Autor Thema: Ärzte in Deutschland - Fehlergeständnis mit Folgen  (Gelesen 3059 mal)

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Werner

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Fehlergeständnis mit Folgen

NEU-ISENBURG (4.3.08, juk). Die neue Offenheit unter Ärzten, eigene Fehler einzugestehen, kann zum Verlust des Versicherungsschutzes bei der Berufshaftpflicht führen.

Das sollten Ärzte bedenken, wenn sie dem Vorbild ihrer Kollegen von vergangener Woche folgen wollen. Am Donnerstag hatten 17 Ärzte öffentlich Behandlungsfehler eingestanden - darunter Professor Jörg Dietrich Hoppe, der als junger Arzt das Antidot mit einem Narkosemittel verwechselt hatte. Anlass für die Selbstbezichtigung war die Vorstellung der Broschüre "Aus Fehlern lernen" vom Aktionbündnis Patientensicherheit. Mit ihr soll für eine neue, angstfreie Fehlerkultur geworben werden.

Arztrechtler raten Medizinern bei einer allzu öffentlichen Reue aber zur Vorsicht - zumindest dann, wenn Verfahren wegen Behandlungsfehlern noch nicht eingeleitet wurden oder abgeschlossen sind. Der Grund: Ein Schuldanerkenntnis wird von Berufshaftpflichtversicherern als Obliegensheitsverletzung gesehen. Folge: Der Versicherungsschutz kann verloren gehen. Rechtsanwalt Uwe Lenhart rät Ärzten trotzdem, offensiv mit Fehlern umzugehen. Denn Patienten, die sich nicht ernstgenommen fühlten, erstatteten schnell Anzeige.

Werner

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Ärzte in Deutschland - Aus Fehlern lernen
« Antwort #1 am: 05. März 2008, 01:21 »

Großes Echo auf Kampagne "Aus Fehlern lernen"

BERLIN/BONN, 4.3.08 (MedCon) - Die Initiatoren des Aktionsbündnisses Patientensicherheit sind sehr zufrieden mit den Reaktionen auf die Broschüre "Aus Fehlern lernen".

Etliche Zeitungen und viele Rundfunk- und Fernsehanstalten hatten über die Publikation zu Fehlern in der Medizin berichtet. In der Broschüre bekennen sich 17 Ärzte und Pfleger zu Fehlern, die ihnen bei der Arbeit am Patienten passiert sind, darunter auch tödliche Zwischenfälle. Zu den Medizinern, die sich in der Broschüre äußern gehören unter anderem Prof. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein, Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin und Direktoren verschiedener namhafter Kliniken. Nach Presseberichten dauerte es zwei Jahre, bis die 17 Fehlerberichte beisammen waren, weil viele Mediziner sich nicht in der Öffentlichkeit "outen" wollten.

"Wir sind sehr damit zufrieden, was wir hier gemeinsam erreicht haben. Das bringt das Anliegen schon voran. Wir freuen uns besonders, dass auch die Bundesärztekammer sich aktiv und engagiert beteiligt", sagte AOK-Sprecher Udo Barske. Nachdem die BILD-Zeitung auf das Thema aufgesprungen sei, sei das große Medienecho zwar keine Überraschung mehr gewesen, dennoch werde durch die große Öffentlichkeit "eine Diskussion angestoßen". Der AOK komme es vor allem darauf an, dass anonyme Fehlermeldesysteme stärker genutzt werden. Damit ließen sich am ehesten Fortschritte erzielen.

Das Bundesgesundheitsministerium wollte von einem Erfolg allerdings erst dann sprechen, wenn es wirklich zu nachhaltigen Veränderungen komme. "Wir brauchen einen Mentalitätswandel. Das, was in der Broschüre steht, muss runtergebrochen werden auf die Ärzte und Schwestern", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Das Ministerium hat das Aktionsbündnis bis jetzt drei Jahre lang mit insgesamt 400.000 Euro gefördert. Die Förderung läuft jetzt aus und wird nicht mehr verlängert werden. Derzeit bemüht sich das Bündnis um neue Förderer und hat nach Angaben von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auch schon neue Unterstützer gefunden.

Die Broschüre des Aktionsbündnisses soll auch bei den niedergelassenen Ärzten kein Einzelfall bleiben. Der Bundesverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) griff das Thema am vergangenen Wochenende auf seinem Bundeskongress auf: In einer Sitzung zum Thema "Therapieziel verfehlt" stellten sich eine Reihe von Referenten mit ihren Fallberichten den Kommentaren ihrer Kollegen. "In der Medizin ist jeder Fehler ein Fehler zuviel", erklärte dazu BNC-Präsident Dr. Dieter Haack. Die kritische Fehlerdiskussion soll daher ein fester Bestandteil künftiger Kongresse werden.

Quellen: AOK, BNC, BMG

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