Autor Thema: Darmkrebs - Warum? Broschürenanfragen und Forschung nach Tumormarker  (Gelesen 3548 mal)

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Jutta

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Darmkrebs: Tumormarker zur Früherkennung
Deutsche Krebshilfe fördert Forschungsprojekt

Bochum (nh) - Bei Krebs-Patienten hängt die Chance auf Heilung sehr stark vom Stadium ab, in dem der Tumor erkannt wird. So liegt die Heilungsrate bei Darmkrebs in der Frühform bei 90 Prozent. Sie sinkt aber dramatisch, je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist. Die Krebs-Früherkennung ist somit eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen den Darmkrebs. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt mit 240.000 Euro ein Forschungsvorhaben, bei dem Tumormarker gesucht werden, die zur Früherkennung von Darmkrebs geeignet sind.

Tumormarker sind Eiweißstoffe oder andere biologische Substanzen, die von Tumoren gebildet werden und in das Blut oder andere Körperflüssigkeiten gelangen. Ein Anstieg der Tumormarker-Konzentration im Blut kann somit ein Zeichen für eine Krebserkrankung sein. „Prinzipiell kann der Nachweis dieser Marker zur Früherkennung von Tumoren genutzt werden“, erklärt Privatdozentin Dr. Irmgard Schwarte-Waldhoff, Projektleiterin an der Medizinischen Universitätsklinik Bochum. Einige solcher Tumormarker sind bereits bekannt – auch für Darmkrebs. Allerdings sind diese zur Früherkennung nicht sensitiv genug. Denn nicht alle Darmtumoren geben die Marker in hoher Konzentration ab. Insbesondere viele Frühformen können damit nicht erkannt werden. Daher ist es gegebenenfalls sinnvoll, diese Tumormarker allenfalls zur Verlaufskontrolle während der Therapie einer bereits bekannten Krebserkrankung und in der Tumornachsorge einzusetzen.

 

Ziel des Bochumer Forschungsprojekts ist es, Substanzen zu identifizieren, die zur Früherkennung von Darmkrebs genutzt werden können. Um diese Marker zu finden, verwendet die Arbeitsgruppe um Schwarte-Waldhoff menschliche Darmkrebszellen als Modell. Die Zellen werden im Labor kultiviert und vermehrt. Dabei geben sie Eiweißstoffe in das Nährmedium ab. „Dieses Proteingemisch spiegelt in einem bestimmten Ausmaß diejenigen Proteine wider, die auch von Darmtumoren im lebenden Organismus freigesetzt werden und in die Blutbahn gelangen“, erläutert Schwarte-Waldhoff. In Kooperation mit dem Medizinischen Proteom-Center der Ruhr-Universität Bochum untersucht sie die Zusammensetzung dieses Eiweißgemisches.

Aus den freigesetzten Proteinen wollen die Wissenschaftler nun diejenigen herausfiltern, die tatsächlich tumorspezifisch sind und nicht auch von gesunden Zellen abgegeben werden. Hierzu nutzen sie das menschliche Abwehrsystem als „Spürhund“: Antikörper sollen die gesuchten Marker in dem Proteingemisch ausfindig machen. Solche Antikörper werden vom Immunsystem als Folge von Infektionen oder abnormen Zellen im Körper gebildet. Dabei binden sie an die Erreger oder entarteten Zellen und leiten deren Zerstörung ein. Ebenso erkennen sie aber auch tumorspezifische Proteine, die von Krebszellen gebildet werden. „In unserem experimentellen Ansatz bringen wir das Proteingemisch, das die kultivierten Tumorzellen freisetzen, mit Antikörpern aus dem Blutserum von Darmkrebs-Patienten zusammen“, erläutert die Molekularbiologin. „Binden dabei Antikörper aus dem Blut der Patienten an Proteine aus diesem Eiweißgemisch, ist dies ein Hinweis auf die gesuchten Tumormarker.“

Ob die so identifizierten Proteine tatsächlich als Tumormarker hilfreich sein können, soll anschließend durch einen Nachweis der Marker in Blutproben von Krebs-Patienten überprüft werden. Zur Kontrolle werden auch Blutproben von Menschen ohne Darmkrebs untersucht. Außerdem stehen den Wissenschaftlern Blutproben von Betroffenen zur Verfügung, bei denen durch eine Darmspiegelung auch frühe Krebs-Stadien entdeckt wurden. „Damit haben wir die Möglichkeit, die Sensitivität der identifizierten Marker zur Entdeckung von Krebs und dessen Frühstufen direkt zu überprüfen“, betont Schwarte-Waldhoff.


Infokasten Darmkrebs:
Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 66.000 Menschen neu an Darmkrebs, 30.000 Betroffene sterben daran. Damit gehört der Darmkrebs zu den drei häufigsten bösartigen Krebserkrankungen. Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Einflussfaktoren erhöhen das Erkrankungs-Risiko: Erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, das Vorliegen von Dickdarmpolypen sowie ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Ernährung.

Informationsmaterial zum Thema Darmkrebs wie Broschüren, Präventionsratgeber
können kostenfrei angefordert werden bei:

Deutsche Krebshilfe
Postfach 1467
53004 Bonn,
oder im Internet unter:
www.krebshilfe.de  heruntergeladen werden.


Werner

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Rauchen und Darmpolypen. Vorstufen von Darmkrebs!
« Antwort #1 am: 07. Februar 2008, 00:41 »
Rauchen verdoppelt Risiko auf Darmpolypen

Valhalla – Nach einer Meta-Analyse in Gastroenterology (2008; 134: 388-395) könnten nicht weniger als 20 bis 25 aller kolorektalen Adenome auf das Tabakrauchen zurückzuführen sein. Da Karzinome im Darm in aller Regel auf dem Boden von Adenomen entstehen, regen Autoren und Editorialisten ein häufigeres Koloskopiescreening von Rauchern und Exrauchern an.

Die Meta-Analyse, welche die Gruppe um Albert Lowenfels vom New York Medical College in Valhalla/New York erstellt hat, basiert auf 42 Studien mit 15.354 Fällen und 100.011 Kontrollen. Sie ermittelt für aktive Raucher ein um den Faktor 2,14 erhöhtes Risiko (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,86 – 2,46) auf Darmpolypen. Für frühere Raucher war es noch um 47 Prozent (29-67 Prozent) erhöht. Pro 10 Packungsjahre steigt das Risiko um 13 Prozent (neun bis 18 Prozent) an. Und das Risiko auf Hoch-Risiko-Adenome war deutlich höher als das auf harmlose kleinere Polypen. Diese Befunde legen eine Kausalität nahe, auch wenn sie diese letztlich nicht beweisen können.

Das hohe attributable Risiko von 20 bis 25 Prozent aller kolorektalen Adenome, die auf das Rauchen zurückgehen können (nach einer Berechnung der American Gastroenterological Association in der Pressemitteilung) erklärt sich aus der starken Verbreitung des Rauchens in der Bevölkerung.

Experten gehen heute davon aus, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Kolorektalkarzinome sich aus Polypen entwickeln. In den meisten Studien, die den direkten Zusammenhang zwischen Rauchen und Darmkrebs untersucht haben, waren die Assoziationen mit dem Rauchen jedoch wesentlich schwächer als in der jetzigen Meta-Analyse.

Nach Ansicht der Editorialisten um Alfred Neugut von der Columbia Universität in New York könnte dies damit zusammenhängen, dass die Studien zur Assoziation von Rauchen und Polypen notwendigerweise an koloskopierten Patienten durchgeführt wurden, während dies in Assoziationsstudien zum Darmkrebs nicht unbedingt der Fall war. Viele Kontrollen in den Studien zum Darmkrebs dürften bereits Polypen, also Darmkrebsvorstufen gehabt haben, was die Assoziation verwässern könnte.

Die Studie wirft nach Ansicht von Autoren und Editorialisten zumindest die Frage auf, ob Raucher nicht früher oder häufiger als andere Menschen an einer Vorsorgekoloskopie teilnehmen sollten.

6.2.08