Autor Thema: Mobile Krebsstammzellen als Ursache für Metastasen  (Gelesen 2916 mal)

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Josef

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Mobile Krebsstammzellen als Ursache für Metastasen
« am: 28. März 2008, 16:57 »
EMT formt Krebszellen in gefährliche Stammzellen um


Berlin, 28.03.2008 - "Die mobilen Krebsstammzellen sind die gefährlichsten Zellen für den Krebspatienten, denn sie sind nach unserem Modell der Hauptursprung von Metastasen." Zu diesem Schluss kommt der Krebsexperte Thomas Brabletz von der Universitätsklinik Freiburg http://www.uniklinik-freiburg.de beim derzeit in Berlin stattfindenden Kongress "Invasion and Metastasis" am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) http://www.mdc-berlin.de. Bisher waren die Wissenschaftler stets davon ausgegangen, dass jede Tumorzelle Metastasen bilden kann.

Brabletz, der sich insbesondere mit der Entstehung von Dickdarmkrebs beschäftigt hat, erklärt im pressetext-Interview, wie die Krebsstammzellen aus den Stammzellen des Dickdarms entstehen. Normalerweise sorgen die Stammzellen dafür, dass die Zellen des Darms, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben, regelmäßig, das heißt einmal am Tag, erneuert werden. "Wenn eine solche Stammzelle zur Krebsstammzelle wird, kann sie sich anschließend unbegrenzt teilen und weitere Krebsstammzellen hervorbringen", erklärt der Experte. In einem weiteren Schritt löst sich die Krebsstammzelle vom Ursprungstumor ab und kann sich über die Blutgefäße im Körper verbreiten. "Dafür werden längst stillgelegte Signalwege aktiviert, die der Körper während seiner Entwicklung als Embryo nutzte."

"Die stationären Krebszellen können allerdings noch keine Metastasen bilden", räumt auch Brabletz ein. In einem Prozess namens epitheliale-mesenchymale Transition, kurz EMT genannt, werden die Krebszellen umgeformt und nicht mehr im ursprünglichen Zellverband gehalten. "Diese Theorie ist mittlerweile anerkannt", meint der Forscher. Wenn eine solche bewegliche Krebsstammzelle ins Blutsystem eindringt, kann sie so andere Körperregionen erreichen, die vom ursprünglichen Tumor weit entfernt sind und sich dort ansiedeln. "Dies nennt man Metastasierung. Beim Dickdarmkrebs siedeln sich Metastasen meist in der Leber an", erklärt der Wissenschaftler.

Mit dem Modell der mobilen Krebsstammzelle vereint Brabletz erstmals alle aktuellen Theorien zur Entstehung von Metastasen - von den genetischen Veränderungen, den Veränderungen im Tumorumfeld, den Krebsstammzellen sowie der EMT. "Die wichtigen Schritte der Metastasenbildung sind umkehrbar und können nicht nur durch unwiderruflich veränderte Gene erklärt werden. Wenn eine mobile Krebsstammzelle ihr Ziel erreicht, verwandelt sie sich wieder zurück in eine stationäre Krebsstammzelle." Was die Wissenschaftler nun interessiert, ist die Frage, welche Komponente den Anstoß für die Verwandlung dieser Zellen in die eine oder die andere Richtung gibt. Möglicherweise gebe es Wachstumsfaktoren aus dem Umfeld des Tumors, die dafür verantwortlich sind.

An eine Umsetzung des Wissens in neue Krebstherapien will der Forscher aber noch nicht denken. "Es wäre verfrüht hier irgendetwas Konkretes zu sagen." Er rechne in frühestens zehn Jahren mit spezifischen Medikamenten, die etwa die mobilen Krebsstammzellen bekämpfen können.

Dickdarmkrebs ist nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen. Vielfach zeigen Betroffene am Anfang selten Schmerzen oder Symptome. Der Tumor wird häufig erst erkannt, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben. Eine ab dem 45. Lebensjahr im Abstand von mindestens fünf Jahren durchgeführte Darmspiegelung sei eine geeignete Vorsorge, meint auch der Forscher.

EMT formt Krebszellen in gefährliche Stammzellen um

Berlin 28.03.2008 - "Die mobilen Krebsstammzellen sind die gefährlichsten Zellen für den Krebspatienten, denn sie sind nach unserem Modell der Hauptursprung von Metastasen." Zu diesem Schluss kommt der Krebsexperte Thomas Brabletz von der Universitätsklinik Freiburg http://www.uniklinik-freiburg.de beim derzeit in Berlin stattfindenden Kongress "Invasion and Metastasis" am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) http://www.mdc-berlin.de. Bisher waren die Wissenschaftler stets davon ausgegangen, dass jede Tumorzelle Metastasen bilden kann.

Brabletz, der sich insbesondere mit der Entstehung von Dickdarmkrebs beschäftigt hat, erklärt im pressetext-Interview, wie die Krebsstammzellen aus den Stammzellen des Dickdarms entstehen. Normalerweise sorgen die Stammzellen dafür, dass die Zellen des Darms, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben, regelmäßig, das heißt einmal am Tag, erneuert werden. "Wenn eine solche Stammzelle zur Krebsstammzelle wird, kann sie sich anschließend unbegrenzt teilen und weitere Krebsstammzellen hervorbringen", erklärt der Experte. In einem weiteren Schritt löst sich die Krebsstammzelle vom Ursprungstumor ab und kann sich über die Blutgefäße im Körper verbreiten. "Dafür werden längst stillgelegte Signalwege aktiviert, die der Körper während seiner Entwicklung als Embryo nutzte."

"Die stationären Krebszellen können allerdings noch keine Metastasen bilden", räumt auch Brabletz ein. In einem Prozess namens epitheliale-mesenchymale Transition, kurz EMT genannt, werden die Krebszellen umgeformt und nicht mehr im ursprünglichen Zellverband gehalten. "Diese Theorie ist mittlerweile anerkannt", meint der Forscher. Wenn eine solche bewegliche Krebsstammzelle ins Blutsystem eindringt, kann sie so andere Körperregionen erreichen, die vom ursprünglichen Tumor weit entfernt sind und sich dort ansiedeln. "Dies nennt man Metastasierung. Beim Dickdarmkrebs siedeln sich Metastasen meist in der Leber an", erklärt der Wissenschaftler.

Mit dem Modell der mobilen Krebsstammzelle vereint Brabletz erstmals alle aktuellen Theorien zur Entstehung von Metastasen - von den genetischen Veränderungen, den Veränderungen im Tumorumfeld, den Krebsstammzellen sowie der EMT. "Die wichtigen Schritte der Metastasenbildung sind umkehrbar und können nicht nur durch unwiderruflich veränderte Gene erklärt werden. Wenn eine mobile Krebsstammzelle ihr Ziel erreicht, verwandelt sie sich wieder zurück in eine stationäre Krebsstammzelle." Was die Wissenschaftler nun interessiert, ist die Frage, welche Komponente den Anstoß für die Verwandlung dieser Zellen in die eine oder die andere Richtung gibt. Möglicherweise gebe es Wachstumsfaktoren aus dem Umfeld des Tumors, die dafür verantwortlich sind.

An eine Umsetzung des Wissens in neue Krebstherapien will der Forscher aber noch nicht denken. "Es wäre verfrüht hier irgendetwas Konkretes zu sagen." Er rechne in frühestens zehn Jahren mit spezifischen Medikamenten, die etwa die mobilen Krebsstammzellen bekämpfen können.

Dickdarmkrebs ist nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen. Vielfach zeigen Betroffene am Anfang selten Schmerzen oder Symptome. Der Tumor wird häufig erst erkannt, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben. Eine ab dem 45. Lebensjahr im Abstand von mindestens fünf Jahren durchgeführte Darmspiegelung sei eine geeignete Vorsorge, meint auch der Forscher.
« Letzte Änderung: 28. März 2008, 16:58 von Josef »
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke