Autor Thema: Diagnose Brustkrebs- Partner,Kinder,Angehörige..  (Gelesen 8244 mal)

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engel77

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Diagnose Brustkrebs- Partner,Kinder,Angehörige..
« am: 09. März 2008, 22:47 »
Hallo!
Wie kommen eure Partner,Kinder,Eltern,... mit der Diagnose zurecht?
Fühlt ihr euch oft nicht ganz verstanden?
Mein Partner hat nach der Diagnose bei mir Rückenschmerzen,Kopfweh,Knieschmerzen bekommen.
Es wurde  dann wieder besser.Nachdem die Chemos vorbei waren und meine OP bevorstand wieder dasselbe.
Zu Zeit bin ich ja auf AHT-Therapie also im Wechsel.Ich fühle mich oft zu wenig verstanden! .Aber für den Partner ist es ja auch nicht immer leicht damit umzugehen Meine Kinder sind noch klein aber Stefan mit 5 Jahre merkt schon,wenn es mir nicht so gut geht.Oder er macht ständig Streiche damit er Aufmerksamkeit bekommt.Mein zweiter Sohn Leon ist 22 Monate,der läßt sich noch richtig knuddeln...macht der mama aber auch schon streiche!
Meine Eltern haben nie so richtig gezeigt,daß sie betroffen sind.Ich weis aber,daß vor allem meine Mutter es sehr mitgenommen hat.Ich glaube sie wollten stark sein,damit ich stark bin.
Meine engsten Freundinnen sind sehr gut damit umgegangen,wenn wir zusammen sind wird geplaudert,gelacht,über die Kinder geredet...  wenn ich über Krebs reden will reden wir ganz offen darüber ...
LG ANITA

katzenmama

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Diagnose Brustkrebs- Partner,Kinder,Angehörige..
« Antwort #1 am: 10. März 2008, 14:30 »
mein mann ist sehr besorgt.zum anfang zu sehr.ich bekomme zuerst chemo(jetzt meine letzte  ;D ) dann op und bestrahlung.
mitlerweile ist er sehr gestreßt.er hat immerhin den kleinen (6 jahre autist)und die ganzen arzttermine zu denen er meinen lütten und mich fährt,neben  6 schichtarbeit.
 ::) das ist ganz schön hart für ihn.allerdings meistert er es sehr gut.
mittlerweile ist er auch nicht mehr so nervig  ;) wenns mir mal nicht so gut geht.
ich habe ihn sogar zu der kur mit dem lütten überreden können.
der kleine realisiert das nicht so gut.er versteht nicht genau,warum ich plötzlich nicht mehr so viel mit ihm unternehme.
ansonsten läuft es,wenn man von dem mehraufwand durch die behandlung und untersuchungen absieht)fast wie immer ab(mitlerweile)
                                                                  lg.cony

Dietmar E.

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Diagnose Krebs - Partner,Kinder,Angehörige......
« Antwort #2 am: 20. März 2008, 15:46 »
Hallo engel,
darüber wird scheinbar nicht geplaudert.
Bin gespannt, ob wir beim Treffen der SHG dazu Meinungen bekommen.
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,1377.msg3438/boardseen.html#new
Jedenfalls zeigt sich, dass Frauen einfach offener über diverse Probleme sprechen, vor allem unter Frauen, vor
allem in SHG bzw. direkt, weniger in Foren.
Und Männer reden (darüber) überhaupt nicht - das starke Geschlecht!
Schönes Osterwochenende,
dir und den Mitlesern,
Dietmar
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Erika

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Diagnose Krebs- Partner,Kinder,Angehörige..
« Antwort #3 am: 21. März 2008, 14:39 »
Hallo Dietmar,
dann geh mal bitte mit gutem Beispiel voran und erzähl uns, wie ein Mann denkt und fühlt und wie er sich den Umgang mit der Familie und Freunden wünscht und erlebt  ;) Wir, die wir nicht bei den "realen" SHG-Treffen dabei sein können, haben nix davon, wenn nur da darüber geredet wird. Hier ist die virtuelle SHG, hier bringt es auch nix, wenn man im Hintergrund per Mail oder im Chat redet, dann haben wieder nicht alle was von den Erfahrungen der anderen, oder?

Ich denke nicht, dass nur Frauen über alles reden, auch Männer machen das, wenn sie das Gefühl haben, dass es auch erwünscht ist. Ihr Männer hier müßt euch sicher nicht beweisen, dass ihr die "Techniker", die Denker seid, die nur über medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse verfügen  ;)

Hallo Anita!
Weil ich gerade dabei bin, will ich auch noch kurz erzählen, wie es mir gegangen ist mit meinen Lieben. Also ich hatte Glück, es haben mich alle einfach nur unterstützt und auch akzeptiert, dass ich anfangs nicht darüber reden wollte, sondern einfach nach der OP wieder am Leben normal teilnehmen wollte. Ich habe aber auch selbst gleich Klartext geredet und gesagt, dass mir nicht geholfen ist, wenn sie jetzt unglücklich sind, sie sollen mich ganz normal behandeln ... ich sag schon, wenn ich Hilfe brauche und es mir schlecht geht. Schlimm war es für mich, als ich meine Eltern vom Krankenhaus weg gehen sah, als sie mich nach der OP besuchten: Hand in Hand mit gesenktem Kopf und traurigem Gesicht sind diese beiden älteren Leuten marschiert  - vor mir haben sie für mich die Starken gespielt. Das hat echt weh getan. Vor allem weil ich ja auch weiß, was es heißt, wie man selbst leidet, wenn es den Lieben nicht gut geht. Ich komme zumindest immer besser mit mir und meinen "Leiden" zurecht als mit den Leiden der Menschen, die ich liebe.  Mittlerweile sind wir aber alle gemeinsam einfach stark. Meine Tochter ist ja schon erwachsen, mein kleiner Enkel lenkt mich mit seiner Fröhlichkeit ab, wenn es mir mal nicht so gut geht und meine Freunde geben mir einen Tritt in den Allerwertesten, wenn ich doch mal im berühmten  "Loch" versinke ... eine Weile darf ich eine depressive Phase haben, aber dann zeigen sie mir wieder was Leben bedeutet. Dafür bin ich dankbar.

Liebe Grüße, Erika
« Letzte Änderung: 21. März 2008, 14:40 von Erika »
Mein Lebensmotto: Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Tanja

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Die Teilnahme an einer Gruppentherapie kann das emotionale Wohlbefinden von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs verbessern. Die Wirkung ist aber einige Monate nach Beendigung der Therapie wieder verflogen.

Bei manchen Frauen breitet sich Brustkrebs weiter aus oder er wird erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Auch dann noch kann die Erkrankung behandelt werden. Fortgeschrittener Brustkrebs ist jedoch oft mit großen Schmerzen, aufwändigen Behandlungen und einer verminderten Überlebenschance verbunden. All dies hat schwerwiegende psychologische Folgen.

Psychologische und soziale Unterstützung gibt es in unterschiedlicher Form: Neben individueller Beratung, Psychotherapie und Schulung ist auch Unterstützung durch eine ärztlich oder psychotherapeutisch betreute Gruppentherapie möglich. Nach Schätzungen nimmt aber weniger als eine von 10 an Krebs erkrankten Frauen (10 %) an einer Gruppentherapie teil. Einige Frauen bevorzugen den Besuch von Selbsthilfegruppen.

Wissenschaftler der Cochrane Collaboration wollten mithilfe einer systematischen Übersicht herausfinden, wie es Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach einer psychologischen Gruppentherapie geht. Ihre Suche führte zu fünf zuverlässigen Studien, in denen verschiedene Formen der Gruppentherapien an insgesamt über 600 Frauen aus Australien, Kanada oder den USA erprobt worden sind. Die Frauen waren in der Gruppe immer ärztlich oder psychotherapeutisch betreut worden, es handelte sich also nicht um Selbsthilfegruppen.

Gemeinsames Ziel der Programme war es, den Patientinnen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und soziale Unterstützung anzubieten. Eines der Programme dauerte nur wenige Monate, die anderen etwa ein Jahr. Drei der Therapiegruppen boten überwiegend soziale Unterstützung an. Zwei beinhalteten eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Das Prinzip bestand darin, dass die Teilnehmerinnen dieser Studien unter ihren Überzeugungen, Gedanken und Verhaltensweisen diejenigen herauszufinden versuchten, die es ihnen erschwerten, mit ihrer Krankheit umzugehen. Anschließend arbeiteten sie darauf hin, Einstellungen, Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern. Bei anderen Gesundheitsproblemen hat sich kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen.

Die Wissenschaftler folgerten, dass auch Frauen mit Brustkrebs durch die Teilnahme an solchen Gruppen ihr emotionales Wohlbefinden und Selbstwertgefühl verbessern können, auch wenn die Wirkung nicht allzu nachhaltig ist. Schon einige Monate nach Beendigung der Therapie war der Effekt offenbar wieder verflogen. Die Studien deuten auch an, dass die Teilnehmerinnen an der Gruppentherapie weniger Schmerzen hatten. Die Programme liefern jedoch keinen Hinweis, dass Teilnehmerinnen der Gruppentherapie länger lebten als Frauen, die nicht teilgenommen hatten.

Möglich ist, dass bestimmte Frauen stärker von einer Gruppentherapie profitieren, andere sich aber eher schlechter fühlen. Weitere Forschung ist auch nötig, um zu klären, wie sich die Gruppentherapie auf das Verhältnis zu Partnerin oder Partner, Familie und zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auswirkt. Auch wissen wir noch nicht, wie die Gruppentherapie bei Frauen in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung wirkt und ob es einen Unterschied für den Erfolg macht, wie lange die Diagnose schon zurückliegt.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Geri

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Krebs bei der Frau, Chemo, Strahlen, Kinderwunsch
« Antwort #5 am: 08. November 2008, 12:16 »
07.11.2008 
   
   Reproduktionsmedizin: Kinderwunsch nach Chemotherapie

Wie kann der Kinderwunsch nach Chemotherapie oder Bestrahlung möglichst zuverlässig und ohne Risiken für Mutter und Kind erfüllt werden? Darüber diskutieren rund 200 Experten am 14. und 15. November 2008 in Heidelberg beim internationalen Kongress der "European Society of Human Reproduction and Embryology" (ESHRE). Renommierte Wissenschaftler der Bereiche Gynäkologie, Reproduktionsmedizin, Chirurgie, Psychologie und Onkologie aus ganz Europa stellen den aktuellen Stand bewährter und innovativer Verfahren zum Schutz der Fruchtbarkeit bei Krebserkrankungen vor.

Die Tagung wird von der Arbeitsgruppe "Europäische Task Force zum Schutz der Fruchtbarkeit bei Frauen mit Krebserkrankungen" unter der Leitung von Professor Dr. Michael von Wolff, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg organisiert. Die "Task Force" der ESHRE wurde im April 2007 auf Initiative der Heidelberger Abteilung (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Thomas Strowitzki) gegründet.

"Dieser Kongress ist die größte Tagung zu diesem Thema auf europäischer Ebene", erklärt Professor von Wolff. "Unser Ziel ist es, den Austausch über innovative Verfahren und Forschungsergebnisse weiter zu verbessern und die Zusammenarbeit der europäischen Zentren für Fortpflanzungsmedizin zu stärken." Gleichzeitig soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden: Viele Krebspatientinnen begraben ihren Kinderwunsch, weil sie die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin nicht kennen. "In Europa müssen junge Krebspatientinnen nicht kinderlos bleiben", so Professor von Wolff.

