Autor Thema: Ich, 55, habe Krebs - welche Behandlungen werde ich (noch) bekommen?  (Gelesen 3672 mal)

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Dietmar E.

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ARD-Magazin: Kostenexplosion bei Krebsarzneimitteln

Montag, 21. Januar 2008

Mainz – Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen für Krebsmedikamente sind einem Bericht des ARD-Magazin „Report Mainz“ zufolge drastisch gestiegen. Die Kosten für Arzneien zur Tumorbehandlung summierten sich 2007 auf 1,4 Milliarden Euro, wie das Magazin am Montag vorab bekannt gab.

Dies habe eine gemeinsam mit der Kaufmännischen
Krankenkasse (KKH) erstellte Hochrechnung auf Basis offizieller Zahlen ergeben. Es handele sich um eine Zunahme um 285 Prozent in den vergangenen fünf Jahren.
   
Für die Versicherten der KKH seien die Ausgaben für Fertigarzneimittel zur Krebsbehandlung trotz deutlich sinkender Fallzahlen seit 2002 um mehr als 240 Prozent gestiegen, sagte Krankenkassen-Vorstandschef Ingo Kailuweit dem Magazin. Normal seien fünf bis sechs Prozent pro Jahr. „Wenn man von dieser Größenordnung von über 240 Prozent spricht, dann ist das exorbitant“, fügte Kailuweit hinzu.

Der Hauptgrund für die Preissteigerungen liege in der freienPreisbildung. „Die Pharmaindustrie kann nach völlig freien Marktmechanismen den Preis für Arzneimittel festsetzen“, lautete seine Kritik. © afp/aerzteblatt.de

 
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

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Ich, 55, habe Krebs - wie viel bin ich der Kasse noch wert?
« Antwort #1 am: 26. Januar 2008, 22:10 »
Qualitätsinstitut stellt Methoden für die Kosten-Nutzen-Bewertung zur Diskussion

Köln – 24.1.08

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Methoden vorgelegt, nach denen es in Zukunft die Kosten-Nutzen-Bewertung von Therapien vornehmen könnte. Diese Kosten-Nutzen-Bewertung ist eine neue Aufgabe des Instituts, die ihm die jüngste Gesundheitsreform zuweist. Kritik an der neuen Methodik kam vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

Gemäß der gesetzlichen Vorgabe, nicht nur den Nutzen, sondern auch dessen Verhältnis zu den Kosten nach international anerkannten wissenschaftlichen Standards zu ermitteln, hat das IQWiG eine Gruppe von Gesundheitsökonomen aus acht Ländern beauftragt. Sie sollten prüfen, welche Ansätze und Werkzeuge sich für die speziellen deutschen Gegebenheiten eignen.

Wie die Experten feststellten, gibt es keinen Goldstandard für gesundheitsökonomische Bewertungen. Zudem seien Verfahren aus anderen Ländern in der Regel nicht auf Deutschland übertragbar, weil sich die jeweiligen Gesundheitssysteme stark unterschieden.

Nach Auffassung des internationalen Gremiums wird die „Analyse der Effizienzgrenze“ den Bedingungen in Deutschland am besten gerecht. Diese lasse sich flexibel zum Vergleich der Kosten-Nutzen-Relation einer beliebigen Zahl von Therapiealternativen nutzen. Das Konzept schließt als zweites Element der Bewertung eine „Budget-Impact-Analyse“ (Budget-Einfluss-Analyse) ein. Mit ihr lasse sich abschätzen, wie sich eine Entscheidung auf die Ausgaben im Gesundheitswesen insgesamt auswirken kann.

Einer Kosten-Nutzen-Bewertung ist laut IQWiG immer eine Bewertung des medizinischen Nutzens vorgeschaltet. So bleibe der Nutzen Fundament der ökonomischen Entscheidung. Zudem sei gewährleistet, dass nur die für die Patienten tatsächlich relevanten Nutzenaspekte in die Bewertung eingehen, zum Beispiel eine kürzere Krankheitsdauer oder verminderte Nebenwirkungen.

Nach dem Konzept wird jede Erkrankung wird für sich bewertet, das heißt es werden keine indikationsübergreifenden Vergleiche angestellt. Denn die Frage, ob Krebs „schlimmer“ sei und damit möglicherweise höhere Ausgaben rechtfertige als beispielsweise ein Schlaganfall, sei wissenschaftlich nicht zu beantworten. Die Antwort wäre immer durch subjektive Werturteile geprägt und könnte einzelne Patientengruppen benachteiligen.

Der jetzt präsentierte Vorschlag beschreibt laut IQWiG den Rahmen der Methodik; Detailfragen sollen erst vorgestellt und diskutiert werden, wenn über das Prinzip Einigkeit bestehe. „Weil es bei der Kosten-Nutzen- Bewertung nicht nur um rein wissenschaftliche, sondern auch um normative Fragen geht, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens“, hieß es aus dem Qualitätsinstitut.   

Kritik am Konzept äußerte der BPI. Deren stellvertretende Hauptgeschäftsführerin, Barbara Sickmüller, bezeichnete das Konzept als „enttäuschend“. Es schaffe mehr Fragen als Antworten. Zudem basierten die Berechnungen des IQWiG auf der Grundlage historischer Preisentwicklungen. Weder die Definition des Nutzens noch die in die Berechungen einfließenden Kostenfaktoren würden durch das Modell des IQWiG eindeutig beschrieben. „Damit ist die Vorgehensweise des IQWiG weiterhin nicht vorhersehbar“, so Sickmüller.

