Jährliche Kurzinfusion schafft Abhilfe bei Knochenschwund
Neuer Wirkstoff zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose vorgestellt
Wien (pte/17.04.2008) - Einen neuen Wirkstoff zur menopausalen
Osteoporosetherapie hat das Unternehmen Novartis entwickelt: Das
Medikament Aclasta mit dem Wirkstoff Zoledronsäure wird als Infusion
einmal jährlich intravenös verabreicht. Diese Darreichungsmethode soll
für verbesserte Therapietreue und Handhabbarkeit sorgen. In einer
Langzeitstudie mit 7.600 Patientinnen habe man Hüftfrakturen um 41
Prozent verringern können, Wirbelkörperbrüche gar um 70 Prozent, so
Universitätsprofessor Harald Dobnig, Leiter der Abteilung für
Endokrinologie und Nuklearmedizin der Universitätsklinik Graz
http://www.meduni-graz.at .
Bei der Osteoporose ist das Gleichgewicht des Knochenauf- und Abbaus
gestört, der Abbau der Knochensubstanz überwiegt. Durch die Reduzierung
der Knochenmasse und -dichte werden die Knochen porös und instabil, somit
werden die Betroffenen sehr anfällig für Frakturen, die das ganze Skelett
betreffen können. Die Folgen der Osteoporose reichen dabei je nach Grad
der Erkrankung von Rückenschmerzen über verminderte Beweglichkeit und
Lungenfunktionsstörungen bis zu komplizierten Brüchen, die wie beim
Oberschenkelhalsbruch tödlich enden können.
Der Wirkstoff Zoledronsäure gehört zu den stickstoffhaltigen
Bisphosphonaten. Diese Verbindungen hemmen die Aktivität der Osteoklasten
genannten Zellen, die für den Knochenabbau verantwortlich sind. Bisher
wurden Bisphosphonate in Tablettenform wöchentlich oder monatlich
verabreicht. Gegenüber den oral eingenommenen Bisphosphonaten würde der
neue Impfstoff eine wesentlich höhere Bioverfügbarkeit aufweisen, also
vom Körper schneller aufgenommen und zum Wirkort befördert werden. Zudem
könne der Aufwand für den Patienten mit einer jährlichen Infusion gering
gehalten werden, was Therapietreue und -erfolge erhöhen kann. Bisher
würde rund die Hälfte der Osteoporose-Patientinnen die Therapie aufgrund
des Einnahmeprozederes nach einem Jahr abbrechen, warnt
Universitätsprofessor Heinrich Resch vom Klinikum der Barmherzigen
Schwestern in Wien
http://www.bhs-wien.at .
"40 Prozent aller Frauen über 50 haben eine erhöhte Anfälligkeit für
Knochenbrüche, jeder achte Europäer über 50 wird eine Wirbelkörperfraktur
erleiden", prognostiziert Universitätsprofessor Hans Böll, Präsident der
Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und
Mineralstoffwechsels. Die Osteoporose ist die dritthäufigste Erkrankung
in Europa, nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Dennoch glauben
acht von zehn Frauen nicht, dass für sie ein Osteoporoserisiko besteht.
Vielfach wird die Erkrankung erst spät diagnostiziert, da bei beginnender
Osteoporose keine deutlichen Symptome auftreten und viele Betroffene erst
bei Knochenbrüchen intervenieren. Dabei sei die Früherkennung mittels
Knochendichtemessung leicht möglich.
Neben der medikamentösen Behandlung der Osteoporose sei auch die Zufuhr
von Calcium und Vitamin D, sowie ein tägliches Übungsprogramm zur
Stärkung von Muskulatur und Beweglichkeit vonnöten. "Zahlreiche Studien
zeigen, dass Immobilität zu einem noch schnelleren Knochenabbau und damit
zu einem Fortschreiten der Osteoporose führt", unterstreicht
Universitätsprofessorin Elisabeth Preisinger, Präsidentin der Osteoporose
Selbsthilfe Wien
http://www.osteoporose-selbsthilfe.at . Regelmäßige
körperliche Aktivität - vor allem im Kindes- und Jugendalter - könne
zudem dazu beitragen, Osteoporose zu vermeiden.