Autor Thema: Chemo "Vorbereitungen"  (Gelesen 4305 mal)

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Edi

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Chemo "Vorbereitungen"
« am: 01. April 2008, 19:19 »
Kurzes Hungern vor der Chemotherapie - Ein Schutzschild für gesunde Zellen

Los Angeles (USA)
Eine Chemotherapie schädigt immer auch gesundes
Gewebe und löst deshalb meist starke Nebenwirkungen aus.
US-amerikanische und italienische Forscher haben jetzt eine einfache
Methode entdeckt, um gesunde Zellen vor aggressiven Krebsmitteln zu
schützen: Eine kurze Hungerphase verändert ihren Stoffwechsel so, dass
sie widerstandsfähiger werden. Krebszellen dagegen können nicht mehr auf
diese Weise reagieren und bleiben ungeschützt.

Die so erzielte unterschiedliche Stressresistenz erlaubte es im Tierversuch, Krebsmittel
höher zu dosieren und ihre Wirksamkeit zu verbessern. Klinische Studien
sollen diese Resultate möglichst bald am Menschen überprüfen, schreiben
die Wissenschaftler im Fachjournal „Proceedings of the National Academy
of Sciences (PNAS)“.

„Der Schutzschild für die gesunden Zellen müsste gar nicht perfekt sein.
Worauf es ankommt, ist der Unterschied in der Stressresistenz zwischen
den gesunden Zellen und den Krebszellen“, sagt Valter Longo von der
University of Southern California in Los Angeles. Zusammen mit
italienischen Kollegen vom Giannina Gaslini Institut in Genova hatte
sein Forschungsteam zunächst Versuche mit Kulturen menschlicher
Hirnzellen durchgeführt.
Auf einen Entzug von Nährstoffen reagierten normale Zellen, indem sie in einen
Zustand übergingen, der sich mit dem Winterschlaf von Tieren vergleichen lässt.
Dieser Zustand zeichnet sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber
aggressiven Sauerstoffverbindungen aus. Krebszellen aber hatten die Fähigkeit
verloren, ihre Aktivität zu drosseln. Daher wurden nach einer
Hungerphase Gliom- und Neuroblastom-Krebszellen durch das Zytostatikum
Cyclophosphamid zwei- bis fünfmal effektiver abgetötet als gesunde
Nervenzellen.

Auch in Versuchen mit Mäusen, denen Krebszellen injiziert wurden,
verstärkte eine zweitägige Hungerzeit die Effektivität einer hoch
dosierten Chemotherapie mit dem Krebsmittel Etoposid. Es traten weniger
Nebenwirkungen auf und die Überlebenschancen stiegen. „Dieses neuartige
Konzept, eröffnet ganz neue Behandlungsstrategien, die es ermöglichen,
Krebsmittel in höherer Dosis einzusetzen“, kommentiert der Krebsforscher
Pinchas Cohen von der University of California in Los Angeles.

Damit bestünde in Zukunft die Möglichkeit, sagt Longo, auch Krebsmetastasen
mit mehr Aussicht auf Erfolg zu behandeln. Es wäre auch denkbar,
zusätzliche Wirkstoffe einzusetzen, die Hungerbedingungen nur
vortäuschen und dadurch die gesunden Zellen vor einer aggressiven
Chemotherapie schützen.

Weiterführende Links:

University of Southern California, Los Angeles:http://www.usc.edu

Giannina-Gaslini-Institut:       
http://www.gaslini.org/eng/

Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS):
http://www.pnas.org

Wissenschaft aktuell
Quelle: University of Southern California