Autor Thema: Darmkrebs eher bei den 50 bis 60 jährigen  (Gelesen 2844 mal)

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Werner

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Darmkrebs eher bei den 50 bis 60 jährigen
« am: 07. Mai 2008, 23:45 »
07/05/08

Risiko einer fortgeschrittenen Neoplasie in der Screening-Koloskopie erscheint in den 50ern höher als in den 40ern

Patienten zwischen 50 und 59 Jahren scheinen ein höheres Risiko zu haben, dass bei einer Screening-Koloskopie eine fortgeschrittene Neoplasie entdeckt wird, als Patienten zwischen 40 und 49 Jahren, berichteten Dr. Andrew Rundle und seine Kollegen in einem Artikel in der Maiausgabe von Gastroenterology.

„Auch wenn die annähernde Verdopplung der Prävalenz fortgeschrittener Neoplasien nicht statistisch signifikant war, vermuten wir, dass es einen tatsächlichen Anstieg der Prävalenz fortgeschrittener Neoplasien zwischen diesen beiden Dekaden gibt, den unsere Studie mangels statististischer Power nicht nachweisen konnte“, schrieben die Autoren. „Wir vermuten, dass zukünftige Studien mit ausreichender Power beim Vergleich dieser beiden Altersgruppen einen wahren Ansteig der Prävalenz fortgeschrittener Neoplasien verdeutlichen werden.“

Ein solcher Anstieg würde zu dem in späteren Jahrzehnten beobachteten Anstieg von Darmkrebs passen, sagte Dr. Rundle von der Columbia University in New York und seine Mitautoren. „Angesichts der langen Lead-Time die mit der Progression von Adenom zu Karzinom verbunden ist, könnte die erhöhte Zahl [im sechsten Lebensjahrzehnt diagnostizierter] kolorektaler Karzinome das Endresultat von Adenomen darstellen, die in den 40er Lebenjahren eines Menschen vorliegen“, sagten sie.

Die Wissenschaftler untersuchten die Ergebnisse von 905 Screening-Koloskopien, die als Teil eines vom Arbeitgeber finanzierten Wellness-Programms angeboten wurden. Eine Koloskopie wurde ab einem Alter von 40 Jahren angeboten.

Die Analyse umfasste Daten zu Koloskopien bei 553 Patienten zwischen 40 und 49 Jahren und 352 Patienten zwischen 50 und 59 Jahren. Koloskopien, die aus anderen klinischen Indikationen als zu Screeningzwecken durchgeführt wurden, waren von der Studie ausgeschlossen. Die Analyse schloss zudem Patienten mit Darmkrebs in der Familienanamnese oder entzündlicher Darmerkrankung oder anderen Krebserkrankungen mit Ausnahme von Hautkrebs in der eigenen Vorgeschichte aus.

Die meisten Patienten waren Männer (76 Prozent) und Weiße (72 Prozent). Die Darmvorbereitung wurde bei 86 Prozent der Patienten als durchschnittlich bis exzellent erachtet.

Bei insgesamt 135 Patienten wurden Adenome gefunden, ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen: bei 79 (14 Prozent) der Patienten in ihren 40er Jahren und 56 (16 Prozent) der Patienten in ihren 50ern lagen ein oder mehrere Adenome vor. In der jüngeren Gruppe betrug die Adenomprävalenz elf Prozent bei Frauen und 15 Prozent bei Männern. In der älteren Gruppe war die Prävalenz 15 Prozent bei Männern und 16 Prozent bei Männern. Keiner dieser Unterschiede war statistisch signifikant.

Fortgeschrittene Neoplasien wurden bei elf Patienten zwischen 40 und 40 Jahren (zwei Prozent) und 13 Patienten zwischen 50 und 59 Jahren (vier Prozent) nachgewiesen. Trotz der Verdopplung der Prävalenz war der Unterschied statistisch nicht signifikant, wahrscheinlich weil die Studie unterpowert war. „Eine Post-Hoc-Analyse zur Power zeigte, dass die kleinste Differenz in der Prävalenz fortgeschrittener Tumore die mit 80 Prozent Power beobachtet werden konnte, in der Gruppe von 40 bis 49 Jahren zwei Prozent betrug versus sechs Prozent in der Gruppe von 50 bis 59 Jahren“, bemerkten die Autoren.

