Autor Thema: Privatversicherungen  (Gelesen 6246 mal)

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Geri

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Privatversicherungen
« am: 11. Mai 2008, 13:09 »
Blickdiagnose: Was Zusatzversicherungen bringen

Rund 800.000 Menschen in Österreich haben eine private Zusatzkrankenversicherung. Diese kann je nach Tarif nicht nur Leistungen abdecken, die von den öffentlichen Krankenversicherungen nicht bezahlt werden, sondern ermöglicht auch die freie Arztwahl im Spital, meist kürzere Wartezeiten und ein Sonderklassezimmer im Krankenhaus. Dennoch stellt sich grundsätzlich die Frage, warum es Zusatzversicherungen geben muss, wenn es auch eine öffentliche Pflichtversicherung gibt, die eigentlich alles abdecken sollte.

„Es gibt keine Zwei-Klassen-Medizin – und die Erde ist eine Scheibe.“ Mit diesem Slogan warb im Vorjahr die Wiener Städtische Versicherung um Kunden für ihre privaten Zusatzkrankenversicherungen. Bei Ärzten und Versicherten sind die Produkte durchaus beliebt. Doch warum gibt es sie überhaupt?

Eigentlich haben alle was davon: Krankenhausärzten bringen private Zusatzversicherungen ihrer Patienten zusätzliche Einkünfte – im Schnitt machen sie laut Ärztekammer bis zu 30 Prozent der Einkommen aus; den Krankenhäusern bringen sie ebenfalls zusätzliche Einkünfte und vor allem die Chance, den Ärzten niedrigere Grundgehälter zahlen zu müssen; den versicherten Patienten bringen sie je nach Tarif einige Vorteile; und den Versicherungen selbst bringen sie immerhin 800.000 zahlende Kunden.

Damit sich Krankenhäuser nicht nur auf privatversicherte Patienten konzentrieren, ist öffentlichen Kliniken nur ein Sonderklassebetten-Anteil von 25 Prozent erlaubt. Diese Situation führt aber dazu, dass Krankenhäuser gerne die Gesamtzahl der Betten hochhalten, um so auch viele Sonderklassebetten zu haben. Was grob eigentlich schon erklärt, was der Hintergrund privater Versicherungen ist: Sie decken Risiken ab, die öffentliche Versicherungen nicht zahlen, bringen zusätzliche Vorteile für die Versicherten und leisten einen Finanzierungsbeitrag für das Gesundheitswesen.

Die Krankenversicherung ist in Österreich von zwei ergänzenden Organisationsformen geprägt. Zum einen eben von der Sozialversicherung, einer gesetzlichen Pflichtversicherung, zum anderen von der privaten, freiwilligen Krankenversicherung. Die Sozialversicherung stellt für nahezu alle Berufsgruppen – unabhängig von deren Einkommen – eine Pflichtversicherung dar. Da kein Wahlrecht für den einzelnen Versicherungsnehmer besteht, eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zu wählen, werden in Österreich private Krankenversicherungen fast nur als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen.
Die private Krankenversicherung wird in den beiden Hauptformen der Krankenhauskostenversicherung und der Taggeldversicherung angeboten. Die Leistungen sind abhängig vom jeweils gewählten Tarif.

Die Krankenversicherer verwenden viele differente Tarife und unterschiedliche Allgemeine Versicherungsbedingungen. Es gibt keine Musterbedingungen für den österreichischen Markt. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Annahmezwang für alle Erwerbstätigen besteht, werden private Krankenversicherungen aufgrund freier Vereinbarungen geschlossen. Im Wesentlichen gilt: je höher das Risiko, desto höher der Tarif.
Werden Vorerkrankungen nicht angegeben, kann die Versicherung Leistungen verweigern. Allerdings darf sie nicht steigende Ausgaben im Alter übertragen. Der Krankenversicherer hat zwingend eine Alterungsrückstellung zu bilden, um zu verhindern, dass die höhere Krankheitsanfälligkeit der älteren Menschen, die meist über geringere Einkommen verfügen, dazu führt, dass die Prämie entsprechend dem Risiko ansteigt. Aus diesem Grund sind die Prämien jüngerer Versicherter höher, als es ihrem Risiko entspricht, heißt es beim Versicherungsverband.

Neben der Spitalskostenversicherung und der Taggeldversicherung gibt es Krankengeldversicherungen, Pflegegeldversicherungen, Reisekrankenversicherungen, Versicherungen der Kosten ambulanter ärztlicher Betreuung und für Zahnbehandlung und Zahnersatz.

  Martin Rümmele

hilde

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Re: Privatversicherungen
« Antwort #1 am: 28. Juli 2009, 22:14 »
Medizin - Hoffentlich nicht privat versichert: Unnötige Operationen, unnütze Röntgenbilder, 27.06.2009

Artikel in der Süddeutschen Zeitung: die vermeintlich privilegierten Patienten leiden unter einer Überdosis Medizin

"Jährlich werden die Daten zur medizinischen Versorgung in Deutschland erhoben und mit denen anderer Länder verglichen. Die Analysen zeigen, dass Privatversicherte häufiger zum Facharzt gehen, länger im Krankenhaus behandelt und häufiger operiert werden. Die Operationen scheinen in vielen Fällen nicht nötig zu sein, denn Privatpatienten geht es deshalb nicht besser. 33 Prozent der Privatversicherten berichten von Doppeluntersuchungen in kurzer Zeit. Unter den gesetzlich Versicherten sind es 18 Prozent..."

Jutta

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EuGH fordert geschlechtsneutrale Versicherungstarife
« Antwort #2 am: 01. März 2011, 22:03 »

Dienstag, 1. März 2011

EuGH fordert geschlechtsneutrale Versicherungstarife

dpa
Luxemburg – Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat Anfang März die Versicherungsbranche aufgewirbelt. Die Luxemburger Richter entschieden, dass Versicherungen ab dem 21. Dezember kommenden Jahres Prämien und Leistungen geschlechtsneutral berechnen müssen. Unterschiedliche Tarifkalkulation aufgrund des statistischen Risikos darf es dann nicht mehr geben.

Die Luxemburger Richter folgten damit einem Rechtsgutachten ihrer Generalanwältin Juliane Kokott. Die Niederländerin hatte bereits im September letzten Jahres gefordert, in der Versicherungsbranche EU-weit Einheitstarife (so genannten Unisextarife) für Männer und Frauen einzuführen.

Die EuGH griff die Argumentation von Kokott auf und verwies zur Begründung seines Urteils auf die EU-Gleichbehandlungsrichtlinie aus dem Jahr 2004, die eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verbietet. Dass Frauen und Männer bei der Berechnung von Versicherungsprämien bislang dennoch ungleich behandelt wurden, geht auf eine Ausnahmeregelung zurück.

Die Versicherungen durften Unterschiede bei den Preisen und den Leistungen verlangen, sofern sich die geschlechtsspezifischen Risiken durch versicherungsmathematische und statistische Daten belegen ließen.

zum Thema

    * zum Urteil

aerzteblatt.de

    * EuGH: Generalanwältin fordert Unisex-Tarife

Diese Ausnahmeregelung stand nun auf dem Prüfstand. Die Luxemburger Richter wollten mit ihrem Urteil verhindern, dass Versicherer von der Ausnahmeregelung unbefristet Gebrauch machen. Hintergrund der EuGH-Entscheidung war die Klage eines belgischen Verbraucherverbandes und von zwei Privatpersonen gegen die auf der EU-Ausnahmeklausel beruhenden Regelungen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es in zahlreichen EU-Ländern sowohl in der Rentenversicherung, der Risikolebensversicherung als auch in der privaten Kranken- und der Kfz-Versicherung. So zahlen Frauen zum Beispiel in der Kfz-Versicherung niedrigere Beiträge als ihre männlichen Geschlechtsgenossen, weil sie weniger Unfälle bauen. Die um fünf Jahre höhere statistische Lebenserwartung der Frauen wiederum führt zu günstigeren Beiträgen bei einer Risiko-Lebensversicherung, aber zu deutlich höheren Beiträgen bei den privaten Rentenversicherungen.

Nach dem EuGH-Urteil sind differenzierte Versicherungstarife künftig nur noch zulässig, wenn sie auf eindeutig nachweisbare biologische Unterschiede zurückgehen. Dies gilt beispielsweise für das „biologische Risiko“ einer Schwangerschaft bei der Berechnung privater Krankenversicherungsbeiträge. Dem Urteil zufolge müssen die Versicherer nach einer Übergangsfrist von drei Jahren Neuverträge auf Unisextarife für alle Policen anbieten. Altverträge müssen nicht angepasst werden.

Das Urteil stieß auf ein geteiltes Echo. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft warnte, Unisex-Tarife würden zu einem Anstieg des durchschnittlichen Prämienniveaus führen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen wiederum begrüßt das Urteil. Bei den Riester-Verträgen habe die Anpassung schließlich auch geklappt. Dort gibt es bereits seit dem Jahr 2006 Einheitstarife. Unisextarife sind ferner bei Rechtsschutzpolicen und einigen Sachversicherungen Standard. Die DEVK bietet ebenfalls bereits private Krankenzusatzversicherungen an, die auf separate Tarife für Frauen und Männer verzichten. © ps/aerzteblatt.de

Geri

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EU - Gleiche Versicherungstarife für alle
« Antwort #3 am: 18. Oktober 2012, 00:00 »


EU - Gleiche Versicherungstarife für alle

von Nicolas Peerenboom

Egal ob Mann oder Frau: Künftig dürfen die Versicherer bei der Kalkulation der Versicherungsprämien nicht mehr nach Geschlecht trennen. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden, der damit eine Diskriminierung des Geschlechts unterbinden will. Bestehende Versicherungen sind von dem Urteil nicht betroffen.

..................... http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/geld/unisextarife101.html