Autor Thema: Benigne Prostatahyperplasie (BPH)  (Gelesen 8487 mal)

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Edi

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Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
« am: 07. Januar 2008, 00:21 »
Benigne Prostatahyperplasie (BPH) 

Zusammenfassende Literatur: (Burnett und Wein, 2006) (DGU, 2003a) (DGU, 2003b) (Madersbacher u.a., 2004).

Definitionen

Häufige Hyperplasie der periurethralen Mantelzone (Transitionalzone) der Prostata mit Miktionsbehinderung (LUTS).
LUTS (lower urinary tract symptoms):

obstruktive und irritative Miktionsbeschwerden, welche jedoch nicht spezifisch für die BPH sind.

Pathologische Definition der BPH:
Hyperplasie der epithelialen und stromalen Komponente der Prostata mit grobknotiger Organvergrößerung.

Klinische Definition der BPH:
Miktionsbeschwerden (LUTS), Harnblasendysfunktion, Hämaturie oder Harnwegsinfekte aufgrund von pathologischer BPH.

Epidemiologie
Die epidemiologischen Daten zur BPH sind stark abhängig von der Betrachtungsweise: pathologisches Prostatavolumen, Harnflussmessungen, subjektive und objektive Beschwerden und die Betrachtung der Parameter in Kombination.

Pathologische Prävalenz der BPH:
bei pathologischer Betrachtungsweise existiert abhängig vom Alter eine zunehmende Prävalenz beginnend ab dem 35 LJ, jede Dekade nimmt die Prävalenz um 15% zu. Fast 100% der 90jährigen haben im pathologischen Sinne eine BPH. Die pathologische Prävalenz korreliert jedoch nicht mit der klinischen Bedeutung.

Zunahme des Prostatavolumens:
von 25 ml (30 bis 35 LJ) auf 45 ml (70 LJ), Transitionalzonenvolumen nimmt von 15 ml auf 25 ml zu (gleiche Altersgruppen).

Abnahme des maximalen Harnflusses:
der maximale Harnfluss sinkt von 20 ml/s (40 bis 44 LJ) auf 11 ml/s (75 bis 79 LJ), gleichzeitig verringert sich das Miktionsvolumen von 355 ml auf 223 ml.

Kombinierte Betrachtung:
das Risiko einer klinisch bedeutsamen BPH kann durch eine kombinierte Betrachtung von Symptomen (IPSS), Harnstrahl und Prostatavolumen besser als durch einzelne Parameter erfasst werden:
das Risiko an einer klinisch bedeutsamen BPH zu erkranken beträgt 10-20% (50-59 LJ) und 25-35% (60-79 LJ).

Mortalität:
deutliche Abnahme der Mortalität in den westlichen Ländern. Todesursachen sind das postrenale Nierenversagen und die Sepsis.

Harnverhalt:
die Häufigkeit eines Harnverhaltes liegt zwischen 4,5-18/1000 Personen-Jahren.
Je mehr Beschwerden, je größer die Prostata und je schwächer der Harnstrahl, desto wahrscheinlicher ist der Harnverhalt.

Risikofaktoren für die BPH:
die Epidemiologie der BPH ist weitgehend konstant, ohne starke genetische Faktoren oder Umgebungseinflüsse.

Adipositas:
zirkulierendes Östrogen kann die Stromahyperplasie initiieren, welche dann zur epithelialen Hyperplasie führt. Ein Risikofaktor für erhöhtes Östrogen ist eine Stammfettsucht.

Sexuelle Aktivität:
ist kein Risikofaktor für die BPH, umgekehrt verursacht die BPH erektile Dysfunktion.

Rauchen:
senkt moderat das Risiko einer klinisch signifikanten BPH, vermindert etwas die Prostatagröße und senkt das Risiko einer operativen Therapie.

Medikamente:
Antidepressiva, Antihistaminika oder Bronchodilatatoren verschlechtern die Symptomatik der BPH.

Prostatakarzinom:
die BPH ist kein Risikofaktor für das Prostatakarzinom.


