Autor Thema: Melatonin, eine "Modedroge", aber / oder beachtenswert?  (Gelesen 547 mal)

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Melatonin – therapeutisches Potenzial aus wissenschaftlicher Sicht
Melatonin ist ein natürliches Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers steuert und für einen gesunden Schlaf essenziell ist. Melatonin wirkt außerdem:
•   Antioxidativ
•   Neuroprotektiv (Parkinson, Alzheimer)
•   Kardioprotektiv
•   Immunmodulierend
•   Krebshemmend bei Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs sowie Hirntumoren,
insbesondere komplementär zu Chemo- und Strahlentherapie
•   Lindernd bei Fibromyalgie, chronischen Schmerzen, Menopause, ADHS, Autismus
Melatonin wird vor allem in der Zirbeldrüse (Hypophyse) des menschlichen Gehirns, aber auch im Gastrointestinaltrakt und anderen Bereichen des Körpers gebildet. Chemisch betrachtet handelt es sich bei Melatonin um N-Acetyl-5-Methoxytryptamin, eine Verbindung, die sich von Serotonin ableitet, welches wiederum aus Tryptophan gebildet wird.
Melatonin kommt in pflanzlichen und in sehr geringen Mengen auch in tierischen Lebensmitteln vor. Den höchsten Melatonin-Gehalt weisen Nüsse, insbesondere Pistazien, auf. Weitere Quellen für Melatonin sind einige Pilz- und Getreidearten.
Melatonin-Quelle   Melatonin-Gehalt
Pistazien der Sorte Pistacia vera L., getrocknet   23.300 µg/100 g
Edel-Reizker (Pilzart), getrocknet   1.290 µg/100 g
Weizen   12,47 µg/100 g
Lachs   0,37 µg/100 g
Eier, roh   0,15 µg/100 g
Tabelle: Pflanzliche und tierische Lebensmittel mit dem höchsten Melatonin-Gehalt
Es konnte nachgewiesen werden, dass die Melatonin-Konzentration im menschlichen Blut nach dem Verzehr melatoninhaltiger Lebensmittel signifikant höher ist. Der Konsum melatoninreicher Lebensmittel wirkt sich positiv auf das Schlafverhalten aus (Meng et al., 2017).

Der Einfluss von Melatonin auf das Schlafverhalten
Die engen Zusammenhänge zwischen Schlaf, der Funktion der Zirbeldrüse und dem Melatoninspiegel sind gut belegt. Durch das Melatonin reguliert die Zirbeldrüse unsere innere Uhr und die natürlichen Rhythmen des Körpers. Die Enzyme der Melatoninsynthese werden reguliert durch Dunkelheit und Licht und folgen damit dem Tag-Nacht-Rhythmus. Der normale Melatoninzyklus kann gestört werden, wenn Menschen etwa während des Tages zu wenig oder am Abend zu hellem Licht ausgesetzt sind. Auch Schicht-Arbeit, Jetlag oder eine Sehschwäche können den Melatoninzyklus beeinträchtigen und so zu Schlafproblemen führen.
Während der Pubertät sinken sowohl der nächtliche Melatoninspiegel im menschlichen Blut als auch die Schlafqualität. Im fortgeschrittenen Alter werden die Schlafphasen oft kürzer und die Qualität des Schlafes nimmt ab. Klinische Studien haben gezeigt, dass Melatonin durch seinen Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus hilfreich bei Schlafstörungen ist (Herxheimer et al., 2002; Lieberman, 1986; Petrie et al., 1989 und 1993).
Allgemeine Schlaflosigkeit
Im Fall einer primären Schlaflosigkeit ist der nächtliche Melatoninspiegel im Blut verringert (Riemann et al., 2002). Bei Betroffenen, die unter Schlaflosigkeit oder der Unfähigkeit leiden, vor 2:00 oder 3:00 Uhr nachts einzuschlafen, kann die Gabe von Melatonin hilfreich sein. Mehrere Studien belegen, dass die Einnahme von 5 mg Melatonin eine Verkürzung der Einschlafphase um etwa 1,5 Stunden erzielt (Dahlitz et al., 1991; Alvarez et al., 1992). Zudem wurde bei den Probanden die Schlafdauer um rund eine halbe Stunde reduziert (Dahlitz et al., 1991). Offenbar senkt die verbesserte Schlafqualität das Schlafbedürfnis des Körpers (Cardinali et al., 2002).
Schlafstörungen durch Jetlag
Nach langen Flügen, gerade wenn diese sich über mehrere Zeitzonen erstrecken, können Tagesmüdigkeit und Schlafstörungen auftreten, die als Jetlag bekannt sind. Grund dafür sind die schnelle Veränderung der Umgebung und der damit verbundene veränderte Rhythmus von Licht und Dunkelheit. Korrigiert werden kann eine solche Verwirrung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus durch die abendliche Einnahme von Melatonin am Zielort, optimalerweise zwischen 22:00 und 00:00 Uhr (Herxheimer et al., 2002; Petrie et al., 1989 und 1993).
Schlafstörungen bei Kindern
Melatonin kann auch Kindern helfen, die aufgrund von Hyperaktivität oder neurologischen Störungen unter ernstzunehmenden Schlafstörungen leiden, etwa Kindern mit ADHS. In einer Studie konnten Dosierungen von 2,5-5 mg Melatonin, die den Kindern jede Nacht verabreicht wurden, in fast jedem der 15 Fälle das Einschlafen beschleunigen und die Schlafqualität verbessern, ohne Nebenwirkungen zu verursachen (Jan et al., 1994).

