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Hautkrebs: Ja - Nein? Verräterisches Leuchten!
Verräterisches Leuchten
Berliner Forscher wollen mit kurzen Laserpulsen Hautkrebs frühzeitig erkennen.
Das Entfernen von Muttermalen würde damit oft überflüssig
Oftmals beginnt die Krankheit in einem unscheinbaren Leberfleck. Wird die bösartige Wucherung der Hautzellen zu spät erkannt, können sich Metastasen im Körper ausbreiten - und der sogenannte schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) führt unter Umständen bis zum Tod. Je früher die Krankheit entdeckt wird, umso größer ist die Chance geheilt zu werden. Forscher der Firma Lasertechnik Berlin (LTB) haben nun eine Methode entwickelt, die krankhafte Veränderungen des Hautfarbstoffs Melanin - die als Vorstufe der Krebserkrankung gelten - früher erkennen soll als herkömmliche Gewebeuntersuchungen durch Histologen. Das neue Diagnosegerät präsentieren die Entwickler vom kommenden Montag an auf der Messe Laser Optics Berlin.
Zur Analyse in dem Prototypen werden Gewebeproben benutzt, wie sie Hautärzte in Verdachtsfällen entnehmen: Unter örtlicher Betäubung schneiden sie ein etwa Cent-großes Stück der Haut mit einem Skalpell heraus. Normalerweise prüft dann ein Histologe mithilfe eines Mikroskops, ob es entartete Zellen in dem Gewebe gibt. Bis der Befund da ist, müssen die Patienten oft mehrere Tage warten. Das Diagnosegerät von LTB liefert das Ergebnis bereits nach Minuten.
"Um das veränderte Melanin zu erkennen, nutzen wir die Fluoreszenz", sagt Matthias Scholz, Geschäftsführer der LTB. Dieser Effekt trete bei vielen Stoffen auf: Werden sie mit Licht bestrahlt, verändert sich ihr Energiezustand und sie senden Sekundenbruchteile später selbst Licht aus. Das ausgesendete Licht hat eine bestimmte Zusammensetzung unterschiedlicher Wellenlängen - je nachdem, von welcher Substanz es abgegeben wurde.
Trotzdem sei es bislang kaum gelungen, Melanin mithilfe von Fluoreszenz zu identifizieren, sagt Scholz. "Die anderen Zellbestandteile fluoreszieren viel stärker und überdecken das Signal des Melanins." Deshalb bedienten sich die Forscher eines Tricks. Normalerweise werden für die Floureszenzanalyse Laserpulse genutzt, die hundert Femtosekunden (billiardstel Sekunden) lang dauern. Zur Melaninuntersuchung haben die Wissenschaftler die Laserpulse auf rund eine Nanosekunde (milliardstel Sekunde) verlängert. "In dieser Zeit absorbiert das Melanin ein zweites Lichtteilchen, die anderen Zellbestandteile aber nicht", sagt Scholz. Dadurch fluoresziert der Hautfarbstoff viel stärker als die übrigen Moleküle und kann registriert werden.
Um krankhafte Veränderungen des Melanins aufzuspüren, analysiert das Messgerät das Spektrum des Fluoreszenzlichts: Gesundes Melanin leuchtet bläulich, schadhaftes hingegen rötlich. Die einzelnen Messpunkte sind lediglich 50 Mikrometer groß und liegen in einem engen Raster. Wird an mehreren beieinander liegenden Messpunkten verändertes Melanin festgestellt, sei das ein Hinweis auf eine Krebserkrankung, sagt Scholz.
Die neue Methode wurde in klinischen Studien bereits an mehr als zweihundert Gewebeproben getestet. Dabei wurden die Diagnosen "unverdächtig" und "stark verdächtig" in allen Fällen von Histologen bestätigt, berichtet Scholz. Weniger Übereinstimmung gab es in der Klassifizierung "verdächtig". "Möglicherweise lagen die Schnitte des Histologen in Bereichen, in denen es kaum entartetes Melanin gab", vermutet Scholz. Sein Verfahren hingegen scanne ein ganzes Areal, daher könne es Krebsfrühstadien eher feststellen.
"Wenn sich das Verfahren in weiteren Studien bewährt, könnte es ein wichtiges Hilfsmittel bei der Früherkennung von Hautkrebs werden und damit die Überlebenschancen erhöhen", sagt Uwe Trefzer, Leiter des Melanomzentrums an der Berliner Charité.
Einen echten Vorteil brächte das Gerät aber erst dann, wenn man es zur Untersuchung nur an die Haut des Patienten halten müsse und ihm die bisher notwendigen Schnitte ersparen blieben. "Um praxistauglich zu sein, müssen solche Geräte aber in mindestens 95 Prozent der Fälle die richtige Diagnose stellen", sagt Trefzer. In zwei bis drei Jahren, so hofft LTB-Geschäftsführer Scholz, wird es soweit sein.