Autor Thema: Fatigue, welche Hilfen?  (Gelesen 15792 mal)

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Dietmar E.

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Fatigue, welche Hilfen?
« am: 23. April 2008, 22:16 »
Bewegung lindert Fatigue bei Krebs 
 
 Sowohl Tumorerkrankungen selbst, als auch deren Behandlung gehen meist mit bleierner Müdigkeit und Abgeschlagenheit einher.  Nun wies eine englische Wissenschaftlerin, Dr. Fiona Cramp, darauf hin, dass Krebspatienten zwar in aller Regel auf diese Fatigue vorbereitet werden, aber kaum jemand erwähnt, dass gerade ein aktives Angehen dieser Müdigkeit helfen kann, sie schließlich auch zu überwinden.

Diese Beobachtung basiert auf einer Analyse von 28 Studien, an der rund 2000 Krebs-Patienten teilgenommen hatten. Gemeinsam mit einem Kollegen wertete die Forscherin deren Daten aus. Im Großteil der Studien, wurden die Probanden dazu aufgefordert Trainingseinheiten auf dem Fahrrad oder auch mit strammen Gehen (Walken) abzuleisten. Dabei erstreckten sich all diese Bewegungsprogramme über Zeiträume zwischen drei und zouml;lf Wochen.

Auch wenn sich das Leistungsvermögen von Patient zu Patient stark unterschied, ließ sich, bei dieser Analyse, dennoch feststellen, dass die körperliche Anstrengung maßgeblich dabei hilft, die Müdigkeit einzudämmen. Schon halbstündige Spaziergänge, beispielsweise drei bis fünf Mal die Woche, würden meist die Fatigue lindern, so die Expertin. Natürlich sei dies nicht als alleinige Maßnahme anzusehen. Vor allem Krankheitszustände wie etwa Blutarmut müssten behandelt werden.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

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Fatigue, Müdigkeit bei Krebspatienten, welche Hilfen?
« Antwort #1 am: 13. Februar 2009, 13:57 »


http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-behandlung.php

Therapie von Fatigue: Nicht nur Blutarmut behandeln

    * Fatigue

In den letzten Jahren wurde die Diskussion um die beste Therapie der chronischen Erschöpfung bei Krebs häufig auf die Behandlung einer Blutarmut reduziert, einer so genannten Anämie: Die eingeschränkte Sauerstoffversorgung des Körpers, die mit einem Mangel an roten Blutkörperchen einhergeht, führt tatsächlich zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit. Eine Anämie lässt sich bei Krebspatienten zum Beispiel als Nebenwirkung einer Chemotherapie beobachten.
Viele Experten widersprechen jedoch dieser eingeschränkten Sichtweise auf das Problem der chronischen Erschöpfung: Längst nicht jeder Krebspatient leidet unter einer ausgeprägten Anämie. Selbst im direkten zeitlichen Zusammenhang mit einer Chemotherapie sind nicht alle Erkrankten betroffen. Mit der Anämie allein lässt sich ein Fatigue-Syndrom also meist nicht erklären; sich bei der Wahl einer Therapie darauf zu konzentrieren, würde mit Sicherheit  bei vielen Patienten zu kurz greifen.

Dies ist inzwischen auch durch Studien belegt: So stellten beispielsweise Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bei Nachbeobachtungen fest, dass viele Brustkrebspatientinnen noch ein Jahr nach der Diagnose überdurchschnittlich stark unter Erschöpfung leiden, was durch eine Chemotherapie-bedingte Anämie nicht erklärbar ist. "Sicher ist, dass es viele Auslöser gibt, die oft gleichzeitig wirken", so die Autoren. (Pressemeldungen des DKFZ unter www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/
2006/dkfz_pm_06_92.php, mehr zu weiteren Auslösern von Fatigue im Kapitel "Entstehung").

    * Vor jeder Fatigue-Behandlung sollte daher die individuelle Ursachenabklärung im Vordergrund stehen.

Anämie-Diagnostik

Ob bei einem Krebspatienten Anämie als Ursache der Fatigue in Frage kommt, lässt sich anhand einer Blutuntersuchung feststellen: Als wichtigste und schnell zu bestimmende Messgröße dient die Menge des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. Der Normalwert für Hämoglobin beträgt für Frauen: 12-16 Gramm pro Zehntelliter Blut (g/dl)  oder, mit einer anderen Maßangabe 7,5-10 Millimol pro Liter (mmol/l). Für Männer liegen die Werte entsprechend bei 14-18 g/dl   oder   8,7-11,25 mmol/l. Sinken die Werte darunter, gilt dies als Anzeichen für eine Blutarmut.

Ab wann eine Anämie behandelt werden muss, hängt allerdings eher von der Symptomatik als von festgelegten Blutwerten ab: Wie stark sich ein Patient durch den Mangel an roten Blutkörperchen eingeschränkt fühlt, ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. Auch wenn es keinen absolut kritischen untersten Wert für das Hämoglobin gibt: Eine Behandlung wird oft bei Absinken des Hb-Wertes auf 8 g/dl begonnen, unabhängig von körperlichen Symptomen, dem Alter und dem sonstigen Gesundheitszustand
Transfusionen
Gesetzliche Grundlagen

    * Transfusionsgesetz

Eine Möglichkeit der Behandlung stellt die Gabe von Erythrozytenkonzentraten dar. Die Transfusion hat den Vorteil, dass sie den Mangel an rotem Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, sofort ausgleicht. Die körperfremden Erythrozyten haben eine kürzere Lebensdauer als die körpereigenen, so dass nach etwa drei Wochen der Effekt wieder abgeklungen ist. Hat sich das Knochenmark nach einer Chemotherapie dann noch nicht von alleine erholt, oder ist die Anämie tumorbedingt und hält länger an, muss die Transfusion wiederholt werden.

Die Transfusion beinhaltet die bei der Gabe von Spenderblut bekannten Risiken. Zwar ist durch die gesetzlich vorgeschriebenen, sehr engmaschigen Kontrollen die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung von Krankheitserregern extrem niedrig. Gleichwohl kann sie nicht völlig ausgeschlossen werden.
Wachstumsfaktoren
Zum Weiterlesen

    * Wachstumsfaktoren

Eine Alternative zur Transfusion stellt die Gabe von Erythropoetin dar. Dieser körpereigene Wachstumsfaktor ist für die Bildung von roten Blutzellen verantwortlich. Seit einigen Jahren kann "EPO", so die Abkürzung, gentechnisch produziert werden, was seine Anwendung als Arzneimittel erst möglich gemacht hat. Galt Erythropoetin anfangs fast als "Wunderwaffe" gegen Anämie, wird der Einsatz heute auch kritisch beurteilt, vor allem dann, wenn er zu großzügig erfolgt.

Mehrere klinische Studien zwischen 2003 und 2008 haben Anhaltspunkte dafür erbracht, dass Krebspatienten von einer Erythropoietingabe nicht nur nicht in dem Umfang wie erhofft profitieren, sondern eventuell sogar einen Nachteil erleiden können: Die Gefahr von Komplikationen durch Blutgerinnsel steigt.
Insgesamt zeigt sich in einer aktuellen Auswertung mehrerer klinischer Studien, einer so genannten Meta-Analyse deutscher und amerikanischer Forscher, statistisch sogar eine leicht erhöhte Sterblichkeit. Nicht einmal eine Förderung des Krebswachstums können Experten heute noch ausschließen (hier eine Pressemitteilung der Universität Freiburg zur Fachveröffentlichung vom Februar 2008 http://idw-online.de/pages/de/news248102).
Strenge Indikationsstellung

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führte bereits 2007 entsprechende Warnhinweise in seinem "Pharmakovigilanzsystem" auf, das Fachleute auf aktuell bekannt gewordene Risiken durch Arzneimittel aufmerksam machen soll (www.bfarm.de, Stichwort Pharmakovigilanz, 3.4.2007). Auf europäischer Ebene wurden die Hinweise zu möglichen Risiken von den Behörden ebenfalls sehr ernst genommen.
Im Juli 2008 wurde die Zulassung für Arzneimittel mit EPO neu formuliert: Die Epoetine sollen ausschließlich dann zum Einsatz kommen, wenn ein Patient eine symptomatische Anämie hat und tatsächlich Beschwerden. Ein verändertes Blutbild allein ist also kein Anlass für die EPO-Anwendung. Auch reicht es, wenn die Hämoglobinkonzentration auf Werte zwischen 10 und 12 Gramm pro Deziliter steigt, höhere Werte sind nicht erforderlich (www.bfarm.de/cln_030/
nn_424276/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/epo.html__nnn=true.

In den USA hatte die Arzneimittelbehörde FDA Mitte März 2008 ebenfalls mit einer Aktualisierung ihrer Fachinformationen reagiert (in englischer Sprache unter www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/08/briefing/2008-4345b2-01-FDA.pdf).
Hilfe zur Selbsthilfe

Was tun, wenn Anämie als Ursache für die Erschöpfung nicht in Frage kommt? Krebspatienten tut es oft schon gut, wenn sie wissen, dass Fatigue nicht automatisch ein Fortschreiten ihrer Tumorerkrankung bedeutet oder mit einer schlechteren Prognose verknüpft ist. Sehr viele Faktoren können eine Rolle spielen, die zwar von der  Erkrankung angestoßen wurden, dann aber von ihrem Verlauf nicht mehr unbedingt abhängen. Welche dies sind und wie sie sich beeinflussen lassen, ist im nächsten Kapitel zusammengestellt.

http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-leben.php

Fatigue: Selbst aktiv werden
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    * Fatigue

Patienten, die während oder nach ihrer Krebserkrankung unter Fatigue leiden, können einige Dinge auch selbst in Angriff nehmen. Was für sie persönlich sinnvoll ist, ergibt sich allerdings am besten im Gespräch mit den behandelnden Ärzten und hängt von den individuellen Ursachen ab.
Erfahrungsgemäß hilft vielen Betroffenen schon das Wissen, dass Fatigue nichts Ungewöhnliches ist, einige Zeit nach Behandlungsende meist überwunden wird und auch nichts über den Verlauf der Krebserkrankung aussagen muss: Sie ist eine verbreitete und bekannte Nebenwirkung vieler Behandlungsformen oder auch der Erkrankung selbst.
Auch für Angehörige, die sich über die für sie unerklärliche und vor allem anhaltende Schwäche oder über andere Symptome des Patienten häufig sehr sorgen, kann die Information über Fatigue eine Entlastung darstellen. Begleitende Gespräche mit Fachleuten für Psychoonkologie im Krankenhaus oder von zu Hause aus,  auch die Nutzung von Angeboten der Krebsberatungsstellen geben Patienten wie ihren Angehörigen dabei zusätzliche Hilfestellung.
Nicht erschrecken sollten Betroffenen, wenn unter den Ursachen für ihre Erschöpfung und Niedergeschlagenheit auch nach Anzeichen einer Depression gesucht wird, vor allem dann, wenn Erkrankung und Therapie schon eine Zeitlang zurückliegen. Eine Krebserkrankung ist ein Einschnitt in das bisherige Leben, den nicht jeder gleich gut verkraftet. Dies kann sich gelegentlich sogar erst dann bemerkbar machen, wenn medizinisch eigentlich wieder alles in Ordnung ist. Die Kraft, aus solchen "Tiefs" herauszukommen, fehlt dann bei der Bewältigung des Alltags. Hier können unter Umständen Antidepressiva eine Erleichterung dabei sein, ein neues Gleichgewicht zu finden, die Erkrankung zu bewältigen und auch seelisch hinter sich zu lassen.
Zur Information und Schulung im Umgang mit den psychischen und seelischen Aspekten der Fatigue und der Krebserkrankung selbst gehören im Gespräch mit dem Arzt außerdem Informationen über  kleine Entlastungsmöglichkeiten im Alltag, Sport und Bewegung sowie die Möglichkeiten, die Qualität des Schlafs zu verbessern.
Trotz Erschöpfung wichtig: Sport und Bewegung

Erschöpfung und reduzierte Leistungsfähigkeit, das gehört doch dazu zu einer Krebserkrankung und deren Behandlung - und bei dieser Belastung müssen Betroffene sich schonen und geschont werden, so das landläufige Urteil. Stimmt das wirklich?
Natürlich sind Patienten während und nach einer Chemotherapie nicht zu körperlichen oder geistigen Höchstleistungen fähig, unter Bestrahlung wird niemand Marathon laufen wollen, und viele Tumorarten schränken die Anstrengungs- und Bewegungsmöglichkeiten stark ein.
Doch manchmal tun Patienten und besorgte Angehörige auch zu viel des Guten und die Schonung wird selbst zum Risikofaktor: Viele Patienten reduzieren ihre körperliche Anstrengungen auf ein Minimum, so dass ein anhaltender Zustand von Bewegungsmangel entsteht. Dieser Bewegungsmangel hat mehrere negative Effekte auf die Leistungsfähigkeit, zum Beispiel. eine Abnahme der Muskelmasse, eine Reduzierung der in der Muskulatur gespeicherten chemischen Energieträger, Reduzierung der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und damit insgesamt auch eine verminderte Ausdauer.

Unter Anleitung kann vorsichtiges Training diese Effekte bremsen oder rückgängig machen: In mehreren Studien ist der Nutzen eines leichten, der Krankheitssituation angemessenen Ausdauertrainings sogar während einer Behandlung nachgewiesen worden. Patienten, die sich in Behandlung befinden, sollten mit Arzt oder Krankengymnasten über einen möglichen Trainingsplan sprechen.
Zu Hause  können Betroffene, bei denen keine Einschränkungen wie z.B. Knochenmetastasen oder andere Risikofaktoren vorliegen, einen eigenen Trainingsplan aufstellen, wobei auf eine regelmäßige Durchführung ohne Überforderung zu achten ist.
Ideal sind Ausdauersportarten wie Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Auch regelmäßiges Spazieren gehen in einem schnelleren Tempo drei bis vier Mal die Woche hat bereits einen leistungssteigernden Effekt. Wer schon vor der Krebserkrankung Sport und regelmäßiges Training gewohnt war, kann sich auch an für die jeweilige Sportart typischen Trainingsplänen orientieren, sollte allerdings nicht gleich nach Höchstleistungen streben.
Während des Trainings sollten Puls und Blutdruck alterstypische bzw. vom Arzt vorgebene Werte nicht übersteigen. Als Anhaltspunkt  für die Belastung gilt, dass ein lockeres Gespräch während des gesamten Trainings möglich sein sollte.
Nicht angebracht ist ein körperliches Training nur bei Infektionen mit Fieber oder ausgeprägter Mangelernährung. Einschränkungen, über die der Arzt Auskunft gibt, bestehen bei Patienten mit Knochenmetastasen, bei einer Neigung zu Lymphödemen oder anderen individuellen Risikosituationen.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollten Krebspatienten grundsätzlich keinen Sport beginnen, vor allem dann, wenn sie bisher körperlich nicht aktiv waren.
Schlafprobleme: Ruhen will gelernt sein

Nicht schlafen können trotz großer Müdigkeit - für Krebspatienten mit Fatigue kann auch das zum Problem werden. Hier helfen zunächst Tipps weiter, die grundsätzlich bei Schlafstörungen wirken.
Falls trotz dieser allgemeinen Maßnahmen weiterhin schwere Einschlafstörungen bestehen, ist die vorsichtige Gabe eines Schlafmittels möglich, am besten eines Mittels, das kurz wirkt und daher am nächsten Morgen nicht mehr nachwirkt. Auf eigene Faust sollten Betroffene jedoch nicht allzu viel mit Medikamenten nachhelfen - das Gespräch mit dem Arzt schützt vor Mißbrauch und vor einer Verfestigung der Schlafprobleme. Auch gibt es außer den eigentlichen (Ein-)Schlafmitteln weitere Medikamente, die in der besonderen Situation von Fatigue-Patienten zur Erholung beitragen können und zum Beispiel helfen, wenn nicht das Ein-, sondern das Durchschlafen gestört ist. Dazu gehören Antidepressiva und sogenannte Psychostimulantien.

