Autor Thema: Müde, unendlich müde, und dann ...? Das Fatigue-Syndrom  (Gelesen 8659 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Jutta

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 957
  • Geschlecht: Weiblich

Ich weiß, es gehört nicht unbedingt hier her.
Es gibt im Forum ein eigenes Unterforum mit Fatigue. Aber gerade brustkrebserkrankte Frauen
leiden sehr darunter, lieber Admin. Vielleicht kann man dies dort auch noch hinein geben.


Immer müde – Was hilft gegen Fatigue?
„Ich ruhte mich häufiger aus und schonte mich, aber nichts half.“ Was die 2003 an Brustkrebs erkrankte Patientin Eva Steuck sagte, kennen viele Patienten nur zu gut. Denn der anhaltende Erschöpfungszustand Fatigue (ausgesprochen: Fatieg) gehört bei Krebs zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Und diese Erschöpfung geht weit über eine normale Müdigkeit hinaus – selbst bei ausreichendem Schlaf findet der Patient keine Erholung.

Die zum Teil dramatischen Folgen schilderte Eva Steuck dem Publikum so: „Ich fühlte mich völlig erschöpft – fast hätte ich deswegen sogar die Chemotherapie vorzeitig abgebrochen.“ Selbst kleinste Aufgaben im Alltag fielen ihr schwer. „Erst zwei Jahre nach meiner Brustkrebsdiagnose erfuhr ich dann, dass meine Dauermüdigkeit einen Namen hat und behandelt werden kann.“

Denn eine der Hauptursachen der quälenden Erschöpfung bei Krebs ist die Blutarmut (Anämie). Fast neun von zehn Patienten leiden während einer Chemotherapie unter einer Blutarmut, bei der dem Körper die roten Blutkörperchen fehlen, die er für den Sauerstofftransport zu den Körperzellen benötigt. Die Folge: Die Patienten fühlen sich kraftlos und schlapp.

Geholfen werden kann den meisten Patienten durch die Behandlung mit Erytrhopoetinen wie Epoetin beta. „Wie das körpereigene Erythropoetin regt auch das künstliche hergestellte Hormon im Körper die Bildung der roter Blutkörperchen an und kann so eine Anämie dauerhaft und sicher beheben,“ erläuterte der Kölner Internist und Vorsitzende der Deutschen Fatigue Gesellschaft e.V., Dr. Jens Ulrich Rüffer.

Sport trotz Krebs – Warum Bewegung nützt
Rüffer wies noch einen weiteren Ausweg aus der Fatigue auf: „Jede angemessene Form von Bewegung mindert die Symptome einer Fatigue – das wurde in verschiedenen Untersuchungen bestätigt.“ Entgegen der landläufigen Meinung, dass Krebspatienten Anstrengungen auf ein Minimum zurückfahren sollen, kann vorsichtiges Training unter Anleitung sogar die Leistungsfähigkeit steigern. „Der Patient gewinnt neue Energie und hat mehr Elan für den Alltag“, berichtete Rüffer aus seiner eigenen klinischen Erfahrung. Körperliche Aktivitäten stärkten außerdem das Immunsystem und erhöhten die Widerstandskraft gegen Stress. Mit dem Training sollte man am besten schon bei Beginn der Tumortherapie anfangen.

Essen und Trinken – Was Leib und Seele zusammenhält
Sport ist ein guter Anfang, reicht aber für eine ganzheitliche Therapie nicht aus. Jede Therapie sollte immer den ganzen Menschen einbeziehen. Deshalb plädierte Dr. Anne Wessel, Internistin aus Damme mit langjähriger Erfahrung in der Naturheilkunde, für ergänzende Entspannungsmaßnahmen und eine vollwertige Ernährung: "Ich rate meinen Patienten, viel Obst und Gemüse zu sich nehmen und Fertigessen zu meiden“, sagte Wessel und ergänzte ihre Empfehlung mit dem leicht umsetzbaren Tipp, frische Lebensmittel aus der Region zu beziehen. Der Grund: Durch kurze Transportwege enthalten sie mehr Vitamine.

Dabei müssten Krebspatienten aber immer auch auf eine ausreichende Kalorienzufuhr achten. Denn die Belastungen durch die Therapie seien viel größer als früher vermutet. „Wir sehen leider viele Krebspatienten, die nicht ausreichend ernährt sind; besonders bei fortgeschrittener Erkrankung sind viele richtig ausgezehrt“, sagte Wessel und empfahl als Devise „Lieber mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer!“ Gewürze sollten mit Bedacht eingesetzt werden, da bei Krebspatienten auch das Geschmacksempfinden gestört sein kann. Auch sollte immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Besonders wichtig sei dies natürlich bei Patienten, die in Folge von Übelkeit und Erbrechen viel Flüssigkeit verlieren.

Damit nicht alles hochkommt – Was tun gegen Übelkeit und Erbrechen?
Vor diesen Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie, die teilweise tagelang anhalten können, fürchten sich die meisten Krebspatienten ganz besonders. Auch Eva Steuck litt darunter: „Nach dem Essen waren die Beschwerden besonders schlimm.“ Dabei hatte sie noch Glück, dass sie kein „antizipatorisches“ Erbrechen entwickelte. Damit beschreiben die Ärzte den Zustand, dass im weiteren Behandlungsverlauf vielen Patienten sogar schon vor der Behandlung übel wird und sie sich bereits beim Gedanken an die letzte Chemotherapie übergeben müssen.

Gerade bei Übelkeit und Erbrechen gilt daher: Vorbeugen ist wichtiger als heilen. Dabei stehen den Ärzten heute hoch effektive Medikamente, so genannte Serotonin-Antagonisten, zur Verfügung, mit denen die Patienten sowohl vor den akuten Beschwerden innerhalb der ersten 24 Stunden als auch vor den verzögerten Nebenwirkungen zwischen dem 2. und 5. Tag nach der Chemotherapie gut geschützt werden können.

Schmerzen bei Knochenmetastasen – Wie der Arzt helfen kann
Während Übelkeit und Erbrechen meist Folgen der Tumortherapie sind, werden starke Schmerzen vor allem durch die Erkrankung selbst verursacht. Zwar leidet nicht jeder Patient mit einer Tumorerkrankung auch unter Tumorschmerzen. Patienten mit Knochenmetastasen müssen allerdings fast immer mit Schmerzen rechnen. Erfreulicherweise können diese heute bei den meisten Patienten sehr gut gelindert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Arzt davon weiß. Und hier liegt noch immer vieles im Argen: „Schmerzen werden von Krebspatienten häufig verschwiegen. 60 Prozent der Frauen sagen ihrem Arzt nichts davon, bei den Männern sind es 20 Prozent“, schätzte Dr. Hans-Bernd Sittig, Anästhesist und Leiter des Schmerz-Therapie-Zentrums Unterweser in Bremerhaven. Deshalb sollte jeder Patient wissen, dass etwas gegen seine Schmerzen getan werden kann, wenn er den Arzt rechtzeitig informiert.

„Die Medikamente zur Tumorschmerzbehandlung sollten regelmäßig in der festgesetzten Dosis nach einem genau festgelegten Zeitschema eingenommen werden“, sagte Sittig. Wer Schmerzmedikamente nur dann einnimmt, wenn der Schmerz unerträglich geworden ist, läuft Gefahr, dass langfristig höhere Dosierungen notwendig werden. Reicht bei komplizierten oder sehr starken Tumorschmerzen ein einziges Schmerzmedikament nicht aus, kombiniert man unterschiedliche Schmerzmedikamente mit unterstützenden Arzneimitteln (Adjuvanzien). Das können Antidepressiva sein oder auch Medikamente, wie sie eigentlich gegen Epilepsie (Antikonvulsiva) verordnet werden, aber auch der körpereigene Entzündungshemmer Kortison und – bei Knochenmetastasen – die so genannten Bisphosphonate.

Bruchgefahr im Skelett – Wie Knochen stabil bleiben
Durch Knochenmetastasen gefährdet sind vor allem Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs, aber auch Männer mit Prostatakrebs und Patienten mit Lungenkrebs. Hier geht es aber nicht nur um eine wirksame Schmerzbekämpfung; wichtig ist auch, dass die weitere Zerstörung des Knochens gehemmt wird.

Mit den Bisphosphonaten gibt es hier inzwischen sehr wirksame Medikamente. Die Substanzen lagern sich an den Knochen an und überziehen dessen Oberfläche wie eine Art Schutzschicht – vor allem in den Regionen, in denen der Knochen tumorbedingt vermehrt abgebaut wird. „Dadurch hemmen sie die weitere Knochenzerstörung und stabilisieren das natürliche Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Knauf, niedergelassener Hämatologe und Onkologe aus Frankfurt am Main. Das Skelett gewinnt so wieder an Stabilität, und die Gefahr eines Knochenbruches nimmt ab. Diese Medikamente ergänzen die bestehende Tumortherapie und stellen bei vielen Patienten wieder Lebensqualität her.

Bisphosphonate gibt es heute als monatliche Infusionen oder als Tabletten, die der Patient täglich vor dem Frühstück einnehmen sollte. Durch die Wahl der beiden Darreichungsformen kann der Patient seine individuell bevorzugte Therapie auswählen. Besonders wichtig: Die Medikamente sollten nicht erst bei starken Schmerzen oder nach dem ersten Knochenbruch eingenommen werden, sondern sobald der Arzt die Diagnose Knochenmetastasen gestellt hat. Wie Knauf sagte, sei jetzt bereits klar, dass der rechtzeitige Einsatz von Bisphosphonaten ganz wesentlich dazu beitragen kann, dass die Patienten – ganz im Sinne des Krebsaktionstages – „aktiv trotz Krebs“ leben könnten.

Weiterführende Informationen

Knochenmetastasen

Mehr Informationen zum Thema Knochenmetastasen finden Interessierte in der Broschüre „Knochenmetastasen bei Brustkrebs“, die unter folgender Adresse bestellt werden kann: Infoservice Knochenmetastasen, Postfach 40 04 30, 40244 Langenfeld.

Fatigue

Die Deutsche Fatigue Gesellschaft hat die Broschüre „Fitness trotz Fatigue“ herausgegeben. Sie kann unter www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de heruntergeladen oder als gedrucktes Exemplar kostenfrei bei der Deutschen Fatigue Gesellschaft (Tel: 0221 – 9311596/9311597) bestellt werden. Darüber hinaus können sich Patienten und Interessierte eine DVD mit begleitenden Übungsanleitungen zuschicken lassen.


hilde

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 572
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Müde, unendlich müde, und dann ...? Das Fatigue-Syndrom
« Antwort #1 am: 10. Februar 2009, 21:40 »
09/02/09,12:00, Aerzte_Zeitung

Massage lindert Schmerz und Fatigue bei Brustkrebs

BERLIN (ikr). Eine Massagetherapie zusätzlich zur konventionellen Behandlung wirkt sich bei Frauen mit Brustkrebs positiv auf die Lebensqualität aus. Zum Beispiel wird die Schmerzwahrnehmung deutlich reduziert.

Das hat die Analyse von 14 Studien mit insgesamt fast 2000 Tumorpatienten ergeben. Es handelte sich vorwiegend um Brustkrebspatientinnen (Geburtsh Frauenheilk 68, 2009, 359). Die darin angewandten Massagetechniken reichten von der klassischen Massage bis zur Fußreflexzonentherapie. Am häufigsten wurde die klassische Massage geprüft.

Mit der Massagetherapie hatten sich in den meisten Studien die Schmerzwahrnehmung und die Ängstlichkeit der Patienten signifikant verringert, berichten Miriam Listing und ihre Arbeitsgruppe vom Brustzentrum der Charité in Berlin. Auch das Stressempfinden war in fünf Studien bei Patienten mit Massagetherapie geringer. Und in drei Studien waren Übelkeit und Fatigue reduziert im Vergleich zu Patienten ohne Massagen. Keine konsistenten Ergebnisse wurden für den Einfluss der Massage auf die Depressivität der Patienten gefunden.

http://www.univadis.de/medical_and_more/de_DE_Medizin_Detail?articleItemId=d81449c785680abc64e2b103d60ebe29

Josef

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 914
  • Geschlecht: Männlich
Die Frühjahrsmüdigk? Nicht das Fatigue-Syndrom?
« Antwort #2 am: 16. März 2009, 13:34 »
Frühjahrsmüdigkeit 
 
Jedes Jahr kommt sie auf und ist doch kaum erforscht. Es ist vielmehr sogar angezweifelt, ob es für ihre Existenz überhaupt eine wissenschaftliche Grundlage gibt: Die Frühjahrsmüdigkeit. Mit diesem sind Zustand und Zeitraum gemeint, in dem sich der Körper auf die neuen Licht- und Temperaturverhältnisse einstellen muss und deshalb nur schwerlich „in die Gänge" kommt. Viele Menschen leiden während dieser Phase unter Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Verdauungsstörungen.

Die Wissenschaftler sind sich allerdings nicht einig, was hierbei genau geschieht. Die einen vermuten, dass die Hormone Serotonin und Melatonin eine Rolle spielen, die anderen nehmen an, dass der Umstellungsprozess nicht überall gleichzeitig im Körper vollzogen wird, also nicht koordiniert abläuft.

Bei der Therapie hingegen sind sich wieder alle Experten einig. Gegen Frühjahrsmüdigkeit hilft vor allem frische Luft. Gehen Sie so viel wie möglich raus. So können Sie ausreichend Licht tanken und die Abgeschlagenheit rasch überwinden. Wenn die Symptome sich dennoch nicht verflüchtigen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, um auszuschließen, dass sich hinter den recht unspezifischen Symptomen eine Depression verbirgt.
 
 
 Autor: Wissen Gesundheit-Redaktion
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Jutta

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 957
  • Geschlecht: Weiblich
Studie zu Fatigue – Chronisches Müdigkeitssyndrom bei Brustkrebs
« Antwort #3 am: 14. August 2012, 00:12 »



Studie zu Fatigue – Chronisches Müdigkeitssyndrom bei Brustkrebs

Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, leiden häufig unter einem schweren Müdigkeitssyndrom, das in der Fachsprache als Fatigue bezeichnet wird. Diese Art von Erschöpfung und Leistungsabfall grenzt sich deutlich von dem normalen Maß gewohnter Müdigkeit ab. Viele Patientinnen, die unter Fatigue leiden, sind kaum noch in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. Die Ursachen finden sich in der Erkrankung selbst, können aber auch als Folge der Chemotherapie und Bestrahlung auftreten. Die Therapieansätze zur Behandlung der Fatigue sind bisher unzureichend.

Die MHH-Klinik für Rehabilitationsmedizin will betroffenen Frauen mit einem neuen Therapiekonzept helfen, das aus unterschiedlichen Bausteinen besteht. Zu diesem Konzept gehören Maltherapie, anthroposophische Eurythmietherapie, die Regulierung des Schlaf-Wachrhythmus und eine besondere Form der physiotherapeutischen Trainingstherapie.

Diese neue Kombinationstherapie, für die bereits gute klinische Erfahrungen vorliegen, soll im Rahmen einer weiteren klinischen Studie überprüft werden. Die Behandlungen werden zehnmal – ein bis zweimal Mal in der Woche- durchgeführt und nehmen jeweils etwa vier Stunden in Anspruch. Die Studienteilnahme ist kostenlos. Das Angebot richtet sich an Frauen mit einer Erstdiagnose in den vergangenen fünf Jahren ohne Metastasierung.

Eine Anmeldung ist erforderlich. Interessierte Patientinnen erhalten alle weiteren Informationen unter Telefon (0511) 532-4164, bei Fadime Candir.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38324