Melatonin bei Krebserkrankungen
Der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Krebs ist inzwischen sehr gut belegt. Schon seit langem vermuten Forscher einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Häufigkeit von Krebserkrankungen in den letzten 100 Jahren und der künstlichen Verlängerung der Tage durch den Einsatz elektrischen Lichts (Kerenyi et al., 1990). Durch den Einfluss des Lichts wird die Melatoninausschüttung in der Nacht verringert. Melatonin reduziert bei Tieren die Häufigkeit von chemisch induzierten Tumoren. Bei Entfernung der Zirbeldrüse treten diese dagegen vermehrt auf (Regelson et al., 1987).
Brustkrebs: Klinische Studien deuten darauf hin, dass Melatonin in der Prävention und der Therapie von Brustkrebs eine Rolle spielen könnte (Coleman et al., 1992). Es wurde festgestellt, dass Brustkrebserkrankte nachts nicht ausreichend Melatonin für einen gesunden Schlaf produzieren. So ist etwa die tagesrhythmische Amplitude von Melatonin bei Brustkrebspatientinnen um mehr als die Hälfte flacher als bei Patienten mit nicht-malignen Brusterkrankungen (Bartsch et al., 1993).
In einer Meta-Analyse über fünf prospektive Fall-Kontroll-Studien zeigte sich eine inverse Assoziation zwischen dem Brustkrebsrisiko und der Melatonin-Ausscheidung über den Urin. Je weniger Melatonin ausgeschieden wurde, desto höher war das Brustkrebsrisiko (Basler et al., 2014). Melatonin beeinflusst das Auftreten von Brustkrebs, indem es die Östrogenrezeptoren nach unten reguliert und das östrogenstimulierte Brustkrebswachstum hemmt. Außerdem unterstützt das Hormon die onkostatische Wirkung von antiöstrogen wirkenden Medikamenten, wie z.B. Tamoxifen. Dies weist darauf hin, dass Melatonin ein natürliches Antiös¬trogen ist (Blask et al., 1991).
Darm- und Prostatakrebs: Eine wichtige Rolle kann Melatonin auch bei Darmkrebs und Prostatakrebs spielen. Eine Meta-Analyse mit acht Studien und insgesamt 2.459.845 Studienteilnehmern ergab, dass Nachtarbeit das relative Risiko für Prostatakrebs um 24 % erhöht. Die Autoren der Studie diskutieren daher u.a. den Einfluss von Melatonin auf diesen Zusammenhang (Rao et al., 2015). Dass Nachtarbeit Einfluss auf das Krebsrisiko hat, wurde bereits in einer Studie von Parent und Mitarbeitern festgestellt. In der Studie wurden reguläre Nachtarbeiter mit Männern verglichen, die nachts nie gearbeitet hatten. Die Nachtarbeit erhöhte das Risiko für Prostatakrebs um 177 %, aber auch das Risiko für andere Krebsarten war deutlich erhöht: um 127 % für Pankreaskrebs, um 109 % für Rektumkrebs, um 103 % für Dickdarmkrebs, um 76 % für Lungenkrebs, um 74 % für Blasenkrebs und um 131 % für das Non-Hodgkin-Lymphom. Auch in dieser Studie wurde die aufgrund des fehlenden Nachtschlafes reduzierte Melatoninbildung als Ursache diskutiert (Parent et al., 2012).
Eine isländische Studie bekräftigt die Korrelation zwischen Melatonin und Prostatakrebs: Von 928 isländischen Männern ohne Prostatakrebs wurde der erste Morgenurin gesammelt und darin der Gehalt eines Abbauproduktes von Melatonin (6-Sulfatoxymelatonin; aMT6s) bestimmt. Männer, die einen aMT6s-Wert unter dem Median aufwiesen, hatten das vierfache Risiko, einen fortgeschrittenen Prostatakrebs zu entwickeln (Sigurdardottir et al., 2015).
Die tagesrhythmische Amplitude von Melatonin ist bei Patienten mit Prostatakrebs verglichen mit Patienten mit gutartigen Prostataerkrankungen viel flacher: Ihre nächtliche Melatoninproduktion ist stark reduziert. Ähnliches wurde auch bei Patienten mit Darmkrebs beobachtet (Bartsch et al., 1993).
Zahlreiche klinische Studien belegen Wirksamkeit von Melatonin bei soliden Tumoren
In einem systematischen Review über zehn randomisierte kontrollierte Studien wurde der Einfluss von Melatonin auf insgesamt 643 Krebspatienten mit soliden Tumoren untersucht. Melatonin reduzierte das relative Sterberisiko nach einem Jahr um durchschnittlich 34 %, unabhängig von Krebsart und Melatonin-Dosierung (Mills et al., 2005).
Ein weiterer systematischer Review über acht randomisierte kontrollierte Studien bestätigt und erweitert diese Ergebnisse: In den Studien wurden Patienten mit soliden Tumoren täglich 20 mg Melatonin oral verabreicht. Auf diese Weise verbesserte sich sowohl die Tumorremission (16,5 % vs. 32,6 %) als auch die Überlebensrate nach 1 Jahr (28,4 % vs. 52,2 %) signifikant. Nebenwirkungen aus Chemo- und Strahlentherapie wurden zudem stark abgemildert (Thrombozytopenie: 19,7 % vs. 2,2 %; Neurotoxizität: 15,2 % vs. 2,5 %; Fatigue: 49,1 % vs. 17,2 %) (Wang et al., 2012).
Einige Mediziner raten zu einer Melatoningabe in den früheren Krebsstadien, parallel zur standardisierten Krebsbehandlung (Blask et al., 1991).

Melatonin – Wirkung auf das Immunsystem
Bei gesunden Probanden und Patienten mit Bronchialasthma wurden immunmodulatorische Effekte von Melatonin beobachtet (Sutherland et al., 2002). Melatonin erhöht die Produktion von Interleukin-1 und -6 sowie des Tumornekrosefaktors alpha. Dies deutet darauf hin, dass die Gabe von Melatonin bei Asthmapatienten kontraindiziert sein kann. Andererseits konnten in einem Arthritismodell sowohl prophylaktische als auch therapeutische Melatoningaben Entzündungsreaktionen des Körpers hemmen (Chen et al., 2002). Da die immunverstärkende Wirkung von Melatonin nicht in jedem Fall wünschenswert ist, sollte die Indikation immer sorgfältig geprüft werden. Gerade bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen darf Melatonin nur vorsichtig zur Anwendung kommen. Die Auswirkungen von Melatonin sind komplex. Sie hängen von zahlreichen Faktoren ab, etwa vom Immunstatus des Patienten und von der Dosis des verabreichten Melatonins.

Melatonin bei Demenz und Parkinson
Bei Alzheimerpatienten ist der Melatoninspiegel in der Cerebrospinalflüssigkeit signifikant reduziert (Liu et al., 1999). In einer Studie mit 14 Patienten in verschiedenen Stadien der Alzheimerkrankheit konnte die Gabe von Melatonin über einen Zeitraum von 22-35 Monaten die Schlafqualität der Patienten deutlich verbessern und die Häufigkeit des sogenannten Sundowning-Syndroms (verstärkte Verwirrung und Unruhe am späten Nachmittag und Abend) reduzieren. Kein Patient erlebte während der Studie eine kognitive oder Verhaltensverschlechterung. Möglicherweise verursacht die antiamyloidogene und antioxidative Eigenschaft des Melatonins diese neuroprotektive Wirkung (Pappolla et al., 2002). Forscher vermuten, dass die antioxidative Wirkung des Melatonins dafür verantwortlich ist, dass Melatonin in einem Alzheimermodell von Nagetieren die Lipid- und Homocysteinspiegel im Plasma senken konnte (Baydas et al., 2002).
Tierversuche haben gezeigt, dass Melatonin bei experimentell induziertem Parkinsonismus den Zelltod und dadurch das Fortschreiten der Krankheit verhindern kann (Antolin et al., 2002). Melatonin wird als mögliche neuroprotektive Verbindung gesehen, die bei amyotropher Lateralsklerose helfen kann (Jacob et al., 2002).

Melatonin – Wirkung als neuroprotektives Antioxidans
Die antioxidativen Wirkungen von Melatonin sind gut erforscht und beschreiben und umfassen sowohl direkte als auch indirekte Effekte (Baydas et al., 2003; Stetinova et al., 2002; Martin et al., 2002). Melatonin wird selektiv von Mitochondrien aufgenommen und wirkt als starkes Antioxidans, das die mitochondriale bioenergetische Funktion reguliert. Es erhöht die Durchlässigkeit von Membranen und stimuliert antioxidativ wirksame Enzyme, einschließlich der Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase, Glutathion-Reduktase und Katalase (Mayo et al., 2002). Melatonin hemmt zudem die Lipoxygenase und kann vor Oxidationsschäden schützen, indem es Membranen repariert. Melatonin kann die Alterung verzögern und die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen hemmen. Eine aktuelle Studie zeigt positive klinische Effekte von Melatonin bei Krankheiten, die im Zusammenhang mit mitochondrialer Dysfunktion stehen, einschließlich Diabetes, Krebs, Magen-Darm-Erkrankungen und Erkrankungen im Zusammenhang mit der Hirnfunktion (Sharafati-Chaleshtori et al., 2017).
In experimentellen Modellen der myokardialen Ischämie-Reperfusion und des Myokardinfarkts wurde gezeigt, dass die antioxidative Wirkung von Melatonin einen schützenden Effekt auf das Herz ausübt (Bonnefont-Ousselot et al., 2002). Eine Untersuchung ergab, dass Melatonin den Cholesterinspiegel um 38 % senkte. Auch der Blutdruck und der Catecholaminspiegel konnten durch Melatonin gesenkt werden.

Der Einfluss von Melatonin auf Hirnfunktion und Verhalten
Depression, endogene Depression und Winterdepression
Bei Patienten mit einer Depression oder Angststörung ist der nächtliche Melatoninspiegel im Vergleich zu gesunden Probanden erniedrigt (Beck-Friis et al., 1984; McIntyre et al., 1989; Brown et al., 1985). Im Gegensatz dazu wurden bei manischen Probanden erhöhte Melatoninspiegel während der manischen Phasen festgestellt (Brown et al., 1985). Bedeutsamer als die Erkenntnisse über den absoluten Melatoninspiegel ist die Amplitude des zirkadianen Melatonin-Rhythmus. Dieser ist bei Patienten mit Depression abgeflacht und normalisiert sich bei Genesung (Souetre et al., 1989).
Nach der Gabe von Melatonin steigt der Serotoninspiegel im Gehirn. Serotonin ist ein zentraler Neurotransmitter, der auch als Glückshormon bekannt ist, und für zahlreiche neuropsychiatrische Phänomene verantwortlich ist (Roy et al., 1986; Van Prag et al., 1986; Valzelli, 1986; Roy et al., 1987; Van Prag et al., 1987). Auch erhöhte Impulsivität, Aggression und Autoaggression, Alkoholismus, Spielsucht, Überernährung und andere Zwangsstörungen stehen kausal mit einer vermindertem Serotoninproduktion im Gehirn in Verbindung (Roy et al., 1986; Van Prag et al., 1986; Valzelli, 1986).
Die klassische endogene Depression wird charakterisiert durch Schlaflosigkeit (besonders frühes Erwachen), gehemmten Appetit und Gewichtsverlust sowie einen vorgezogenen Beginn der nächtlichen Melatoninausschüttung. Sie beginnt typischerweise im Frühjahr und hält den Sommer über an, also in der Zeit der Lichtphasenverlängerung (Wehr et al., 1989). Die Betroffenen können von einer Verkürzung der Lichtphasen sowie von einer Verschiebung der abendlichen Melatoninausschüttung profitieren. Dies kann durch helles Licht am Abend, Vermeiden von hellem Licht am Morgen und die Verabreichung von Melatonin am späten Abend erreicht werden (Lewy et al., 1987).
Eine Winterdepression, auch Seasonal Affective Disorder (SAD), ist gekennzeichnet durch spätes Einschlafen, morgendliche Hypersomnie, erhöhten Appetit und einen verzögerten Beginn der nächtlichen Melatoninausschüttung. Eine Winterdepression beginnt typischerweise im Herbst – oft bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit – und bleibt während des Winters, also in der Zeit der Lichtphasenverkürzung, bestehen (Wehr et al., 1989). SAD-Patienten können von einer Lichtphasenverlängerung profitieren. Diese kann durch helles Licht am Morgen und frühes Aufstehen erreicht werden. Begleitet werden diese Maßnahmen von der Gabe von Melatonin am frühen Abend (Vollmann et al., 1993).
Menschen mit Depressionen haben einen niedrigen Melatoninspiegel. Wird hier jedoch der nächtliche Melatoninanstieg übermäßig verlängert, kann dies Winterdepressionen und klassische Depressionen verstärken (Carman et al., 1976). Daher sollte Melatonin bei depressiven Patienten umsichtig eingesetzt werden. Die Verabreichung sollte immer in Verbindung mit einer Lichttherapie bei Winterdepression und einem Wechsel der Schlafphasen stattfinden. Eine zeitlich schlecht gesteuerte Gabe von Melatonin kann den Tagesrhythmus stören und dadurch die Depression sogar verschlechtern.

