Drucker, Raucher, Kammerjäger ...
Wem droht Blasenkrebs?
Medical Tribune Bericht 2004
ESSEN - Harnblasenkarzinome gehören zu den häufigen Tumoren und ihre Entwicklung ist chemisch induziert. Zu den Krebsauslösern zählen u.a. Karzinogene im beruflichen Umfeld, Zigarettenrauch und bestimmte Medikamente.
In Deutschland kommt es jedes Jahr zu ca. 15 000 Neuerkrankungen am Urothelkarzinom, schreiben Professor Dr. Thomas Otto und Professor Dr. Herbert Rübben von der Urologischen Universitätsklinik Essen im "Urologen". Da zwischen der Karzinogenexposition und der Manifestation des Tumors viele Jahre verstreichen können
- im Durchschnitt sind es 24 Jahre - ,
ist es nicht immer einfach, dem Auslöser auf die Spur zu kommen. Auf jeden Fall lohnt sich eine sorgfältige Berufsanamnese, denn bestimmte Branchen sind besonders gefährdet, ein Harnblasenkarzinom zu entwickeln. Ein begründetem Verdacht muss der Berufsgenossenschaft gemeldet werden!
Dauerkatheter fördert Krebs
Neben der Karzinogenexposition begünstigen weitere Faktoren die Krebsentwicklung, z.B. eine lokale Schädigung des Urothels, wie sie bei Dauerkatheterträgern auftritt oder Störungen der Urodynamik. Bei Harnabflussstörungen bleiben schädigende Stoffe besonders lange in Kontakt mit dem Urothel, was die Krebsentstehung fördert.
Berufskontakt mit aromatischen Aminen?
Zu den gesicherten Risikofaktoren für ein Harnblasenkarzinom zählen aromatische Amine, die nicht nur über den Magen-Darm-Trakt, sondern auch über die Lunge und die Haut aufgenommen werden. Intensität und Dauer ihrer Exposition korrelieren mit dem Erkrankungsrisiko.
Nach Medikamenten fragen!
Auch Zigarettenrauch (Aktiv- und Passivrauchen), chronische Harnwegsinfekte, Steinleiden und eine Strahlentherapie des kleinen Beckens können ein Harnblasenkarzinom triggern. Daneben birgt auch die Behandlung mit Medikamenten, wie Phenacetin oder Cyclophosphamid Krebsgefahr. Phenacetin induziert zudem eine interstitielle Nephritis, die das Karzinomrisiko erhöht. In verschiedenen osteuropäischen Ländern treten die Balkannephropathie und damit das Urothelkarzinom gehäuft auf. Man macht einen Pilz dafür verantwortlich, der auf gelagertem Getreide wächst.
Auch Süßstoff und Kaffee riskant?
Zu den möglichen Risiken aus der Nahrung zählen chlorierte Nebenprodukte im Trinkwasser bzw. Begleitkomponenten wie Arsen, dessen Konzentration im Trinkwasser zwischen 0,01 und 180 Mikrogramm pro Liter beträgt. Süßstoffe und Kaffee dagegen wurden nachweislich exkulpiert von der Blasenkrebsinduktion.
Gesicherte Karzinogene
Folgende aromatische Amine gelten als gesicherte Blasenkarzinogene:
· 2-Naphthylamin
· Benzidin
· 4-Aminobiphenyl
· Dichlorbenzidin
· Orthodianisidin
· Orthotolidin
· Phenacetin
· Chlornaphazin
· Cyclophosphamid
· 4,4-Methylen-2-chloranilin
· Auramin
· Magenta
· Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
Diese Arbeit gefährdet das Urothel:
· Kunststoffindustrie
· Strahlenindustrie
· Druckindustrie
· Textilindustrie
· Aluminiumindustrie
· Chemische Laboratorien
· Gasproduktion von Kokereien
· Gummiverarbeitende Industrie
· Farbindustrie
· Friseur
· Kammerjäger
MTD, Ausgabe 38 / 2004 S.10, AW - T. Otto et al., Urologe [A] 2004; 43: 562 - 564