Autor Thema: Blasenkrebs: Neue Richtlinien in den USA und in Europa  (Gelesen 6217 mal)

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Edi

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Blasenkrebs: Neue Richtlinien in den USA und in Europa
« am: 20. Dezember 2007, 19:29 »
Neue Behandlungs-Richtlinien für den oberflächlichen Blasenkrebs

(update des Originaldokuments von 1999)

 

Schlußfolgerungen auf Basis der neuesten Studienergebnisse:

 

●  Ein genaues klinisches staging ist für die Behandlungsentscheidung sehr wesentlich.

     Deshalb wird die Durchführung einer WIEDERHOLTEN TUR-B vor der intra-

     vesikalen Behandlung in Situationen empfohlen, in denen ein T1 hohen gradings OHNE     

     mikroinvasiven Muskelanteil in der Biopsie (bzw. in besonderen Fällen mit mikroinvasi-

     vem Muskelanteil) vorliegt.

●  Eine einzelne postoperative Chemotherapeutikum-Instillation kann nach unkomplizier-

     ten Resektionen*1 das Rezidivrisiko senken.

●  Bei Erkrankung niedrigen Risikos ist die Immuntherapie  der Chemotherapie nicht eindeu-

     tig überlegen.

     Patienten mit hohem Rezidiv- und niedrigem Progressionsrisiko sollte ein intravesikales

     Induktionsregime*2 eines Chemo- oder Immuntherapeutikums verordnet werden.

●  Ein Mitomycin-C-Induktionsregime in Verbindung mit einer Erhaltungstherapie*3 er-

     höht die Wirksamkeit des Medikamentes bei der Rezidivprävention.

     Allerdings gibt es noch keine Bestimmungen hinsichtlich optimaler Dosis, Durchführung

     und Dauer der Erhaltungstherapie.

●  Bei Patienten mit Hochrisikotumoren*4 senkt die Kombination von BCG-Induktions- und

     Erhaltungstherapie die Rezidivrate und vielleicht die Progressionsrate.

     Auch hier gibt es keine optimalen Behandlungs-Schemata oder Vorschriften über die Be-

     handlungsdauer. Es liegen Daten vor, die das SWOG-Regime*5 unterstützen.

 

*1 Resektionen, bei denen keine schwereren Verletzungen aufgetreten sind.

*2 Vier bis sechs Wochen lang WÖCHENTLICHE Instillationen.

*3 Ein bis drei Jahre lang MONATLICHE Instillationen.

*4 Tumoren mit hohem grading. Ein typischer Hochrisikotumor ist das Carcinoma in situ (Cis

     oder Tis).

*5 Ich kenne diesen Behandlungsplan nicht. Er wird u.a. in diesem für BCG-Menschen in-

     teressanten link erwähnt (für dessen Übersetzung ich im Moment leider keine Zeit habe):

 

http://www.aeras.org/news/documents/BCGImmunotherapyofBladderCancer2006.pdf

 

« Letzte Änderung: 20. Dezember 2007, 20:02 von Edi »

Dietmar E.

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Blasenkrebs: Neue Richtlinien
« Antwort #1 am: 11. Mai 2008, 11:31 »
Blasenkrebs: Neue Richtlinien

Hier unten als Anlage!


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« Letzte Änderung: 11. Mai 2008, 11:34 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

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Blasenkrebs: Neue Richtlinien in den USA und in Europa
« Antwort #2 am: 12. Mai 2008, 11:50 »
Auf dem jährlichen Treffen der urologisch-onkologischen Gesellschaft in Bethesda/Maryland (29.Nov.-1.Dez.) wurden die neuen amerikanischen und europäischen Behandlungsrichtlinien für nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs vorgestellt.

Die beiden Richtlinien ähneln einander, aber die amerikanischen sind strenger.
So wird z.B. in Europa bei einem Niedrigrisiko-Tumor (ich nehme an TaGI) und einer tumorfreien Zystoskopie nach 3 Monaten eine jährliche Überwachung empfohlen, was mir ziemlich gewagt erscheint.

- Bei einem Tumor am Blasenhals oder einem CIS-Verdacht sollte eine Biopsie der prostatischen Harnröhre gemacht werden.

- eine Mitomycin-Frühinstillation am selben Tag wird empfohlen.

- bei T1-Tumoren sollte ein bis vier Wochen nach der ersten TUR eine erneute Resektion vorgenommen werden. (Bei bis zu 30% der Patienten wird bei dieser Nachresektion ein T2 gefunden.)

- CIS beinhaltet 20% Progressionsrisiko. Dennoch ist bei Erst-CIS NICHT eine Zystektomie, sondern BCG angezeigt.

- BCG ist allen Chemotherapeutika überlegen. Die Erhaltungstherapie sollte mindestens 1 Jahr, besser 3 Jahre dauern. Allerdings tolerieren nur 16% der Patienten die Nebenwirkungen.

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45% der BK-Patienten werden nach TUR-B allein innerhalb von 12 Monaten ein REZIDIV* (erneuter Tumor) erleiden.
* Die Gründe dafür vermutet man in einer Kombination aus nicht gefundenen Tumoren, unvollständiger Resektion, durch die Resektion abgeschilferten und neu implantierten Tumorzellen und/oder neu entstandenen Tumoren aus Risiko-Urothel.

Die Behandlungsrichtlinien des nicht muskelinvasiven Blasenkrebses umfassen die Bereiche
STANDARD (S), EMPFEHLUNG (E) und OPTION (O).

Grundsätzlich sollte die Behandlung INDIVIDUELL an den Patienten angepaßt werden.

PATIENTENTYP 1:
neuvorstellig mit einem abnormen Urothelgewächs.

S: Biopsie (Gewebeprobe), vollständige Tumorentfernung, bei bestätigter Krebsdiagnose zystoskopische Überwachung(regelmäßige Blasenspiegelungen).

O: Sofort nach der TUR kann eine einfache Chemodosis verabreicht werden (Frühinstillation).

PATIENTENTYP 2:
vorstellig mit kleinem, niedriggradigem (GI) Ta.

E: postoperative (NACH TUR) Frühinstillation.

PATIENTENTYP 3:
multifokal (MEHRERE Stellen) und/oder große oder wiederholte niedriggradige Tumore.

E: BCG- oder Mitomycin C- Induktionsschema
(4-6 Wochen lang wöchentliche Instillationen)

O: BCG- oder Mitomycin-Erhaltungstherapie* ist zu erwägen.
* monatliche Instillationen 1-3 Jahre lang

PATIENTENTYP 4:

hochgradige (G[II-]III) Ta, T1 und/oder Tis.

S: bei T1-(Invasion der Lamina propria = Membran, welche die Schleimhaut von der Muskelschicht trennt)-Patienten sind VOR der intravesikalen (das Therapeutikum kommt IN DIE BLASE rein) Therapie wiederholte NACHRESEKTIONEN zu machen.

E: BCG-Induktions- und Erhaltungstherapie.

O: Bei ausgewählten Patienten ist die Zystektomie zu erwägen.

PATIENTENTYP 5:

hochgradiger Ta, T1 und/oder Tis TROTZ intravesikaler Therapie.

S: bei T1 VOR der intravesikalen Therapie wiederholte NACHRESEKTIONEN.

E: ZYSTEKTOMIE Entfernung der Blase) sollte erwogen werden.

O: Weitere intravesikale Therapie.

Behandlungs-Komplikationen:
Sie umfassen SCHRUMPFBLASE (selten), Nebenhoden-, Prostataentzündung, Harnwegsinfekte, Blut im Urin, Symptome des unteren Harntrakts (Brennen beim Wasserlassen, Harndrang usw.).
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)