Auch eine tatsächliche Gewichtung von Nutzen im Verhältnis zum Preis eines Arzneimittels finde nicht statt. Dies bleibe dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen überlassen, der ebenfalls nicht über die erforderliche Legitimität für solche Wertentscheidungen verfüge. „Das IQWiG wird somit seiner Aufgabenstellung nicht gerecht“, befand der BPI.

 
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Ich, 55, habe Krebs - weist mich das KH., ambulant, ab?
« Antwort #2 am: 26. Januar 2008, 22:12 »
Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen bei Krebspatienten



Siegburg/Berlin – 18.1.08

Die Bedingungen dafür, dass an Krebs erkrankte gesetzlich versicherte Patienten eine interdisziplinäre ambulante Behandlung an bestimmten Krankenhäusern erhalten, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Siegburg festgelegt.

Bereits im Oktober 2005 hatte der G-BA seinem gesetzlichen Auftrag nach § 116b SGB V entsprechend die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Behandlung spezieller Erkrankungen in einer Richtlinie geregelt. Ursprünglich mussten die Krankenhäuser Verträge mit den Krankenkassen schließen, wenn sie ambulant tätig werden wollen.

Da es aufgrund der immensen Kosten für die Kassen selten zu diesem Vorgehen kam, beschloss der Gesetzgeber mit Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007, die Entscheidung über die Öffnung der Krankenhäuser nach § 116b SGB V auf die jeweiligen Landesplanungsbehörden zu übertragen.

Die Krankenkassen wollten sich mit diesem Vorgehen nicht abfinden und beschlossen daher mit Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und gegen den Widerstand der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die Öffnung der Krankenhäuser an Mindestmengen für bestimmte Behandlungen zu binden. Möchten Kliniken ambulant hochspezialisierte Leistungen erbringen oder Krankheiten mit besonderen Verläufen wie Krebs behandeln, müssen sie diese Behandlung mindestens eine vorgegebene Anzahl im Jahr erbringen.

Die am Donnerstag getroffene Regelung legt nun fest, bei welchen Krebserkrankungen Krankenhäuser ambulante Leistungen erbringen dürfen, wie die Behandlung verlaufen soll und welche Anforderungen die Krankenhäuser zu erfüllen haben.

Die Patientenbank im Gemeinsamen Bundesausschuss begrüßte den G-BA Beschluss. Die Krebsselbsthilfe sei „zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Renate Pfeiffer, Patientenvertreterin im G-BA, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Freitag in Berlin. Die Öffnung der Krankenhäuser für die Behandlung bestimmter Krebserkrankungen sei richtig, die Festlegung von Mindestmengen auch. „Will man Qualität, sind Mindestmengen nur folgerichtig“, betonte die Pfeiffer.

Dem Beschluss des G-BA muss das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) noch zustimmen, erst dann kann er im Bundesanzeiger veröffentlicht werden und damit in Kraft treten. Ein Treffen zwischen G-BA und BMG soll dem G-BA zufolge am 22. Januar stattfinden.



 
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Ärzte Zeitung, 21.10.2008

Gute Versorgung steht auf dem Spiel

Repräsentativumfrage von NAV und VFA / Zu wenig Therapiefreiheit - düstere Zukunftsprognose

BERLIN (HL). Die derzeit noch gute oder sogar sehr gute Versorgung von Patienten kann sich in den nächsten zehn Jahren dramatisch verschlechtern. Das ist das Ergebnis einer Repräsentativumfrage unter niedergelassenen Ärzten.

In zehn Jahren könnte sich die Qualität dramatisch verschlechtern.

Im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller und des NAV-Virchowbundes hatte TNS Healthcare im Juli und August über 800 Ärzte nach ihrer Einschätzung zur Entwicklung der Versorgungsqualität, der Therapiefreiheit und ihren Beeinträchtigungen und nach der Zufriedenheit mit ihrem Beruf befragt.

Danach beurteilen 74 Prozent der Befragten die Qualität der Patientenversorgung durch niedergelassene Ärzte in ihrer Region als gut oder sogar sehr gut. Nur drei Prozent sagen, die Versorgungsqualität sei schlecht, 22 Prozent geben ein neutrales Urteil ab.

Dramatisch fällt allerdings die Prognose über die Versorgungsqualität in der eigenen Region in zehn Jahren aus: Dann glauben nur noch 23 Prozent der Ärzte an eine gute oder sehr gute Versorgungsqualität. Der Anteil der Ärzte, die eine schlechte Versorgung befürchtet, verzehnfacht sich auf 34 Prozent. 43 Prozent geben eine neutrale Prognose.

Diese Prognose stützt sich auf schon jetzt existierende negative Indizien: Nur noch 27 Prozent der Ärzte glauben, dass in Deutschland noch Therapiefreiheit gewährleistet ist, 73 Prozent neigen dazu, dies zu verneinen. Lediglich Onkologen sind in diesem Punkt wesentlich optimistischer.

Noch glaubt allerdings eine Mehrheit von Ärzten, das Patienten mit Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Asthma oder Krebs einen guten Zugang zu Arzneimittelinnovationen haben. Die Ausnahme: Demenz.

Die Ergebnisse der Umfrage erklären beide Auftraggeber übereinstimmend als Folge von undurchschaubarer Überregulierung und daraus resultierender diffuser Bedrohung.

http://www.aerztezeitung.de/
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