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admin

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« am: 09. April 2007, 21:35 »



Multiples Myelom, Morbus Waldenström, Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz



Definition
Klonale Erkrankungen von immunglobulinsynthetisierenden Zellen werden entsprechend der REAL-Klassifikation zu den Lymphomen gezählt.
Zu den klassischen Paraproteinämien zählen das multiple Myelom und der Morbus Waldenström. Beim multiplen Myelom (Synonyme: Plasmozytom, Morbus Kahler) kommt es zu einer klonalen Proliferation von Plasmazellen, die einerseits zu einer Zerstörung des Knochens, andererseits aber auch zu einer Verdrängung normalen Hämatopoese führen können. Die meisten Klone produzieren im Serum und/oder Urin nachweisbares monoklonales Immunglobulin der Klasse IgG, IgA oder IgD. Klonale Zellen eines lymphoplasmozytoiden Immunozytoms bilden am häufigsten IgM. Paraproteine können aber auch gelegentlich bei anderen Lymphomen auftreten. Schließlich zählt zu dieser Gruppe auch die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz.

Struktur der Immunglobuline

Das Immunglobulinmolekül besteht aus zwei Anteilen, von denen jeder aus einer schweren und einer leichten Kette zusammengesetzt ist. Die schwere Kette (IgG, IgA, IgD, IgE oder IgM) charakterisiert die Immunglobulinuntergruppe. Paraproteine repräsentieren die monoklonale Proliferation immunglobulinbildender Zellen und zeigen in der Elektrophorese einen schmalbasigen Proteingradienten. Sie können aber auch entweder isolierten schweren Ketten (H-Ketten Krankheit) oder isolierten leichten Ketten (Bence-Jones Paraproteine) entsprechen.

Vorkommen und Inzidenz

Die Inzidenz steigt im Alter stark an. 75% der Patienten sind über 60 Jahre alt. Die Inzidenz beträgt etwa 2-3 Neuerkrankungen pro 100.000 /Jahr. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig.

Symptome

– Schmerzen, verursacht durch Knochendestruktionen, die häufig die Wirbelsäule betreffen
– pathologische Frakturen, Zeichen der Anämie
– Infektanfälligkeit aufgrund des sekundären Immundefektes (Mangel an polyklonalen Immunglobulinen)
– Zeichen der Niereninsuffizienz, Hyperkalzämiesyndrom und Hyperviskositätssyndrom

Diagnostik

– Basisdiagnostik: Anamnese, klinische Untersuchung, Blutbild und Differentialblutbild, Elektrolyte einschl. Serumkalzium, Kreatinin, Harnstoff und Kreatininclearence
– Weiters Gesamtprotein, Serumelektrophorese, quantitative Bestimmung der Immunglobuline im Serum, Immunfixationselektrophorese, Serum-b-2 Mikroglobulin, CRP, qualitative und quantitative Bestimmung der Leichtkettenausscheidung (Bence Jones Protein) im Urin mittels Immunfixationselektrophorese
– Röntgenaufnahmen: Schädel, Schulter, Becken, gesamte Wirbelsäule und lange Röhrenknochen. Die Knochenszintigraphie ist beim multiplen Myelom der konventionellen Röntgendiagnostik unterlegen!
– Knochenmarkzytologie und/oder Histologie: Beckenkammpunktion zur Diagnosesicherung, zur Bestimmung von Infiltrationsgrad, Resthämatopoese und Plasmazellmorphologie.
– Zusatzdiagnostik: Kernspintomographie oder Knochen-CT (Frühinfiltration der Wirbelsäule in der konventionellen Röntgenaufnahme nicht ausreichend beurteilbare osteolytische Bezirke), Bestimmung von Plasma- und Vollblutviskosität, Organbiopsien bei Amyloidoseverdacht

Major Kriterien

– Plasmozytose im Gewebe
– Knochenmarksplasmozytose >30%
– Monoklonales IgG >35 g/l bzw. IgA >20 g/l
– Bence Jones Proteinurie >1 g/24 h

Minor Kriterien

– Knochenmarksplasmozytose 10-30%
– Monoklonales IgG >35 g/l bzw. IgA >20 g/l
– Osteolysen
– sekundärer Immunglobulinmangel

Die Diagnose eines multiplen Myeloms gilt als gesichert, wenn mindestens 1 Major- und 1 Minor Kriterium zutreffen (Durie 1986). Obligate Minor Kriterien sind einerseits die Knochenmarksplasmozytose oder der Paraproteinnachweis im Serum.

Wichtigste Differentialdiagnosen

– Monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS, benigne monoklonale Gammopathie, andere paraproteinbildende Lymphome (z.B. Morbus Waldenström),
– andere Tumoren mit Osteolysen.

Kriterien für die Diagnose einer MGUS

– Monoklonale Gammopathie IgG <35 g/l bzw. IgA <20 g/l bzw. Bence Jones Proteinurie <1 g/24 Stunden
– Knochenmarksplasmozytose <10%
– keine Osteolysen
– keine Symptome
– keine Anämie, Niereninsuffizienz oder Hyperkalzämie

Kriterien für die Diagnose eines smoldering multiplen Myeloms (SMM)

– Monoklonale Gammopathie IgG >35 g/l bzw. IgA >20 g/l bzw. Bence Jones Proteinurie >1 g/24 Stunden
– Knochenmarksplasmozytose zwischen 10 und 20%
– Keine Osteolysen
– Keine Anämie, Niereninsuffizienz oder Hyperkalzämie

Kriterien für die Diagnose eines immanenten multiplen Myeloms (IMM)

– Monoklonale Gammopathie IgG <70 g/l bzw. IgA <50 g/l bzw. Bence Jones Proteinurie <10 g/24 Stunden
– Knochenmarksplasmozytose zwischen 20 und 30%
– Zwei oder drei kleine Osteolysen, keine Kompressionsfraktur
– keine Hyperkalzämie
– milde Anämie
– keine Symptome

Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung des Multiplen Myeloms nach Durie und Salmon hat prognostische Bedeutung. Sie gründet sich auf Berechnungen der Tumorzellmasse zum Zeitpunkt der Diagnose und kann deshalb nur vor Beginn der ersten Chemotherapie angewendet werden.
Stadium I
Alle folgenden Kriterien sind erfüllt:
     – Hämoglobin >10 g/dl
– Serumkalzium normal
– röntgenologisch untersucht normale Knochenstruktur oder nur ein solitärer Herd
– niedrige Myelomproteinkonzentration IgG <50 g/l bzw. IgA <30 g/l bzw Bence Jones Proteinurie <4 g/24 Stunden
Stadium II
     – Patienten, die nach den Kriterienweder zum Stadium I noch zum Stadium III gehören
Stadium III
     Mindestens eines der folgenden Kriterien ist erfüllt:
Hämoglobin < 8,5 g/dl
Serumkalzium erhöht
fortgeschrittene Knochenläsionen
hohe Myelomproteinkonzentration IgG > 70 g/l bzw. IgA > 50 g/l bzw. Bence Jones Proteinurie > 12 g/24 Stunden
Zusatz: A ist normale Nierenfunktion, B ist eingeschränkte Nierenfunktion

Verlauf und Prognose

Ohne Therapie beträgt die mittlere Lebenserwartung vom Auftreten der ersten Krankheitssymptome an gerechnete durchschnittliche 18 Monate. Durch Zytostatika kann die Lebenserwartung allerdings bei vielen Patienten verlängert werden. Entsprechend der Verdopplungszeit der Plasmazelle ist der Verlauf sehr unterschiedlich und kann bis zu 10 Jahre betragen. Die beste Prognose haben Patienten, die bei Diagnosestellung keine Allgemeinsymptome erkennen lassen. Prognostisch ungünstig sind schwere Anämie, Hyperkalzämie, Niereninsuffizienz, hoher Paraproteinspiegel, Fieberschübe unklarer Genese, Gewichtsreduktion, Bence Jones Paraproteinämie und IgD Plasmozytom. Das IgA Plasmozytom hat eine schlechtere Prognose als das IgG Plasmozytom. Patienten mit MGUS sollten in jährlichen Abständen kontrolliert werden, da solche Patienten ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines multiplen Myeloms aufweisen.
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Therapie
Die Therapieempfehlungen entsprechen dem aktuellen Stand der Medizin und werden bei Bedarf, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr überarbeitet bzw. aktualisiert.
Für die medikamentöse Therapie werden vom Autor in der Regel nur die Substanzgruppen bzw. Substanzen angegeben.

Die Therapie des multiplen Myeloms ist palliativ. Es ist wahrscheinlich, aber bisher noch nicht endgültig gesichert, dass einzelne Patienten mit allogener oder autologer Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation kurativ behandelt werden können.

Ein Behandlungskonzept für Patienten mit multiplem Myelom muss abhängig von Ausmaß und den Komplikationen der Erkrankung die Möglichkeiten der Chemotherapie, der Strahlentherapie und supportiver Maßnahmen (Schmerzbehandlung, Blutersatz, Immunglobulinsubstitution), einzeln oder kombiniert angewendet, berücksichtigen.

Eine Chemotherapie ist indiziert bei Symptomen, die durch die Behandlung gebessert werden können (z.B. Schmerzen aufgrund von Knochendestruktionen, Anämie, Hyperkalzämie), bei drohenden Komplikationen oder Zeichen der Progredienz. Patienten im Stadium I sind deshalb zum Zeitpunkt der Diagnose nicht behandlungsbedürftig, müssen jedoch im weiteren Verlauf beobachtet werden. Dies gilt auch für einen Teil der Patienten im Stadium II. Dagegen kann bei Patienten im Stadium III von einer Behandlungsbedürftigkeit ausgegangen werden.

Die 3-4 malige Verabreichung einer VAD (Vincristin, Adriblastin, Dexamethason) Chemotherapie, gefolgt von einer autologen Knochenmarktransplantation hat sich bei Patienten unter 60 Jahren, verglichen mit konventioneller Chemotherapie, als überlegen erwiesen. Aus diesem Grund sollte bei Myelompatienten, die für eine Hochdosistherapie mit Stammzellersatz in Frage kommen, eine solche Therapie im Anschluss an eine konventionelle Chemotherapie erwogen werden. Bei Patienten, die für ein derartiges Vorgehen ungeeignet sind, gilt eine Therapie mit Melphalan (0,25 mg/kg Tag 1 - 4 peroral) und Prednison (1 - 2 mg/kg Tag 1 - 4 p.o.) nach wie vor als Standardtherapie. Die Zyklen werden in 4-6 wöchigen Abständen wiederholt, wobei 1-2 Zyklen über die maximal erreichbare Remission hinausbehandelt werden sollte.

Bei Patienten, die eine Interferontherapie tolerieren, kann durch eine solche die Dauer der Remission signifikant verlängert werden. Der Einsatz von Biphosphonaten kann bei Patienten mit Osteolysen Schmerzen und Frakturrisiko günstig beeinflussen und eine allfällige Hyperkalzämie beseitigen. Indikationen zur Strahlentherapie sind frakturgefährdete osteolytische Skelettanteile, Nachbestrahlung chirurgisch versorgter pathologischer Frakturen, sowie primär operativ versorgter Querschnittsyndrome, extramedulläre Plasmazelltumoren sowie die palliative Bestrahlung bei Schmerzen aufgrund von Knochenbefall. Ein chirurgisches Vorgehen erfordern pathoplogische Frakturen im Bereich tragender Skelettanteile sowie drohendes oder beginnendes Querschnittsyndrom. Aufgrund seiner antiangiogenetischen Wirksamkeit scheint auch Thalidomid eine zunehmende Rolle bei der Behandlung des multiplen Myeloms zuzukommen.
« Letzte Änderung: 12. Juli 2007, 18:58 von admin »

Werner

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Helfen trotz Hiobsbotschaft
« Antwort #1 am: 12. September 2007, 01:24 »
Helfen trotz Hiobsbotschaft


Unbekannte Erkrankung: Die Krankenschwester Elke Weichenberger erhielt 2002 die
Nachricht über ihre Erkrankung Knochenmarkkrebs. Auch Multiples Myelom genannt,
ist diese unheilbare Lymphomerkrankung oft noch unbekannt. Neun Monate dauerte
es bis zur Diagnose.


Nach der Diagnose:Über ein Jahr dauerte die Behandlung mit Chemotherapie und
Stammzellentransplantation. Die Krankheitszeichen waren dann vorübergehend verschwunden,
2004 aber wurde der Krebs wieder aktiv. Genau zu der Zeit, als die Salzburgerin
die Organisation Myelom und Lymphom Hilfe Österreich gründete.


"Es geht ums nackte Überleben"

Wenn man nach der Diagnose Krebs aus dem Schockzustand erwacht, steht man
vor einer harten Realität: "Es geht um das Überleben", weiß Elke Weichenberger.
Neben der Gesundheit steht auch die finanzielle Existenz auf dem Spiel.

Obwohl viele Lymphomerkrankungen wie etwa das Multiple Myelom (MM) unheilbar sind,
werden Betroffene nicht unbedingt als lebenslänglich berufsunfähig eingestuft.Der Körper
sieht das anders: Für viele Berufe können Erkrankte die notwendigen Energien nicht aufbringen.

Die Organisation Myelom und Lymphom Hilfe Österreich setzt sich ein, informiert über Finanzierungs- und Pflegemöglichkeiten und unterstützt Betroffene und Angehörige - etwa beim Welt-Lymphom-Tag am 15. September in Wien.


"Man lernt: Das Leben ist eine Achterbahnfahrt"

Die Prognose: Maximal zwei Jahre zu leben. Die Diagnose: Knochenmarkkrebs, auch Multiples Myelom (MM) genannt. Als Elke Weichenberger 2002 von ihrer unheilbaren Krankheit erfuhr, war sie zutiefst schockiert. Dann erkannte sie: "Entweder ich weine nur noch die nächsten Monate, oder mache das Beste aus meinem Leben." Fünf Jahre später macht die 35-Jährige auch beruflich das Beste daraus: Sie gründete und leitet nun die Krebs-Organisation Myelom und Lymphom Hilfe Österreich. Im KURIER spricht sie über einen Job, der die tägliche Konfrontation mit Krankheit bringt. Ihr Lohn: Hilfe für andere und ein ehrliches Lächeln.

KURIER:Wie geht es Ihnen?

Elke Weichenberger: Im Moment, hier bei unserem Gespräch auf der Salzburger Steinterasse, geht es mir gut. Aber mein Zustand ist nicht stabil, kann sich schnell verschlechtern: Ein Leben mit Krebs ist eine unberechenbare Achterbahnfahrt. Das muss man lernen.

Was bewegt Sie dazu, trotz dieser unheilbaren Krankheit zu arbeiten?

Ich habe nach meiner Therapie versucht, wieder als Krankenschwester zu arbeiten. Das hat nicht funktioniert, für Nachtschichten habe ich etwa keine Energien. Das stimmt mich traurig. Mit unserer Organisation kann ich nun anderen helfen.

War das Ihre einzige Motivation?

Nein, auch meine Erfahrungen motivierten mich. Als ich 2002 die Diagnose erhielt, gab es kaum Auskünfte über die Krankheit, obwohl jährlich 400 Personen in Österreich am Multiplem Myelom erkranken. Ich will die Recherche erleichtern.

Nützt Ihre Erfahrungen als Krankenschwester?

Ja, denn ich verstehe die medizinischen Hintergründe und habe gelernt, mit Menschen umzugehen.

Das hilft aber nicht, eine Organisation zu gründen. Gab es Schwierigkeiten?

Anfangs natürlich, ich musste Mithelfer finden. Zu Beginn waren wir eine Gruppe von Betroffenen, die sich gegenseitig unterstützt haben. Die Entwicklung ist erstaunlich: Heute sind wir österreichweit aktiv, haben 400 Mitglieder und kooperieren mit führenden Ärzten.

Eine intensive Aufgabe . . .

Ich arbeite oft bis drei Uhr nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Diesen Einsatz könnte ich für ein anderes Projekt nicht aufbringen. Aber: Hier geht es um Menschenleben. Krebs verändert alles. Viele verlieren den Job. Woher soll man etwa wissen, wo es Pflegegeld gibt?

Sie leiten damit auch eine Servicestelle?

Genau. Die Homepage informiert (die mit dem at.Award ausgezeichnet wurde, Anm. der Redaktion), wir fassen Forschungs-Erkenntnisse zusammen und organisieren Kongresse.

Aufgaben, die Sie nicht gelernt haben. Woher haben Sie diese Kompetenzen?

Ich habe mir alles beigebracht. (Lacht.) Und ich weiß: Aus Fehlern lernt man. Neulich, bei einem Symposium etwa, haben wir den Anmeldeschluss vergessen.

Was passiert, wenn Sie als Organisatorin ausfallen ?

Alle im Team sind Betroffene. Es kommt vor, dass man ausfällt. Dann staut sich vieles auf, aber die Zusammenarbeit macht stark.

Wie gehen Sie damit um, sich täglich mit dem Thema Krankheit zu beschäftigen?

Für mich ist es eine Form der Bewältigung. Ich bin durch die Organisation auf dem aktuellsten Stand.

Was haben Sie Arbeit und Krankheit gelehrt?

Ich war immer selbstständig, und musste erst lernen Hilfe anzunehmen. Ich bin direkter geworden und rede nicht um den heißen Brei. Außerdem habe ich gemerkt: Hinter der Frage "wie geht es dir?" kann sehr viel, oder auch gar nichts stehen.


http://www.myelom.at
« Letzte Änderung: 12. September 2007, 01:27 von Werner »

Dietmar E.

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Überlebensraten beim Multiplen Myelom deutlich verbessert
« Antwort #2 am: 06. April 2008, 21:58 »

In den letzten Jahren hat die Behandlung des Multiplen Myeloms Fortschritte gemacht: Mit der autologen Stammzelltransplantation, Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib konnten sich neue, effektive Therapieverfahren etablieren. Der Erfolg zeigt sich nun, denn die Überlebensraten sind vor allem bei jüngeren Patienten deutlich angestiegen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die unter Federführung von Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg durchgeführt wurde (Blood 111 [2008] 2521-2526). In der Vergangenheit starben die meisten Patienten mit Multiplem Myelom innerhalb von fünf bis zehn Jahren. Mittlerweile eröffnet die autologe Stammzelltransplantation neue Möglichkeiten.

Bei Patienten, die nicht hierfür in Frage kommen, lösen Behandlungsschemata, die zusätzlich eine der drei neueren Substanzen Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib enthalten, rein chemotherapiebasierte Regime ab.
Daten von mehr als 26.000 Patienten

Es ist daher interessant, nach den aktuellen Überlebensraten zu sehen. Die Autoren nutzten für ihre Analyse Daten des US-amerikanischen National Cancer Institute. Aus einer Population von rund 30 Millionen Menschen, repräsentativ für die US Bevölkerung, machten sie 26.523 Patienten ausfindig, bei denen zwischen 1980 und 2004 erstmalig ein Multiples Myelom diagnostiziert worden war und die in ihrer Vorgeschichte frei von Tumorerkrankungen waren. Anschließend bestimmten sie die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten und verglichen die Trends in den Zeiträumen 1990-1992 und 2000-2004.

Etwa die Hälfte der Patienten war zum Zeitpunkt der Diagnose 70 Jahre und älter, nur weniger als 10 Prozent 50 Jahre oder jünger. Allerdings stieg der Anteil von Patienten unter 70 Jahren von 1990/1992 bis 2000/2004 um die Hälfte an. Insgesamt nahm die relative 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 1990/1992 und 2000/2004 von 28,8 auf 34,7 Prozent zu, die relative 10-Jahres-Überlebensrate von 11,1 auf 17,4 Prozent.
Am meisten Fortschritte bei den unter 50-Jährigen

Am stärksten profitierte die Altersgruppe der unter 50-jährigen, die im Zeitraum 2000/2004 relative 5- und 10-Jahres-Überlebensraten von 56,7 beziehungsweise. 41,3 Prozent aufwies. In der Gruppe 50- bis 59-Jährigen betrugen die entsprechenden Zahlen 48,2 respektive 28,6 Prozent. Bei Patienten, die zwischen 60 und 69 Jahre alt waren, konnten die Autoren nur geringe Steigerungen beobachten, die jedoch nicht signifikant waren. Noch ältere Patienten wiesen nahezu keine Veränderungen auf.

Nach Ansicht der Autoren spiegeln die verbesserten Überlebensraten die Fortschritte in der Therapie und deren Umsetzung im Alltag wider.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Cécile

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Re: Überlebensraten beim Multiplen Myelom deutlich verbessert
« Antwort #3 am: 07. April 2008, 00:46 »
. . . In den letzten Jahren hat die Behandlung des Multiplen Myeloms Fortschritte gemacht: Mit der autologen Stammzelltransplantation, Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib konnten sich neue, effektive Therapieverfahren etablieren. Der Erfolg zeigt sich nun, denn die Überlebensraten sind vor allem bei jüngeren Patienten deutlich angestiegen . . .
. . . lösen Behandlungsschemata, die zusätzlich eine der drei neueren Substanzen Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib enthalten, rein chemotherapiebasierte Regime ab . . .
Thalidomid ist nicht neu sondern uralt hieß früher CONTERGAN
Lenalidomid ist im Prinzip die gleiche Substanz, minimal verändert um es extrem teuer auf den Markt zu bringen.
Beide Substanzen gehören zur Klasse ERHALTUNGSTHERAPIE
. . . und Bortezomib ist Velcade und ist nichts anderes als eine Chemo   ??? also: löst jetzt die Chemo die Chemo ab ?


