Autor Thema: Prostatakrebs? Multi-Gentest  (Gelesen 4185 mal)

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Josef

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Prostatakrebs? Multi-Gentest
« am: 30. Januar 2008, 18:07 »
Multi-Gentest auf Prostatakarzinom vorgestellt

Winston-Salem/Stockholm – Eine positive Familienanamnese und fünf Genvarianten erklären nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2008; doi 10.1056/NEJMoa075819) etwa die Hälfte aller Prostatakarzinome. Nach US-Medienberichten soll ein Test demnächst für weniger als 300 US-Dollar auf den Markt kommen.

Dass das Prostatakarzinom familiär gehäuft auftritt, ist seit langem bekannt. So haben Männer ein etwa 2,5-fach erhöhtes Risiko, wenn ein Verwandter ersten Grades ebenfalls an einem Prostatakarzinom erkrankt ist. Die häufigste bösartige Krebserkrankung bei Männern war deshalb auch eines der ersten Ziele der genomweiten Assoziationsstudien, in denen nach genetischen Varianten gesucht wird, die bei bestimmten Erkrankungen gehäuft auftreten. Sie wurden für das Prostatakarzinom in bisher 16 SNP (Single-nucleotide polymorphisms) auf fünf Abschnitten des Erbguts ermittelt: drei auf dem Chromosom 8q24 und jeweils eine auf den Chromsomen 17q12 und 17q24.3.

Die geringe Zahl der SNP macht ein genetisches Screening zu einem auch finanziell realistischen Unternehmen. Als erste hat die Gruppe um Jianfeng Xu von der Wake Forest Universität in Winston-Salem in North Carolina einen solchen kombinierten Gentest jetzt an Teilnehmern einer Fallkontroll-Studie aus Schweden (“Cancer Prostate in Sweden”) untersucht. Es handelt sich um 2.893 Männer, bei denen im Alter von durchschnittlich 66 Jahren (also relativ früh) ein Prostatakarzinom diagnostiziert worden war (darunter 1.231 aggressive und 1.619 lokalisierte Erkrankungen). Die Kontrollgruppe bildeten 1.781 gleichaltrige Männer ohne Prostatakarzinom.

Wie die Forscher berichten, hatte jeder fünfte Krebspatient eine positive Familienanamnese. Sie erhöhte das persönliche Risiko auf ein Prostatakarzinom um den Faktor 2,2 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,83-2,68), was die oben genannte Zahl in etwa bestätigt. Die positive Familienanamnese war damit in etwa so prädiktiv wie der Nachweis von drei von fünf Genmarkern.

Dies erhöhte in der Studie das Krebsrisiko um den Faktor 2,21 (1,70-2,89). Männer mit vier oder fünf Genmarkern hatten ein um den Faktor 4,47 erhöhtes Risiko. Genmarker und Familienanamnese ergänzen sich, und Personen mit positiver Familienanamnese plus allen fünf Genmarkern hatten ein 9,46-fach (3,62-24,72) erhöhtes Erkrankungsrisiko. Allerdings ist dieser Fall relativ selten: Nur 1,4 Prozent der Krebspatienten (und 0,3 Prozent der Kontrollen) erfüllten diese Hoch-Risiko-Konstellation.

Sehr häufig ist hingegen der andere Fall: Mehr als neun von zehn Männern haben ein positives Ergebnis auf einen der fünf Genmarker. Sie haben nach den Ergebnissen der Studie bereits ein erhöhtes Krebsrisiko. Doch die allermeisten werden niemals an Prostatakrebs erkranken. Ein positiver Gentest kann deshalb unbegründete Ängste schüren und unnötige Nachuntersuchungen auslösen. Es bleibt abzuwarten, ob Mitautor Henrik Grönberg vom Karolinska Instituts in Stockholm mit seiner Ansicht recht behalten wird, dass der Gentest zu einer Verringerung der PSA-Untersuchungen und Biopsien führen wird.

Denkbar ist, dass Männer, die beispielsweise im Alter von 35 Jahren den Test durchführen lassen und ein positives Ergebnis haben, auf ein frühzeitiges und häufiges PSA-Screening drängen werden. Andererseits bietet ein negativer Gentest keine Gewähr dafür, dass es nicht doch zum Prostatakarzinom kommt. Nach den Berechnungen der Autoren zum “population attributable risk” erklären die gefundenen Genmarker in Kombination mit einer positiven Familienanamnese nämlich nur 46 Prozent aller Prostatakarzinome.

In einem nächsten Schritt sollen die Ergebnisse in einer Gruppe amerikanischer Patienten validiert werden. In der US-Öffentlichkeit wird jedoch bereits über die baldige Einführung eines Tests spekuliert, den nach Informationen der New York Times die Firma ProActive Genetics auf den Markt bringen will. Auf der Webseite der Firma finden sich jedoch bislang keine Informationen darüber.

© aerzteblatt.de 

Links zum Thema

» PDF der Studie

» PDF des Editorials

» Pressemitteilung der Johns Hopkins Medical Institutions

» Pressemitteilung des Karolinska Instituts

» Pressemitteilung des Wake Forest University Baptist Medical Center

» ProActive Genetics

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