Autor Thema: Der Medenitz und das Tier in mir  (Gelesen 3235 mal)

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Siegfried

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Der Medenitz und das Tier in mir
« am: 27. Januar 2008, 16:43 »
Ich bin so wie die meisten hier ein „Krebsi“, nicht das ich noch Krebs habe aber ich hatte ihn und nicht zu knapp.
Hodenkrebs, die Lunge voll Metastasen und zum drüberstreuen auch noch einige im Bauchraum. Mein Körpergewicht lag bei 64 kg was bei einer Körpergröße von 200 cm eigentlich etwas wenig ist. 
Damals habe ich nicht nur viel über meinen Körper sondern auch genauso viel über mich gelernt.
In der ersten Zeit meiner Therapie, konnte ich mich zu nichts aufraffen, immer und überall schrie es in mir „nein das schaffe ich nicht, das kann ich nicht, das will ich nicht!!“
Kurz gesagt mein innerer Schweinehund war gegen alles und legte sich immer Quer.
In dieser Phase lernte ich beim Warten auf das Röntgen, eine Dame kennen die sich schon seit Jahren erfolgreich gegen den Krebs auflehnte und mir „Greenhorn", ein wenig über die Macht des Willens und über die Wirkung positiver Einstellung erzählte, genug um mich zum Nachdenken zu bringen.
Das Resultat des Nachdenkens ist leicht zusammenzufassen „ich will leben, ich will kämpfen, ich werde alles dafür tun und ertragen um gesund zu werden.“
Leicht gesagt, aber die negative Stimme in mir war deshalb nicht stumm, nein, sie schrie die destruktiven Parolen um so lauter. 
Wie bringt man, besser gesagt wie bringt Siegfried die Stimme zum schweigen? Wie kann die Stimme an Macht verlieren?
Nur nicht hinhören, auch wenn es leichter erscheint, das zu tun was der Schweinehund in einem propagiert? Reicht das? Nein der miese Kerl muss mundtot gemacht werden! Aber wie?
Ich erinnerte mich daran was ich einmal bei Sun Tzu ( ein chinesischer General und Militärstratege um 500 v. Chr. Autor des Buches die Kunst des Krieges) gelesen hatte, dass man seinen Gegner nicht nur kennen sondern erkennen muss um ihn besiegen zu können.
Was gehört dazu jemanden zu kennen? Daten, Fakten, Eigenheiten, lauter Informationen die erst gesammelt werden müssen um ein Gesamtes daraus zu formen.
Bei den Daten stockte die Recherche das erste Mal. Wie heißt mein innerer Schweinehund? Die Frage beschäftigte mich einen ganzen Tag, die Lösung brachte mir ein Besuch den ich von meinem Namensproblem erzählte.
Mir klingen seine Worte noch heute in den Ohren „Ich habe keine Ahnung was das werden soll, aber ich würde ihm den Namen eines Menschen geben, der mich nicht mag und den ich auch nicht leiden kann.“
Nach einigem Nachdenken ist mir der Herr Medinitz eingefallen. Ein alter Griesgram der mich hasste, als währe ich der Leibhaftige in Person, das ich ihn deshalb auch nicht mochte, kann sich wohl jeder denken.
Der erste Schritt war getan. Mein innerer Schweinehund war getauft. nun konnte ich an die Arbeit gehen und ihn Stück für Stück analysieren , erkennen und bekämpfen.
Um einen Gegenpart zum MEDENITZ zu schaffen, taufte ich meinen Willen TIER.
Mit jedem Stück, das der Medenitz kleiner wurde, wuchs das Tier. Es entwickelte sich zu einer gewaltigen unbezwingbaren Kraft.
Ich wurde gegen alle negativen Befunde und Prognosen meiner Ärzte wieder gesund. Was als eine Leistung, der der selbebigen Ärzte und des Tieres anzusehen ist.
Die Worte der Dame, die mir von der Macht des Willens erzählt hat, bestätigten sich somit für mich.
Ich kann nicht sagen das der Medenitz nicht mehr lebt, nein er ist immer noch aktiv. Aber er hat keine Chance wenn das Tier sich erhebt.
Wenn Ihr Eurem Schweinehund einen Namen gebt, so könnt Ihr mit ihm kommunizieren, ihn erkennen und ihn auf das richtige Maß stutzen. Das kann auch Euch sicher  in schweren Zeiten helfen.
Optimistische Grüße Siegfried
PS Ich möchte mich bei der Dame bedanken, deren Namen ich nie erfahren habe.
Weiters möchte ich mich bei Herrn Medenitz bedanken, da seinen Name meinen Schweinehund bis Heute ziert und er ein wunderbares Feindbild darstellte.
Heute denke ich übrigens, dass  Herr Medenitz gar kein schlimmer, sondern vielleicht ein einsamer. oder ein vom Leben zermürbter Mensch war.

christina62

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Der Medenitz und das Tier in mir
« Antwort #1 am: 27. Januar 2008, 18:33 »
Hallo Siegfried!

Mir hat deine " Geschichte" sehr gut gefallen und ich werde sie mir auch zu Herzen nehmen. Denn ich bin grad in einer so "Schweinehund" Phase. Mal sehen, ob ich auch so tolle Namen für meine 2"Personen" finde!!! ::)
lg christina
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goldbienerl

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Der Medenitz und das Tier in mir !!
« Antwort #2 am: 27. Januar 2008, 20:01 »
Hallo Christina !

Ich habe schon vor längerer Zeit von Siegfried´s Geschichte erfahren und seinen Kampf gegen seinen
Medenitz. Sie hat mich so beeindruckt das ich in Kreise meiner Freundinnen verzweifelt auch einen Namen für meinen inneren Schweinehund suchte. Dies war aber gar nicht so einfach. Begann doch gleich einmal eine Diskusion darüber :
Ist der innere Schweinehund männlich oder weiblich ??
Viele Namen vielen, jeder kannte jemanden den er nicht mag, denn wie so oft assoziiert man mit fast jeden Namen einen Menschen den man mehr oder weniger leiden kann.
Erst an einen anderen Abend, als wiederum einige Freunde von mir zusammensaßen und wir einen lustigen
Spieleabend verbrachten, fand ich seinen NAMEN.
Zum xtenmale von einen ganz lieben Freund kalt erwischt, schrie eine Freundin lachend auf : Das ist er !!!
Das ist der Name für deinen inneren Schweinehund !!!
Feierlich wurde er auf den Namen Max getauft! ( Mit Einverständnis des Namensträgers )
Inzwischen habe auch ich schon einige Kämpfe und Diskussionen mit Max geführt.
Leider ging ich dabei nicht immer als Siegerin vom Platz.
Aber ich kämpfe weiter, und seit mein innerer Schweinehund seinen Namen hat empfinde ich ihn nicht mehr als
unlösbare Bedrohung, sondern als ein wichtigen Gegenpart zu meinen anderen ICH.

Liebe Grüße Goldbienerl

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Leben zu leben:
So, als wäre nichts ein Wunder,
oder so,
als wäre alles ein Wunder.

Erika

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Der Medenitz und das Tier in mir
« Antwort #3 am: 13. Februar 2008, 11:43 »
Hallo Siegfried,
deine Geschichte vom inneren Schweinehund, die so richtig motiviert, hab ich gelesen und mich in vielem wieder gefunden. Ich denke es geht den meisten von uns so, dass sie ab und an mit ihrem inneren Schweinehund kämpfen - mehr oder weniger erfolgreich. Manchmal braucht auch jemanden, der einem beim Kämpfen gegen dieses Tier hilft ... so nach dem Motto: gemeinsam sind wir stark. Also ich brauch auch heute noch manchmal einen Tritt in den Hintern, wenn ich mich mal nicht aufraffen kann, doch regelmäßig raus zu gehen, weil es eben draußen gerade nicht angenehmes Wetter hat und es auf der Couch so gemütlich wäre, wenn ich mal wieder meinem Gusto nach Süßem nicht widerstehen konnte und nicht nur ein Stückerl Schokolade esse, sondern gleich die ganze Tafel (eh nur eine kleine  ;) ) oder wenn ich vor den Kontrolluntersuchungen Angst habe, mich absolut nicht mehr zum positiv Denken motivieren kann ......

Was haltet ihr davon, wenn wir hier gemeinsam kämpfen, uns einfach erzählen, wenn wir was geschafft haben oder leider auch nicht und uns dann motivieren, "durchzuhalten"?

Ich fang gleich mal an: Seit einer Woche bin ich für meine Mutter 2 x in der Woche Taxi und fahre sie zum Hausarzt, weil sie dzt. Infusionen bekommt. Bisher hab ich im Wartezimmer gesessen, in enorm spannenden Zeitschriften lustlos herumgeblättert und gewartet, dass diese 45 Minuten vorbei sind. Am Montag war herrlicher Sonnenschein und ich habe mir dann gedacht, es wäre doch gescheiter, die Wartezeit mit einem kleinen Spaziergang zu verbinden. Gesagt, getan... herrlich war's. Heute war es bei uns zwar nebelig und nicht wirklich einladend für einen Spaziergang, ich mußte also kämpfen mit mir, hab mich dann aber doch überwunden und bin raus gegangen. Es war zwar nicht sooo herrlich wie am Montag, aber ich war zumindest mit mir zufrieden.

Ich wünsch euch auch immer Erfolg beim Kampf mit diesem "Herrn Medenitz" oder wie immer man ihn nennt.

Liebe Grüße, Erika
Mein Lebensmotto: Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

christina62

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der Schweinehund
« Antwort #4 am: 13. Februar 2008, 13:21 »
Ich überwinde meinen Schweinehund zur Zeit durch meinem ältesten Enkel!
Meine Tochter ist vor kurzem umgezogen, und wohnt 5 Häuser von mir entfernt. Wir wohnen jetzt alle gleich beim Damm wo die Schwarza fließt. Man kann da schön spazieren gehen. Früher ging ich mit meiner jüngeren Tochter immer Nordig walken. sie ist jetzt auch schon 17 Jahre alt und andere Interessen, als mit mir herumzuwatscheln. ;D
so jetzt kommen meine drei Enkerl in das Spiel. Mit dem 9jährigen mache ich nun täglich die Aufgabe,weil ich zu Hause bin. Dann gehen wir die Enten füttern (auch mit seinen beiden jüngeren Schwestern. )Also die Tage sind jetzt sehr kurz für mich,ich langweile mich nicht. Vielleicht ist deswegen mein Frust vorbei und kann wieder lachen.. ??? ::)
lg christina
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