Autor Thema: Deutscher Schmerzkongress in Berlin  (Gelesen 2833 mal)

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Dietmar E.

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Deutscher Schmerzkongress in Berlin
« am: 10. Oktober 2008, 14:28 »


Vorschau auf die nächste Leonardo-Sendung am 10. Oktober 2008 (Programmänderungen vorbehalten)


Wissenslücken und ratlose Ärzte -

Leitlinien sollen Schmerzbehandlung verbessern


Über 2.500 Spezialisten diskutieren beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin.

Eines der Schwerpunktthemen sind Leitlinien - für manche willkommener Wegweiser

bei der Schmerzbehandlung für andere eine Gängelung ärztlicher Therapiefreiheit.



"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

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SIEG: Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2008, 14:31 »

Schmerzspezialisten feiern Erfolg eines fünfjährigen Kampfes

 Nach fünf Jahre währenden Debatten feiern die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) nun die Aufnahme der Diagnose „Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren“ in den Katalog der Krankheiten ICD-10 (International Classification of Diseases). Endlich wird damit die moderne Auffassung chronischen Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung gewürdigt. Damit wird auch eine angemessene multi-modale Behandlung chronischer Schmerzen sowie deren korrekte Abrechnung möglich. „Profitieren werden davon letztlich die 8 bis 10 Millionen Schmerzpatienten in Deutschland“, freut sich Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsidentder DGSS.

 

Unter falscher Flagge

Unter chronischem Schmerz leiden ca. 17% der deutschen Bevölkerung, am häufigsten sind Rücken-, Kopf-, Nerven- und Tumorschmerz. Schmerzen sind der Anlass für 50% aller Arzt-Patienten-Kontakte. Die direkten und indirekten Kosten allein der Rückenschmerzen werden auf 25 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt.

Bislang segelten Schmerzpatienten in Kliniken jedoch unter falscher Flagge: Für sie kamen nur unzutreffende Diagnosen in Frage, die entweder nur auf körperliche Erkrankungen oder ausschließlich auf psychische Probleme Bezug nahmen.

Eine angemessene Behandlung, die sowohl körperliche als auch seelische und soziale Aspekte der Schmerzkrankheit berücksichtigt, war nur schwierig umzusetzen und konnte von den Krankenkassen nicht angemessen vergütet werden. Zudem blieb die tatsächliche Anzahl der Betroffenen und somit der Bedarf qualifizierter Schmerztherapie unerfasst.

 

13 ziehen an einem Strang

Eine Initiative innerhalb der DGSS wurde vor fünf Jahren aktiv und ging gegen diesen Missstand an. Unter ihrer Federführung zogen schließlich 13 wissenschaftliche Fachgesellschaften an einem Strang und führten jetzt eine Einigung mit den Behörden in dieser äußerst heiklen Frage herbei. „Die neue Diagnose ist für uns ein Durchbruch“, unterstreicht Prof. Treede. „Zumal wir in Deutschland die ersten weltweit sind, in deren Krankheiten-Katalog das moderne Konzept des Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung verankert ist.“

 
Ansprechpartner
Dr. Paul Nilges, Leitender Psychologe DRK Schmerz-Zentrum Mainz, Auf der Steig 16, 55131 Mainz, Tel. 06131-9880, E-Mail: nilges@uni-mainz.de

 
Hintergrund-Info

Im ICD-10 heißt es im Kapitel Somatoforme Störungen:

F45.41 Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren

Im Vordergrund des klinischen Bildes stehen seit mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Der Schmerz verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Der Schmerz wird nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht (wie bei der vorgetäuschten Störung oder Simulation). Schmerzstörungen insbesondere im Zusammenhang mit einer affektiven, Angst-, Somatisierungs- oder psychotischen Störung sollen hier nicht berücksichtigt werden.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)