Radiochemotherapie bietet Vorteile beim nicht resektablen Rektumkarzinom27.08.08 - Beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom gilt die Radiochemotherapie derzeit als Standardbehandlung, obwohl es kaum wissenschaftliche Evidenz gibt, dass der Zusatz einer Chemotherapie Vorteile bringt.
Eine norwegisch-schwedische Arbeitsgruppe unter Federführung von Morten Brændengen von der Universität Oslo konnte nun zeigen, dass eine zusätzliche präoperative Chemotherapie im Vergleich zur alleinigen Radiatio tatsächlich besser abschneidet.
An der Phase III Studie nahmen 207 Patienten mit lokal nicht resektablem Rektumkarzinom (vorwiegend Stadium T4) oder Lokalrezidiv eines solchen Tumors teil. Sie wurden randomisiert auf zwei Gruppen verteilt und erhielten entweder eine alleinige Bestrahlung mit einer Gesamtdosis von 50 Gy (n=109) oder eine Kombinationsbehandlung (n=98), die neben der Radiatio mit gleicher Dosis parallel eine Chemotherapie mit Fluorouracil und Leucovorin beinhaltete.
Fünf bis acht Wochen nach Ende der Bestrahlung erfolgte die operative Entfernung des Tumors, falls dies möglich war. Die Teilnehmer der Kombinationsgruppe erhielten anschließend nochmals acht Zyklen der Chemotherapie.
Mehr Grad 3 und 4 Toxizitäten unter Chemotherapie
87 Patienten (89 Prozent) der Kombinationsgruppe und 88 Patienten (81 Prozent) der Bestrahlungsgruppe unterzogen sich einem chirurgischen Eingriff, der bei 82 (84 Prozent) und 74 (68 Prozent) von ihnen als R0 Resektion möglich war. Ein pathologisch komplettes Ansprechen zeigte sich bei 16 bzw. 7 Prozent der Teilnehmer.
Von den Patienten mit R0 und R1 Resektion entwickelten 5 bzw. 7 Prozent ein Rezidiv, Fernmetastasen traten bei 26 bzw. 39 Prozent auf. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 61 Monaten schnitt die kombinierte Radiochemotherapie im Vergleich zur alleinigen Bestrahlung besser ab im Hinblick auf die Zeit bis zum Therapieversagen (63 Prozent vs. 44 Prozent), die tumorspezifische Überlebensrate (72 Prozent vs. 55 Prozent) und das Gesamtüberleben (66 Prozent vs. 53 Prozent). Grad 3 und 4 Toxizitäten kamen in der Kombinationsgruppe mit 28 Prozent gegenüber 6 Prozent in der Bestrahlungsgruppe häufiger vor, hauptsächlich Diarrhöen.
J Clin Oncol 2008; 26: 3687-3694
http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_onkologie_gastrointestinale-tumoren_rektumkarzinom_121984631132.htm&n=1