http://www.urologielehrbuch.de/harnblasenanatomie.htmlHarnblasenkarzinom (1/5): Ursachen
* Harnblasenkarzinom (1/5): Ursachen
* Harnblasenkarzinom (2/5): Pathologie
* Harnblasenkarzinom (3/5): Klinik und Diagnose
* Harnblasenkarzinom (4/5): operative Therapie
* Harnblasenkarzinom (5/5): Chemotherapie und Prognose
Zusammenfassende Literatur Harnblasenkarzinom: (Kataja und Pavlidis, 2005) (Oosterlinck u.a., 2002).
Epidemiologie des Harnblasenkarzinoms
Zweithäufigster Urogenitaltumor, das Erkrankungsrisiko bis 75 Jahre ist 2-3% für Männer und 0,5-1% für Frauen. m:f = 2 : 1. Jährliche Neuerkrankungen in Deutschland 15 000 Menschen. Bezogen auf die Neuerkrankungsrate liegt das Harnblasenkarzinom bei Männern an 5. und bei Frauen an 11. Stelle der Krebsstatistik. Die Inzidenz ist steigend (30% innerhalb von 15 Jahren).
Durchschnittsalter bei Diagnose 65 J, weniger als 1 % der Harnblasenkarzinome treten bei Patienten unter 40 J auf.
70% haben bei Erstmanifestation ein oberflächliches Harnblasenkarzinom, bei 30% besteht eine Infiltration der Muscularis. Bei Diagnosestellung sind 15% metastasiert.
Ätiologie und Pathogenese des Harnblasenkarzinoms
Zusammenfassende Literatur: (Kalble, 2001) (Leppert u.a., 2006) (Plna und Hemminki, 2001).
Rauchen und Harnblasenkarzinom:
drei- bis vierfache Risikoerhöhung durch das Rauchen. In Europa sind ungefähr die Hälfte der Urothelkarzinome bei Männern und ein Drittel bei Frauen auf das Rauchen zurückzuführen.
Exposition im Beruf und Harnblasenkarzinom:
gefährdende Berufe sind in der Chemieindustrie, Stahlindustrie, Automechaniker, Lederindustrie, Zahntechniker.
Identifizierte Schadstoffe sind Benzidin, Naphthylamin, Aminodiphenyl, aromatische Amine, Dieselabgase, Carbon black.
Flüssigkeitseinnahme und Harnblasenkarzinom:
eine Flüssigkeitseinnahme von >2,5 l führt zu einer Halbierung des Risikos für ein Blasenkarzinom im Vergleich zu einer Menge <1,3 l [Prospektive Health Professional study]. Bei Rauchern ist eine erhöhte Flüssigkeitseinnahme besonders protektiv.
Kaffee oder Alkohol sind keine Risikofaktoren (Michaud u.a., 1999).
Ernährung und Harnblasenkarzinom:
die Ernährung ist kein Faktor für die Harnblasenkarzinomentstehung. Süßstoffe standen im Verdacht, dieser konnte jedoch entkräftet werden.
Medikamente und Harnblasenkarzinom:
Cyclophosphamid, Phenacetin und andere NSAR, chinesische Kräuter (vor allem gewichtsreduzierende Tabletten).
Chronische Infektion und Harnblasenkarzinom:
jahrzehntelange Infektionen können ein Plattenepithelkarzinom verursachen (z.B. Bilharziose, Katheterträger).
Genetische und molekulare Veränderungen des Harnblasenkarzinoms:
Aktivität der Acetyltransferasen:
,,Langsam-Acetylierer`` haben ein höheres Erkrankungsrisiko für ein Harnblasenkarzinom, da die Schadstoffe im Urin durch Acetylierung weniger inaktiviert werden. Vor allem die homozygote N-Acetyltransferase Typ 2 (NAT2) codiert für die langsame Acetylierung und korreliert mit dem Risiko für Urothelkarzinome und dem unterschiedlichen Erkrankungsrisiko innerhalb der menschlichen Rassen.
Onkogene und Tumorsuppressorgene:
Vermehrte Expression von ras und p21. Mutationen oder Verlust der Gene für p53 ist häufig. Expression von hMSH2. Aktivierung des Retinoblastom-Gens und assoziierte Proteine (p15, 16, 19, 21, 27).
Chromosomenveränderungen:
der Verlust des langen Arms von Chromosom 9 ist in allen Stadien des Blasenkarzinoms nachweisbar. In fortgeschrittenen Tumoren ist auch der Verlust des kurzen Arms von Chromosom 11 und 17 nachweisbar.
Weitere molekulare Veränderungen des Harnblasenkarzinoms:
FGF-Rezeptormutationen, vermehrte Expression von Lamininrezeptoren, vermehrte Sekretion von Typ IV Kollagenase und autokrine Motilitätsfaktoren, vermehrte Expression von EGF-Rezeptoren.
http://www.urologielehrbuch.de/harnblasenkarzinom_02.htmlPathologie des Harnblasenkarzinoms (2/5)
* Harnblasenkarzinom (1/5): Ursache
* Harnblasenkarzinom (2/5): Pathologie
* Harnblasenkarzinom (3/5): Klinik und Diagnose
* Harnblasenkarzinom (4/5): operative Therapie
* Harnblasenkarzinom (5/5): Chemotherapie und Prognose
Zusammenfassende Literatur Harnblasenkarzinom: (Kataja und Pavlidis, 2005) (Oosterlinck u.a., 2002).
Pathologie des Harnblasenkarzinoms
Tumorstadien des Harnblasenkarzinoms nach TNM [UICC 1997]
Oberflächliches Harnblasenkarzinom:
* Ta: nicht-invasives papilläres Karzinom
* Tis: flaches anaplastisches Epithel mit geringgradiger Differenzierung, ohne Polarität und ohne Invasion
* T1: Infiltration bis subepitheliales Bindegewebe (Lamina submucosa)
T2:
Infiltration der Harnblasenmuskulatur.
* T2a: Infiltration bis innere Hälfte Lamina muscularis
* T2b: Infiltration bis äußere Hälfte Lamina muscularis
T3:
Perivesikale Tumorinfiltration.
* T3a: mikroskopische perivesikale Infiltration
* T3b: makroskopische perivesikale Infiltration
T4:
Infiltration von Nachbarorganen.
* T4a: Infiltration Prostata, Uterus und Vagina
* T4b: Infiltration Becken- oder Bauchwand
N:
Lymphknotenbefall.
* N0: keine befallenen Lymphknoten
* N1: Lk-Metastasen kleiner 2cm
* N2: Lk-Metastasen zwischen 2-5 cm
* N3: Lk-Metastasen größer 5 cm
M:
Fernmetastasen.
* M0: keine Fernmetastasen
* M1: Fernmetastasen
G:
Grading.
* low-grade (entspricht G1: gut differenziert und G2: mäßig differenziert)
* high-grade: (entspricht G3: schlecht bis undifferenziert)
Makroskopische Pathologie des Harnblasenkarzinoms
Lokalisation:
Befall der Seitenwand und Hinterwand in 70%, Harnblasenhals und Trigonum in 20%, Vorderwand in 10%. Multifokales Wachstum in 50%.
Wachstumsmuster:
initial wächst das Harnblasenkarzinom exophytisch oder flach, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium Infiltration der Harnblasenmuskulatur und der Nachbarorgane [Abb. 2.3].
OP-Präparat eines fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms
Abbildung 2.3: OP-Präparat eines fortgeschrittenen Harnblasenkarzinoms: die Harnblase wurde an der Vorderwand aufgeschnitten, der Katheter markiert den Harnblasenauslass. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. R. Gumpinger, Kempten. Siehe auch Urogramm [Abb. 2.4] und CT-Abdomen [Abb. 2.6] des gleichen Patienten.
Metastasierung des Harnblasenkarzinoms:
Lymphknotenmetastasen (5% bei pT1, 30% bei pT2 und 60% bei pT3b.
50% Fernmetastasen ab Stadium pT3b: Knochen, Leber, Lunge, Peritoneum, Gehirn.
Histologie des Urothelkarzinoms
Über 95% der Harnblasenkarzinome sind Urothelkarzinome, 2% Plattenepithelkarzinome und 1% Adenokarzinome.
Die urothelialen Läsionen werden in papilläre oder flache Neoplasien eingeteilt (Helpap und Kollermann, 2000).
Papilläre urotheliale Neoplasien:
Papillom:
scharf abgegrenzte Superficialzellschicht, palisadenartige Aufreihung der den Bindegewebssepten aufliegenden Basalzellen (Palisading).
Papilläre Neoplasie mit niedrigem malignen Potential:
zunehmend Kernatypien, Superficialzellschicht lückenhaft, vermehrte Zelllagen.
Papilläres Urothelkarzinom:
Palisading überwiegend vorhanden, zunehmend Kernatypien, Superficialzellschicht stark lückenhaft, vermehrte Zelllagen. Infiltration bis in die Lamina propria.
Papilläres invasives Urothelkarzinom:
Invasion in die Lamina muscularis.
Flache urotheliale Neoplasien:
Hyperplasie vom flachen Typ:
mehr als 7 Zelllagen ohne zelluläre Atypien.
Reaktive Atypie:
mehr als 7 Zelllagen mit leichten zellulären Atypien.
Atypie unklarer Bedeutung:
wie reaktive Atypie, jedoch mit teils dysplastischen Anteilen.
Dysplasie:
flaches atypisches Epithel mit Schichtungsstörungen, teilweise erhaltenes Palisading.
Carcinoma in situ:
Kernatypien, Schichtungsstörungen, hohe Proliferation (MIB-1).
Reproduzierbarkeit des pathologischen Staging:
T-Stadium 50-80% Übereinstimmung, Grading 60-75% Übereinstimmung, vor allem bei G3-Karzinomen geringe Übereinstimmung.
Seltene Karzinome der Harnblase
2% der Harnblasenkarzinome sind Plattenepithelkarzinome und 1% sind Adenokarzinome. Sehr selten ist das kleinzellige Harnblasenkarzinom.
Plattenepithelkarzinom:
Risikofaktoren für ein Plattenepithelkarzinom sind chronische Infektionen, Bilharziose oder Dauerkatheterisierung der Harnblase. Bei gleichem Tumorstadium ist die Prognose mit dem Urothelkarzinom vergleichbar.
Adenokarzinom:
das Adenokarzinom entsteht zum einen primär in der Harnblase, geht vom Urachus aus, entsteht im Rahmen von Harnableitungen mit Darmabschnitten oder sekundär als Metastase.
Urachuskarzinom:
geht vom Urachus aus (extravesikal oder vom Harnblasendach) und ist i.d.R. ein Adenokarzinom. Möglich ist aber auch ein Urothelkarzinom des Urachus oder selten ein Sarkom.
Harnblasenkarzinom 1/5
Inhalt Harnblasenkarzinom 3/5, 4/5 und 5/5:
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