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Zähne und Krebs
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Tanja:
Parodontitis
Krebs durch Zahnbettentzündung
Eine Parodontitis greift nicht nur Zahnfleisch und Zähne an: Britische Forscher konnten nachweisen, dass die blutige Entzündung auch das Krebsrisiko deutlich erhöht - teilweise sogar um mehr als 30 Prozent.
Bei einer Parodontitis greifen Bakterien Zahnfleisch, Zähne und Kieferknochen an. Im schlimmsten Fall ist der Zahn dann nicht mehr zu retten. Darüber hinaus hat eine solche Zahnbettinfektion aber Auswirkungen auf den gesamten Körper: Bekannt ist der Zusammenhang zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Frühgeburten. Jetzt konnten Wissenschaftler um Dominique Michaud vom Imperial College London nachweisen, dass sich auch das Krebsrisiko deutlich erhöht - für bestimmte Krebsarten sogar um mehr als 30 Prozent. Dieser Zusammenhang war am deutlichsten, wenn die Entzündung auch den Kieferknochen angegriffen hatte.
Krebsrisiko erhöht auch für Nichtraucher
Für ihre Studie werteten die Forscher Fragebögen von etwa 48.000 Männern im Alter zwischen 40 und 75 Jahren aus, die Angaben über ihre Parodontitis- und Krebserkrankungen gemacht hatten. Im Laufe von 18 Jahren erkrankten 5720 dieser Männer an Krebs. "Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Gesamtkrebsrisiko, auch für diejenigen, die nie geraucht hatten, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt The Lancet Oncology. Dieser Effekt war unabhängig davon, ob die Probanden Raucher waren oder nicht. Völlig überraschend war das Krebsrisiko bei Nichtrauchern sogar mehr angestiegen, wenn durch die Parodontitis auch das Knochengewebe geschädigt war: Die Nichtraucher hatten ein um 21 Prozent erhöhtes Krebsrisiko. In der Gesamtgruppe gab es jedoch nur einen Anstieg von 14 Prozent. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde am deutlichsten beeinflusst: Es stieg bei diesen Männern sogar um etwa 50 Prozent zu.
Ob die Zahnbettinfektion nun direkt zur Krebsentstehung beiträgt, oder ob beide Erkrankungen - Parodontitis und Krebs - Folgen eines geschwächten Immunsystems sind, sollen weitere Studien zeigen.
Die Entzündung schwächt das Immunsystem
Bei einer Parodontitis sind Bakterien, die sich in Zahnzwischenräumen und Zahnfleischtaschen ansiedeln, die Übeltäter: Sie scheiden giftige Stoffe und Enzyme aus, die die Wurzelhaut, die Stützfasern des Zahns und den Kieferknochen angreifen. Das menschliche Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündung, die die Bakterien vertreiben soll. Diese gelangen aber mit Entzündungsstoffen ins Blut und lösen weitere Entzündungen im gesamten Körper aus: Das Immunsystem ist allgemein geschwächt, das Risiko für Durchblutungsstörungen des Herzmuskels ist erhöht, Schlaganfälle und Blutgerinnsel an den Beinvenen treten gehäuft auf. Bekannt sind auch mehr Frühgeburten bei Frauen, die an einer einer chronischen Parodontitis leiden.
Das Zahnfleisch blutet und es stinkt
Es gibt eine Reihe von Zeichen, die eine Parodontitis verraten: Das Zahnfleisch wird rot und ist dick geschwollen, es blutet schon bei kleinsten Berührungen, manchmal schmerzt es an Zähnen und Zahnfleisch. Nach längerer Zeit schrumpft das Zahnfleisch, die Zahnhälse sind empfindlich. Auch ein schlechter Atem oder metallischer Geschmack im Mund kann auf die Zahnbettentzündung hinweisen. Im fortgeschrittenen Stadium haben sich die Zähne gelockert, im Extremfall schrumpft auch der Kieferknochen.
Joachim Czichos, WSA / mer
Artikel vom 27. Mai 2008
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