Wechselberger neuer ÖÄK-Präsident
Ärztespitze neu formiert - Attraktive Arbeitsbedingungen gefordert - Ausbildungsreform und Vertrauensarztmodell
Bregenz (OTS) - Die Vollversammlung der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) wählte am Freitag in Bregenz den Tiroler
Ärztekammerpräsidenten, Artur Wechselberger, zum neuen Präsidenten
der Österreichischen Ärztekammer. Er folgt Walter Dorner nach, der
das Amt des Spitzenrepräsentanten der österreichischen Ärzteschaft
seit 2007 innehatte. Erster Vizepräsident wurde der Präsident der
Salzburger Ärztekammer, Karl Forstner. Zum Obmann der Bundeskurie
Angestellte Ärzte wurde Harald Mayer wieder bestellt, der das Amt
seit 2003 bekleidet und auch die Kurie Angestellte Ärzte in
Oberösterreich leitet. Neuer Obmann der Bundeskurie Niedergelassene
Ärzte wurde Johannes Steinhart, der auch Chef der niedergelassenen
Ärzte in Wien ist. Die Bundeskurienobleute fungieren automatisch als
Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer.
Hauptziele der neuen Ärzteführung sind die Attraktivierung des
Arztberufes, praxisgerechte Arbeitsbedingungen in Ordination und
Spital und die Entrümpelung der Bürokratie im ärztlichen
Arbeitsablauf. Gefordert werden eine "überfällige" Reform der
ärztlichen Ausbildung, eine Gesundheitspolitik mit Fokus auf guter
Versorgung, die Einführung des ÖÄK-Hausarztmodells sowie die
tatsächliche Ermöglichung patientenorientierter ärztlicher
Kooperationsformen. Wichtig sei darüber hinaus ein sinnvoller
digitaler Datenaustausch, der die Ärzte unterstützt und nicht
behindert.
Hart ins Gericht geht die Kammerspitze mit der aktuellen
Gesundheitsreform und dem elektronischen Gesundheitsakt in der
geplanten Form. Vor Einführung der e-Medikation seien "sämtliche
Verbesserungsvorschläge der wissenschaftlichen Auswertung lückenlos
umzusetzen".
Arztberuf wieder attraktiv machen
Als wesentliche Aufgabe in den nächsten Jahren bezeichnet der neue
ÖÄK-Präsident, Artur Wechselberger, die Verbesserung der
Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte. Die "momentane Politik
tanzt ausschließlich nach der ökonomischen Pfeife", was die ärztliche
Freiberuflichkeit als "unverzichtbare Basis einer persönlichen und
patientenbezogenen Gesundheitsbetreuung" bedrohe und Rationierungen
für Patienten zur Folge haben werde. Es sei "kein Wunder, dass junge
Kolleginnen und Kollegen ins Ausland flüchten" und sich der längst
spürbare Ärztemangel weiter verschärfe. Wechselberger: "Wir
verweigern uns jedem Diktat, das zu einer Verschlechterung für uns
Ärzte führt und unsere ethische Verpflichtung untergräbt, die
Patientinnen und Patienten als individuelle Anwälte ihrer
Gesundheitsinteressen bestmöglich zu versorgen."
Ein wichtiger Schritt zur Sicherung der "nach wie vor extrem hohen"
ärztlichen Leistungsbereitschaft in Österreich müsste eine von Ärzten
mitgetragene "Gesundheitsreform nach medizinischer Notwendigkeit"
sein.
-----------------------------------------
Gesundheitsreform: Macht und Geld im Zentrum
Bregenz (OTS) - Wechselberger: "Bei der von Bund, Ländern und
Gemeinden triumphal verkündeten sogenannten Gesundheitsreform geht es
dem Grunde nach nur um Macht und Geld." Der Öffentlichkeit werde Sand
in die Augen gestreut, denn die wirklichen Herausforderungen durch
neue Volkskrankheiten oder zunehmend belastende Arbeits- und
Umweltbedingungen spielten bei der Entwicklung politischer Konzepte
keine Rolle. Wechselberger betrachtet dies als "Affront gegen die
Steuerzahler und beängstigend für alle Menschen, die medizinische
Hilfe brauchen".