Weiteres unter:
http://www.urologielehrbuch.de/bph_benigne_prostatahyperplasie.html


Josef

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Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
« Antwort #1 am: 13. April 2008, 12:05 »
Benigne Prostatahyperplasie (BPH): Kombinationsbehandlung vs. Monotherapie

Kombinationsbehandlung ist der Monotherapie erneut überlegen

Der Medical-Therapy-of-Prostatic-Symptoms-(MTOPS)-Trial,  die 2003 in NEJM publiziert wurde, war bisher grösste Studie zur medikamentösen Therapie der benignen Prostatahyperplasie (BPH). MTOPS-Studie (2) hatte gezeigt, dass eine Kombinationsbehandlung mit dem Alpha-Blocker Doxazosin (Cardular®) und 5-alpha-Reduktase-Hemmer Finasterid (Propecia®)  das Fortschreiten der benignen Prostatahyperplasie (BPH) stärker bremsen kann, als Monotherapie mit Alpha-Blocker oder 5-alpha-Reduktase-Hemmer.

In der aktuellen doppelblinden CombAT -Studie führten Mediziner aus den USA eine ähnliche Studie, jedoch mit Medikamenten neuerer Generation. Insgesamt 4844 Männer mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie (BPH) und Prostatavolumen ≥30 mm3 wurden entweder für den Alpha-Blocker Tamsulosin (Omnic®) oder für den 5-alpha-Reduktase-Hemmer Dutasterid (Avodart®), oder für eine Kombination aus den beiden Medikamenten randomisiert. Die Studie wurde von dem Hersteller von Dutasterid (Avodart®) gesponsort.

Der primäre Endpunkt war die Veränderungen in der „International Prostate Symptom Score“ (3).  Nach 2 Jahren besserten sich die Symptome signifikant mehr in der Kombinationstherapie-Gruppe , als in der Monotherapie-Gruppe. Medikamenten-Nebenwirkungen traten mit der Kombinationstherapie leicht höher als mit der Monotherapie. Studienabbruchrate war in beiden Gruppen ähnlich.

Fazit: Die Daten der aktuellen Studie bestätigen die Ergebnisse von MTOPS-Studie, dass medikamentöse Kombinationsbehandlung bei Patienten mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie (BPH).der Monotherapie überlegen ist. Im Unterschied zur MTOPS-Studie war die mittlere Prostatavolumen  in der jetzigen CombAT-Studie wesentlich  größer ((55 mm3 vs. 36 mm3).

Ob die Medikamente der neueren Generation (Dutasterid und Tamsulosin) als die älteren preisgünstigeren Generika (Finasterid und Doxazosin) wirksamer ist, lässt sich aus den Studiendaten nicht unbedingt ableiten.

   1.

      Roehrborn CG et al. The effects of dutasteride, tamsulosin and combination therapy on lower urinary tract symptoms in men with benign prostatic hyperplasia and prostatic enlargement: 2-year results from the CombAT study. J Urol 2008 Feb; 179:616
   2.

      Benigne Prostatahyperplasie: Kombinationsbehandlung ist Monotherapie überlegen. Therapie mit Doxazosin und Finasterid
   3.

      International Prostata-Symptomen-Score (IPSS)
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Dietmar E.

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Gutartig vergrößerte Prostata - Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
« Antwort #2 am: 26. Dezember 2008, 17:43 »

Jeder Angemeldete kann hier ganz unten in der Anlage

eine fachliche Info dazu herunterladen.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Geri

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Benigne Prostatahyperplasie: Alphablocker plus 5-ARI – gemeinsam stärker

EAU 2011:
Eine Vergrößerung der Prostata ist laut Daten einer US-Studie die vierthäufigste Diagnose bei Männern über 50 Jahre.[1] In der CombAT-Studie konnte gezeigt werden, dass die Kombination aus einem Alphablocker plus einem 5-Alpha-Reduktase-Inhibitor (5-ARI) die Symptome der benignen Prostatahyperplasie (BPH) im Vergleich zur Monotherapie signifikant stärker reduziert.

Verbesserte Symptomkontrolle durch Kombinationstherapie

„In der Mehrzahl der Fälle wird ein Mann mit LUTS eine Alphablocker-Monotherapie erhalten, obwohl diese Therapie nicht im Einklang mit aktuellen Guidelines steht und für einen beträchtlichen Teil der Patienten kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis bringt“, sagt Prof. Morgan Rouprêt, Abt. f. Urologie, Hôpital Pitié-Salpêtrière, Universität Paris VI (F). So hat eine Studie gezeigt, dass mehr als 50% der Patienten mit LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms), die eine Alphablocker-Monotherapie erhalten, innerhalb von fünf Jahren eine neuerliche Behandlung benötigen, wobei das Retreatment-Risiko mit der Prostatagröße korreliert.[2] Darüber hinaus weisen Patienten, die mit einer Monotherapie behandelt werden, im Vergleich zu jenen, die eine Kombination aus einem Alphablocker plus einem 5-ARI erhalten, ein erhöhtes Risiko für akutes Harnverhalten (AUR) und die Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs auf.[3]

