Autor Thema: Finanzamt und Gesundheit  (Gelesen 1452 mal)

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Josef

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Finanzamt und Gesundheit
« am: 27. Juli 2016, 01:05 »



Montag, 18. Juli 2016

Außergewöhnliche Belastung bei Aufwendungen für eine alternativmedizinische Krebsbehandlung

(B. R.) – Kosten für eine alternativmedizinische Behandlung (hier: betreffend Prostatakrebs mit Metastasenbildung) durch einen (im Inland nicht zu medizinischen Behandlungen zugelassenen) deutschen Heilpraktiker sind insoweit außergewöhnliche Belastungen, als diese Kosten medizinisch indiziert sind; insoweit besteht keine Priorität schulmedizinischer Methoden. Ob eine solche medizinische Indikation vorliegt, ist im Einzelfall zu beurteilen (BFG 6. 5. 2016, RV/1100626/2014; Revision zulässig).
Anmerkung: Das Finanzamt hatte diese Aufwendungen unter Hinweis darauf, dass der Steuerpflichtige die Zwangsläufigkeit und Notwendigkeit der alternativen Behandlung weder durch eine ärztliche Verordnung nachgewiesen habe noch von der Krankenkassa Kostenersätze gewährt worden seien, nicht anerkannt. Seitens des BFG wurde eine nachträglich erstellte medizinische Befürwortung durch einen Arzt als ausreichend angesehen.
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Josef

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Finanzamt und Gesundheit
« Antwort #1 am: 27. Juli 2016, 01:06 »




Donnerstag, 21. Juli 2016

Sonderklassegebühren als außergewöhnliche Belastung

(B. R.) – Durch Krankheit verursachte Aufwendungen erwachsen aus tatsächlichen Gründen zwangsläufig. Die Zwangsläufigkeit ist nach der Judikatur (VwGH 13. 5. 1986, 85/14/0181) bei Krankheitskosten, die die durch die gesetzliche Krankenversicherung gedeckten Kosten übersteigen, jedoch nur dann gegeben, sofern sie aus triftigen medizinischen Gründen anfallen. Im anhängigen Verfahren verwehrte das Finanzamt die Sonderklassegebühren deshalb, weil die Unterbringung in der Sonderklasse nicht zwangsläufig erfolgte. Bei der Beschwerdeführerin ist eine Hüftoperation durchgeführt worden. Aus verständlichen Gründen wollte sie angesichts ihrer Vorerkrankung und den daraus resultierenden Erfahrungen eine rasche Sanierung erreichen. Bloße Wünsche und Vorstellungen der Betroffenen über eine bestimmte medizinische Betreuung durch einen bestimmten Arzt („freie Arztwahl“) sowie allgemein gehaltene Befürchtungen bezüglich der vom Träger der gesetzlichen Krankenversicherung übernommenen medizinischen Betreuung stellen jedoch keine triftigen medizinischen Gründe dar, welche es rechtfertigen, jene Krankenhauskosten, die die durch die gesetzliche Krankenversicherung gedeckten Kosten übersteigen, als außergewöhnliche Belastung zu behandeln (VwGH 19. 2. 1992, 87/14/0116) und durch die Allgemeinheit mitfinanzieren zu lassen. Anders könnte ein Fall zu beurteilen sein, wenn im Zuge des Verfahrens hervorgekommen wäre, dass nur der behandelnde Arzt über das notwendige Fachwissen und die Erfahrung verfügt, den Eingriff durchzuführen. Anhaltspunkte, dass dieser Sonderfall vorliegt, finden sich im konkreten Fall jedoch nicht. Die triftigen medizinischen Gründe müssen in feststehenden oder sich konkret abzeichnenden, ernsthaften gesundheitlichen Nachteilen bestehen, welche ohne die mit höheren Kosten verbundene medizinische Betreuung eintreten würden. Aus den vorgelegten Unterlagen ergibt sich kein Nachweis, dass eine Durchführung einer medizinischen Betreuung außerhalb der Sonderklasse zu ernsthaften gesundheitlichen Nachteilen geführt hätte (BFG 3. 11. 2014, RV/2100726/2013; Revision unzulässig).
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke