Autor Thema: Prostatakrebs: Internationaler Forschungsverbund gegründet  (Gelesen 3001 mal)

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Josef

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Köln/New York –
Das Westdeutsche Prostatazentrum Köln hat gemeinsam mit dem New York Prostate Institute den Startschuss für die Forschungskooperation „International Prostate Cancer Group“ (IPG) gegeben. Der Zusammenschluss von Prostatakrebs-Spezialisten aus Deutschland und den USA hat zum Ziel durch wissenschaftliche Zusammenarbeit, Informationsaustausch und Patientenberatung die Qualität der Prostatakrebsbehandlung zu optimieren.

„Im Vordergrund der internationalen Kooperation steht die Koordination und Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie von Prostatakrebs“, erklärt Stephan Neubauer, leitender Arzt des Westdeutschen Prostatazentrums in Köln und einer der Initiatoren der IPG. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf der Brachytherapie, einer innovativen Methode der modernen Strahlentherapie. Die „innere“ Bestrahlung wird in Deutschland seit 2000 zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt und hat sich seitdem als anerkanntes und besonders schonendes Verfahren etabliert. Das Westdeutsche Prostatazentrum gehört in Deutschland zu den Pionieren dieser zukunftsweisenden Behandlungsform.

Von der Forschung in die Praxis
„Spitzenforschung ist heute nur durch eine internationale Zusammenarbeit möglich“, betont Louis Potters, Ärztlicher Direktor des renommierten New York Prostate Institute. Das IPG nutzt ein internationales Netwerk, um länderübergreifende wissenschaftliche Studien durchzuführen und aktuelle Forschungsergebnisse gemeinsam mit Fachkollegen im Rahmen internationaler Veranstaltungen zu diskutieren. „Unser Anliegen ist es, neue medizinische Erkenntnisse zeitnah in die Praxis umzusetzen“, so Potters weiter.

Jeder Experte der International Prostate Cancer Group hat Zugang zu den anonymisierten Patientendaten und damit Einsicht in den jeweiligen Krankheitsverlauf. Der Vorteil: Liegt bei einem Patienten eine unklare Diagnose oder ein komplizierter Tumor vor, wird dies in einem fachübergreifenden wissenschaftlichen Gremium erörtert und das weitere Vorgehen gemeinsam festgelegt. „Der fachliche Austausch mit Experten aus den USA und Europa hilft uns künftig noch besser Krankheitsverläufe vorherzusagen und eine maßgeschneiderte Therapie für unsere Patienten anzubieten“, betont Neubauer. Umgekehrt haben aber auch Patienten mit Prostatakrebs aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, das medizinische Wissen der Experten zu nutzen und sich eine kompetente und unabhängige Zweitmeinung einzuholen.

Herzstück der IPG ist die gemeinsame Homepage (www.i-pg.org), die kontinuierlich mit aktuellen Informationen bestückt und als Diskussionsplattform für Ärzte, Patienten und Interessierte dient. „Das Internet bietet dem Patienten eine Flut an Informationen, die nur schwer zu beurteilen und einzuordnen sind. Unser Anliegen ist es daher aktuelle Informationen zum Thema Prostatakrebs verständlich und transparent anzubieten“, unterstreicht Neubauer.

Ziel der „International Prostate Cancer Group“ ist es künftig noch mehr internationales Know-How einzubinden und mit weiteren renommierten Instituten aus Europa, den USA und Kanada zusammenzuarbeiten.

Andrea Hertlein
Westdeutsches Prostatazentrum
in der Klinik am Ring
Hohenstaufenring 28
50674 Köln
Tel. (+49)221 92424455
Fax (+49)221 92424660
E-Mail: a.hertlein@wpz-koeln.de
www.westdeutschesprostatazentrum.de

Das Westdeutsche Prostatazentrum in Köln bietet das gesamte Spektrum an Diagnose, Therapie und Nachsorge bei Prostataerkrankungen an. Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Behandlung von Prostatakrebs mit innovativen Techniken der modernen Strahlentherapie (Brachytherapie) dar. Der Zusammenschluss erfahrener Spezialisten unter einem Dach ermöglicht dabei die Versorgung der Patienten auf höchstem Niveau. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.westdeutschesprostatazentrum.de
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Josef

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Prostatakrebs: Strahlen, Operation, zuwarten?
« Antwort #1 am: 17. März 2008, 13:08 »
12/10/07

Bei Prostatakrebs bietet Operation die beste Hoffnung für langfristige Überlebensraten

Laut einer Analyse, die am 8. Oktober in den Archives of Internal Medicine veröffentlicht wurde, könnte die Prostatektomie die beste Chance für ein langfristiges Überleben bei Männern mit lokalisiertem Prostatakrebs bieten - besonders bei jüngeren Männern und solchen mit schlecht differenzierten Tumoren.

Nach zehn Jahren sei die Wahrscheinlichkeit der Männer, die sich anderen Therapieformen, einschließlich Radiotherapie, Watchful Waiting, der rein symptomatischen Behandlung, und Hormontherapie unterzogen hatten, aufgrund ihrer Krebserkrankung verstorben zu sein, signifikant höher als bei Männern, die eine Operation durchführen ließen, schrieben Dr. Arnaud Merglen von der Universität in Genf, Schweiz, und seine Kollegen.

In der Beobachtungsanalyse des Teams wurden Daten aus dem Genfer Krebsregister verwendet. Sie umfassten alle 844 Männer, die in dieser Stadt zwischen 1989 und 1998 mit lokalisiertem Prostatakrebs diagnostiziert wurden. Das Durchschnittsalter der Männer betrug 71 Jahre, reichte aber von 44 bis 97 Jahre.

Bei 158 Männern dieser Gruppe wurde eine Prostatektomie durchgeführt, 205 erhielten eine Radiotherapie (52 in Kombination mit einer Hormontherapie) und bei 378 wurde der Ansatz des Watchful Waiting durchgeführt. Bei 72 wurde nur eine Hormontherapie durchgeführt und bei 31 andere Behandlungskombinationen (Arch. Intern. Med. 2007;167:1944-50).

Das Follow-up reichte von null bis 16 Jahre (sieben Jahre im Durchschnitt). Nach fünf Jahren hatten die Patienten, die operiert wurden und jene, die eine Radiotherapie bekamen, die gleichen Prostatakrebs-spezifischen Überlebensraten (94 Prozent bzw. 93 Prozent). Die Überlebensrate betrug bei den Männern, deren Symptome behandelt wurden, 86 Prozent, 71 Prozent bei denen, die eine Hormontherapie erhielten und 71 Prozent bei denen, die andere Behandlungskombinationen bekamen.

Obwohl sich die Mortalitätswahrscheinlichkeit bei Prostatakrebs nach fünf Jahren zwischen denen, die eine Operation und denen, die eine Radiotherapie bekamen oder nur symptomatisch behandelt wurden, nicht unterschied, so war sie doch in der Gruppe, die nur eine Hormontherapie erhielt (Risikorate 3,5) und bei denen, die andere Behandlungen bekamen, signifikant höher (RR 6).

Nach zehn Jahren hatten die mit einer Operation behandelten Patienten eine höhere Gesamtüberlebensrate als irgendeine andere Gruppe (69 Prozent vs. 54 Prozent bei der Radiotherapie und 34 Prozent bei Watchful Waiting).

Dieses Muster war bei den erkrankungsspezifischen Überlebensraten gleich. Im Vergleich zur Prostatektomie-Gruppe gab es ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko bei denen, die eine Radiotherapie erhielten (RR 2,0), beim Watchful Waiting (RR 2,0), bei der Hormontherapie (RR 4,4) und bei den anderen Behandlungsformen (RR 3,0).

Die günstige Auswirkung einer Prostatektomie auf die Überlebenschancen war bei den Männern unter 70 Jahren und bei denen mit schlecht differenzierten Tumoren am offensichtlichsten.

Im Vergleich zu denen, die operiert wurden, hatten jüngere Männer, die eine Radiotherapie erhielten, zehn Jahre nach der Diagnose eine fast siebenfach höhere Mortalitätswahrscheinlichkeit durch Prostatakrebs. Gleichermaßen hatten Männer mit schlecht differenzierten Tumoren, die mit Radiotherapie behandelt wurden, nach zehn Jahren eine fünffach höhere Mortalitätswahrscheinlichkeit aufgrund dieser Erkrankung als die Patienten, die Prostatektomien durchführen ließen.

Die Autoren merkten an, dass die Studie einige Beschränkungen aufweise, einschließlich fehlender Informationen über komorbide Erkrankungen. Aber, so sagten sie, "bis klinische Untersuchungen eindeutige Evidenz bieten, sollten Ärzte und Patienten über diese Ergebnisse und ihre Beschränkungen informiert werden."
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke