Autor Thema: Strahlentherapie  (Gelesen 4812 mal)

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Evi

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Brustkrebs - Brachytherapie, eine Aufklärung
« Antwort #15 am: 26. Januar 2009, 20:29 »
Brachytherapie

Die Brachytherapie ist einerseits die älteste Methode der Strahlentherapie überhaupt und andererseits in der aktuellen Technik eine hochmoderne und interdisziplinäre, spezielle Form der Strahlenbehandlung.

Das Gewebe wird dabei aus kurzer Entfernung (brachys = griech. kurz) oder im direkten Kontakt radioaktiv bestrahlt. Für die Brachytherapie des Prostatakarzinoms wurden zwei sich wesentlich unterscheidende Methoden entwickelt. Bei der HDR-Brachytherapie (HDR = high-dose-rate) wird die Prostata in meistens zwei Sitzungen mittels lediglich vorübergehend in das Organ eingebrachter radioaktiver Strahler in kurzer Zeit mit entsprechend hoher Dosisrate behandelt. Zur bei uns durchgeführten LDR-Brachytherapie (LDR = low-dose-rate) werden so genannte Seeds, das sind radioaktive Mini-Implantate, nach computergestützter Planung dauerhaft in das Prostatagewebe eingebracht. Die knapp reiskorngroßen Seeds werden hierfür durch Hohlnadeln über den Damm unter direkter Ultraschallsicht in der Prostata abgelegt.

Die effektive Bestrahlungsdauer bei der LDR-Brachytherapie ist abhängig vom verwendeten Radionuklid und beträgt bei dem von uns überwiegend eingesetzten radioaktiven Stoff (Jod125) insgesamt 12 Monate. Aufgrund der Halbwertszeit von Jod125 von knapp 60 Tagen erfolgt während der ersten 12 Wochen nach Seed-Einbringung die intensivste Dosisabgabe.

Die LDR-Brachytherapie hat sich in den USA in den vergangenen 12 Jahren bei geeigneten Voraussetzungen als gleichwertige Behandlungsform neben der radikalen Operation und der Bestrahlung von außen etabliert.

Für die Seed-Implantation bestehen im wesentliche zwei Techniken. Bei der in Europa überwiegend verbreiteten STRAND-Technik werden Seeds implantiert, die durch sich im Körper langsam auflösendes Material verkettet sind.

Für die von uns angewendete ProSeed-Technik werden lose Seeds eingebracht. Dabei wird jeder einzelne Seed unter Ultraschallsicht und innerhalb der Prostatakapsel abgelegt. Dadurch kann die Verteilung der Seeds sehr viel präziser der Anatomie und Geometrie jeder einzelnen Prostata angepasst werden. Durch das für diese Technik entwickelte Software-Modul kann durch laufenden interaktiven Abgleich während des Eingriffs jederzeit auf kleine Abweichungen der tatsächlichen von den geplanten Seed-Positionen reagiert werden. Trotz der dadurch möglichen höheren Gesamtdosis von 160 Gy (gegenüber 145 Gy bei Ketten-Seeds) können die Risikostrukturen in und in der Umgebung der Prostata besser geschont und letztlich eine deutlich sicherere Dosisabdeckung erreicht werden. Da die Seeds streng innerhalb der Organkapsel abgelegt werden, ist die Wahrscheinlichkeit für das Abwandern von Seeds während des gesamten Behandlungszeitraums von 12 Monaten sehr gering. Bei der STRAND-Technik hingegen steigt das Risiko für eine Seed-Migration nach Auflösung des Kettmaterials sprunghaft an. Dieses erhebliche Mehr an Präzision und Sicherheit benötigt lediglich geringfügig längere Zeit für die Implantation.

Als Monotherapie, d.h. als alleinige Behandlungsform, ist die LDR-Brachytherapie für Patienten mit einem Prostatakarzinom im Frühstadium mit einer lokalen T1- bis T2-Ausdehnung, einem PSA-Wert bis 10 µg/L und einem Gleason-Score einschließlich 6 sehr gut geeignet. Zusätzlich sollte das Wasserlassen nicht wesentlich durch eine Prostatavergrößerung beeinträchtigt sein. Die Prostatagröße selbst ist hingegen für die ProSeed-Technik kein limitierender Faktor mehr.

Als Kombinationstherapie zusammen mit einer Bestrahlung von außen ist die LDR-Brachytherapie auch bei lokal fortgeschrittenen Tumoren im Stadium T3 mit einem PSA-Wert über 15 µg/L und einem Gleason-Score ab 8 möglich. Durch die in ProSeed-Technik mögliche Implantation von Seeds auch in die Samenbläschen, können auch Patienten mit einer Samenbläschen-Infiltration (Stadium T3b) sehr erfolgreich behandelt werden.