Zur Evaluierung der Kombinationstherapie bestehend aus dem Alpharezeptorblocker Tamsulosin und dem 5-ARI Dutasterid in der Behandlung von Patienten mit symptomatischer benigner Prostatahyperplasie (BPH) und erhöhtem Progressionsrisiko (Prostatavolumen ≥30ccm) wurde die CombAT-Studie[4] initiiert. „Die Kombinationstherapie gewährleistete eine signifikant bessere Symptomlinderung als die beiden Monotherapien“, fasst Rouprêt die Resultate der CombAT-Studie zusammen. So konnte über einen Zeitraum von vier Jahren sowohl der Gesamt-IPSS (International Prostate Symptom Score) durch die Kombinationstherapie im Vergleich mit den beiden Monotherapien signifikant gesenkt werden wie auch die Speichersymptomatik und Entleerungsstörungen gebessert werden.[5] Dabei setzte die Symptomlinderung unter Kombinationstherapie genauso rasch ein wie unter Tamsulosin-Monotherapie. Darüber hinaus konnte das Risiko für AUR oder BPH-bedingte chirurgische Eingriffe durch die Kombination im Vergleich zur Monotherapie mit Tamsulosin um 65,8% (p<0,001) und mit Dutasterid um 19,6% (p=0,18) reduziert werden.

Die gute Symptomkontrolle unter Kombinationstherapie resultierte auch in einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität und Patientenzufriedenheit, die über zumindest vier Jahre angehalten hatte.[6]

Referenzen:

[1] Issa et al, Am J Manag Care 2006; 12 (4 Suppl): 83-89

[2] de la Rosette et al, J Urol 2002; 167: 1734-39

[3] McConnell et al, N Engl J Med 2003; 349 (25): 2387-98

[4] Roehrborn et al, Eur Urol 2010; 57: 123-131

[5] Montorsi et al, BJU Int 2011 Feb 23; doi: 10.1111/j.1464-410X.2011.10129.x. [Epub ahead of print]

[6] Montorsi et al, Int J Clin Pract 2010; 64: 1042-1061

Bericht: Mag. Harald Leitner

Quelle: 26. Jahrestagung der European Association of Urology (EAU), Satellitensymposium „BPH-Management: Meeting clinical objectives and patients expectations“ der Firma GlaxoSmithKline am 21. März 2011, Wien

Aktuelle Literaturempfehlungen:

    » Annexins in lower urinary tract: more than just a marker
    » Tissue Engineering: moderne Biomaterialien für die Blasenrekonstruktion
    » EAU-Kongress: Targeted Therapies bei mRCC im Spiegel aktueller Evidenz


http://urologie.universimed.com/artikel/benigne-prostatahyperplasie-alphablocker-plus-5-ari-%E2%80%93-gemeinsam-st%C3%A4rker


Werner

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Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
« Antwort #4 am: 18. Dezember 2015, 23:50 »
..::.. Medikamente zur BPS-Behandlung ..::..
Das BPS wird meist mit Phytopharmaka, Alpha-1-Blockern, 5-alpha-Reduktase-Hemmern oder Muskarinrezeptorantagonisten behandelt.
Therapieziele sowie Wirkungen der Einzelstoffe und Kombinationen werden hier näher vorgestellt. Diesen ebenfalls nach der neuesten Leitlinie überarbeiteten Artikel können Sie hier nachlesen:
http://www.prostata.de/bps_medikamente.html?pk_campaign=nl080

Werner

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BPS - Leitlinie
« Antwort #5 am: 18. Dezember 2015, 23:50 »

Gitti

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Prostatavergrößerung
« Antwort #6 am: 01. November 2016, 21:32 »




Prostatavergrößerung: Ursachen und Behandlung

Viele Männer jenseits der 50 haben eine vergrößerte Prostata. Für die meisten ist dies eine starke Einschränkung ihrer Lebensqualität. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Prostatavergrößerung: Ursachen und Behandlung
Zwei Prostata-Modelle, eines der vergrößerten Vorsteherdrüse, im Größenvergleich mit einer Kastanie. © Jeffrey Telner/OKAPIA Fotograf: Jeffrey TelnerDie Prostata hat etwa die Größe einer Kastanie. Ist sie vergrößert (li.), sind Probleme beim Wasserlassen typisch.
Wenn Mann nachts häufig zur Toilette muss, das Wasserlassen schmerzt oder nur kleine Urinportionen ausgeschieden werden, liegt das meist an der Prostata. Etwa jeder zweite Mann über 50 leidet an einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Sie umschließt die Harnröhre zwischen Blase und Schließmuskel. Die Ursache der gutartigen Vergrößerung der Prostata ist bisher nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass hormonelle Veränderungen sowie genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen.

 
Moderne Therapien gegen Prostatavergrößerung
Visite - 12.04.2016 20:15 Uhr Autor/in: Dr. Tilmann Hassenstein
Viele Männer jenseits der 50 haben eine vergrößerte Prostata. Für die meisten ist dies eine starke Einschränkung ihrer Lebensqualität. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

   
4,33 bei 15 Bewertungen
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Zur Diagnostik gehören zunächst die urodynamische Untersuchung (Messung des Harndrucks) und die Ultraschalluntersuchung der Blase und der Prostata. Zunächst sollten die Beschwerden medikamentös behandelt werden.

Welche Maßnahmen können bei leichten Beschwerden helfen?

Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Produkte: Präparate aus Kürbiskernen, Brennnesselwurz oder Sägepalmenfrüchten sind ohne Rezept erhältlich. Sie haben sich als hilfreich erwiesen bei Beschwerden wie vermehrtem Harndrang oder nachlassendem Harnstrahl. Auch Blasentraining ist eine sinnvolle Maßnahme bei vermehrtem Harndrang mit kleineren Urinmengen: Dabei versucht der Mann den Drang auszuhalten und erst später zur Toilette zu gehen. Beckenbodentraining hat bei einer gutartigen Prostatavergrößerung keine Wirkung, ist aber trotzdem sinnvoll, um einer Inkontinenz vorzubeugen.

Gefahr einer Blasenentzündung

Der Urologe sollte die Prostata per Ultraschall untersuchen, denn verbleibt aufgrund einer leicht vergrößerten Prostata regelmäßig etwas Urin in der Blase, können Prostata- und Harnwegsinfekte entstehen. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Harnstau. Eine Prostata-Entzündung wird mit Antibiotika bekämpft. α-Blocker entspannen die Muskulatur in der leicht vergrößerten Prostata und Harnröhre, damit das Wasserlassen leichter fällt. Sie haben allerdings keinen Einfluss auf das Größenwachstum der Prostata. Gegen eine stark vergrößerte Prostata helfen 5-α-Reduktase-Hemmer, durch die die Prostata nicht weiter wächst. Ihre Wirkung beruht auf einer Hemmung des Sexualhormons Testosteron.

OP: Ausschälung oder Laser

Bleibt eine Besserung der Beschwerden unter der medikamentösen Therapie aus, kann eine operative Therapie notwendig sein. Das Standardverfahren ist noch immer die Ausschälung der Prostata (Bipolare Turp): Mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop wird überschüssiges Gewebe mit einer Schlingenelektrode abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. Es gibt kein anderes operatives Verfahren, dessen langfristiger Erfolg so gut belegt ist. Wie bei jeder OP, kann es aber dabei auch zu Komplikationen kommen: Blutungen während und nach der Operation sowie das Auftreten einer dauerhaften Harninkontinenz können auftreten. In 60 bis 90 Prozent aller Fälle treten Ejakulationsstörungen auf. Die Fähigkeit zur Erektion bleibt aber in der Regel erhalten. Der Eingriff eignet sich nicht für Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko - zum Beispiel bei Einnahme von Marcumar.

Anstelle des elektrischen Vorgehens kann das Prostatagewebe auch mithilfe von Laserstrahlen entfernt werden. Während herkömmliche Laser (zum Beispiel Greenlight-Laser) das überschüssige Gewebe einfach komplett verdampfen und nur für gering vergrößerte Drüsen geeignet ist, schneiden Lichtskalpelle es heraus. Die Tulium-Laserenukleation eignet sich besonders für Patienten mit hohem Blutungsrisiko. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre, Blutungen verschweißt der Laser sofort. Ein spezielles Instrument zerkleinert das abgetragene Gewebe in der Blase, von dort wird es dann herausgespült. Sowohl die Blutungs- als auch die Inkontinenzrate ist dabei deutlich geringer als beim Ausschälen. Ein weiterer Vorteil dieser Laserbehandlung ist, dass das abgetragene Gewebe im Anschluss feingeweblich untersucht werden kann, um zum Beispiel eine Prostatakrebserkrankung auszuschließen.

Urolift: Langzeiterfahrungen fehlen noch

.  Urolift-Implantate (grün) raffen das Prostatagewebe.
Urolift-Implantate sind ein weiteres, schonendes Verfahren. Dabei wird die Prostata gerafft. Dazu werden durch die Harnröhre spezielle Anker in die Prostata eingebracht. Sie raffen das Prostatagewebe und erweitern dadurch den Durchmesser der Harnröhre. Der Harnfluss erhöht sich danach durchschnittlich um ein Drittel. Die Patienten geben eine Verbesserung der Symptome und eine Steigerung der Lebensqualität an. Im Rahmen von Studien konnten nur leichte Komplikationen wie Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin beobachtet werden. Das Verfahren eignet sich insbesondere für junge Pateinten, die ihre Zeugungsfähigkeit erhalten wollen. Die Prostata darf dabei nicht mehr als 60 Gramm wiegen. Die Vergrößerung darf also noch nicht weit vorangeschritten sein.

Da bei diesem Verfahren die Ursachen der Beschwerden nicht beseitigt werden, schreitet das Wachstum der Prostata fort. Die Verankerungen könnten dadurch möglicherweise im Verlauf ausreißen und eine weitere Therapie erforderlich sein. Daher müssen Langzeitstudien zeigen, ob sich die anfänglich guten Behandlungsergebnisse auch über einen längeren Zeitraum nachweisen lassen. Die Behandlung erfolgt momentan noch an wenigen Kliniken in Deutschland im Rahmen klinischer Studien. Die Kosten von etwa 1.500 Euro werden daher nicht von den Krankenkassen übernommen.

LINKS
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
Visite
Informationsportal zur Urologie extern
Jährliche Vorsorgeuntersuchung ratsam

Um eine Prostatavergrößerung und auch bösartige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können, sollten sich Männer mit Prostataleiden in der Familie frühzeitig, sonst ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich untersuchen lassen. Spätestens wenn Männer mehrmals nachts auf die Toilette müssen, sollten sie den Arzt aufsuchen, denn je früher ein Prostataleiden behandelt wird, desto geringer sind die Risiken.

WEITERE INFORMATIONEN
PD Dr. Thomas Herrmann 
04:39 min
Prostatavergrößerung - Experten-Interview
12.04.2016 20:15 Uhr
Visite
Welche Vor- und Nachteile haben die bekannten Verfahren? PD Dr. Thomas Herrmann im Gespräch mit Moderatorin Vera Cordes. Video (04:39 min)
Urologe Prof. Martin Burchardt aus Greifswald © NDR
"Nächtlicher Harndrang ist typisches Syndrom"
Was tun bei Prostatavergrößerung? Ist das Anhalten bei Harndrang schädlich? Diese und weitere Fragen hat Urologe Prof. Martin Burchardt im Mai 2013 im Chat beantwortet. mehr
Interviewpartner
Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Thomas Herrmann
Stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt der Sektion Minimalinvasive Chirurgie, Leiter Endourologie und Laparoskopie
Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neubert-Straße 1
30625 Hannover
Tel: (0511) 532 58 47
E-Mail: urologie.sekretariat@mh-hannover.de

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Martin Schönthaler
Oberarzt der Klinik für Urologie, Minimalinvasive Techniken und Steintherapie
Universitätsklinikum Freiburg, Department Chirurgie
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Tel. (0761) 27 02 89 30
E-Mail: martin.schoenthaler@uniklinik-freiburg.de
Internet: www.uniklinik-freiburg.de
Dieses Thema im Programm:
Visite | 12.04.2016 | 20:15 Uhr

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« Letzte Änderung: 09. März 2019, 20:07 von admin »

admin

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Benigne Prostatahyperplasie (BPH) - vergößerte Prostata
« Antwort #7 am: 23. Januar 2018, 20:02 »
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Diagnostik und Therapie des benignen Prostatasyndroms


Die benigne Prostatahyperplasie zählt zu den häufigsten urologischen Erkrankungen, die in der allgemeinmedizinischen Praxis anzutreffen sind. Da dem Allgemeinmediziner eine wichtige Schlüsselfunktion zur Identifikation von therapierelevanten Symptomen zukommt, sollte er auch mit den Grundzügen der Diagnostik, Therapieindikationen, Patientenselektion und allgemeinen Therapiemöglichkeiten vertraut sein.


Einführung und Begriffsdefinition

https://www.journalmed.de/schwerpunkte/anzeigen/50068