Zitat
. . . Die Autoren nutzten für ihre Analyse Daten des US-amerikanischen National Cancer Institute. Aus einer Population von rund 30 Millionen Menschen, repräsentativ für die US Bevölkerung, machten sie 26.523 Patienten ausfindig, bei denen zwischen 1980 und 2004 erstmalig ein Multiples Myelom diagnostiziert worden war und die in ihrer Vorgeschichte frei von Tumorerkrankungen waren. Anschließend bestimmten sie die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten und verglichen die Trends in den Zeiträumen 1990-1992 und 2000-2004 . . . Am stärksten profitierte die Altersgruppe der unter 50-jährigen, die im Zeitraum 2000/2004 relative 5- und 10-Jahres-Überlebensraten von 56,7 beziehungsweise. 41,3 Prozent aufwies . . .
. . . ich finde das immer wieder faszinierend: Überlebensraten, die die Statistiker ermitteln . . . die Jahreszeiträume 2000/2004 betreffend . . . wir haben gerade mal 2008 . . . wie kommt man dann zu solchen Daten (5- und 10-Jahres-Überlebensraten)?

Lesen können ist von Vorteil - rechnen können aber auch!



Zitat
. . . Nach Ansicht der Autoren spiegeln die verbesserten Überlebensraten die Fortschritte in der Therapie und deren Umsetzung im Alltag wider . . .

Ich würde ganz herzlich drum bitten nicht jeden Blödsinn zu zitieren, denn allein schon die Tatsache, dass das Multiple Myelom eine sehr seltene Erkrankung ist verbietet statistische Spielereien dieser Art. Hinzu kommt, dass es so viele individuelle Unterschiede gibt, dass sich aber überhaupt nichts und niemand über einen Kamm scheren lässt. Wenn in so einer Statistik auch Erkrankte des Stadiums I und II erfasst worden sind, dann sind die Überlebensraten geradezu lachhaft. Diese Erkrankung verläuft über viele viele Jahre meist völlig unbemerkt und wird oft erst als Zufallsbefund oder nach einer pathologischen Fraktur diagnostiziert.

Abgesehen davon, dass die Herren/Damen in Weiß sich die Daten so drehen wie sie es gerade brauchen: meinem Mann wurde vor noch nicht einmal 2 Jahren suggeriert, dass - so er nicht sofort in eine Behandlung einwilligt - das Ende nah ist. Sie brauchten halt noch einen für eine Studie der noch unter 60 war und keine anderen Vorerkrankungen hatte. Dieses Studiendesign hätte ihn beinahe das Leben gekostet.
Er ist einfach nicht mehr in der Klinik erschienen . . . glaube nun bitte niemand, dass das einen Niederschlag in deren Statistik finden wird  :-X DROP OUT nennt man diese Kandidaten, die die weitere Zusammenarbeit aufgekündigt haben.

Glaube keiner Statistik - außer Du hast sie selber gefälscht  ;D

LG
Britta
« Letzte Änderung: 07. April 2008, 00:49 von Cécile »

Dietmar E.

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Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg
« Antwort #4 am: 07. April 2008, 10:51 »
Hallo Britta,
ich habe mitbekommen, dass du dich als "ausgebildete Fachjournalistin geoutet hast". Leider kannst du in diesem speziellen Fall auch viel als Angehörige kund tun.
Mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hatte ich auch schon Kontakt. Diese 1:1 wiedergegebene Aussendung hast du ganz schön zerpflückt, mit deinem Wissen. Dadurch wissen einige Interessierte einiges mehr, was dahinter steckt; danke!
Du meinst zwar, dass das Multiple Myelom selten sei. Leider habe ich im letzten halben Jahr mehrmals mit so erkrankten Patienten zu tun gehabt. Vielleicht auch, weil das Wissen zu ihrer Erkrankung vermehrt gesucht wurde/wird.
Ist dieses Deutsche Krebsforschungszentrum ein rein privates Institut, oder doch eine öffentliche Einrichtung? Es klingt nämlich hoch offiziell, "staatseigen". Das wäre interessant, um zu wissen, wie die einzustufen sind.
Liebe Grüße
Dietmar
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Werner

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Plasmozytom (Multiples Myelom)
« Antwort #5 am: 11. Dezember 2015, 13:15 »




Non-Hodgkin-Lymphom

Plasmozytom (Multiples Myelom)

Das Plasmozytom oder multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems und gehört zu den Non-Hodgkin-Lymphomen. Es kommt zu einer übermäßigen Anreicherung krankhaft veränderter Plasmazellen im Knochenmark. Dies führt zu ....http://www.lifeline.de/krankheiten/plasmozytom-multiples-myelom-id44789.html