Die Therapieplanung bei Patienten mit PSA-Werten zwischen 10 und 15 µg/L und / oder einem Gleason-Score von 7 muss individuell in Abhängigkeit von der lokalen Tumorausdehnung erfolgen.

Teilweise ist auch die Kombination der LDR-Brachytherapie mit einer vorübergehenden Hormonbehandlung nötig. Weitere Kriterien besprechen wir gerne mit Ihnen persönlich.

Eine genaue Voruntersuchung einschließlich Ultraschalluntersuchung über den Enddarm mit einem hochauflösenden, elektronischen System klärt die Eignung des einzelnen Patienten für die LDR-Brachytherapie. Nach ausführlichen Gesprächen mit dem Urologen und dem Strahlentherapeuten über alle in Frage kommenden Möglichkeiten zur Behandlung des Prostatakarzinoms und über die Brachytherapie, deren jeweilige Vor- und Nachteile sowie Risiken, wird nach Entscheidung des Patienten für eine Brachytherapie und Klärung der Kostenübernahme ein Termin zur Seed-Implantation vereinbart. Da der Eingriff ambulant durchgeführt wird, werden durch die Narkoseärzte die Voraussetzungen für eine ambulante Narkose geprüft.

Der Patient kommt dann am OP-Tag nüchtern zum vereinbarten Zeitpunkt in die Ambulanz. Nach kurzer Vorbereitung wird die Narkose eingeleitet und danach ein Katheter in die Harnblase eingelegt. Anschließend werden die Seeds entsprechend einer aktuell im OP-Saal erstellten Bestrahlungsplanung unter ständiger Online-Kontrolle ultraschallgeführt implantiert.

Die Seed-Positionen werden abschließend in Röntgen-Bildern kontrolliert und danach die Narkose beendet. Nach ca. zwei- bis vierstündiger Überwachung im Aufwachraum wird der Harnblasenkatheter entfernt und überprüft, ob der Patient problemlos Wasser lassen kann. Anschließend kann der Patient abgeholt werden. Wegen der Narkose darf für 24 Stunden kein Fahrzeug geführt werden. Ebenso ist eine anderweitige Teilnahme am Straßenverkehr nur in Begleitung möglich.

Bei auch hier trotz größter Sorgfalt nie absolut sicher auszuschließenden Komplikationen steht im Hintergrund der gesamte Apparat eines Klinikums der Maximalversorgung zur Verfügung. Ergeben sich während des Eingriffs Probleme, kann jederzeit eine stationäre Aufnahme erfolgen.

Die Kosten für eine Brachytherapie setzten sich aus Sachkosten und dem ärztlichen Honorar zusammen. Das ärztliche Honorar errechnet sich nach der aktuellen GOÄ und entsprechend den Abrechnungsempfehlungen der Bayerischen Landesärztekammer und der Bundesärztekammer, an deren Entwicklung wir mitgewirkt haben. Für Sachmittel werden nach entsprechenden Nachweisen nur die Kosten weiterberechnet, die tatsächlich entstanden sind.

Die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten in der Regel weitgehend. Da die Brachytherapie des Prostatakarzinoms bisher nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wurde, erstatten die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten sehr uneinheitlich.

Alle Patienten erhalten nach der Voruntersuchung einen detaillierten Kostenvoranschlag und eine ärztliche Bescheinigung über die Eignung für eine LDR-Brachytherapie. Damit können Sie vor Vereinbarung der Behandlung einen Antrag auf Kostenerstattung stellen und die Kostensituation für sich klären. Als ggf. erforderliche Argumentationshilfe gegenüber der Krankenversicherung stellen wir mit dem Kostenvoranschlag auch umfangreiche Erläuterungen zur Verfügung.

Die im deutschen Sprachraum bisher umfassendste Bewertung der LDR-Brachytherapie liegt seit Oktober 2005 als so genanntes Health Technology Assessment der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor und kann hier als PDF-Datei (2,4 MB) heruntergeladen werden.

Für die Beantwortung weiterer Fragen wenden Sie sich bitte jederzeit telefonisch, persönlich, schriftlich oder per eMail an uns. Unsere Kontaktdaten finden Sie unter der entsprechenden Rubrik der Navigationsleiste.    

http://www.brachymuc.de/

« Letzte Änderung: 26. Januar 2009, 20:30 von Evi »