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Krebs und Beruf – Wie lässt sich das vereinen?

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Beruf trotz Krebs


20.6.07 - Die Diagnose Krebs verändert das gesamte Leben der Betroffenen. Bisherige Lebensweisen werden auf einmal kritisch hinterfragt, neue Lebensziele drängen sich auf. Hierbei spielt auch der Beruf eine wichtige Rolle. Soll und kann es so weitergehen wie bisher? Oder ist eine Neuorientierung angebracht? Wie wird mein Arbeitgeber auf meine Krankheit reagieren? Werde ich meinen Arbeitsplatz verlieren? Finanzielle Ängste verunsichern die Betroffenen häufig zusätzlich zu ihrer gesundheitlichen Verfassung und werfen viele Fragen auf.


Kündigung und Krankengeld

Die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren ist einer der ersten Punkte, die einem Krebspatienten beim Thema Beruf Sorgen bereiten. Leider bietet eine Krankheit keinen Schutz vor einer Entlassung. Denn solange sich der Arbeitgeber bei der Kündigung an die gesetzlichen Vorschriften hält, kann der Betroffene nichts gegen die Entlassung unternehmen, es sei denn, er besitzt bereits einen Schwerbehindertenausweis. In diesem Fall ist bei mindestens sechsmonatiger Beschäftigung die Zustimmung des Integrationsamtes nötig, um eine Kündigung einleiten zu können.

Auch wenn der Betroffene das Glück hat und ihm eine Kündigung erspart bleibt, muss er sich spätestens nach eineinhalb Jahren Gedanken machen, wie es mit der beruflichen Laufbahn weitergehen soll. Denn nach dieser Frist erlischt der Anspruch auf Krankengeld. Dann bleiben dem Krebspatienten drei Möglichkeiten: Entweder geht er wieder einer Beschäftigung nach (nach dem Hamburger Modell oder in Teil- oder Vollzeit), oder er bezieht Arbeitslosengeld bzw. Rente, wenn eine Erwerbsunfähigkeit festgestellt wurde.


Rehabilitation

Bevor der Krebskranke jedoch wieder in die Arbeitswelt zurückkehrt, sollte er zunächst an einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme teilnehmen, deren Ziel es ist, die berufliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Gemeinsam mit dem Rehabilitationsberater und dem Arbeitsamt bzw. der Rentenversicherung können Maßnahmen für einen freiwilligen oder notwendigen Berufswechsel (je nach Gesundheitszustand kann eine Umschulung nötig werden, besonders wenn die bisherige Tätigkeit hauptsächlich körperlicher Natur war) oder eine Fortbildung eingeleitet werden. Außerdem können in der beruflichen Rehabilitation schwierige Arbeitsabläufe geübt und die Belastbarkeit der Betroffenen bzw. die Eignung für das Ausführen gewisser Tätigkeiten getestet werden. Ist die Prognose der Ärzte und Rehabilitationsbetreuer für einen erfolgversprechenden Wiedereinstieg in das Berufsleben günstig, bietet sich für die Wiedereingliederung nach langer Arbeitsunfähigkeit besonders das Hamburger Modell an.


Das Hamburger Modell

Das Hamburger Modell bietet Langzeitkranken die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. Dafür erstellen Patient und Arzt einen Eingliederungsplan, der eine Steigerung von zunächst nur wenigen Arbeitsstunden pro Tag auf eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung vorsieht. Akzeptieren Arbeitgeber und Krankenkasse diesen Plan, kann die Wiedereingliederung, die je nach Absprache über einige Wochen oder auch mehrere Monate verlaufen kann, beginnen. Für seine Tätigkeit erhält der Arbeitnehmer entweder weiterhin Krankengeld oder er bezieht ein Übergangsgeld (je nachdem welche Trägerschaft zuständig ist: Krankenkasse oder Deutsche Rentenversicherung). Lässt die gesundheitliche Verfassung des Krebspatienten die Fortführung des Programms nicht zu, kann die Maßnahme jederzeit abgebrochen werden.


Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung

Ob ein Krebspatient nach der Rehabilitation (und evtl. nach Nutzung des Hamburger Modells) zu einer Teil- oder Vollzeitbeschäftigung übergehen kann, hängt sowohl von der gesundheitlichen Verfassung als auch vom Willen des Betroffenen ab. Denn nachdem sie eine zweite Chance in ihrem Leben erhalten haben, sehnen sich viele Krebspatienten nach mehr Zeit für sich. Oft wollen sie sich nicht mehr vom Arbeitsalltag dominieren lassen. In diesem Fall wäre dann eine Teilzeitbeschäftigung oder eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit angebracht. Gesetzlich spricht kaum etwas gegen eine Teilzeitbeschäftigung, da nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz jeder Arbeitnehmer das Recht auf eine Verringerung der vertraglich festgesetzten Arbeitszeit hat, soweit er seit mindestens sechs Monaten bei der Firma beschäftigt ist und keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Findet der Krebskranke keine neue Arbeitstelle ist für ihn das Arbeitsamt zuständig.


Rente

Konnte die Berufs- und Erwerbsfähigkeit durch die Rehabilitation nicht wiedergewonnen werden und wurde die Berufsunfähigkeit amtlich testiert, kann der Krebspatient einen Rentenantrag stellen. Als berufsunfähig gilt, wer körperlich und geistig weniger als die Hälfte der Leistung bringen kann, die ein Gesunder mit entsprechenden Fähigkeiten und entsprechender Ausbildung zu leisten im Stande ist. Bei der Art der Rente wird dann unterschieden, ob der Betroffene dauerhaft nicht mehr arbeiten bzw. nicht mehr soviel arbeiten kann, dass er annähernd für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann oder ob absehbar ist, dass er nach maximal drei Jahren wieder einer Berufstätigkeit nachgehen kann. In letzterem Fall bekommt der Betroffene lediglich eine Zeitrente. Die Beträge die der Betroffene von der Rentenkasse bezieht, hängen in beiden Fällen vom Alter des Krebspatienten ab und davon wieviel er bereits in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Melanie Scheitza
aus Leben? Leben!

Siegfried:
Ein interessanter Beitrag der zu denken gibt, aber mir fehlt eine Gruppe von Krebskranken zu der ich auch gehören würde und zu der viele der Forumnutzer gehören.
Die Gruppe derer die trotz Krebs arbeiten. Aus den verschiedensten Gründen ob es Angst um den Arbeitsplatz ist oder weil sie lieber durch die Arbeit abgelenkt sind und nicht die ganze Zeit herumsitzen und grübeln, finanzielle Einbußen, die selbstständigen Unternehmer nicht zu vergessen die keine andre Wahl haben.
Viele verschiedene sehr persönliche Gründe und Krankengeschichten, die alle eines gemeinsam haben, die Hindernisse die ihnen von ihren Mitmenschen  in den Weg geräumt werden.
Sei es dass man Kranke nicht gerne sieht weil sie an die eigene Verwundbarkeit erinnern, weil es Menschen nicht gelernt haben mit Krankheiten und ihren Auswirkungen umzugehen oder weil es als Strebertum ausgelegt wird. Dies und vieles mehr wird zum Anlass von Mobbing, Ausgrenzung und offenen Anfeindungen. 
Keine leichte Art mit der Krankheit und dem Lebensraum Arbeit umzugehen aber für Viele die einzig gangbare.

Erika:
Auch ich gehörte zur Gruppe der Kranken, die arbeiten gehen mußten, sogar während der Strahlentherapie. Warum? Alleinstehend, weiblich, über 40, krank. Nachdem ich damals noch darauf angewiesen war, meinen Arbeitsplatz zu halten (einen neuen zu bekommen nach der Therapie wäre äußerst unrealistisch gewesen), mußte ich einfach durchhalten. Also ging ich bis 15 Uhr in die Praxis, hab mich dann zur Therapie bringen lassen, hab die Abende und Wochenenden aber nur mit Schlafen verbracht, weil ich zu nichts Anderem mehr fähig war. 3 Jahre hab ich das durchgehalten, bin aber jetzt in BU-Pension und sehr glücklich darüber. Die finanziellen  Einbußen werden durch die neue Lebensqualität und die jetzt stabile Gesundheit mehr als aufgewogen.

Jutta:

Hallo Erika,

mit Spannung las ich deine jetzigen 2 Beiträge. Ich konnte den Schluss schon gar nicht mehr erwarten.
Umso mehr freut mich:
"..... neue Lebensqualität und die jetzt stabile Gesundheit ......."!

Super,
dazu gratuliere ich dir!
Und,
dadurch ist die Nachsorge besser zu bewältigen - aber nicht schlampig werden.

Alles Gute!
Jutta

christina62:
Meistens hat man gar keine andere Wahl!

Ohne Geld,wie soll das gehen,auch wenn man einen Partner hat,ist es schwer mit einem Einkommen durchzukommen.

Man wird ja regelrecht gezwungen, auch in der Therapie , (so wie Erika und ich,die während der Strahlentherapie arbeiten gingen) arbeiten zu gehen. Warten ja schon Hunderte auf deinen Arbeitsplatz.

Mein Bekanntenkreis meint immer, zuerst die Gesundheit. Also ich soll auf mich schauen, Arbeit ist nicht so wichtig. Aber Hallo - wir haben ein Haus, 2 Autos wegen der Arbeit....!

Die, die nicht betroffen davon sind,wissen gar nicht,wie schwer wir es haben. Ich habe auch schlechte Tage,wenn mir die Füsse so weh tun,dass ich mir denke," mann warum kann ich nicht zu Hause bleiben."

Andererseits,solange ich noch arbeiten kann,weiß ich,dass es mir doch noch nicht gesundheitlich  so schlecht geht.


Und das baut mich dann auch wieder auf!!!!!!!!!!! ;D

lg christina

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