Autor Thema: Krebs, und schwanger  (Gelesen 6141 mal)

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Krebs, und schwanger
« am: 15. August 2008, 21:16 »

Ärzte Zeitung online, 15.08.2008

Schwangere mit Krebs - da müssen alle Fachgruppen eng kooperieren

Schwanger, und plötzlich wird ein Tumor diagnostiziert - dies passiert in Deutschland jedes Jahr bei etwa 700 Frauen. Viele Ärzte sind dann verunsichert, was zu tun ist. Doch eine Schwangerschaft spricht nicht grundsätzlich gegen eine optimale Chemotherapie.

Wird bei einer Schwangerschaft Krebs diagnostiziert, können die meisten Chemotherapien genutzt werden.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Ein Dreivierteljahr ist es jetzt her, als an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Charité Berlin das Deutsche Zentrum für Neoplasie und Schwangerschaft eröffnet wurde. Die Leiterin des Zentrums, Privatdozentin Ines Schönborn, ist überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war: "Wir erhalten Anrufe aus dem ganzen Bundesgebiet. Viele der betroffenen Frauen sind völlig verunsichert. Auch viele niedergelassene Kollegen wissen nicht, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen."

Das wundert nicht, denn schwangere Frauen mit Krebs sind selten. Als Faustregel gilt, dass bei mindestens einer von 1000 Schwangeren während der Schwangerschaft eine maligne Erkrankung diagnostiziert wird. Bei 700 000 Schwangerschaften im Jahr bedeutet dass bundesweit mindestens 700 Krebspatientinnen. Doch dabei bleibt es nicht: "Schon jetzt ist jede fünfte Schwangere älter als 35 Jahre. Wir können beobachten, dass die Zahl der Schwangeren mit Krebs aus diesem Grund steigt", so Schönborn. Entsprechend den Altersgipfeln der unterschiedlichen Tumorentitäten haben es Ärzte bei Schwangeren in aller Regel mit Lymphomen oder Leukämien, mit Brustkrebs oder - seltener - mit Zervixkarzinomen zu tun.

Plötzlich haben es Ärzte mit zwei Patienten zu tun

Das Schwierige an der Konstellation besteht darin, dass Ärzte es plötzlich mit zwei Patienten zu tun haben, der Mutter und dem ungeborenen Kind. Im Interesse der Mutter muss eine möglichst optimale Therapie erfolgen, und das heißt in diesem Alter in aller Regel eine Chemotherapie. Das Kind freilich kriegt diese Therapien zu spüren: "Es ist damit zu rechnen, dass alle Chemotherapiewirkungen, die bei der Mutter auftreten, auch beim Kind auftreten", so Schönborn.

Was also tun? Schön strukturierte Entscheidungsalgorithmen gibt es nicht, Studien auch nicht. Am Ende ist das Vorgehen immer ganz individuell. Wichtig ist vor allem die enge Abstimmung aller beteiligten Ärzte. Allgemeinzustand der Mutter, Stadium und Aggressivität der Krebserkrankung und natürlich das Stadium der Schwangerschaft sind Faktoren, die in die Entscheidung einfließen. "Wenn ein Kind bei der Krebsdiagnose der Mutter 28 oder mehr Wochen alt ist, dann kann man schon überlegen, es vorzeitig zu entbinden", so Schönborn. Die vollen 40 Wochen einer normalen Schwangerschaft durchlaufen die Kinder ohnehin eher selten: "Die meisten Frauen mit Krebs entbinden zwischen der 32. und 34. Woche", so Schönborn.

Auf Radiotherapien sollte verzichtet werden  http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/default.aspx?sid=507190