die Diagnose und Therapie dieser Erkrankung im niedergelassenen, ambulanten Bereich. Eine patientinnen- und symptomorientierte Diagnostik steht im Vordergrund. Die Domäne der Therapie bleibt die konservative Behandlung als Kombination von physikalischen Maßnahmen mit anticholinerger Therapie. Mit neuen anticholinergen Substanzen haben wir berechtigte Hoffnung auf ein verbessertes Management dieser Patientinnen. Als operative Maßnahmen stehen die Korrektur einer gleichzeitig bestehenden Zystozele, die zystoskopisch-operative Injektion von Botulinumtoxin A sowie die sakrale Nervenstimulation bei therapieresistenter überaktiver Blase zur Verfügung.

Literatur beim Verfasser

Link: Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, http://www.urogyn.at

Autor: Dr. Thomas Aigmüller, Oberarzt an der Abteilung für Gynäkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz, Auenbruggerplatz 14, 8036 Graz, thomas.aigmueller@medunigraz.at


http://urologie.universimed.com/artikel/die-%C3%BCberaktive-blase-management-und-trends