In beiden Altersgruppen fanden sich fortgeschrittene Läsionen häufiger bei Männern als bei Frauen und machten in der jüngeren Gruppe 73 Prozent aller fortgeschrittenen Läsionen aus, in der älteren Gruppe 69 Prozent. Nur ein Adenokarzinom wurde identifiziert; dieses lag bei einem älteren Patienten vor, was sich in eine Gesamtprävalenz von Kolorektalkarzinom von 0,3 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen umrechnete.

Bezüglich der durchschnittlichen Adenomgröße gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen (4,8 mm für die jüngeren und 5 mm für die älteren Patienten). Die Prävalenz von mehr als 5 mm großen Adenomen betrug in der jüngeren Gruppe 43 Prozent und in der älteren Gruppe 45 Prozent. Auch gab es keine signifikante Unterschiede im Ort der Adenome.

Es gebe keine Studien zur Kosteneffizienz von Screening-Koloskopien in jüngerem Alter, sagten die Autoren. „Um zu bestimmen, ob ein Screening der asymptomatischen Bevölkerung ab dem Alter von 40 Jahren genügend Morbidität und Mortalität verhindern würde, um kosteneffizient zu sein, ist eine Hochrechnung ... erforderlich.“

Zusätzlich zu der nicht signifikanten Verdopplung der Adenomprävalenz bei älteren Patienten bemerkten die Autoren den signifikanten Unterschied der Prävalenz bei Männern und Frauen. Eine jüngere polnische Studie kam zu einem ähnlichen Schluss und legte nahe, dass das Alter für einen Beginn des Screenings geschlechtsspezifisch sein sollte, sagten die Autoren.

Sissi

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Bereits in der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass Alter und Ethnizität die Überlebensraten sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Patienten mit metastasierten kolorektalen Karzinomen beeinflussen. Studien konnten nachweisen, dass Östrogene bei postmenopausalen Frauen Kolonkarzinome verhindern können, was auf eine Rolle dieser Hormone bei Karzinogenese und Tumorprogression hindeutet.

A. E. Hendifar und Kollegen gingen nun ebenfalls diesem Zusammenhang nach. Ihr Ergebnis: Sowohl Alter und Ethnizität als auch das Geschlecht beeinflussen die Überlebensraten bei metastasierten kolorektalen Karzinomen deutlich.
Daten von mehr als 56.000 Patienten

Die Autoren bereiteten hierzu aus einem Tumorregister Daten der Jahre 1988 bis 2003 von insgesamt 56.598 Patienten mit dieser Malignomerkrankung auf. Mittels statistischer Rechenmodelle analysierten sie Ethnizität, Geschlecht, Alter bei Diagnosestellung und Gesamtüberleben. Die Daten passten sie bezüglich möglicher Störfaktoren wie Familienstand, Tumorlokalisation und Behandlungsmodus (Bestrahlung und/oder Operation) an, außerdem schichteten sie nach Region und Jahr der Diagnose.

Unabhängig vom Alter gab es keine Unterschiede in den Überlebensraten von Männern und Frauen mit metastasierten kolorektalen Karzinomen. Nahm man das Alter mit in die Analyse hinein, zeigte sich jedoch in allen Ethnizitäten eine signifikante Korrelation zwischen Geschlecht und Überleben. In der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen lebten Frauen länger als Männer, und zwar durchschnittlich 17 im Vergleich zu 14 Monaten.
Hormonstatus hat wohl auch prognostische Bedeutung

Im Gegensatz dazu hatten Frauen, die 75 Jahre und älter waren, schlechtere Überlebensraten als gleichaltrige Männer. In der mulitvariaten Analyse waren Alter und Ethnizität signifikant mit dem Überleben korreliert. Über alle Altersgruppen hinweg lebten Patienten hispanischer Abstammung am längsten, gefolgt von Weißen, Asiaten, Afroamerikanern und nativen Amerikanern. Da in allen Ethnizitäten junge Frauen bessere Überlebensraten hatten als junge Männer, schließen die Autoren, dass der Hormonstatus wohl nicht nur in der Pathogenese kolorektaler Karzinome eine Rolle spielt, sondern auch prognostische Bedeutung haben könnte.

Dr. Johannes Weiß / Quelle: J Clin Oncol 26 (2008) 4015A