Gute Erfahrungen können Betroffene mit Einschlafproblemen machen, wenn sie

    * die Dauer des Nachtschlafes auf eine Zeit festlegen, die erfahrungsgemäß zu Erholung führt - oder geführt hat;
    * nach dem Aufwachen sofort aufstehen;
    * bei Einschlafstörungen nicht im Bett liegen bleiben, sondern aufstehen und einer leichten Tätigkeit nachgehen, bis sich wieder ein Gefühl der Müdigkeit einstellt.

Außerdem sollte man

    * das Bett nur zum Schlafen und nicht zum Lesen, Fernsehen usw. nutzen;
    * auch wenn das Schlafbedürfnis tagsüber zu groß ist, die Schlafdauer auf eine Stunde beschränken und danach sofort wieder aufstehen;
    * die Erwartungen an sich selbst zurückschrauben;
    * tagsüber für ausreichend Bewegung und Betätigung sorgen - nur Ausruhen macht müde, und
    * auch an Wochenenden zur gewohnten Zeit aufstehen und bei schlechtem Nachtschlaf nicht versuchen, verlorenen Schlaf nachzuholen.

Konzentrationsmangel: Gibt es das "Chemo-Brain"?

Weitere Symptome, die tatsächlich bei Krebspatienten hin und wieder beobachtet werden können, sind bisher nur mit den englischen Begriffen "Chemo-Fog" oder "Chemo-Brain" bezeichnet worden, die deutschen Übersetzungen "Chemo-Nebel" oder "Chemo-Hirn" sind nicht üblich. Ob sie als Teil des Fatigue-Syndroms, Teil einer Depression oder eher als eigenständige Krankheits- oder Therapiefolgen nach Krebs zu sehen sind, ist bisher ebenfalls unklar.

Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Zytostatika die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen. Die Mischung aus Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, leichter Ablenkbarkeit und Wortfindungsstörungen, die zuerst von Frauen aus den USA im Rahmen der Chemotherapie einer Brustkrebsbehandlung beschrieben wurden, ist bisher aber nur wenig untersucht. Dieser "Nebel im Kopf", wie er von einigen Betroffenen genannt wurde, beginnt demnach meist am zweiten Tag nach einer chemotherapeutischen Behandlung und bessert sich innerhalb der nächsten drei Tage wieder.

Bislang beruhen viele Beschreibungen nur auf den subjektiven Empfindungen der Betroffenen. Studien stehen bislang noch am Anfang. So ist auch längst nicht klar, ob es sich hier um zufällige Beobachtungen handelt, die auch mit dem Stress der Therapie ausreichend zu erklären wären, oder ob tatsächlich eine kurzfristige Beeinflussung der Denk- und Merkfähigkeit durch die Chemotherapie vorliegt. Auch müßte geklärt werden, wer tatsächlich darunter leidet, welche Zellgifte besonders stark zu dieser Nebenwirkung führen und wie sie sich gegebenenfalls vermeiden ließe.

Patienten, die Konzentrationsmängel oder tatsächliche größere Einschränkungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit bemerken, sollten sich auf jeden Fall mit ihren behandelnden Ärzten besprechen, was in ihrer Situation individuell zu tun ist.

http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-adressen.php

Fatigue: Adressen und Links

Die folgenden Links führen zu weiteren Texten auf den Seiten des Krebsinformationsdienstes und zu Informationsangeboten anderer Institutionen. Ob diese für Patienten mit Fatigue bei und nach einer Krebserkrankung relevante Hintergründe bieten, sollten Betroffene auf jeden Fall auch mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Am Telefon bietet der Krebsinformationsdienst Auskünfte unter 0800 - 420 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr.
Zum Weiterlesen

    * Krankheitsverarbeitung: Nicht ohne Hilfe bleiben
    * Fatigue, Beruf, Sozialrecht: Ansprechpartner bei Problemen
    * Sport und Bewegung: Training gegen Fatigue?
    * Broschüren: Adressen kostenloser Angebote
    * Fachwissen: www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de



"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Evi

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Fatigue, welche Hilfen?
« Antwort #2 am: 17. August 2009, 20:24 »
Fatigue: Umgang mit chronischer Erschöpfung bei Krebs

11.07.09.

