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Werner

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Krebs-Spontanremission: Irrtum oder Wunder?
« am: 03. März 2008, 12:42 »
Krebs-Spontanremission: Irrtum oder Wunder?

Am geringsten ist die Chance für spontanremissionen ausgerechnet bei den epidemiologisch bedeutsameren Krebsarten wie den Bronchial-, Mamma-, kolorektalen, Magen- oder Zervixkarzinomen, am größten bei Nierenzellkarzinomen, malignen Melanomen, Non-Hodgkin-Lymphomen und kindlichen Neuroblastomen. Schätzungsweise einer von 60.000 bis 100.000 Patienten kann auf eine medizinisch unerklärliche Rückbildung hoffen. Bei einigen Tumoren liegt die Rate im zweistelligen Prozentbereich.

Statistische Varianz oder Wunder
Der Primärtumor beim malignen Melanom beispielsweise bildet sich in drei bis 15 Prozent der Fälle zurück, in bestimmten Stadien kindlicher Neuroblastome verschwinden gar vier von fünf Tumoren ohne kausale Beziehung zu einer Therapie. "Aber muss man in diesen Fällen immer gleich von einem Wunder sprechen?", fragt sich Prof. Dr. Christian Peschel. Der Ordinarius von der Technischen Universität München gibt zu bedenken, dass sich die Erwartungshaltungen bezüglich einer Therapie auf statistische Durchschnittswerte stützen. Günstige Krankheitsverläufe – auch wenn sie ungewöhnlich sind – könnten daher noch im Rahmen der statistischen Variabilität liegen. Aus diesem Grunde sollte man sich auch vor individuellen Prognosen nach dem Schema "Sie haben noch neun Monate zu leben" hüten.

Falsche Krebsdiagnose - überraschende "Heilung"
Eine mögliche Erklärung für wundersame Entwicklungen sind Fehlinterpretationen von Befunden. "Entzündungen in der Lunge können Tumormetastasen vortäuschen, chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen wie ein Karzinom aussehen", meint Peschel. Und schließlich interpretierten Patienten manchmal einen Krankheitsverlauf als Wunder, der dem behandelnden Arzt normal erscheint. Trotzdem gibt Peschel zu, dass es immer wieder Entwicklungen gibt, die man sich auf naturwissenschaftlicher Basis nicht erklären kann.

Definition Spontanremission
Spontanremission heißt, "dass Aktivitätsmerkmale einer bösartigen Erkrankung vollständig oder teilweise, dauerhaft oder vorübergehend zurückgehen – ohne medizinische Therapie oder unter Maßnahmen, die erfahrungsgemäß nicht mit der Rückbildung zusammenhängen können", erklärt der Starnberger Onkologe Dr. Herbert Kappauf. Dabei werden die Krebszellen entweder wieder zu normalen Zellen (Differenzierung) oder sie sterben im Rahmen apoptotischer Prozesse ab.

Immunologische oder hormonelle Mechanismen können Spontenremission auslösen
Einige der an der Rückbildung beteiligten Vorgänge sind bekannt. Als Auslöser fungieren beispielsweise immunologische Mechanismen, die sich auch die schulmedizinischen Immuntherapie zunutze macht. Spontanremissionen werden auch in zeitlichem Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen beobachtet, etwa während der Schwangerschaft, nach Entbindung oder Menopause. Auch die Hemmung der Angiogenese in Tumoren scheint eine Rolle zu spielen.
Gut dokumentiert sind darüber hinaus einige Fälle, die mit einem religiösen Hintergrund oder starken Glaubensüberzeugungen einhergehen, so Kappauf. Dabei bleibe jedoch unklar, ob es sich um eine zufällige oder eine ursächliche Assoziation, etwa über psychoneuroimmunologische Vorgänge, handelte.

Spontanremission selten von Dauer
Spontanremissionen sind übrigens nur selten mit dauerhaften Spontanheilungen gleichzusetzen. Maligne Tumoren können bereits in frühen Stadien Tochterzellen streuen. Daher können nach dem Verschwinden eines Tumors genauso wie nach einer Operation noch Jahre später Metastasen auftreten.

Mit Patienten über Wunderheilung sprechen
Wenn ein Krebspatient in auswegloser Situation mit einem Artikel über Wunderheilung in die Sprechstunde kommt, hofft er für sich selbst auf Heilung. Dabei folgen diese Beiträge meist einem einfachen Schema: ein unheilbar an Krebs Erkrankter hat etwas Bestimmtes gemacht und war danach geheilt. Würde man dem Betroffenen dazu raten, dasselbe zu tun, hieße das, die reale Bedrohung zu verdrängen, meint Kappauf. „Ich sage dem Krebskranken stattdessen, dass ich ihm ebenfalls einen guten Verlauf wünsche. Damit zeige ich ihm, dass ich seine Hoffnung teile.“ Im weiteren Gespräch kommt es darauf an, unrealistische Erwartungen vorsichtig zu modulieren und den Patienten für Maßnahmen zu gewinnen, die ihm helfen können.

Eine Nachricht der Reed Business Information GmbH