"Wie eine Seelenverwandtschaft"
Drei Jahre nach der Transplantation von Blutstammzellen lernten Spenderin und Empfängerin einander persönlich kennen.
Die geheilte Leukämie-Patientin Ursula Breit-Silvester (li.), Stammzellspenderin Agnes Schwartz.
Ich war unglaublich nervös", sagt heute Agnes Schwartz, 25. - "Und ich hatte Angst, dass wir nicht wissen, worüber wir reden sollen", sagt Ursula Breit-Silvester, 37.
Dass Ursula lebt und sogar wieder arbeiten kann, verdankt sie Agnes: Am 17. 8. 2006 hat ein Zellseparator in Hameln aus dem Blut von Agnes mehrere Millionen Stammzellen herausgewaschen. Am 18. 8. 2006 wurden sie Ursula in Wien transplantiert: "Die Stammzelltransplantation ist die größte Hoffnung für Leukämie-Kranke - für mich war sie die einzige. Die Blutstammzellen von Agnes haben meine Leukämie geheilt."
Agnes Schwartz aus Braunschweig ist im März 2006 erstmals mit dem Thema Stammzellspende konfrontiert worden: "Ein Mädchen aus meinem Studienort Salzgitter war an Leukämie erkrankt. Viele Studenten ließen sich daraufhin als potenzielle Spender registrieren."
Anruf
Damals passten die Gewebemerkmale von Agnes nicht mit jenen ihrer Studienkollegin überein.
Doch bereits wenige Wochen später bekam sie einen Anruf vom deutschen Stammzellregister: Unter 13 Millionen Kandidaten weltweit sei sie als passende Spenderin für eine Frau in Österreich identifiziert worden. "Ich zögerte keine Sekunde, als ich gefragt wurde, ob ich zur Verfügung stehe."
Von Anfang an hatten Agnes und auch Ursula den Wunsch, den jeweils anderen kennenzulernen: "Ich wollte aber nur solange zuwarten, bis ich als geheilt galt und wieder arbeiten konnte", erzählt Ursula. Sie schrieb Agnes ein dreiviertel Jahr nach der Transplantation einen ersten Brief.
"Vorerst musste der Briefkontakt anonym bleiben. Erst nach drei Jahren darf - wenn alles gut geht - ein persönlicher Kontakt aufgenommen werden", sagt die Stammzellspezialistin Univ.-Prof. Agathe Rosenmayr (siehe rechts unten) .
Heuer im August wurde die Anonymität aufgehoben - vor Kurzem kam es in Ursulas Haus in Hirtenberg, NÖ, zum ersten Treffen: "Es ist wie eine Seelenverwandtschaft", sagt Ursula: "Es gab von Anfang an keine Fremdheit zwischen uns. Es ist so, als ob wir einander schon immer gekannt hätten."
"Wir haben beide diesen Schritt nicht bereut", ergänzt Agnes.
Jeder zweite Spender und jeder zehnte Patient hat den Wunsch, den jeweils anderen kennenzulernen. "Solche Zusammentreffen sind aber etwas ganz seltenes", betont Rosenmayr. "Es müssen nicht nur Patient und Spender den Wunsch äußern. Auch die Ärzte des Transplantationszentrums, des Österreichischen Stammzell-Registers und des anderen nationalen Registers müssen einverstanden sein. Denn nicht immer verkraften die Betroffenen die Treffen emotional so gut. Aber für Agnes und Ursula war es die richtige Entscheidung."
So wird man Spender
Voraussetzungen Alter 18 bis 45 (als Spender gemeldet bleibt man bis 55), guter Gesundheitszustand, Gewicht zwischen 55 und 110 kg.
Ablauf Aus wenigen Millilitern Blut werden mit Erbgut-Analyse die Gewebemerkmale bestimmt und gespeichert, DNA-Proben werden tiefgefroren. Passen die Merkmale irgendwann zu einem Patienten, der eine Stammzelltransplantation benötigt, wird man angerufen. Nach neuerlicher Analyse der Gewebemerkmale und genauer Untersuchung fällt die endgültige Entscheidung.
Info Tonband-Auskunft:
0800 / 252 253. Knochenmarkspendezentrale:
01 / 403 71 94.
Spendenkonto 096-04642, BLZ 20111 (ERSTE)
Link
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www.knochenmarkspende.at (extern)
Artikel vom 14.01.2010 15:55 | KURIER | Ernst Mauritz