Autor Thema: Eine Reform, die alle spüren werden  (Gelesen 5087 mal)

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Jutta

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Eine Reform, die alle spüren werden
« am: 02. April 2008, 23:47 »


Rezepte für die Sanierung des Systems: Weniger Vertragsärzte, Einsparungen bei Arzneien, Straffung der Organisation.

Pflaster Um das Gesundheitssystem zu retten, muss gespart werden. DruckenSendenLeserbrief
Was bedeutet die Gesundheitsreform für die Patienten? Neue Selbstbehalte oder gar begrenzte Arztbesuche? Während die Details der wichtigsten Reform 2008 verhandelt werden, sind die grundsätzlichen Vorgaben klar:

1. Wird es in Zukunft weniger Ärzte geben?
Ja und nein. Da es in Österreich Regionen gibt, die bei Fachärzten einen Mangel aufweisen, wird es nicht dazu kommen, dass die Zahl der Kassenverträge sinkt. Patienten müssen sich aber für "sektorale" und "regionale" Verschiebungen rüsten. Das bedeutet: Nachdem der Rechnungshof den Krankenkassen empfohlen hat, den "Stellenplan bei Vertragsärzten zu optimieren", wird mittel- und langfristig die Zahl der Kassenärzte in Ballungsräumen sinken. In Wien gehen pro Jahr 50 Ärzte in Pension; diese Posten dürften nicht nachbesetzt werden. Parallel dazu gibt es "sektorale" Veränderungen. In Bereichen, in denen es zu wenig Angebot gibt (z.B. Kinderpsychiatrie), werden Kassenstellen auf Kosten anderer Fächer aufgestockt.

2. Bekomme ich weiterhin die besten Medikamente?
Ja. Mit zwei Maßnahmen wollen die Sozialpartner sicherstellen, dass die Kosten bei den Medikamenten nicht mehr so stark steigen. Verschlechterungen für die Patienten bringen diese aber nicht. Erstens ist geplant, dass Ärzte künftig nicht mehr ein Medikament, sondern nur noch einen Wirkstoff verschreiben dürfen. Das Medikament soll der Apotheker wählen. Zweitens will der Hauptverband künftig mit den Pharmafirmen Verträge anders abschließen: Je mehr eine Firma von einem Medikament verkauft, desto weniger soll der Hauptverband dafür bezahlen. Bisher gab es fixe Preise.

3. Darf ich künftig nicht mehr so oft zum Facharzt gehen?
Schon jetzt ist der Zugang reglementiert. Patienten dürfen pro Quartal ohne Überweisung maximal drei Fachärzte aufsuchen. Davon ausgenommen: der Zahnarzt. Dem System entstehen dadurch fragwürdige Kosten, da viele Patienten mit geringen Beschwerden direkt zum teuren Facharzt gehen (Schnupfen beim HNO-Arzt). Nach der Reform soll der Hausarzt wieder erster Ansprechpartner sein, die Zahl der Facharzt-Besuche wird wohl gesenkt. Davon ausgenommen: der Frauenfacharzt.

4. Muss ich bald länger auf Operationen warten?
Im Spitalsbereich wird sich vorerst nichts ändern. Für eine Strukturbereinigung wären Finanzverhandlungen mit den Ländern nötig, diese wurden im Vorjahr abgeschlossen. Mittelfristig wird sich die Spitalslandschaft verändern. Kleine Regionalspitäler sollen nur die Akutversorgung übernehmen. Planbare Eingriffe (z.B. Kniegelenksoperationen) sollen zentral gemacht werden. Das ist günstiger, medizinisch sinnvoller – bedeutet aber längere Anfahrtswege.

5. Wird es neue Selbstbehalte bei Arztbesuchen geben?
Nein. Alle an der Reform Beteiligten schließen das aus. Ihr Argument: Die Patienten tragen schon jetzt – abgesehen von den Sozialversicherungsbeiträgen – mit der Rezeptgebühr und Selbstbehalten bei Heilbehelfen oder Spitalsaufenthalten zusätzlich zur Finanzierung bei.

6. Werden die Sozialversicherungsbeiträge angehoben?
Nein. Ein weiteres Anheben der Beiträge würde die Lohnnebenkosten steigern – nicht nur die Wirtschaft steht dem skeptisch gegenüber. Zum anderen wurden die Beiträge im Jänner um 0,15 Prozent angehoben – womit das System zusätzliche 300 Millionen Euro lukrieren konnte.

7. Wird auch die Rezeptgebühr erhöht?
Nein. Sie wurde mit Jänner 2008 mit zwei Prozent des Brutto-Einkommens gedeckelt. Das soll so bleiben.
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8. Wo können die Krankenkassen noch sparen?
Laut Rechnungshofpräsident Josef Moser müssen die Kassen "eine Kostenkalkulation anstreben und allenfalls überhöhte Tarife senken". Moser zum KURIER: "Klar ist, dass der Patient optimal versorgt werden muss, aber derzeit fehlt im System die Kostenwahrheit und bei den Verwaltungskosten ist noch Optimierungspotential vorhanden." Gleiche medizinische Leistungen werden unterschiedlich vergütet. Ein Beispiel: Oberösterreichs Krankenkasse bezahlt für eine Augendruckmessung 2,74 Euro, in Wien zahlt die Gebietskrankenkasse 9,60 Euro.

9. Wie viel Geld gibt Österreich für die Gesundheit aus?
Im Jahr 2005 betrugen die Gesamtausgaben 25,8 Milliarden Euro. Das entsprach 10,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In absoluten Zahlen sind die Kosten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, gemessen am BIP blieben sie aber unverändert. Im internationalen Vergleich liegt Österreich über dem Durchschnitt. Laut OECD belegte Österreich 2005 unter den Industrieländern Rang fünf, was die Gesundheitsausgaben pro Kopf pro Jahr anging.

10. Ist künftig mehr Geld fürs Gesundheitssystem notwendig?
Ja. Allein durch den medizinischen Fortschritt steigen die Kosten laut Experten um 1,5 Prozent pro Jahr. Dazu kommt, dass die Bevölkerung um 0,5 Prozent wächst. Beträgt die Inflation 2 Prozent, steigen die Kosten fürs Gesundheitssystem um insgesamt 4 Prozent pro Jahr. Geht man davon aus, dass die Wirtschaft – und damit die Beitragseinnahme – um 2,5 Prozent pro Jahr wächst, bleibt ein Minus von 1,5 Prozent. Das entspricht rund 260 Millionen Euro. Die müssten entweder jedes Jahr zusätzlich eingespart oder eingenommen werden.

Artikel vom 01.04.2008 | KURIER | Christian Böhmer, Nichol

Richi

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Kurier v. 23.4.08

.................. Am Dienstag kündigte Hauptverbandsvorsitzender Erich Laminger eine andere, weitreichende Maßnahme an, die vor allem für die Patienten eine Qualitätssteigerung bringen soll: Die Verlängerung der Kassenverträge von niedergelassenen Ärzten soll an Kriterien wie Patientenzufriedenheit und verpflichtende Fortbildung geknüpft werden.

..................Die Visite in der Ordination könnte sich ändern: Nach jedem Arzt-Besuch will der Hauptverband eine so genannte Patientenquittung ausfolgen. Auf dieser kann der Sozialversicherte nachlesen, welche Leistungen der Arzt der jeweiligen Krankenversicherung in Rechnung stellt. Laminger: "Auch für die Ärzte wäre das von Nutzen. Sie können gegenüber den Patienten sofort darstellen, was sie tagtäglich leisten." Die Mediziner sehen das anders. "Es beginnt eine Ärzte-Hatz", ärgert sich Ärztekammer-Funktionär Johannes Steinhart. "Wenn wir Aut idem machen, will ich auch wissen, ob die Apotheker für Verschreibungen haften." Zur Fortbildung sagt er: "Das hat Provokationscharakter. Keine Berufsgruppe bildet sich so intensiv fort wie die Ärzte."


Über die Ärztefortbildung werden wir Patienten nicht mitsprechen. Wir nehmen dies aber als gegeben an.

Eine Überforderung durch Bürokratie finde ich aber nicht angebracht!

Richi

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Gesundheitsreform: Zu viele Betten und Aufnahmen
« Antwort #2 am: 23. April 2008, 09:52 »
Am 19.4.08 stand u. a. im Kurier:


Zu viele Betten und Aufnahmen

Die "Diagnose" ist ernüchternd: Der dringend nötige Abbau von Akutbetten passiert nur zögerlich; die Aufnahme-Rate in den Spitälern ist auffallend hoch, und auch die Zahl der stationär versorgten Patienten ist eigentlich viel zu hoch.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) lässt sich Österreich die medizinische Versorgung in den Spitälern vergleichsweise viel kosten. 41 Prozent aller Gesundheitsausgaben fließen laut IHS in die Krankenhäuser - in der EU geben nur Frankreich (42 Prozent) und Italien (44) noch mehr aus.

Absoluter Spitzenreiter ist Österreich bei der Zahl der Spitalsaufnahmen. Mit 26 Aufnahmen pro 100 Einwohner liegt Österreich um neun Aufnahmen über dem Schnitt der 27 EU-Länder. Ein möglicher Grund ist laut Thomas Czypionka (IHS) das neue Verrechnungssystem (dem Spital wird nicht die Dauer des Aufenthalts, sondern der "Fall" ersetzt). "Patienten werden zwar schneller entlassen. Offenbar werden sie aber auch wieder schneller aufgenommen", so Czypionka zum KURIER.

Zum Vergleich: Während ein Patient in einem österreichischen Spital 1990 durchschnittlich 11,2 Tage verbracht hat, waren es zuletzt nur noch 6,9 Tage (EU-Schnitt: 6,7 Tage).

Mehr Patienten pro Bett

Das schlägt sich auch im sogenannten Bettenumschlag nieder. Während im EU-Schnitt auf ein Akutbett 40 Patienten kommen, sind es in Österreich 47.

Wie sieht es mit der Produktivität bzw. mit dem Verhältnis zwischen stationären Patienten und dem Betreuungspersonal (Arzt, Krankenschwester, etc.) aus?

Laut IHS-Untersuchung ist dieser Wert in Österreich auffallend hoch. Auf eine Betreuungsperson kommen 21 Patienten - im EU-Schnitt sind es nicht einmal 15.

Interessantes Detail: Der Faktor Patient/Betreuer unterscheidet sich auch innerhalb Österreichs. Spitzenreiter ist Oberösterreich, den geringsten Wert, also die geringste "Produktivität" erzielt Wien.

Was tun? Aufgrund der erhobenen Daten empfiehlt IHS-Experte Czypionka eine Reform des Finanzierungssystems. "Die viel zitierte ,Finanzierung aus einer Hand würde Abhilfe schaffen", sagt Czypionka - also eine zentralere Steuerung der momentan zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung zersplitterten Spitalsfinanzierung.

Außerdem schlagen die Experten des IHS eine vergleichende Qualitätsmessung für alle Spitäler vor.

http://www.ewts.at

http://www.ihs.ac.at

Dietmar E.

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Gesundheitsreform! Aber wer vertritt die Patienten?
« Antwort #3 am: 29. April 2008, 10:30 »

Sei es das Passivrauchen in den Gaststätten oder viele andere "Ungereimtheiten":

WER  VERTRITT  EIGENTLICH  DIE  PATIENTEN?

Da pudelt sich die Gewerkschaft und die Wirtschaftskammer über ihre gemeinsamen Entscheidungen
zur Gesundheitsreform auf, o.k., aber dass DAS alleine die Gesundheitsministerin als Gebet aufnimmt,
das kann doch nicht wahr sein?

Die Wirtschaftskammer vertritt die Unternehmer.

Die Gewerkschaft vertritt die Arbeitnehmer.

Es geht um uns Patienten, liebe Gesundheitsministerin!


Wer fragt uns Patienten, gerade uns chronisch Erkrankten?

