Autor Thema: Lungenkrebs - Überlebenschancen  (Gelesen 13402 mal)

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Dietmar E.

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Lungenkrebs - Überlebenschancen
« am: 23. Januar 2008, 23:49 »
Essen 23.01.2008

Mit einer speziellen Methode wollen
   Forscher um Martin Schuler vom Westdeutschen Tumorzentrum
   http://www.uni-essen.de/tumorforschung in Essen die Erfolgschancen bei
   Lungenkrebs deutlich heben. Damit die Chemotherapie den gewünschten
   Erfolg erzielt, sollen spezielle Eiweiße in die Krebszellen gebracht
   werden. Über die Forschungsarbeit haben die Mediziner im
   Wissenschaftsmagazin Nature berichtet.

   Lungenkrebs gehört zu den am häufigsten tödlich verlaufenden
   Tumorerkrankungen. Allein in Deutschland sterben jährlich etwa 35.000
   Menschen daran. Weltweit schätzen die Experten die Zahl der Todesopfer
   sogar auf über eine Million. Ein großes Problem der Erkrankung ist, dass
   sie meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Zur Behandlung
   kommen dann Chemo- und Strahlentherapie zum Einsatz. "Leider sprechen die
   nicht-kleinzelligen Lungentumoren nur eingeschränkt auf diese Behandlung
   an", so Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) des
   Universitätsklinikums Essen. Doch fast 80 Prozent der Betroffenen leiden
   an dieser Art der Krebsform. "Umso wichtiger ist es daher, hier zu
   forschen. So können wirkungsvollere Therapien entwickelt werden", erklärt
   Schuler.

   Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Schuler hat jetzt Erkenntnisse
   gewonnen, die tatsächlich Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer und
   wirksamerer Behandlungen sein können. "Wir konnten herausfinden, dass
   eine der Ursachen, warum die Chemotherapie bei manchen Patienten nicht
   wirkt, ein spezielles Eiweiß namens pp32 ist." Das Eiweiß beeinflusst,
   wie empfindlich die Lungentumore auf Medikamente reagieren, die ihren
   Selbstmord auslösen können. Dieses Selbstmordprogramm - auch "Apoptose"
   genannt - ist an der Wirkung der meisten Zytostatika und der
   Strahlentherapie beteiligt.

   Das Interessante an der Erkenntnis der Wissenschaftler war, dass
   Patienten, deren Lungenkrebszellen einen hohen pp32-Eiweißgehalt
   aufwiesen, besonders positiv auf die Chemotherapie reagierten. Sie
   überlebten dadurch auch deutlich länger. Lungenkrebszellen, die nur
   geringe Mengen des Eiweißes enthielten, zeigten hingegen eine starke
   Widerstandsfähigkeit gegenüber der Behandlung.

   Im Laborversuch konnten Schuler und sein Team dann tatsächlich
   nachweisen, was es mit dem Eiweiß auf sich hat. Mit Hilfe molekularer
   Technologien übertrugen die Mediziner das pp32-Eiweiß in
   Lungenkrebszellen. Diese zeigten dann sowohl ein gestörtes Wachstum als
   auch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber der Chemotherapie. Die
   verabreichten Zytostatika konnten das Selbstmordprogramm der Lungentumore
   auslösen. "Diese Beobachtungen sind ein wichtiger Schritt hin zu besseren
   Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Lungenkrebs. Sie bilden den
   Grundstein für die Entwicklung neuer, wirksamerer Medikamente", meint
   Schuler.

   Die Betreuung von Patienten mit Lungenkrebs ist einer der Schwerpunkte
   des Westdeutschen Tumorzentrums am UK-Essen und erfolgt in enger
   Zusammenarbeit mit den Ärzten der Ruhrlandklinik in Essen-Heidhausen.
« Letzte Änderung: 23. Januar 2008, 23:49 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Werner

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Lungenkrebs - Überlebenschancen bei frühzeitiger Diagnose
« Antwort #1 am: 22. Februar 2008, 12:35 »

Ich glaube das gilt bei jeder Krebserkrankung, oder überhaupt bei jeder Erkrankung: Je früher
die dementsprechende Diagnose stattfand, um so besser ist die Behandlungsmöglichkeit
und das Überleben.



Lungenkrebs: 10-Jahres-Überlebensrate von 92 Prozent bei frühzeitiger Diagnose

Bis zu 80 Prozent aller Todesfälle an Lungenkrebs könnten verhindert werden, wenn Hochrisikopatienten frühzeitig per CT untersucht würden. Das ergab eine aktuelle Studie US-amerikanischer Forscher, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Die Autoren der Cornell University (New York) beobachteten nach eigenen Angaben die beste Überlebensrate bei Bronchialkarzinom, die jemals beschrieben wurde.

Bisher existieren kaum Daten über die Prognose von Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium, da die Tumore meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden. Im Rahmen des „International Early Lung Action Program“ fertigten Mediziner daher Lungen-CT´s von über 30.000 besonders gefährdeten Probanden in Europa, Israel, China, Japan und den USA an. Bei mehr als 27.000 der Teilnehmer konnte nach sieben bis 18 Monaten eine zweite Aufnahme gemacht werden.

Bei 484 Probanden identifizierten die Forscher anhand der CT´s und anschließender Biopsien ein Bronchialkarzinom, in 85 Prozent der Fälle (n=412) im klinischen Stadium I. In dieser Gruppe lag die 10-Jahres-Überlebensrate bei 85 Prozent. Wurden nur die Patienten berücksichtigt, die sich innerhalb eines Monats nach Diagnosestellung operieren ließen, sank die 10-Jahres-Sterblichkeit auf acht Prozent.

„Ein jährlich durchgeführtes CT-Screening kann Lungenkrebs in einem Stadium entdecken, in dem das Karzinom heilbar ist“, lautet die nüchterne Zusammenfassung dieser sensationellen Resultate. (JG) Eine Meldung der Nachrichten Agentur Medizin, Berlin

N Engl J Med; 355: 1763-71


Geri

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Lungenkrebs - Raucher: sehr schlechte Überlebenschancen
« Antwort #2 am: 26. Oktober 2008, 00:56 »


Der vernachlässigte Krebs
Von Anja Gröber 24. Oktober 2008, 02:33 Uhr

Brustkrebs und Leukämie werden am intensivsten erforscht - Die meisten Todesopfer fordern aber Lungentumore

Heidelberg - Patienten, die an "unattraktiven" Krebsarten leiden werden offensichtlich von der Krebsforschung deutlich benachteiligt. Wie die britische Tageszeitung "The Independent" berichtete, erhalten ausgerechnet Forschungen an Krebsformen, die besonders hohe Sterblichkeiten aufweisen, nur wenig finanzielle Unterstützung während zwei Drittel der Fördermittel in Krebsarten mit ohnehin hohen Überlebensraten wie Brustkrebs oder Leukämie fließen.

Besonders betroffen von dieser Vernachlässigung ist die Lungenkrebsforschung - immerhin der dritthäufigste Krebs bei Frauen und Männern. Vor allem bei jungen Frauen hat die Zahl der Fälle stark zugenommen - mit weiter steigender Tendenz. Laut den Zahlen des Infonetzwerks Medizin liegt der Anteil der Todesfälle bei 22 Prozent, während auf Brustkrebs nur acht Prozent der Todesfälle entfallen. Während für die Erforschung des Brustkrebs beispielsweise in Großbritannien 18 Prozent der Gelder ausgegeben werden, liegt dieser Anteil beim Lungenkrebs nur bei drei Prozent. "Es ist herzzerreißend, dass sich nichts ändert" sagt Jesme Fox, Vorsitzender der britischen Lungenkrebsstiftung "Roy Castle". "Lungenkrebs ist und bleibt die Krebsart an der die meisten Menschen sterben, aber ihr werden noch immer zu viele Vorurteile und viel zu wenig Gelder entgegen gebracht." In Deutschland verhält es sich nicht anders. Jährlich erkranken hier etwa 45 000 Menschen an Lungenkrebs, nur etwa 17 Prozent von ihnen überleben die nächsten fünf Jahre.

Warum erhält diese Krebsart, von der so viele Menschen betroffen sind, so wenige Forschungsgelder? "Es gibt zu wenige Forscher, die sich mit dem Thema Lungenkrebs beschäftigen wollen", erklärt Professor Michael Thomas, Chefarzt der Abteilung für Onkologie der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Gründe hierfür liegen unter anderem in der Geschichte der Krankheitsforschung. "Lungenkrebs wird weitgehend nur in Kliniken behandelt, die sich auch auf Lungenkrankheiten spezialisiert haben, während beispielsweise Leukämie in zentralen Universitätskliniken erforscht wird.

Daher erhält die Lungenkrebsforschung weniger Neuzugang an Wissenschaftlern und auch weniger Fördermittel", sagt Thomas. Diese Isolierung der Lungenfachkliniken sei ein Relikt früherer Zeiten, als die Kliniken noch Tuberkulosekranke behandelten, die wegen der Ansteckungsgefahr häufig absichtlich abgelegen und einsam gebaut wurden. Aber das ist nicht der einzige Grund: Die Krankheit Lungenkrebs hat gesellschaftlich einen schweren Stand.

Da 80 Prozent aller Lungenkrebspatienten Raucher sind, herrscht bei vielen die Meinung vor, die Betroffenen seien an ihrer Situation "selbst Schuld". Nicht selten wenden sich daher Freunde und Familie ab und die Patienten - ohnehin schon stark verunsichert durch die Diagnose - resignieren und leben in einem ständigen Schuldbewusstsein. Sie nehmen daher kaum Hilfe in Anspruch. "Diese Schuldzuweisung der Gesellschaft ist unmenschlich", sagt Thomas. "Erkrankt jemand an Krebs, darf die Vergangenheit keine Rolle spielen. Stattdessen muss es darum gehen, dem betroffenen Menschen sofort zu helfen. Ein Krebspatient ist oft ein wackelndes Etwas, das Stabilität braucht. Man muss ihm zeigen dass man gemeinsam an einer Besserung arbeitet. Das Miteinander ist hier sehr wichtig."

Bedarf für Forschungsmittel gibt es in der Lungenkrebsforschung genug. So könnten Gewebebanken, in denen Lungenzellen von Kranken auf genetische Faktoren untersucht und der Verlauf der Krankheit dokumentiert wird, einen wichtigen Schritt zur Lungenkrebsbekämpfung darstellen. Am wichtigsten ist für Thomas jedoch, die Patienten von Vorurteilen zu befreien