Autor Thema: Prostatakrebs: Gene und DNA  (Gelesen 3606 mal)

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Jutta

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Prostatakrebs: Gene und DNA
« am: 04. März 2008, 10:40 »


Fünf Gen-Markern erhöhen bei Männern deutlich die Gefahr Prostatakrebs zu bekommen

28.02.2008 BALTIMORE (MedCon/ek) – Urologen aus den USA und Schweden haben herausgefunden, dass Männer mit einer Familiengeschichte für Prostatakrebs sowie mit fünf vererbten Gen-Markern ein neunfach erhöhtes Risiko haben, Prostatakarzinome zu entwickeln. So ihr Bericht im New England Journal of Medicine (NEJM) (Ausgabe vom 16.1.2008). Die Wissenschaftler um Co-Autor Prof. William B. Isaacs vom Johns Hopkins Brady Urological Institute und von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, untersuchten mit Kollegen vom Karolinska Institute in Schweden die Daten von 4000 schwedischen Männern. Die genetischen Marker seien dabei typisch und mit fast der Hälfte der Prostatakrebsfälle in der Studie verbunden gewesen.

Sie kündigten an, diese Phänomene in der amerikanischen Bevölkerung untersuchen zu wollen und zu sehen, ob dieselben genetischen Marker einen Effekt auch außerhalb Schwedens haben. Die Marker sagen – laut den Wissenschaftlern – nichts über die Aggressivität aus und stehen allein mit der Inzidenz in Zusammenhang. Mit Blick auf mögliche Screeningprogramme auf Prostatakrebs, sagte Isaacs: „Diese Information reicht noch nicht für einen genetischen Test zum Prostatakrebsrisiko aus, doch es gibt bereits Anstrengungen, einen solchen schnell zu entwickeln.“

Noch müssen die Befunde erhärtet werden, fügte er hinzu, doch sei dies „ein Schritt in die richtige Richtung, die gen-bedingten Ursachen für diese Tumoren zu entlarven, nach denen wir in den letzten 15 Jahren gesucht haben.“ Isaacs und seine Kollegen William Thomas Gerrard, Mario Anthony Duhon, Jennifer und John Chalsty nutzten die Blutproben von 2.893 Prostatakrebs-Patienten und verglichen sie mit denen von 1.781 gesunden Kontrollpersonen. Von früheren Studien wussten sie, dass gewisse Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNP) in fünf Chromosom-Arealen (drei in 8q24 und jeweils eins auf 17q12 und 17q24.3) mit Prostatakarzinomen in Zusammenhang standen. Ihnen ging es jetzt um die kumulativen Effekte.

Fazit: 16 SNP in den fünf Arealen treten bei Prostatakrebspatienten häufiger auf als bei den Kontrollpersonen, und sie könnten diese SNP identifizieren. Im Einzelnen: Die fünf SNP und eine Familienvorgeschichte waren zusammen für 46 Prozent der Prostatakarzinomfälle in der Kohorte verantwortlich. Beide zusammen zeigten einen kumulativen Zusammenhang mit Prostatakrebs.

Männer mit vier oder fünf SNP bekamen 4,5 mal wahrscheinlicher Prostatakrebs. Der kumulative Effekt von SNP und Familienvorgeschichte war unabhängig von den Serumhöhen des PSA bei der Diagnose. Die Forscher betonten jedoch, dass diese Studie keinen Kausalzusammenhang zwischen SNP und Prostatakrebs etabliere. Das Vorhandensein der SNP könnte jedoch – verbunden mit anderen Veränderungen, die bei der Krebsentstehung auftreten – als Vorläufer oder Marker angesehen werden.

Quelle: New England Journal of Medicine 2008 Onlineveröffentlichung am 16. Januar 2008 (10.1056/NEJMoa075819)

Josef

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Gene verbinden Diabetes und Prostatakrebs
« Antwort #1 am: 31. März 2008, 22:30 »
Gene verbinden Diabetes und Prostatakrebs und trennen Europäer von Japanern

Montag, 31. März 2008

Oxford/Glasgow/London – Eine internationale Forschergruppe ist bei einer genomweiten Suche auf sechs weitere Gene gestoßen, die zum Typ-II-Diabetes-mellitus prädisponieren. Eines der Gene erhöht auch das Risiko auf ein Prostatakarzinom. Zwei andere Gruppen beschreiben drei neue Risikogene für das Kolorektalkarzinom. Die Besonderheit hier: Eines der Gene erhöht das Darmkrebsrisiko nur bei Menschen europäischer Herkunft, nicht aber bei Japanern.

Die genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) tragen derzeit ganzjährig Früchte. Fast wöchentlich werden neue Risikogene für Krankheiten publiziert. Auch wenn die Auswirkungen auf die klinische Praxis derzeit noch gering sind, ergeben sich doch gelegentlich ungewöhnliche Einsichten, so in der jüngsten Publikation amerikanischer und britischer Genomforscher in Nature Genetics (2008; doi:10.1038/ng.120).

Mark McCarthy von der Universität Oxford hat zusammen mit 90 Forschern aus weltweit 40 Zentren (deutsche Beteiligung Neuherberg und Düsseldorf) die Gene von 70.000 Menschen verglichen. Dabei identifizierten sie gleich sechs neue Gene, die Menschen empfänglich machen für einen Typ-II-Diabetes-mellitus, womit die Gesamtzahl der bekannten Diabetes-Gene auf 16 angestiegen ist.

Der Typ-II-Diabetes-mellitus ist zwar zweifellos eine Zivilisationserkrankung, doch bei einigen Menschen kommt es bei gleichem (ungesunden) Ernährungs- und Lebensstil eher zu einer Insulinresistenz. Zu den genetischen Unterschieden, die dies erklären, gehören Varianten in JAZF1. Dieses Gen wurde kürzlich mit einer anderen Erkrankung in Verbindung gebracht, die zum Typ-II-Diabetes-mellitus keine Beziehung hat.

Eine andere Variante in JAZF1 erhöht das Risiko auf ein Prostatakarzinom. Es ist interessanterweise bereits das zweite Gen, das bei beiden Erkrankungen eine Rolle spielt. Das andere Gen ist HNF1B, das ebenfalls das Diabetesrisiko erhöht. Gleichzeitig senkt es das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Die Gruppe betont, dass es sich jeweils um unterschiedliche Varianten in dem gleichen Gen handelt. Ob es sich um mehr als eine genetische Kuriosität handelt, ist derzeit offen.

Wie beim Typ-II-Diabetes-mellitus spielen auch beim Kolorektalkarzinom neben Umweltfaktoren (sprich: Ernährung) Gene eine Rolle. Den vier bekannten Risikogenen fügt ein internationales Forscherteam (deutsche Beteiligung Kiel, Greifswald, Heidelberg) um Malcolm Dunlop von der Universität Glasgow jetzt in Nature Genetics (2008; doi: 10.1038/ng.133) ein weiteres hinzu.

Das Gen wurde zunächst in einer Kohorte aus schottischen Patienten gefunden. Wie üblich wurden die Ergebnisse in Kohorten aus anderen Ländern überprüft, darunter auch in Japan. Auch hier gibt es Menschen mit der beschriebenen Genvariante. Anders als bei Schotten und anderen Menschen europäischer Herkunft, haben Japaner mit dem gleichen Genmerkmal kein erhöhtes Risiko an einem Kolorektalkarzinom zu erkranken. Laut Dunlop ist es das erste Mal, dass ein Krebsgen auf eine ethnische Gruppe beschränkt ist. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Das von Dunlop beschriebene Genmerkmal erhöht das Darmkrebsrisiko um den Faktor 2,6.

Zwei weitere Darmkrebsgene beschreibt die Gruppe um Richard Houlston vom Institute of Cancer Research in London (Nature Genetics 2008; doi:10.1038/ng.111). Sie wurden in einer Gruppe von Patienten mit familiär gehäuftem Darmkrebs gefunden. Auch wenn die Forscher dem genetischen Puzzle von Darmkrebserkrankungen weitere Teile hinzufügen konnten, sind sie von der Entwicklung eines Gentests weit entfernt. Da viele Tumoren sporadisch entstehen, dürfte ein solcher Test das derzeitige Screening kaum ersetzen. Denkbar wäre aber, dass die Koloskopie in Zukunft einmal gezielter eingesetzt werden könnte. © rme/aerzteblatt.de
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Carola-Elke

Josef

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Prostatakrebs: Genveränderung
« Antwort #2 am: 19. August 2008, 21:18 »

Genveränderung macht Prostatakrebs aggressiv

Amerikanische Forscher identifizierten ein Gen, das offenbar das Risiko, an einem aggressiven Prostatakrebs zu erkranken,
erhöht. Es handelt sich dabei um das putative Prostata-Tumor-Suppressor-Gen DAB2IP.

Die genetische Prädisposition für aggressiven Prostatakrebs war Gegenstand der vorliegenden Untersuchung. Dr. Xu und sein Forschungsteam von der Division of Genetic Basis of Human Disease, Translational Genomics Research Institute, Phoenix, USA analysierten hierzu die genetischen Daten von 498 Männern, die unter einem aggressiven Prostatakrebs litten, und von 498 gesunden Männern gleichen Alters. Die Ergebnisse wurden nochmals mit den genetischen Daten aus der Cancer Genetic Markers of Susceptibility (CGEMS) Study verglichen, an der 737 Männer mit Prostatakrebs und 1.105 gesunde Männern teilgenommen hatten. In einer zweiten Studie analysierte das Team Daten von 1.242 Prostata-Krebspatienten und 917 männlichen Gesunden.

Die Forscher untersuchten insgesamt ca. 60.000 Single-nucleotide Polymorphismen (SNP). Hierbei handelt es sich um Variationen von einzelnen Basenpaaren in einem DNA-Strang. Sie gelten als "erfolgreiche" Punktmutationen, die sich im Genom einer Population etabliert haben. Die Forscher identifizierten insgesamt sieben SNP, die positiv oder negativ mit dem Risiko für aggressiven Prostatakrebs assoziiert waren (p<0.01). Einer dieser SNP ist in einem Gen namens DAB21P lokalisiert und verantwortlich für die Entstehung der aggressiven Tumorform. DAB21P kodiert vermutlich für einen Prostata-Tumor-Suppressor findet sich bei europäischen und afroamerikanischen Männern.

Besonders agressive Prostatakrebsformen neigen zur Metastasierung in das Skelett. Hier ist neben weiteren therapeutischen Maßnahmen eine Behandlung mit einem zugelassenen Bisphosphonat zum Schutz der Knochen notwendig.

„Mit den jüngsten Erkenntnissen aus unseren Studien besteht die Möglichkeit, einen Bluttest zu entwickeln, mit dem geprüft werden kann, wie aggressiv der Tumor und dementsprechend wie aggressiv die Therapie sein muss", erklärte Dr. Xu.

Quelle: Nach Informationen von Journal of the National Cancer Institute
Autor: BSMO Redaktion
Stand: 08-08-2008
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