Das kurzsichtige und ökonomiefixierte Agieren der Politik drohe das
österreichische Gesundheitssystem an die Wand zu fahren. Man wolle
den Österreicherinnen und Österreichern billigen medizinischen
Einheitsbrei verordnen, obwohl international die Zukunft in der
individualisierten medizinischen Behandlung gesehen werde, sagte der
ÖÄK-Chef.
Um den Arztberuf wieder erstrebenswert zu machen, werde sich
Wechselberger in den kommenden Jahren für die Verbesserung der
postpromotionellen praktischen Ausbildung im Spital einsetzen. Hier
müsse der Schwerpunkt auf die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten
gelegt werden. "Wir müssen die Turnusärztinnen und -ärzte vor
Spitalseigentümern schützen, die sie nur als Systemerhalter
missbrauchen", so der Ärztepräsident. Die Jungmediziner verdienten im
Interesse eines funktionierenden Gesundheitssystems eine exzellente
Ausbildung. Die Lehrpraxis müsse ein Schwerpunkt der Ausbildung zum
Allgemeinmediziner werden, wo die Allgemeinmedizin ja auch
praktiziert werde. Und es gehe ihm auch um gerechte Einkommen sowie
um Arbeitszeitmodelle in den Spitälern und Ordinationen, die der
zunehmenden Feminisierung des Arztberufes entsprechen. Als Beispiel
nannte Wechselberger ein praktikables Gruppenpraxengesetz, das es
gerade Frauen ermöglichen würde, ihr Wissen und Können in einem
flexiblen, familienfreundlichen Umfeld einzusetzen.
-------------------------------------------
ELGA und E-Medikation
Bregenz (OTS) - Im aktuellen ELGA-Gesetzentwurf erkennt der neue
ÖÄK-Präsident "wenn überhaupt, dann nur marginale Verbesserungen".
Die eklatantesten Mängel seien nach wie vor nicht beseitigt, dazu
zählten die Kosten für Steuerzahler und Ärzte ebenso wie noch immer
ungeklärte Haftungsfragen und unabsehbare bürokratische
Zusatzbelastungen für Ordinationen und Krankenanstalten.
Die wissenschaftliche Auswertung des Pilotprojektes zur E-Medikation
weise "klar und unmissverständlich" auf die Schwachstellen hin:
systemimmanente Softwarefehler, enormer Zeitaufwand zulasten des
Arzt-Patienten-Gesprächs, hohe Kosten und vor allem die "völlig
praxisferne Übersensibilität einer Maschine", die dann erst recht
wieder vom Arzt ausgebügelt werden müsse. Wechselberger forderte das
Gesundheitsministerium auf, dem dringenden Rat der Evaluatoren zu
folgen und das Projekt "völlig neu" aufzusetzen. Das System müsse die
ärztliche Arbeit erleichtern und Prozesse beschleunigen.
Wechselberger befürchtet dieselben Fehler bei ELGA und eine Ablehnung
des elektronischen Gesundheitsakts durch Patienten und Ärzte. "Wie
sonst ist es zu erklären, dass die Politik eine gesetzliche
Teilnahmepflicht vorsieht. Wenn das System Vorteile bringt und leicht
zu handhaben ist, wird es sich von selbst durchsetzen, dann muss man
niemanden dazu zwingen."
Wie man an den digitalen Datenaustausch in einem modernen
Gesundheitssystem mustergültig herangehe, könne man zurzeit in der
Schweiz beobachten. Dort gibt der Staat die Sicherheits- und
Übertragungsstandards vor und stellt es Patienten und Ärzten frei,
das elektronische Angebot zu nutzen. (ms/ar) (Schluss)
Fotos und Lebensläufe sind in Kürze unter folgenden Links abrufbar:
www.aerztekammer.at/fotoswww.aerztekammer.at/lebenslaufe