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Vitamine in Kapseln - Ja/Nein?
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Dietmar E.:
http://www.morgenweb.de/ratgeber/gesundheit_und_ernaehrung/20090714_srv0000004432673.html
Nahrungsergänzung: Studien belegen, dass die Einnahme von Vitaminen für die meisten Menschen alles andere als gesund ist
Ein Jungbrunnen versiegt
Von unserem Redaktionsmitglied Madeleine Bierlein
Mannheim. Für viele Deutsche gehören sie zum Tagesbeginn wie Brötchen und Zeitung: Vitamine zur Nahrungsergänzung. Die Pillen und Pulver verlängern das Leben, schützen vor Krankheiten und schaden nicht, lautet die vorherrschende Meinung. Doch das scheint so nicht zu stimmen, wie zahlreiche Studien nachgewiesen haben.
In einer sogenannten Meta-Analyse aus dem vergangenen Jahr haben Wissenschaftler der Universität Kopenhagen 67 Studien mit insgesamt 232 550 Teilnehmern ausgewertet. Das Ergebnis: Die Einnahme von Vitaminen kann das Leben nicht verlängern. "Es gibt keinen Hinweis, dass gesunde Menschen irgendeinen Vorteil von der Einnahme von Vitaminen haben", schreiben die Forscher.
Und das ist noch die gute Nachricht. Die schlechte lautet, dass die Nahrungsergänzungsmittel sogar Schaden anrichten können. So erhöhten Präparate mit Vitamin A das Sterberisiko um 16 Prozent, bei Betakarotin stieg die Todesrate um sieben, bei Vitamin E um vier Prozent. Zumindest für das beliebte Vitamin C, so etwas wie die Urmutter der Präparate, konnte keine signifikante Gefährdung der Gesundheit nachgewiesen werden.
"Wir geben keine Empfehlung für Vitaminpräparate", sagt Irina Baumbach von der Fachgesellschaft Ernährungstherapie und Prävention in Aachen. Die Ernährungswissenschaftlerin warnt vor allem vor der regelmäßigen Einnahme der fettlöslichen Vitamine A (darunter Betakarotin), D, E und K. "Im Gegensatz zu den wasserlöslichen Vitaminen, die bei einem Überschuss über den Urin ausgeschieden werden, reichern sich diese im Körper an." In einer US-Studie aus dem Jahr 1996 hatte sich Betakarotin insbesondere für Raucher als gefährlich erwiesen. Die regelmäßige Einnahme steigerte das Lungenkrebsrisiko der Probanden um 28 Prozent. Die Studie musste daraufhin abgebrochen werden. Als weitere Untersuchungen den Effekt bestätigten, begrenzte das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin ab 2005 die erlaubte Menge an Betakarotin in Vitaminpräparaten.
Dass Vitamine aus der Nahrung den Körper vor aggressiven Substanzen schützen, ist unumstritten. Doch wieso haben die künstlichen Vitamine keinen oder gar einen negativen Effekt haben? "Das ist eine Frage der Dosierung", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Irina Baumbach. Generell stoppen Vitamine der A-, C- und B-Klasse - sogenannte Antioxidantien - gefährliche Radikale. Diese wiederum stehen in Verdacht, das Altern zu beschleunigen und sogar Krebs auszulösen. Auch bei Arteriosklerose, Rheuma, Alzheimer und Parkinson sollen freie Radikale beteiligt sein. Allerdings scheinen nicht alle Schaden anzurichten. Manche Radikale lösen offenbar bei Krankheiten und Stress eine Immunabwehr des Körpers aus. Wissenschaftler vermuten daher, dass im Körper eingelagerte Vitamine diese Signalgeber stoppen. Die Folge: Das Immunsystem kann nicht mehr richtig reagieren.
Mangel an Folsäure und Vitamin D
Aller Warnungen zum Trotz ist Nahrungsmittelergänzung ein riesiger Markt. Etwa 1,2 Milliarden Euro geben die Deutschen für Vitaminpräparate aus. Dazu kommen Tonnen von Joghurts, Säften, Bonbons und Hautcremes, denen die vermeintlichen Gesundmacher zugesetzt werden. Schätzungen zufolge nimmt jeder dritte Deutsche regelmäßig Vitaminpräparate zu sich.
Die Erwartungen sind nicht immer unberechtigt. Zwar lässt sich der tägliche Vitamin-Bedarf über eine ausgewogene Ernährung decken. Doch es gibt Ausnahmen. So nehmen 80 Prozent der Deutschen zu wenig Folsäure zu sich. Ein Mangel ist besonders in der Schwangerschaft gefährlich, weil dem Embryo Entwicklungsschäden drohen. Fast ebenso schlecht ist hierzulande die Vitamin-D-Versorgung. 2008 legte das Robert-Koch-Institut erstmals Zahlen für Deutschland vor: Knapp 60 Prozent der Männer und Frauen waren demnach unterversorgt. In Altenpflegeheimen ist die Situation besonders kritisch, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Dort sind sogar knapp zwei Drittel der Bewohner von Mangelernährung betroffen. "Bei alten Menschen, Schwangeren oder nachgewiesenem Mangel kann die Nahrungsmittelergänzung daher durchaus sinnvoll sein", rät DGE-Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer. Allerdings sollte diese immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen.
Gesunde Erwachsene hingegen benötigen in der Regel keine Vitaminpräparate. Zum Schutz der Gesundheit sollten sie besser auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Getreide setzen. Und die birgt garantiert keine Risiken.
Mannheimer Morgen
14. Juli 2009
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