Bericht:
Sentinel-Node-Biopsie (SLNB) vor primärer Chemotherapie
Auf dem Senologiekongress in Lübeck in der vergangenen Woche wurde diskutiert, ob eine SLNB vor primärer Chemotherapie erfolgen sollte oder nicht. Ich halte dieses Thema für außerordentlich brisant. Einerseits mutet man der Patientin eine zweite OP zu, die unter Umständen zu einer Verzögerung der Chemotherapie auf Grund von Wundheilungsstörungen z.B. führen könnte. Andererseits vermeidet man eine Übertherapie bei N0-Status. Da wir inzwischen auch Patientinnen mit Hochrisikofaktoren bei cN0-Status einer primären Chemotherapie zuführen, ist dieses Thema, wie es auch in der GeparQuintostudie untersucht wird, von hoher Wichtigkeit.
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Kurzfassung in deutsch
Einleitung: Die Sentinel-Node-Biopsie (SLNB) ist eine anerkannte chirurgische Stagingmaßnahme und ein etabliertes minimal-invasives Verfahren bei der Behandlung des kleinen, unifokalen und klinisch nodalnegativen Mammakarzinoms. Die axilläre Lymphonodektomie, welche als bisherige Operationstechnik verwendet wurde, ist mit einer erheblichen Morbidität verbunden. Deshalb hat man verstärkt nach alternativen Operationsmethoden gesucht, welche die Morbidität vor allem beim nodalnegativen Mammakarzinom senken, ohne dabei die Staginggenauigkeit zu reduzieren.
Fragestellung: Ziel dieser retrospektiven Studie war die Validität der SLNB beim Mammakarzinom zu untersuchen und zu prüfen, inwieweit die SLNB den bisher operativen Goldstandard der Axilladissektion von Level I und II ersetzen kann.
Material und Methoden: Das Patientengut der Studie stammt aus der Gynäkologischen Abteilung des Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und umfasst 369 Patientinnen mit histologisch gesichertem Mammakarzinom, die sich im Zeitraum von Dezember 1997 bis Dezember 2003 einer operativen Behandlung unterzogen haben.
Ergebnisse:. Die 5-Jahres-Überlebensrate der Sentinelpatientinnen lag in Stadium I bei 96,8% und in Stadium II bei 94,2%, versus 85% in Stadium I und 40-60% in Stadium II aller Patientinnen mit Mammakarzinom. Die Prognose unserer Studienpatientinnen war damit deutlich besser als die Prognose aller Patientinnen mit Mammakarzinom,
Die 5-Jahres-Überlebensrate der Sentinelpatientinnen wurde mit einer an Operationsjahr und T-Stadium angepassten Patientengruppe verglichen, welche allerdings nicht mit SLNB behandelt worden war. Bei diesem Vergleich war die 5-Jahres-Überlebensrate der Sentinelpatientinnen nur minimal verbessert (87,96% beim Sentinelkollektiv und 84,33% in der zweiten Gruppe). Die Prognose der Patientinnen wird daher durch eine SLNB nicht benachteiligt.
Mit einer Falsch-Negativ-Rate von 1,8% wies die SLNB in unserer Studie eine hohe Zuverlässigkeit für die Prädiktion des Nodalstatus auf (untersucht bei 111 Patientinnen wobei SLNB als auch konventionelle Axilladissektion angewendet wurden).
Die postoperative Morbidität nach SLNB war mit 4,7% deutlich geringer als diese nach Axilladissektion (14%). In der Studiengruppe sind bislang keine Lymphödeme aufgetreten, jedoch 2 axilläre Rezidive. Bei diesen Rezidiven handelte es sich allerdings um Patientinnen, welche nicht die Einschlusskriterien unserer Studie erfüllten und auf ihren Wunsch hin mit einer SLNB behandelt worden waren.
Schlussfolgerung: Zusammenfassend halten wir die SLNB für eine sichere, zuverlässige und komplikationsarme Methode, die unter der Voraussetzung einer geeigneten Patientinnenselektion sowie einer standardisierten und qualitätsgesicherten Durchführung, eine geeignete Technik für das axilläre Staging beim Mammakarzinom darstellt und als Alternative zur konventionellen Axilladissektion angeboten werden kann.