Autor Thema: Krebserkrankung und trotzdem berufstätig – geht das?  (Gelesen 4046 mal)

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Werner

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Krebserkrankung und trotzdem berufstätig – geht das?

Die Diagnose Krebs verändert das gesamte Leben der Betroffenen. Neben Fragen nach Lebensweisen und Lebenszielen spielt auch der Beruf eine wichtige Rolle: Soll und kann es so weitergehen wie bisher, oder ist eine Neuorientierung angebracht? Wie wird mein Arbeitgeber auf meine Krankheit reagieren? Werde ich meinen Arbeitsplatz verlieren? Finanzielle Ängste verunsichern die Betroffenen häufig zusätzlich zu ihrer schlechten gesundheitlichen Verfassung.

Kündigung und Krankengeld
Die Angst um den Arbeitsplatz ist einer der ersten Punkte, die einem Krebspatienten beim Thema Beruf Sorgen bereiten. Leider bietet Krankheit keinen Schutz vor einer Entlassung, solange sich der Arbeitgeber bei der Kündigung an die gesetzlichen Vorschriften hält – es sei denn, der Betroffene besitzt bereits einen Schwerbehindertenausweis. In diesem Fall ist bei mindestens sechsmonatiger Beschäftigung die Zustimmung des Integrationsamtes nötig, um eine Kündigung einleiten zu können.

Auch wenn der Betroffene das Glück hat und ihm eine Kündigung erspart bleibt, muss er sich spätestens nach eineinhalb Jahren Gedanken um die weitere berufliche Laufbahn machen, denn nach dieser Frist erlischt der Anspruch auf Krankengeld. Dann bleiben dem Krebspatienten drei Möglichkeiten: Entweder geht er wieder einer Beschäftigung nach (nach dem Hamburger Modell oder in Teil- oder Vollzeit) oder er bezieht Arbeitslosengeld bzw. Rente, wenn eine Erwerbsunfähigkeit festgestellt wurde.

Rehabilitation
Bevor der Krebskranke in die Arbeitswelt zurückkehrt, sollte er an einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme teilnehmen, um die berufliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Gemeinsam mit dem Rehabilitationsberater und dem Arbeitsamt bzw. der Rentenversicherung können Maßnahmen für einen freiwilligen oder notwendigen Berufswechsel (je nach Gesundheitszustand kann eine Umschulung nötig werden, besonders wenn die bisherige Tätigkeit hauptsächlich körperlicher Natur war) oder eine Fortbildung eingeleitet werden. Außerdem können in der beruflichen Rehabilitation schwierige Arbeitsabläufe geübt und die Belastbarkeit der Betroffenen bzw. die Eignung für das Ausführen gewisser Tätigkeiten getestet werden. Ist die Prognose der Ärzte und Rehabilitationsbetreuer für einen Erfolg versprechenden Wiedereinstieg in das Berufsleben günstig, bietet sich für die Wiedereingliederung besonders das Hamburger Modell an.

Das Hamburger Modell
Das Hamburger Modell bietet Langzeitkranken die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. Dafür erstellen Patient und Arzt einen Eingliederungsplan, der eine Steigerung von zunächst nur wenigen Arbeitsstunden pro Tag auf eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung vorsieht. Akzeptieren Arbeitgeber und Krankenkasse diesen Plan, kann die Wiedereingliederung beginnen, je nach Absprache über einige Wochen oder auch mehrere Monate. Der Arbeitnehmer erhält dann entweder weiterhin Krankengeld oder bezieht ein Übergangsgeld (je nach zuständiger Trägerschaft: Krankenkasse oder Deutsche Rentenversicherung). Lässt die gesundheitliche Verfassung des Krebspatienten die Fortführung des Programms nicht zu, kann die Maßnahme jederzeit abgebrochen werden.

Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung
Ob ein Krebspatient nach der Rehabilitation und eventueller Nutzung des Hamburger Modells zu einer Teil- oder Vollzeitbeschäftigung übergehen kann, hängt sowohl von der gesundheitlichen Verfassung als auch vom Willen des Betroffenen ab. Der berufliche Wiedereinstieg sollte die von einer schweren Krankheit genesenen Patienten nicht überfordern. Eine Teilzeitbeschäftigung oder eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit kann den Wiedereinstieg erleichtern. Gesetzlich spricht kaum etwas gegen eine Teilzeitbeschäftigung, da nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz jeder Arbeitnehmer das Recht auf eine Verringerung der vertraglich festgesetzten Arbeitszeit hat, soweit er seit mindestens sechs Monaten bei der Firma beschäftigt ist und keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Kehrt der Krebskranke nicht in das alte Arbeitsverhältnis zurück und findet er keine neue Arbeitsstelle, ist das Arbeitsamt für ihn zuständig.

Rente
Konnte die Berufs- und Erwerbsfähigkeit durch die Rehabilitation nicht wiedergewonnen werden und wurde die Berufsunfähigkeit amtlich attestiert, kann der Krebspatient einen Rentenantrag stellen. Als berufsunfähig gilt, wer körperlich und geistig weniger als die Hälfte der Leistung eines Gesunden mit entsprechenden Fähigkeiten und entsprechender Ausbildung erbringen kann. Bei der Klärung der Rentenart wird unterschieden, ob der Betroffene dauerhaft nicht mehr bzw. nicht mehr soviel arbeiten kann, dass er annähernd für seinen Lebensunterhalt aufkommen kann oder ob absehbar ist, dass er nach maximal drei Jahren wieder einer Berufstätigkeit nachgehen kann. In letzterem Fall bekommt der Betroffene lediglich eine Zeitrente. Die Rentenzahlungen hängen in beiden Fällen vom Alter des Krebspatienten ab und davon, wie viel er bereits in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Quelle: Befund Krebs 4/2007, Deutschland