Melatonin im Magen-Darm-System
In verschiedenen Modellversuchen mit Magengeschwüren konnte gezeigt werden, dass Melatonin einen gastroprotektiven Effekt hat (Bandyopadhyay et al. 2002; Singh et al. 2002; Abdel-Wahab et al., 2002). Auch diese Effekte auf den menschlichen Körper können mit der antioxidativen Wirkung von Melatonin zusammenhängen. Weitere Erkrankungen des Magen-Darm-Systems, bei denen Melatonin therapieergänzend eingesetzt werden kann, sind das Reizdarmsyndrom, Colitis ulcerosa und Diarrhoe.

Melatonin bei Fibromyalgie und chronischen Schmerzen
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie erfuhren Menschen mit Fibromyalgie nach einer Melatoningabe (allein oder in Kombination mit Fluoxetin) eine deutliche Reduktion ihrer Symptome. Andere Studien lassen den Schluss zu, dass Melatonin auch eine Rolle bei Schmerzen wie etwa einer Migräne spielt.

Toxizität und Nebenwirkungen von Melatonin
Die akute Toxizität von Melatonin ist äußerst gering, das haben Tier- und Humanstudien ergeben. Es kann leichte Nebenwirkungen hervorrufen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Hautausschlag, Magenverstimmung oder Albträume. In Tierversuchen konnte keine LD50 festgestellt werden. Untersuchungen an menschlichen Probanden ergaben abgesehen von Schläfrigkeit keine anormalen Befunde (Nordlund, 1977; Papvasiliou et al., 1972). Eine Studie, in der 1400 Frauen vier Jahre lang mit Melatonin behandelt wurden, ergab keinerlei Nebenwirkungen des Hormons (Silman, 1993).

Einnahme von Melatonin
Zur Schlafverbesserung reicht eine Dosierung von 1-3 mg Melatonin, die kurz vor dem Schlafen eingenommen wird. Bei komplexen Krankheitsbildern sollte Melatonin nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Auch bei Kindern sollte immer der Kinderarzt konsultiert werden. Leider gibt es in Deutschland noch wenige Ärzte, die praktische Erfahrung in der Melatonin-Therapie haben. In den USA ist Melatonin seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel populär und sehr weit verbreitet.
Die Einnahme eines Melatonin-Supplements erfolgt idealerweise in der Kombination mit Vitamin B12 in Form von Methylcobalamin. Die körpereigene Synthese von Melatonin erfordert eine Methylgruppe, die das Methylcobalamin beisteuern kann (Kelly, 1997).

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