Autor Thema: Kopf-/Hals-Tumore, Kombi Studie beginnt erst  (Gelesen 3138 mal)

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Jutta

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Kopf-/Hals-Tumore, Kombi Studie beginnt erst
« am: 21. Februar 2008, 20:09 »
Injizierbarer immunstärkender Cocktail verbessert das Überleben bei Patienten mit Kopf-/Hals-Tumoren

NEW YORK – Ein experimenteller Cocktail aus T-Zell-aktivierenden Zytokinen und Chemokinen mit dem Namen IRX-2 kann, wenn er als präoperativer Primer eingesetzt wird, die zellvermittelte Tumordestruktion und das Gesamtüberleben von Patienten mit Karzinomen des Kopf-Halsbereiches stark erhöhen. Dies berichtete Dr. Gregory T. Wolf auf einem von der Chemotherapy Foundation gesponserten Symposium.

“Kopf- und Halstumore treten häufig bei einer erheblichen Beeinträchtigung der zellulären und humoralen Immunität auf“, erklärte Dr. Wolf, der in den Abteilungen für klinische Onkologie und Otolaryngologie an der University of Michigan in Ann Arbor tätig ist.

Die Immunresponse auf solche Tumoren als therapeutischer Fokus sei jedoch bislang weitestgehend unbeachtet geblieben, zum Teil, weil frühe Versuche die Immunantwort zu verstärken, meistens ineffektiv waren.

Wissenschaftler an seiner Einrichtung beobachteten nun 140 Patienten mit Karzinomem an Kopf oder Hals über fünf Jahre nach und fanden heraus, dass die Ratio von CD4- zu CD8-Zellen der stärkste Prädiktor des Gesamt- und progressionsfreien Überlebens war. “Sie war ein stärkerer Vorhersagefaktor als das Alter, Geschlecht, Tumortyp oder alles andere“, sagte er.

Auftritt von IRX-2, einer Kombination aus natürlich gewonnenen humanen Zytokinen und Signalmolekülen, darunter Interleukin-1, IL-2, IL-6, IL-8 und IL-12, Interferon-gamma, Tumornekrosefaktor-alpha, Granulocyte-colony-stimulating-Faktor und anderen: Direkt in die regionalen Lymphknoten injiziert, ist IRX-2 dafür entwickelt, die T-Zellzahlen ebenso wie die T-Zell-Aktivität gegen Tumorgewebe zu verstärken, beides Faktoren, die bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren tendenziell sehr gering sind.

Die Injektionen erfolgen täglich, zusammen mit niedrigdosiertem Cyclophosphamid und Indomethacin. Diese dienen als “Kontrasuppressionsfaktoren” und inhibieren Mechanismen, die die Aktivität zytotoxischer T-Zellen herunterregulieren. Das Regime umfasst zudem eine tägliche Zinkdosis als “immuno-restaurativen“ Wirkstoff. Dr. Wolf erklärte, dass Zink – ein entscheidender Faktor einer robusten zellulären Immunantwort – bei Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomem typischerweise sehr niedrig ist.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des National Cancer Institute of Mexico (INCAN) arbeitete er an einer offenen Phase I/II-Studie, in dem das beschriebene IRX-2-Regime bei 50 Patienten mit Plattenepithelkarzinomem von Kopf und Hals eingesetzt wird. Der zehntägige Zyklus mit täglichen Injektionen zusammen mit Cyclophosphamid, Indomethacin und Zink brachte einen drastischen Anstieg der T-Zellzahlen und führte, wie er sagte, zu einer Gesamtüberlebensrate nach vier Jahren von 61 Prozent gegenüber 32 Prozent in einer Kohorte von Kontrollpatienten mit denselben Tumororten und Stadien.

“Dendritische Zellen sprechen auf diese Therapie gut an”, sagte er. “Man sieht merkliche Erhöhungen der CD38-Expression, die ein Indikator für die Ausreifung dendritischer Zellen ist, und man sieht auch signifikante Erhöhungen von dichten Infiltraten aus CD8-Zellen, alias natürliche Killerzellen, in und um die Tumoren herum.“

Das IRX-2-Regime hatte Dr. Wolf zufolge ein exzellentes Sicherheitsprofil ohne Hinweise auf vermehrte unerwünschte Ereignisse bei den behandelten Patienten.

Die ermutigenden Resultate der mexikanischen Studie bildeten das Fundament für eine laufende US-amerikanische Phase-II-Studie mit Beteiligung von 13 Zentren. Bislang wurden 27 Patienten mit zuvor unbehandelten Kopf-Hals-Karzinomen der Stadien II-IV in die Studie aufgenommen, die von IRX Therapeutics gesponsert wird. (Dr. Wolf verneinte Interessenskonflikte.) “Es werden ähnliche histologische Reaktionen beobachtet; die Daten hinsichtlich des Überlebens sind derzeit jedoch noch unreif“, sagte Dr. Wolf. “ Die Toxizität ist sehr minimal und es gibt im Zusammenhang mit der Substanz keine schweren unerwünschten Ereignisse.”

Bislang, berichtete er, hätten 25 der 27 Patienten eine klinisch bedeutsame Tumorresponse gezeigt, nur zwei Patienten hätten auf die immunstärkende Therapie nicht angesprochen.

Eine globale Phase-III-Studie mit mehr als 75 Zentren weltweit ist in Vorbereitung. Dr. Wolf erklärte, er hoffe mehr als 450 Patienten rekrutieren zu können, um den Wert von IRX-2 als präoperative adjuvante Therapie zu testen, mit dem Gesamtüberleben als primärem Endpunkt. Der Beginn der Studie ist für 2008 vorgesehen.