Wir Patienten finden überhaupt kein Gehör!

Der Patientenanwalt hat nur Vermittlungstätigkeiten, wenn`s brennt. Und da hört man von ihm nur
bei medienwirksamen Ereignissen! Das Allgemeine interessiert ihn (natürlich) wenig(er).

Wir Patienten reden mit den Ärzten. Eigentlich sind die mehr einzubinden in Entscheidungen die
uns Patienten treffen!


Wir Patienten können nur Leserbriefe schreiben, und auch das findet "nur" in der Presse gehör!

Richtig wäre die Einbeziehung von Patientenvertretern!

Was meinst DU dazu?
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

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WER VERTRITT EIGENTLICH DIE PATIENTEN?
« Antwort #4 am: 29. April 2008, 23:25 »

Hallo,
ich finde das auch sehr eigenartig, das klingt nach: ".... s`wor imma so ......." !
Aber was ist dazu zu sagen, oder "dagegen" zu tun?
Briefe "an ganz oben" bekommt diese/dieser nicht zu Gesicht. Sie bleiben unbeantewortet, oder
eine(r) der zig Referenten schreibt was "Passendes" retour.
Also wieder: ".... s`wor imma so ......." !
Trotzdem!
Ich finde es gut, wenn du Dietmar dich da einsetzt.
Josef
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

hilde

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GESUNDHEITSREFORM
« Antwort #5 am: 30. April 2008, 00:10 »

Nur Vorsorge bringt Heilung, stand am Samstag in einer großen Tageszeitung.
Ich war mit, als meine Freundin (Leiterin der Selbsthilfegruppe Brustkrebs) beim "Fond Gesundes Österreich"
war, zwecks Förderung oder Druckkostenübernahme. Da hieß es: Für Prävention sind wir nicht zuständig!

Vorsorge sollten aber alle anbieten (können), für Alle, und die sollten es annehmen,
gerade ihr Männer: glaublich nur 10 % gehen zur Vorsorge.

Kosten:
wenn das so weiter geht, werden "wir" nicht mehr die bestmögliche, sondern die
preiswerteste Therapie bekommen.


Mwst.:
Weg mit der Mwst. von den Medikamenten!

ecard:
Ergänzung mit Blutgruppe und durchgeführten Impfungen


Josef

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GESUNDHEITSREFORM
« Antwort #6 am: 30. April 2008, 00:11 »
Eine Gesellschaft,

die sich nicht leisten kann,

dass die Menschen sich gesund verhalten,

ist krank!


Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Edi

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Höhere Treibstoffkosten sollen abgefedert werden
 

Sozialminister Erwin Buchinger erhöht den Mobilitätszuschuss für Menschen mit Behinderung,
die für die Erreichung ihres Arbeitsplatzes auf ein KFZ angewiesen sind und
die öffentliche Verkehrsmittel nicht benützen können, auf rund 745 Euro.

"Menschen mit Behinderung gehören nicht zu den SpitzenverdienerInnen und spüren daher
die hohen Treibstoffkosten besonders stark. Daher werde ich die Mobilitätszuschuss
rückwirkend mit 1.1.2008 auf das dreieinhalbfache der Ausgleichstaxe erhöhen",
kündigt Sozialminister Erwin Buchinger an.
Bisher wurde für den Mobilitätszuschuss das dreifach der Ausgleichstaxe bezahlt.

Derzeit erhalten begünstigt behinderte oder begünstigbare Menschen mit einem Grad der Behinderung
von mindestens 50 Prozent, die für die Erreichung ihres Arbeitsplatzes auf ein Auto angewiesen sind und
denen die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel nicht zumutbar ist, jährlich 639 Euro.

Sozialminister Buchinger erhöht diesen Betrag rückwirkend mit 1.1.2008 auf rund 745 Euro.
"Diese Erhöhung ist mehr als gerechtfertigt und wird Menschen mit Behinderung wirklich entlasten.
Die Auszahlung des erhöhten Betrags wird so schnell als möglich erfolgen",
kündigt der Minister abschließend an.

 

Wien, 10. Juni 2008