Rund die Hälfte aller Krebspatienten leidet während oder nach ihrer Erkrankung an quälender Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue). Ausgelöst wird der Zustand teilweise durch die Erkrankung selbst. Häufig tritt die Erschöpfung aber auch bei und durch Chemotherapie, Bestrahlung oder Immuntherapie auf und dauert noch Wochen bis Monate über den Behandlungszeitraum hinaus an, was die Lebensqualität Betroffener erheblich beeinträchtigt. Nicht selten kommen auch Probleme mit der Konzentration und dem Gedächtnis hinzu. Erfahrungsgemäß hilft vielen Betroffenen schon das Wissen, dass Fatigue nichts Ungewöhnliches ist, einige Zeit nach Behandlungsende meist überwunden wird und auch nichts über den Verlauf der Krebserkrankung aussagen muss: Sie ist eine verbreitete und bekannte Nebenwirkung vieler Behandlungsformen oder auch der Erkrankung selbst. Doch es gibt auch Möglichkeiten, die Fatigue durch ärztliche Maßnahmen und Änderungen im Alltag zu lindern und schneller zu überwinden. So gehören etwa trotz der Erschöpfung Sport und Bewegung unter Anleitung dazu.

Quelle: LebensWert e. V.
Aus Befund Krebs 2/2009

Evi

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Fatigue - Misteltherapie
« Antwort #3 am: 17. August 2009, 20:33 »
 Krebstherapie: Behandlung des  Fatigue-Syndroms mit Mistelextrakt

Eine am schwedischen Karolinska Institut durchgeführte Einzelfall-Analyse zeigt, dass die Anwendung eines Mistelextrakts bei einer Brustkrebs-Patientin die Symptome des schwer zu behandelnden Erschöpfungs-Syndrom dosisabhängig gebessert hat.

Insbesondere das im Zusammenhang mit Krebserkrankungen zu beobachtende Erschöpfungs-Syndrom (Fatigue-Syndrom) beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten sehr.
Zwar gibt es verschiedene Therapieansätze, doch deren Wirkung ist umstritten und oft sehr unbefriedigend. Aufgrund dieser frustrierenden Tatsache besteht bei Patienten und Ärzten gleichermaßen ein großer objektiver und subjektiver Bedarf an nebenwirkungsarmen, alternativen Therapieverfahren die in der Lage sind die Lebensqualität der oft verzweifelten Kranken nachhaltig zu verbessern.   Immer häufiger werden in diesem Zusammenhang Mistelextrakte eingesetzt.

Obgleich es in der letzten Zeit relativ viele Studien gibt, die sich mit dem Nutzeffekt einer Mistel-Therapie auseinandersetzen, wurde der Einfluss auf das  Fatigue-Syndrom bisher nicht separat analysiert.  Aus diesem Grund traf  die hier vorgestellte schwedische Einzelfall-Studie bei Experten auf großes Interesse.  Die Autoren der unter anderem am renommierten Stockholmer Karolinska Institut durchgeführten und im renommierten Fachblatt  "Cases Journal" publizierten  Untersuchung begleiteten über zweieinhalb Jahre eine 36 Jahre alte Brustkrebs-Patientin  und setzten die mehrmals wechselnde Dosierung des verwendeten Mistelextrakts in Beziehung zu dem Einfluss der Dosierung auf die Veränderungen der Ausprägung des Fatigue-Syndroms.

Obgleich  Einzelfälle normalerweise aus Expertensicht wenig über die Effizienz einer Therapie aussagen können, stellt dieser spezielle Fall aus Sicht der Autoren einen Sonderfall dar.  Die Ärzte waren nämlich in der Lage den Zusammenhang zwischen der jeweiligen Dosierung des eingesetzten Mistelextrakts und der Besserung, bzw., Verschlechterung der Symptome des Fatigue-Syndroms zeitnah zu registrieren und wissenschaftlich auszuwerten.

Dabei zeigte sich, dass eine Erhöhung der Dosierung des Mistelextrakts regelmäßig zu einer Besserung des Fatigue-Syndroms führte. Wurde die Dosierung dagegen von der Patientin herabgesetzt, oder wurde die Anwendung des Mistelextrakts zeitweise ganz unterbrochen, so verstärkten sich die Symptome des Erschöpfungs-Syndroms parallel dazu und die Lebensqualität nahm deutlich ab.

Die Autoren kamen daher zu dem Schluss, dass der eingesetzte Mistelextrakt einen dosisabhängigen positiven Einfluss auf das Fatigue-Syndrom hat und empfahlen zur weiteren Abklärung dieser Beobachtung größere klinische Studien.

weiters:
http://www.medizin-2000.de/news/2009/mistel_brustkrebs.html



Jutta

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Psychotherapie und Sport bessern chronisches Erschöpfungssyndrom
« Antwort #4 am: 19. Februar 2011, 01:24 »

Freitag, 18. Februar 2011

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44771/Psychotherapie_und_Sport_bessern_chronisches_Erschoepfungssyndrom.htm

Psychotherapie und Sport bessern chronisches Erschöpfungssyndrom

London – Eine Psychotherapie und leichte sportliche Übungen haben sich in der bisher größten Therapiestudie zum chronischen Erschöpfungssyndrom als wirksam erwiesen. Laut der Publikation im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60096-2) erzielen bis zu 60 Prozent der Patienten eine Besserung, die aber nicht alle Beobachter überzeugt.

Die CFS/ME – für Chronic Fatigue Syndrome/Myalgic Encephalomyelitis – wurde erstmals Ende der 50er Jahre in England beschrieben. Sie hat viele Namen, von „Island-Erkrankung“ (in England) bis zum „Syndrom fehlender natürlicher Killer-Zellen“ (in Japan), und ist diagnostisch schwer zu fassen, da es keine typischen Laborbefunde gibt.

Die Diagnose basiert allein auf den klinischen Angaben der Patienten. Kennzeichnend ist eine chronische Erschöpfung, deren Beginn sich zeitlich benennen lässt (also nicht bereits lebenslang besteht). Die Erschöpfung ist nicht Folge einer körperlichen Überlastung und bessert sich nicht durch Ruhe. Gefordert wird eine Dauer von mindestens sechs Monaten und psychiatrische Erkrankungen müssen als Ursache ausgeschlossen worden sein.

zum Thema

    * Abstract der Studie
    * Pressemitteilung des Medical Research Council
    * Pressemitteilung der Universität London
    * Pressemitteilung von Action for M.E.
    * Association of Young People with ME
    * Studienhomepage
    * Fatigatio e.V. zum Kongress in Dortmund

Über die Ursachen der CFS/ME gibt es keine klaren Erkenntnisse. Die Vermutungen reichen von einer psychischen Überlastung (quasi als Extremvariante eines Burn-outs) über neurologische Erkrankungen bis hin zu Virusinfektionen (wegen des akuten Beginns). Vor zwei Jahren war die Erkrankung mit murinen Retroviren (XMRV) in Verbindung gebracht worden, was aber inzwischen als widerlegt gilt.

Nichtsdestotrotz fordern einige US-amerikanische Patienten eine lebenslange antiretrovirale Therapie, die allerdings von den Kostenträgern in der Regel verweigert wird und für deren Wirksamkeit es keine medizinische Evidenz gibt.

Als evidenzbasiert dürften allerdings künftig eine kognitive Verhaltenstherapie (Cognitive behavioural therapy, CBT) und ein spezielles Sportprogramm gelten, die als stufenweise Aktivierung (Graded exercise therapy, GET) bezeichnet wird.

Die CBT setzt auf die Einsicht des Patienten in die Erkrankung, was bei einer Erkrankung mit nicht verstandener Ätiologie sicher nicht einfach ist. Die Patienten lernen von einem Psychologen Techniken, wie sie die Müdigkeitsanfälle frühzeitig erkennen und überwinden können. Bei der GET versucht ein Physiotherapeut die Patienten durch ein allmählich gesteigertes Bewegungsprogramm körperlich wieder fit für Beruf und Alltagsleben zu machen.

Die GET entspricht der Physiotherapie, wie sie bei einer großen Zahl von Erkrankungen wie Rheuma, Herzerkrankungen, Diabetes und chronischen Schmerzen eigesetzt wird, berichtet das Medical Research Council, das zusammen mit der britischen Regierung für 4,2 Mio. Pfund die “Pacing, graded Activity and Cognitive behaviour therapy – a randomised Evaluation” oder PACE-Studie durchgeführt hat.

An sechs Zentren hatten 620 Patienten an der Studie teilgenommen. Bei allen war die CFS/ME nach den Oxford-Kriterien diagnostiziert worden. Alle Patienten wurden von Spezialisten betreut, die den Patienten Medikamente gegen häufige Symptome wie Schlaflosigkeit oder Schmerzen verschrieben. In einen Therapiearm blieb es bei dieser Betreuung.

In den drei anderen Armen nahmen die Patienten zusätzlich entweder an einer CBT, einer GET oder an einer APT teil. APT steht für “adaptive pacing therapy”. Es handelt sich um eine Variante der Beschäftigungstherapie, bei der die Patienten sich allmählich an die Bedingungen der Erkrankung adaptieren, statt zu versuchen, ihre Situation zu verbessern. Diese Therapie erwies sich als wirkungslos.

Unter der GET kam es dagegen bei 61 Prozent der Patienten und unter der CBT bei 59 Prozent zu einer signifikanten Verbesserung der Müdigkeit und der körperlichen Funktion. Für Declan Mulkeen, dem Leiter des Forschungsprogramms beim Medical Research Council, steht damit fest, dass CBT und GET bei der CFS/ME wirksam sind.

Die Stiftung “Action for ME” warnte dagegen vor übertriebenen Erwartungen. In einer Umfrage der Stiftung hatten 82 Prozent der Patienten angegeben, dass die – in der aktuellen Studie wirkungslose – APT ihnen geholfen habe. Von der Wirkung der CBT und GET waren dagegen nur 50 und 43 Prozent überzeugt, während 34 Prozent sogar meinten, die – in der aktuellen Studie wirksame – GET haben ihnen mehr geschadet als genutzt.

Die Patientenorganisation “Association of Young People” begrüßte dagegen die Ergebnisse, da sie die Bedenken gegen die CBT und die GET entkräfte. Tatsächlich traten die von einigen Experten im Vorfeld befürchteten Verschlechterungen des körperlichen Zustands unter der GET oder CBT nur bei jeweils ein Prozent der Patienten auf und damit nicht häufiger als in der Kontrollgruppe.

Die Studie dürfte die Debatte um die Erkrankung nicht beenden, an der in Großbritannien 250.000 Menschen leiden. Auch die Therapieforschung wird fortgesetzt. Das Medical Research Council will weitere 1,5 Mio. Pfund in Studien investieren, die sich mit den Ursachen der Erkrankung beschäftigen sollen.

Im Vergleich hierzu steckt die Beschäftigung mit der Erkrankung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Im September letzten Jahren fand jedoch in Dortmund ein Kongress statt. Als Selbsthilfegruppe hat sich die Fatigatio etabliert. © rme/aerzteblatt.de

Sissi

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Fatique: Bewegung als Prävention und Therapie
« Antwort #5 am: 21. Oktober 2013, 23:17 »



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Fatique: Bewegung als Prävention und Therapie

    Fatique: Bewegung als Prävention und Therapie

Verena Lampe, Bad Soden- Salmünster, D