Autor Thema: i-FemMe 2018, Hamburg: Zusammenhänge bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen  (Gelesen 618 mal)

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i-FemMe 2018, Hamburg: Vom richtigen Blick für die wichtigen Zusammenhänge bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen

Die einzige rein weibliche Fachtagung zu Themen aus dem Formenkreis der chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die von österreichischen Rheumatologinnen und Dermatologinnen initiierte i-FemMe, fand nun erstmals in Deutschland statt. Spezialistinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz schärften bei dieser zweitägigen Veranstaltung in Hamburg ihren Blick für Zusammenhänge in der Rheumatologie, Dermatologie und Gastroenterologie: Gerade bei chronisch-entzündlichen, rheumatischen Erkrankungen ist der Blick über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinaus enorm wichtig, da sich die Symptome vieler dieser Erkrankungen in unterschiedlichen Körperregionen, wie Haut oder Magen-Darm-Trakt manifestieren können.

i-FemMe goes D-A-CH
i-FemMe steht für „Inflammation Female Medical Event“ und fand erstmals 2015 in Salzburg statt. Den Vorsitz führte damals wie heute Dr.in Gabriele Eberl, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie und Ärztliche Leiterin des Kurzentrums Ludwigstorff in Bad Deutsch Altenburg. „Ziel war und ist es, den Austausch der Expertinnen, die mit dem weiten Themenfeld der inflammatorischen Erkrankungen, also der entzündlichen Autoimmunerkrankungen, befasst sind, zu fördern. Wir freuen uns sehr, dass Kolleginnen aus Deutschland uns heuer nach Hamburg eingeladen haben. So entstand die Idee, auch Schweizer Kolleginnen einzubinden und die i-FemMe für Spezialistinnen aus der D-A-CH-Region zu öffnen. Jetzt blicken wir nicht mehr ‚nur‘ über Fach-, sondern auch über Landesgrenzen“, freut sich Eberl. „Die hochkarätigen, praxisnahen Vorträge bringen einen wichtigen Input sowohl für die wissenschaftliche Arbeit als auch für den Praxisalltag“, betonte die Gastroenterologin Prof.in Dr.in Tanja Kühbacher, Chefärztin des Asklepios Westklinikum in Hamburg, Universitätsprofessorin an der Christian-Albrechts-Universität-zu-Kiel und Co-Vorsitzende der i-FemMe 2018.

Zusammenhänge erkennen
Als Gastroenterologin ist Kühbacher vor allem auch das Erkennen der Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom und den chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms ein großes Anliegen. „Gerade die Erforschung des Mikrobioms, also der Gesamtheit der Bakterien, die den Körper besiedeln, ist zur Zeit eines der heißesten Themen der Wissenschaft.“ Im Bezug auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, kurz CED genannt, ist natürlich das Mikrobiom des Darms besonders interessant. Kühbacher: „Durch Erkenntnisse über den Zusammenhang von Genetik, also der genetischen Ausstattung des Einzelnen, Umwelt (z.B. die Ernährung) und dem Mikrobiom in Hinblick auf die Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa), erwarten wir uns wertvolle Erkenntnisse. Wichtig ist auf jeden Fall, dass diese Darmerkrankungen möglichst frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden. Denn dann kann man am meisten bewirken.“

Kleine Ursache mit großer Wirkung
Auf welch vielfältige Weise das Mikrobiom Einfluss auf chronisch-entzündliche Erkrankungen hat, zeigte auch die österreichische Nephro- und Rheumatologin Dr.in Gabriela Eichbauer-Sturm in ihrem Vortrag auf. „Zentrale Aufgabe des Mikrobioms ist es, das Gleichgewicht im Körper aufrecht zu erhalten. Kommt es zu einem Verlust von schützenden Bakterien, vermehren sich krankmachende. Dies führt in der Folge zu einer Überstimulierung des Immunsystems und zu chronischen Entzündungsreaktionen.“
Bei PatientInnen mit rheumatoider Arthritis konnte zum Beispiel Jahre vor Ausbruch ihrer Erkrankung eine Veränderung der Zusammensetzung ihrer Mundhöhlenflora beobachtet werden. Diverse chronisch-entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis, Pemphigus vulgaris (blasenbildende Autoimmunkrankheit) gehen mit einer Veränderung des Mikrobioms nicht nur der befallenen Hautstellen, sondern der gesamten Haut einher.

Mikrobiom des Darms und Ernährung
Natürlich wirkt sich das, was wir mit der Nahrung zu uns nehmen, auch auf die Bakterien unseres Darms aus. „Dies ist ein spannendes Thema der Forschung und die Zusammenhänge sind sehr komplex. Auch wenn noch lange nicht alle Zusammenhänge entschlüsselt sind, sehen wir doch eindeutig: Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, rheumatoider Arthritis oder natürlich Zöliakie können Ernährung und Lebensstil auf verschiedenen Ebenen eine große Rolle spielen“, so Eichbauer-Sturm. (Anm.: Bei Zölikaie führt der Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut; dadurch können Nährstoffe nur schlecht aufgenommen werden und verbleiben großteils unverdaut im Darm.)

