Autor Thema: Danke! Herzlichen Dank, Herr Schlingensief!  (Gelesen 5011 mal)

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Dietmar E.

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Danke! Herzlichen Dank, Herr Schlingensief!
« am: 25. Juni 2009, 20:13 »
Als Krebspatient und Bundesobmann vom Verein "Krebspatienten für Krebspatienten" bin ich aus Tirol angereist,
nachdenklich, mit hohen Erwartungen, um möglichst viel Lehrreiches beim Psychoonkologie Kongress zu erfahren:
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,3395.msg8880.html#msg8880

Mit interessanten Berichten und Gedanken "angefüllt" kann ich sagen: Jede Minute war hervorragend!
Sehr aufbauend, aber berührend, der Auftritt "meiner Tirolerin" Brigitte Eder! Eine sehr starke Frau,
mit einem starken Umfeld! Die besten Wünsche weiterhin möchte ich aussprechen!

Und dann kam der "Schlussakkord":
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,3407.msg8915.html#msg8915

"Ein Herr Christoph Schlingensief" wurde angekündigt.
Schlingensief, Schlingensief, den Namen habe ich schon mal gehört.
Hat er nicht am Ring in Wien irgendetwas mit einem Container gemacht? War da nicht "big brother" im Spiel?
War er nicht auch Leiter eines großen Theaters in Wien und ist jetzt in .......?

Du merkst schon, ich bin in dieser Richtung ein Kulturpanause.

Ach ja, ist das etwa der Schlingensief, der auch an Krebs erkrankte?
An Lungenkrebs?
Stand da nicht im .............?
Gibt es da nicht ein Thaterstück im Burgtheater, morgen oder so?

Ja, jetzt dämmert es!

Es ist DER Schlingensief, und noch viel mehr!

Es war der "perfekte Wahnsinn", seine Geschichte:
"Ich, und der andere, der Krebs, der nichts zu suchen hat in mir und gefälligst verschwinden soll!"

Bei mir war es nicht die Chemo, vielleicht das Alter, dass ich hier nicht die Erinnerung habe, mehr darüber zu schreiben.
Eine Dame, die großteils mitfilmte bat ich, bitte stellen Sie doch alles auf die Homepage von: http://www.oeppo.com
Sie hat Bedenken, ob er es erlauben würde. Ich bat Sie: bitte fragen Se Herrn Schlingensief, denn so eine Gelegenheit
uns (neuen und alten) Krebspatienten "die Wahrheit" zukommen zu lassen, wäre eine große Chamce.
Wird es gelingen? Wenigstens der Ton?
Anm.: Die Publikumsvorträge werden jedenfalls in Kürze dort zum Downloaden abrufbar sein.

Nun zurück.


Lieber Herr Schlingensief,


ich bin enorm überrascht, welche Kraft schon wieder in Ihnen ist. Zudem, wie Sie Ihr einstündiges Referat "herunter spulten".
Von "Goretex im Oberkörper" wusste ich schon, durch einen lieben Freund in der Nähe von Innsbruck: Krebs durch Asbest.
Viele Raucher und Krebserkrankte durch Passivrauch sind in unseren Selbsthilfegruppen "Krebspatienten für Krebspatienten".
Leider ist die Überlebensrate dabei sehr schlecht. Der Tabakrauch ist ein Teufel, sei er doch für 70 % aller Krebserkrankungen verantwortlich. In Österreich gibt es vier Passivrauchtote pro Tag und immer noch nicht generell Rauchfreien Gaststätten: www.rauchersheriff.at

Aber wie kam es zu Ihrer (bisherigen) Gesundung?
Wer/was half Ihnen da wirklich?
Mistel, Selen, Vit. C waren sicher nicht das Einzige.
Großartige Psychologische Unterstützungen haben Sie erwähnt, neben dem hervorragenden Operateur N.N.
Wer nicht half, haben wir (teils) erfahren.

Wien:
Das Theaterstück im Burgtheater sei ausverkauft, wenigstens morgen; 2. und 3. Tag ist ....?
"Die Zeit" vom ....... habe einen guten Artikel geschrieben. Gibt es einen Link?
Ein Buch haben Sie auch über Ihre Erkrankung und Gesundung geschrieben. Wie heißt es?
"Ihre" Homepage werde ich erst ansehen: www.geschockte-patienten.de

Ich komme zum Schluss und wiederhole meinen zaghaften,
dann festeren Händedruck, nach Ihrer "Überlebensgeschichte":

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft zur vollen Gesundung!


Herzliche Grüße

Dietmar Erlacher


PS: Das habe ich erst jetzt gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Schlingensief


   Der gesamten Organisation und den vielen Anwesenden die sich weiter bildeten, ein großes Dankeschön. Die von mir besuchten Vorträge haben uns KrebspatientInnen wirklich aus der Seele gesprochen.
Wir hoffen, dass in Österreichb endlich die Psychoonkologie einen gewaltig höheren Stellenwert bekommt.
Wir fordern, dass PsychologInnen schon
bei der Aufnahme im Spital,
vor und nach der Krebsoperation
begleitend zum Professor oder Oberarzt am Bett des Patienten stehen.
Dass Psychotherapie für Krebspatienten nicht
die Ausnahme, sondern der Regelfall wir!
An der Spitze steht Herrn Prof. Samonigg, danke sehr, den ich fast bei meiner Pressekonferenz in Graz am Podium kennen lernen durfte (http://sis.info/rauchfrei/index.php?topic=64.msg101#msg101), doch weilte er dann in den USA. Bitte helfen Sie uns, wir unterstützen Sie, denn wir wissen wie wichtig diese Therapie zur Bewältigung der Krebserkrankung ist. Psychologische Hilfe soll für uns keine Holschuld, sondern eine Bringschuld zur Gesundung von KrebspatientInnen sein.

Wir Krebspatienten und etliche PsychologInnen freuen uns schon auf die Downloads von den Vorträgen (Power Point) des Kongresses auf der Homepage: http://www.oeppo.com

HINWEIS:
7./8. Juli 09 ist der Onkologie-Kongress in Wien http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,3306.msg8928.html#msg8928


ACHTUNG: Angemeldete können hier unten interessante Anlagen ansehen (meist je eine A4-Seite).
« Letzte Änderung: 27. Juni 2009, 23:53 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Richi

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“DIESEN KREBS SEHE ICH ALS ARSCHLOCH AN” (ORF)
« Antwort #1 am: 18. Juli 2009, 22:28 »


“DIESEN KREBS SEHE ICH ALS ARSCHLOCH AN” (ORF)

http://www.schlingensief.com/weblog/?p=400

Christoph Schlingensief im Gespräch über die Angst, das Leben und die Kirche

Krankheit, insbesondere eine Krebserkrankung, die im Bewusstsein der meisten Menschheit noch immer als Todesurteil betrachtet wird, stellt aufgrund der begleitenden Therapien und Operationen eine Extremform des Souveränitätsverlustes dar.


Christoph Schlingensief, der Künstler, Film-, Theater- und Wagner-Opernregisseur, wurde im Jänner 2008 schlagartig mit der Diagnose Lungenkrebs in eine solche Souveränitätskrise gestoßen. Wer - fragt der bis dahin Souveräne - hat Schuld? Und wie wird dieses Weiterleben aussehen, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt?

Schlingensief ORF Juli 2009

“Ich hatte auch schüchterne Momente”, sagt Schlingensief, “ich war beleidigt von dem Ding. Ich habe gesagt, wie kann so eine Scheiße in mir auftreten? Ich habe so viel Spaß am Leben. Ich habe so viele Freunde, ich mache so viele lebensbejahende Dinge. Wie kann so ein Mist passieren?”

Ein Buch gegen die Angst

Fragen stellen sich, brechen aus Schlingensief heraus, der sich kurz davor noch in der Mitte des Lebensalters wähnte. Wenige Tage nach der Diagnose beginnt Christoph Schlingensief zu sprechen, mit sich selbst, mit Freunden, mit seinem toten Vater, mit Gott - fast immer eingeschaltet: ein Diktiergerät, das diese Gespräche aufzeichnet.

“Gerade war ich noch in der Luft und ich war auf große Sprünge aus und plötzlich soll alles anders sein?”

In einem Tagebuch beginnt Christoph Schlingensief seine Stunden, Tage und Wochen seit der Diagnose der Krebserkrankung festzuhalten. Er entschließt sich, dieses Tagebuch in Buchform zu veröffentlichen und damit die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen an seiner eindringlichen Suche nach sich selbst, nach Gott und nach der Liebe zum Leben. Ein Lungenflügel muss entfernt werden, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss - für Schlingensief ein Alptraum der Freiheitsberaubung.

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“Das Buch ist nicht geschrieben worden, im Sinne von ‘ich berichte jetzt über meine Krankheit’, sondern in den einsamen Stunden im Krankenhaus”, sagt Schlingensief. Das Buch “So schön kann es im Himmel gar nicht sein” habe keinerlei literarischen Anspruch, es sei für ihn vielmehr eine Art Selbsttherapie während der langen Zeit im Krankenhaus gewesen: “Es ist für mich entstanden, denn es hat mir die Angst genommen”.

Hinschauen, wenn das Leid kommt

Der Tod ist unbequem und Menschen, die den Tod thematisieren machen sich unbequem, weil sie die Lebenden an ihre Sterblichkeit erinnern. Für Todkranke oder deren Angehörige kann es aber eine Erleichterung darstellen, sich auszutauschen, sagt der Künstler: “Ich habe seitdem so viele Briefe bekommen, von Leuten, die Krebs haben und auch von Verwandten. Denn gerade die haben Fragen. Was ist dieses Leid, das der Betroffene da hat? Denn darüber wurde in den Familien nicht gesprochen. Viele Kranke ziehen sich zurück und gehen immer weg, wenn das Leid kommt.”

“Ich hab mich ja selbst nie gemocht”

Einige Freunde hat er in der Phase der Krankheit verloren. Floskeln, wie “Ich drücke dir die Daumen” oder “Das schaffst du schon”, sind ihm ein Gräuel. Um seine Angst zu bekämpfen, hat er ein Internetforum ins Leben gerufen, wo sich Krebspatienten und -patientinnen austauschen können: “Geschockte Patienten” ist der Titel.

“Diesen Krebs sehe ich als absolutes Arschloch an. Der hat nichts in mir verloren. Der wird sich noch wundern, wen er ausgesucht hat, hab ich mir immer gedacht.”

Halt findet er aber auch durch autogenes Training und in seiner Beziehung: “Man versucht, sich die Momente zu schildern, wo es doch wieder toll war, zu leben. Es geht nicht darum, zu überleben, um irgend etwas zu beweisen. Es waren so Momente, als ich kapiert habe: meine Freundin liebt mich wirklich. Ich habe selber nie gedacht, dass mich jemand so lieben könnte. Ich habe mich ja selbst nicht gemocht - auch wenn ich immer als selbstverliebter Egomane aufgetreten bin.”

Ein Opernaus für Burkina Faso?

Die Angst vor dem Tod habe zu einer neuen Einstellung zum Leben geführt, sagt Schlingensief: “Ich habe eine riesen Todesangst, das kann ich nicht abstreiten. Ich kann mich nicht damit anfreunden. Aber ich habe auch das Gefühl, ich habe noch das eine oder das andere zu tun, das ich immer machen wollte und nicht gemacht habe. Das ist nicht die Weltreise, auch nicht der Porsche.”

Christoph Schlingensief möchte in Afrika ein Festspielhaus errichten. Wahrscheinlichster Standort: Burkina Faso. Mehrere Reisen haben den Künstler bereits dorthin geführt: “Ich bin nicht kolonial unterwegs”, betont er, “ich sehe, dass ich viel von denen lernen kann. Und habe mich in Afrika irgendwie zuhause gefühlt.”

“Ich sehe jetzt die Welt liebenswürdiger, als ich es früher getan habe.”

Warum ein Festspielhaus? Weil die Kunst, das sei, wo der Mensch anfange, sich in seiner eigenen Existenz wieder zu spüren, meint der Künstler: “Das ist auch die Suche des Betrachters an der Kunst. Das Museum ist fast ein religiöser Ersatz, ich kann ja Gott auch nicht sehen. Ich kann in der Kunst anfangen, in der Meditation und merken, dass ich hier auf der Spur bin, nicht belehrt zu werden. Ich kann etwas ertasten und selber den eigenen Standpunkt finden.”

Im Gespräch, Donnerstag, 9. Juli 2009, 21:01 Uhr, ORF

Gepostet unter Artikel, Interviews, Audio. Eingetragen am 14. Juli 2009

Sissi

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Schlingensief und .....
« Antwort #2 am: 18. Juli 2009, 22:48 »


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Beitragvon schlingensief » 12 Mai 2009 14:58

Liebe Kollegen und Kolleginnen, ich halte eigentlich nicht viel davon, anderen leuten irgendwelche eiweißkostdiäten oder den superarzt zu empfehlen. das führt meist weg vom thema und der empfehler spielt meist auch noch den chefarzt. mir erscheint es aber sinnvoll zu sein, den ein oder oder anderen arzt oder helfer zu nennen, der sich durch menschlichkeit und wirkliche hilfbereitschaft ausgezeichnet hat. vielleicht werde ich auch eines besseren belehrt, aber jetzt hier einen arzt empfehlen, bloß weil der mir die tabletten verschrieben hat,...ne ne.--.- dann schon lieber jemanden nennen, der einem die behandlung genauer erklärt hat, und mir auch meine eigene entscheidung befördert hat. also ein mensch, der weiß wie schwer es manchmal ist , die eigene krise einzugestehen und der einem hilft, den für einen ganz persönlich richtigen weg zu gehen. wenn man chemo macht, dann muß man ja nicht gleich alle nebenwirkungen aufgezählt bekommen, soindern man muß vielleicht auch mal darüber nachdenken, was die entscheidung zum beispiel für die seele oder das eigene empfinden bringt.

und dazu benötigt man keine brutalen typen, die sich als onkologen der hammerharten art verstehen. ich hatte so einen. anfangs sehr< nett, und dann als es um seinen bereich ging, wurde er brutal, unsensibel, führte sich wie ein lagererzieher< auf und brachte tatsächlich den satz: "wenn sie kinder gehabt hätten, dann wäre ihnen das nicht passiert!" ... wie bitte ? der hat noch mehr so sachen vom band gelassen. und ich bin dann irgendwann mit hilfe einer hervorragenden stationsärztin auf die klinik havelhöhe in kladow bei berlin gestoßen. da gibt es den dr.grah. und den kann ich wirklich sehr empfehlen. der sieht den menschen ganzheiltlich an. also das bedeutet, der will, dass der pateint sich nicht verliert, dass er sich selber weiter mögen darf, dass er selber die entscheidungen fällt. Dr.Grah philosophiert auch gerne, aber niemals zuviel oder zu abgehoben, sondern immer auf dem boden: der patient ist ein mensch! und dieses menschsein muß gefördert werden! dann wird der mensch auch wieder autonom und kann sich selber retten. zumindest daran arbeiten. soweit alöso meine empfehlung. es gibt da noch einige andere personen, aber dazu komme ich mal später.... jetzt setze ich mich erstmal ans fenster und glotz auf die sonnenbeschienen häuser, strasse.... was für ein schöner moment !

herzliche grüße an alle, die jetzt eher< im dunkeln liegen oder sitzen. bitte nicht aufgeben. ganz tief drinnen in euch gibt es garantiert noch irgendeine kleine kraft. und ihr wisst, dass die da ist. also nehmt sie an. mehr gibts momentan nicht. aber das kann manchmal sehr viel sein. mehr als gestern ! und dann nehmt euch selber an die hand und schaut auch mal raus. nicht verbittert, auch wenn es manchmal so bitter ist, sondern freut euch, dass ihr genau diesen moment erlebt. ich weiß wie schwer das ist, wenn man selber depressiv und enttäuscht ist. aber lasst euch zeit! manchmal glaube ich, dass der krebs so schnell wächst, weil wir von aussen ständig unter druck gestellt werden. einfach nicht dran denken. diese druckmacher rauswerfen. ihr findet vielleicht diese kleine kraft in euch, aber dann nehmt euch auch die zeit dafür.

Christoph Schlingensief

www.geschockte-patienten.de