Die Themen des Kongresses decken ein weites Spektrum ab: Wie wirken sich Chemotherapien auf Eierstöcke und Hoden aus? Welche schonenden chirurgischen Eingriffe sind z.B. bei Gebärmutterhalskrebs möglich? Wie überstehen Keimzellen und Gewebe die Konservierung am besten? Stellt die Schwangerschaft möglicherweise ein Risiko für die Rückkehr der Krebserkrankung dar? Schwerpunktthemen sind die Rück-Transplantation von Eierstockgewebe, das der Patientin vor der Krebsbehandlung entnommen wurde, und ein neues Verfahren, das die Zeit bis zur Entnahme von Eizellen verkürzt.

Das neue Verfahren wurde innerhalb des 2006 gegründeten Deutschen Netzwerks für fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapien, "FertiPROTEKT" (www.fertiprotekt.de), unter der Leitung der Heidelberger Abteilung entwickelt und im Oktober 2008 in der Zeitschrift "Fertility and Sterility" veröffentlicht: Sollen einer Frau vor Beginn der Krebstherapie Eizellen entnommen werden, ist häufig eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke notwendig. Bisher werden die Hormone nach der Regelblutung zu Beginn des nächsten Zyklus verabreicht, was eine Wartezeit von bis zu sechs Wochen bedeuten kann. "Diese Zeit haben viele Patientinnen nicht, weil ihre Krebsbehandlung möglichst schnell einsetzen muss", so Professor von Wolff. Nun ermöglicht eine neue Kombination von Hormonen die Stimulation auch in einer späten Phase des Monatszyklus und verkürzt die Wartezeit auf maximal zwei Wochen.

"Besonders interessant ist diese Technik in Kombination mit anderen Verfahren, die derzeit ebenfalls im Netzwerk FertiPROTEKT entwickelt werden. So sind wir in der Lage, den Patientinnen maßgeschneiderte Hilfe anzubieten", erklärt Professor von Wolff. Inzwischen gibt es eine große Auswahl neuer medikamentöser Therapien und reproduktionsmedizinische Techniken, um den Kinderwunsch nach Krebs zu ermöglichen.

Chemotherapie oder Bestrahlung können Eierstöcke und Hoden irreversibel schädigen. Bei jungen Männern können vor der Behandlung problemlos Spermien tief gefroren werden; bei Frauen ist die Situation jedoch aufwendiger. Es wird geprüft, ob die Krebstherapie gegebenenfalls um kurze Zeit verschoben werden kann, um den Frauen z.B. nach einer Hormonstimulation Eizellen zu entnehmen und unbefruchtet oder befruchtet einzufrieren. Z.B. im Rahmen der so genannten "In vitro Maturation" ist eine Entnahme von Eizellen auch ohne eine vorhergehende Hormonstimulation möglich.

Schließlich besteht die Möglichkeit, Medikamente zu geben, die die Eierstöcke bei einer Chemotherapie zu schützen scheinen, die Eierstöcke vorübergehend aus der Bestrahlungszone zu verlegen oder Eierstockgewebe zu entnehmen und einzufrieren, um es später wieder zu transplantieren. Allerdings handelt es sich nicht um Routineverfahren: Nur erfahrene reproduktionsmedizinische Zentren sollten in diesem Bereich tätig werden.

Der Kongress findet am 14. und 15. November 2008 im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg, statt.


Literatur:
Michael von Wolff, Christian J. Thaler, Torsten Frambach, Cosima Zeeb, Barbara Lawrenz, Roxana M. Popovici, Thomas Strowitzki: Ovarian stimulation to cryopreserve fertilized oocytes in cancer patients can be started in the luteal phase, Fertility and Sterility, in Press, Corrected Proof, Available online 18 October 2008.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg