Dem Darmkrebs zuvorkommen
Es ist ein wenig paradox: Die am weitesten verbreitete Krebsart ist gleichzeitig jene, die sich mit Hilfe einer Vorsorgeuntersuchung am einfachsten verhindern ließe: Pro Jahr erkranken rund 5000 Österreicher an Dickdarm-Krebs, etwa 2700 sterben daran, betonen Experten anlässlich der Tagung der Europäischen Darmkrebs-Gesellschaft, die am 13. April in Wien beginnt.
Dickdarm-Krebs ist eine typische Alterserkrankung. "Selten tritt er vor dem 40. Lebensjahr auf", sagt Ass.-Prof. Irene Kührer, Chirurgin und Krebsspezialistin an der Wiener MedUni. Umso wichtiger sei es, etwa mit 50 eine erste Basis-Darmspiegelung durchführen zu lassen. Mit dieser inzwischen relativ schonend gewordenen Untersuchung können Krebs-Vorstufen (Polypen) aufgespürt und gleich entfernt werden. Werden hingegen keine verdächtigen Veränderungen entdeckt, kann man sich drei bis fünf Jahre bis zur nächsten Untersuchung Zeit lassen.
Weniger Tote
Derzeit ist die Darmspiegelung nicht Teil der kostenlosen Gesundenuntersuchung. Auf Verschreibung eines Arztes wird sie aber im Einzelfall bezahlt. Ein flächendeckender Einsatz für alle über 50 könnte die Todesraten um 90 Prozent verringern, sind Ärzte überzeugt.
Noch kein Ersatz, aber immerhin eine Ergänzung zur klassischen Darmspiegelung sei die Untersuchung des Kolon mittels Computertomografie, sagt Univ.-Prof. Béla Teleky, MedUni Wien: "Mit ihr kann man auch den Beginn des Darms sehr gut abbilden. Umgekehrt können bei der CT kleinere Polypen leichter mit Stuhlpartikel verwechselt werden."
Wer bereits an Dickdarm-Krebs erkrankt ist, hat heute deutlich bessere Überlebenschancen als noch vor 20, 25 Jahren, wie Univ.-Prof. Christoph Zielinski, Krebsspezialist an der Wiener MedUni, betont. "1980 hatten wir nur zwei Arzneimittel-Substanzen zur Verfügung. Patienten im fortgeschrittenen Stadium überlebten im Schnitt sechs Monate. Heute sind es zwei Jahre."
Zu den wichtigsten Durchbrüchen der vergangenen Jahre zählen sogenannte Biologicals. Diese Substanzen greifen den Tumor oder seine Tochtergeschwüre zielgenau an. Sei es durch die Blockade der Blutversorgung oder von Wachstumsfaktoren, die die Krebszellen für ihr Gedeihen benötigen.
http://www.krebshilfe.netKurier, 12.4.07