Zahnversorgung auf Krankenschein:
Skepsis bei Zahnärzten
Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky
fordert, dass die gesamte Zahnversorgung
von der Krankenkasse übernommen wird.
Österreichs Zahnärzte, befragt von
medintern, halten das für unrealistisch.
Kdolskys Vorschlag zur Neuorganisation der
Zahnversorgung in Österreich orientiert sich an
Deutschland. Dort wurden mittlerweile alle
Zahnbehandlungen in den Leistungskatalog der
Krankenkassen aufgenommen - Prophylaxe und
Reinigung eingeschlossen. Die Folge: Teure Behandlungen
und Folgekrankheiten fallen weg.
Unklar ist jedoch, wie der Kdolsky-Plan in Österreich
umsetzbar ist. Denn Details über die Finanzierung
fehlen bis dato.
Österreichs Zahnärzte stellen die Finanzierbarkeit
des Kdolsky-Projekts in Frage. Das ist
das Ergebnis eines aktuellen Rundrufs bei Wiener Zahnärzten,
den medintern durchgeführt hat .
Grund für die Skepsis: Einerseits ist eine Finanzierung
über die Krankenkasse nicht realistisch. Andererseits
können verschiedene Gesundheitssysteme aus Deutschland
und Österreich schwer miteinander verglichen werden.
Kritik aus der eigenen Partei
Expertenberechnungen zufolge entstehen durch den
Kdolsky-Vorschlag jährlich 550 Millionen Euro Mehrkosten.
Und dieses Geld können die Krankenkassen aus
eigener Kraft nicht aufbringen, sagen die befragten Ärzte.
Im Gegenteil: Die Krankenkassen benötigen zusätzliche
Mittel, um die explodierenden Kosten im Gesundheitsbereich
und ihre Defizite auszugleichen. Auch Parteikollegen
der ÖVP-Ministerin lehnen diesen Vorschlag ab.
Wirtschaftsbund Generalsekretär Karlheinz Kopf: „Ich
kann diese Frau leider nicht mehr ernst nehmen.“
Mundhygiene auf Krankenschein?
Professionelle Mundhygiene wird heute beim Zahnarzt
angeboten, um frühzeitig Zahnverlust durch Paradontitis
zu verhindern. Allerdings nicht auf Krankenschein. Entstehen
nach Kdolskys Plänen nun keine Zusatzkosten
mehr für die Patienten, ist laut Österreichs Zahnärzten
davon auszugehen, dass immer mehr Patienten professionelle
Mundhygiene in Anspruch nehmen würden. Da zurzeit
keine Gegenfinanzierung vorhanden ist, befürchten
viele Ärzte, dass die auftretenden Mehrkosten durch Beitragserhöhungen
oder Selbstbehalte wieder ausgeglichen
würden. Und das wäre sicher nicht im Sinne der Patienten.