Autor Thema: Nierenkrebs, Leberkrebs ..... heilt das fast jeden Krebs? Herzoperationen .....  (Gelesen 3662 mal)

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Jutta

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Kälteschock für Tumorzellen

Die Erfolge sind noch wenig beachtet, doch unter Fachleuten
gelten sie als spektakulär: Die sogenannte Kryoablation
erweist sich nicht nur bei Patienten mit Nierenkrebs als
vielversprechende Alternative zu bisherigen Therapien - das
Verfahren könnte sogar die Palliativmedizin verändern.

Die Nachricht kam ausgerechnet am Totensonntag vollkommen
unspektakulär daher - und hätte aus Sicht der meisten Krebsforscher
weitaus mehr Beachtung verdient. Auf einer knappen Seite teilte die
in Rochester/Minnesota angesiedelte Mayo Clinic mit, dass
Nierenkrebspatienten, die sich vor zweieinhalb Jahren einer
Kälteschocktherapie unterzogen hatten, immer noch lebten.

Was Studienleiter Thomas Atwell anschließend auf der Jahresversammlung
der Radiological Society of North America in Chicago hinzufügte, liest
sich wie eine unglaubliche Geschichte:

89 von insgesamt 91 Tumoren ließen sich mit Hilfe der Kryoablation effektiv therapieren.


Dabei schien die Größe der Krebsgeschwüre nebensächlich - zwischen 1,5
und immerhin 7,3 Zentimeter betrug der Durchmesser. Der
"Durchschnittstumor", erklärte Atwell dem erstaunten Fachpublikum
in Chicago, habe gar 3,4 Zentimeter ausgemacht.

62 Patienten gelten heute, rund 30 Monate nach der
frostigen Attacke auf den Tumor, als krebsfrei - eine Sensation.

Tatsächlich gilt das Verfahren, bei dem mit Hilfe einer hohlen
Spezialnadel das Edelgas Argon den Tumor vereist, als
vielversprechende Methode gegen bösartige Zellen. Dabei können
Ärzte perkutan und CT-gesteuert, endoskopisch oder offen operativ
vorgehen - doch immer verbleibt der anvisierte Tumor in der Niere,
auch das Organ selbst wird nicht entfernt. Was jenseits des Atlantik
zunächst in Studien verblüfft könnte im Falle des nachhaltigen Erfolgs
hierzulande etlichen Tausend Patienten zu Gute kommen.

Rund 17.000 Menschen, darunter 10.300 Männer und 6.400 Frauen,
erkranken alljährlich an Nierenkrebs. In 90 Prozent der Fälle handelt
es sich um Nierenzellkarzinomfälle, der Rest leidet an Tumoren der
ableitenden Harnwege.

Kardiologie als Ideengeber

Kälte zu medizinischen Zwecken einzusetzen ist als Idee keinesfalls
neu, nur: Bislang fiel die Methode eher in der Kardiologie auf. Die
Technologie eignet sich dort nämlich zur Arrythmiebehandlung. Dabei
wird das verantwortliche Herzmuskelgewebe unterkühlt, die
sogenannte minimalinvasive Katheterablation gehört zu den gängigen
Verfahren. Der Clou: Die Spitze des Katheters entzieht dem
umliegenden Gewebe die Wärme. Je nach Katheter bringt die
Katheterspitze Temperaturen von unter -75°C hervor.

Dass Krebsmediziner auf die bekannten Erfolge der Kardiologie aufsatteln
würden schien daher lediglich eine Frage der Zeit.

Die Ende November in Chicago vorgestellten Studienergebnisse
freilich übertreffen die Erwartungen der kühnsten Optimisten - und
kommen dennoch nicht ganz überraschend. So startete zum Beispiel
das US-amerikanische National Cancer Institute (NCI) unlängst eine
randomisierte Studie, die erstmals die Kryoablation mit der
klassischen Strahlungstherapie vergleichen soll.

Schmerzlinderung: Kälte statt Strahlentherapie


Auf einen weiteren Segen des High-Tech-verabreichten Kälteschocks
stießen neben Atwell auch andere Mediziner an der Mayo Clinic. 34
Patienten, bei denen verschiedene Krebsformen bereits zu extrem
schmerzhaften Metastasen in den Knochen geführt hatten, berichteten
24 Wochen nach der durchgeführten Kryoablation über erheblich
weniger Schmerzen - das Verfahren könnte sich dadurch, so die
Hoffnung des Mayo Clinic Radiologen Matthew Callstrom, sogar als
palliatives Mittel etablieren.

Die in Wien ansässige
Cardiovascular and
Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE) wiederum weist
auf ein weiteres Einsatzgebiet des Kälteschocks hin: als
Behandlungstool bei Patienten mit Leberkrebs. Schlichte
Zusammenfassung der Experten: "Um die Nadel bildet sich eine Art
Eisball, der sich ausdehnt und die Tumorzellen abtötet".
Nachhaltig erfolgreich - und kostensenkend dazu.

Dass Kryoablationen den Alltag der Medizin erobern werden scheint
daher keine Frage des Ob, sondern des Wann. Für die Deutsche
Krankenhausgesellschaft (DKG) stand jedenfalls bereits in einem im
Jahr 2005 erstellten Gutachten der DRG-Research Group fest, dass im
kardiovaskulären Bereich die Kryoablation zunehmend an Bedeutung
gewinnt, und sich ökonomisch rechnet. Zwar schlagen Ablationen bei
Herzoperationen, zu denen auch die Kältevariante zählt, mit
Zusatzkosten von rund 2000 Euro pro OP und Patient zu Buche.

Doch die Kosten amortisieren sich laut DKG-Studie bereits im
poststationären Bereich, wei ein Beispiel belegt. Bei 80 Prozent jener
Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen Ablationen angewendet
werden, sind die Eingriffe "kurativ erfolgreich", wie das Gutachten
attestiert. Erfreuliche Folge: Folgekosten fallen nicht mehr an.



PS: Argon ist ein Edelgas, welches auch als Wärmeschutzmaßnahme bei der
Isolierglasproduktion Anwendung findet. Somit so teuer kann das nicht sein.