Außerdem gibt es auch eindeutig eine Verbindung zwischen Übergewicht und entzündlichen Erkrankungen. Die Zusammenhänge hier sind sehr komplex, aber, vereinfacht gesagt, kommt es in den stark vergrößerten Fettzellen von Übergewichtigen zu einer Überproduktion von entzündungsfördernden Eiweißstoffen (Zytokine). Dies wiederum wirkt sich auf alle entzündlichen Prozesse im Körper aus, nimmt zum Beispiel Einfluss auf Entstehung und den Verlauf von Psoriasis und rheumatoider Arthritis oder begünstigt auch atherosklerotische Veränderungen, die in der Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können.
Eine Normalisierung des Körpergewichts, pflanzenbetonte Kost, Omega-3-Fettsäuren-reiche Kost wie Seefische, hochwertige Pflanzenöle und Nüsse, wenig tierische und verarbeitete Lebensmittel, Verzicht auf Zigaretten, Alkohol in Maßen und regelmäßige körperliche Aktivität sind wichtige Empfehlungen bei Erkrankungen aus dem chronisch-entzündlichen Formenkreis.

Der „fächerübergreifende Blick“
„Inflammatorische Erkrankungen haben viele Facetten. So können zum Beispiel zusätzlich zu einer im Vordergrund liegenden Symptomatik auch andere Erscheinungen aus dem rheumatologischen, dermatologischen, gastroenterologischen und oder anderen Bereichen auftreten. Daher ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet so enorm wichtig“, meinte Eberl und erläuterte, dass z.B. 10% der PatientInnen mit sogenannten Spondyloarthritiden, also entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen, auch an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa leiden, 16% von ihnen an Psoriasis, 30 bis 40 % zusätzlich an einer Entzündung der Augenhaut, Uveitis, und 30 bis 40 % an einer Enthesitis, also eine Sehnenansatzentzündung. „Wir haben auf der i-FemMe daher auch immer eine interdisziplinäre Fallkonferenz, die einen oder mehrere Fälle aus der Sicht der Rheumato-, der Dermato- und der Gastroenterologie beleuchtet. Dies ist besonders wichtig, um den fächerübergreifenden Blick zu schärfen und wird immer auch besonders gut angenommen.“
„Auch wenn die Tagung von Ärztinnen für Ärztinnen konzipiert ist, kommen die männlichen Kollegen natürlich nicht zu kurz. Sämtliche Vorträge wurden mitgefilmt und stehen interessierten Ärzten online zur Verfügung“, so Kühbacher abschließend. Dieses Service macht der Unterstützer der i-FemMe, die Pharmafirma Pfizer, möglich.

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Mag. Harald Schenk: 0664/160 75 99, harald.schenk@medical-media-consulting.at

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Vorsitz i-FemMe: Univ.-Prof.in Dr.in Tanja Kühbacher, Prim.a Dr.in Gabriele Eberl, Dr.in Julia-Tatjana Maul               
                                                                                                                      © Pfizer Corporation Austria GmbH, Wien
 
Univ.-Prof.in Dr. in Tanja Kühbacher, Hamburg                                        © Pfizer Corporation Austria GmbH, Wien

Harald Schenk
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Hilfe! Mein Immunsystem spielt total verrückt!
« Antwort #1 am: 05. Juni 2018, 00:34 »



https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/05/28/wenn-das-adaptive-immunsystem-aus-den-fugen-geraet


Grundlagenvortrag von Dr. Ilse Zündorf zur Physiologie und Pathologie von Autoimmunerkrankungen einen gelungenen Startschuss. So unterschiedlich sich die verschiedenen Autoimmunerkrankungen in ihrer klinischen Symptomatik darstellen, haben sie doch eine Gemeinsamkeit: Das ausgeklügelte Gleichgewicht zwischen Toleranzmechanismen und Immunantwort ist aus der Balance geraten.

In gewohnt anschaulicher Manier erläuterte Dr. Ilse Zündorf, Frankfurt am Main, die Mechanismen, die das menschliche Immunsystem in seiner ausgewogenen Balance zwischen Toleranz und Immunantwort halten. Versagen diese, sind die Folgen verheerend. Zum einen drohen unkontrollierbare Infektionen, wenn die Toleranz so groß ist, dass nicht nur körpereigene Strukturen, sondern auch schädliche Eindringlinge für harmlos gehalten werden. Zum anderen kann sich der Körper bei überschießenden Immunreaktionen gegen Autoantigene selbst schaden.

So wie es bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist - einem der großen Themenbereiche des diesjährigen Pharmacon-Kongresses in Meran. Von einer Autoimmunerkrankung sind etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung betroffen. Rund 80 bis 100 verschiedene Erkrankungen, die je nach Verbreitung in organspezifisch (z.B. Typ 1 Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa) oder systemische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes) unterteilt werden, sind bekannt.
B- und T-Zellen haben viel zu lernen

Doch wie kommt es eigentlich zur Toleranzentwicklung gegenüber körpereigenen Strukturen? Woher wissen B- und T-Zellen, wen sie angreifen sollen – und wen nicht? Hierzu verfügt der menschliche Körper über zahlreiche Selektionsmechanismen, die dazu führen, dass rund 85 Prozent der neugebildeten B-Zellen „auf dem Müll landen“, so Zündorf. Bei den T-Zellen bleiben sogar nur etwa 1% der Vorläuferzellen übrig. Dabei reichen die Sortiervorgänge bei den B-Zellen von „Selbstmord“ (Apoptose), über Rezeptoren-Umbau (Editing), dem Verfall in einen „Ruhezustand“ (Anegie) bis zur Ignoranz. Bei den T-Zellen ist die Toleranzentwicklung noch etwas komplizierter, da hier zuerst eine positive Selektion stattfindet – nur diejenigen überleben, die mit Molekülen des Haupthistokompabilitätskomplexes (Major Histocompatibility Complex, MHC) interagieren – bevor negativ selektioniert wird. Dazu wird den verbleibenden T-Zellen von dendritischen Zellen und Medulla-Epithelzellen im Thymus jedes nur erdenkliche körpereigene Molekül präsentiert.

Ein Vorgang, der unter der Kontrolle des Transkriptionsfaktors Autoimmun-Regulator (AIRE) steht. Nur die Zellen, die eigene Strukturen nicht als fremd erkennen, haben ihre Lektion gelernt und überleben diesen Prozess. Doch nicht nur die Selektionsvorgänge sorgen dafür, dass unser Immunsystem sein empfindliches Gleichgewicht normalerweise halten kann. Zusätzlich tragen regulatorische B- und T-Zellen dazu bei, den Schaden zu begrenzen, falls eine körpereigene Struktur fälschlicherweise doch einmal als „fremd“ erkannt wird.


Einen einzigen Auslöser gibt es nicht

Die Entstehung einer Autoimmunerkrankung ist vielschichtig – und nur in sehr seltenen Fällen, wie beispielsweise bei bestimmten genetischen Defekten in Schlüsselfaktoren wie AIRE, ist ein alleiniger Grund auszumachen. Vielmehr sind Entgleisungen des Immunsystems durch ein multifaktorielles Zusammenspiel bedingt. Neben genetischen Faktoren, die Menschen mit einer bestimmten Allel-Ausstattung für eine Autoimmunerkrankung prädisponieren, tragen mikrobielle Faktoren und Umweltbedingungen zur Pathogenese bei. Bei den letzteren „lässt sich etwas tun!“, so Zündorf.

Beispielsweise ist gut belegt, dass Zigarettenrauch mit rheumatoider Arthritis in Zusammenhang steht. Alkohol – wohlgemerkt in moderaten Mengen - scheint im Gegensatz dazu eher protektiv zu wirken. „Gute Nachrichten für das Gläschen Wein heute Abend“, diese Aussage gefiel dem Auditorium. Ein weiterer Faktor, dem begegnet werden kann ist die therapieinduzierte Autoimmunerkrankung. Von mehr als 100 Wirkstoffen ist bekannt, dass diese Autoimmunkrankheiten auslösen können. Werden die Therapien abgesetzt, verschwindet in aller Regel auch die Autoimmunerkrankung wieder.

Mikrobiom als Angriffspunkt

Als weiterer Faktor ist in den letzten Jahren die Darmflora in den Fokus gerückt. Im Vergleich zu Gesunden weist das Mikrobiom bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen einige Unterschiede in der Zusammensetzung auf. Unklar ist, jedoch ob es sich hier um die Ursache oder vielmehr um die Folge der Erkrankung handelt. Dennoch könne bei Autoimmunerkrankungen auch einmal ein Therapieversuch mit Probiotika unternommen werden, so Zündorf. Und auch die Ernährung spielt in dieser Hinsicht sicherlich eine große Rolle.

Dass eine vegetarische Ernährungsweise hier vorteilhafter ist als eine fettreiche Ernährung, legen verschiedene Untersuchungen nahe. Mit einem etwas ungewöhnlicheren Ansatz kann das Mikrobiom therapeutisch ebenfalls adressiert werden. So hat sich der fäkale Mirkobiomtransfer – besser bekannt als „Stuhltransplantation“ - bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als vielversprechend erwiesen.