Autor Thema: Schwindel, kein Problem?  (Gelesen 7320 mal)

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Gitti

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Schwindel, kein Problem?
« am: 14. Mai 2008, 00:44 »
Wenn sich die Welt dreht - Schwindel und seine Ursachen

Unangenehmer Schwindel
Schwindel kann zu Angstzuständen, Übelkeit und einem hohen Leidensdruck führen. Nach Kopf- und Rückenschmerzen ist Schwindel das häufigste körperliche Problem mit dem Patienten zum Hausarzt kommen.

Schwindel hat viele Formen und Ursachen
Experten unterscheiden zwischen ca. 100 verschiedenen Schwindelarten.
Die häufigsten Erscheinungsformen sind der Drehschwindel (wie beim Karussell fahren) der Schwankschwindel (wie beim Boot fahren) und den Liftschwindel (wie beim Aufzug fahren). Die Ursachen sind vielfältig.
Schwindelgefühle können durch eine Störung im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs auftreten, aber auch Fehlfunktionen oder Erkrankungen im zentralen Nervensystem können eine Rolle spielen. Eine weitere Ursache können psychische Probleme sein.

Diagnose in der Schwindelambulanz
Gerade weil der Schwindel viele ärztliche Fachgebiete betrifft, gibt es immer mehr spezielle Schindelambulanzen in Deutschland (meist an größeren Unikliniken). Hier gibt es umfangreiche Diagnoseverfahren.
Wichtige Untersuchungsgeräte: Der Kipptisch und der elektrisch gesteuerte Drehstuhl. Gezielt werden die Reflexe von Augen, Innenohr, Nerven und Muskeln getestet. Das Ziel: genau herauszufinden, an welcher Stelle der Gleichgewichtssinn gestört ist. Ob es am Innenohr liegt, ob es eher eine Störung des Sehens ist, oder ob eine Fehlfunktion im Gehirn. Begleitet werden die Untersuchungen oft von einem so genannten „Schwindeltagebuch“, das der Patient führen muss

Gutartiger Lagerungsschwindel
Der gutartige Lagerungsschwindel ist die mit Abstand häufigste Schwindelform. Verantwortlich für das unangenehme Drehgefühl im Kopf sind hier die so genannten „Ohrsteinchen“. Diese winzigen Kristalle sitzen in einer gallertartigen Schicht auf den Sinneszellen des Innenohrs. Sie sind für den Gleichgewichtssinn so eine Art Wasserwaage.
Diese Steinchen können sich lösen. Sie geraten dann in einen anderen Teil des Gleichgewichtorgans, stören dort die Sinneskoordination und führen zu Drehgefühlen.

Auslöser für den Lagerungsschwindel
Oft ist eine Infektion oder ein Sturz der Auslöser für die Turbulenzen im Innenohr. Mit gezielten Kopflagerungsübungen wird in der Regel versucht, die losgelösten Steinchen mit der Flüssigkeit im Gehörbogen wieder an die richtige Stelle  zurückzuschwemmen. In den meisten Fällen ist diese Therapie erfolgreich.

Psyche und Schwindel
Das Drehen im Kopf kann auch psychische Ursachen haben. Nicht selten kommt es vor, dass Patienten Schwindelattacken haben, obwohl die körperliche Störung längst behoben ist. Der Schwindel taucht dann in bestimmten Situationen als Erinnerung auf. Das kann große Angst machen.
Depressionen und Stress können ebenfalls zu Schwindelattacken führen.
Auch in solchen Fällen gibt es Hilfe bei den Experten der Schwindelambulanz. Abgeklärt wird hier übrigens auch, ob das Drehen Kopf an Medikamenten liegt, die man nimmt.  Schwindel kann eine Nebenwirkung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sein.

Schwindelambulanzen in NRW

Universitätsklinik Aachen
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und plastische Kopf und Halschirurgie
Tel: 0241/80-89360
http://www.hno.ukaachen.de

Universitätsklinikum Essen
Klinik für Neurologie
Hufelandstr.55, 45147 Essen
Tel:0201/723-2460
http://www.uni-essen.de/neurologie/index.html

Tanja

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Re: Schwindel, kein Problem?
« Antwort #1 am: 24. April 2009, 16:37 »

Schwindel: Bewegungsprogramm reduziert Sturzgefahr

Die Neigung zum Fallen bei einer Gleichgewichtserkrankung kann man durch gezieltes körperliches Training reduzieren. Das ergab eine Studie.17.04.2009

Für das Gleichgewicht des Menschen sind vier Systeme verantwortlich, die ständig Informationen über den Gleichgewichtszustand an das Gehirn senden: zwei Gleichgewichtsorgane im Innenohr, das visuelle System, das System der Körperwahrnehmung sowie das System der Informationsverarbeitung. Fällt ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr aus, leidet der Patient unter Drehschwindel und Übelkeit.

Das Symptom Schwindel stellt für betroffene Patienten eine starke Belastung dar und bringt die Gefahr des Stürzens mit sich. Die Ursache der Gleichgewichtserkrankung (peripher-vestibuläre Störung) ist allerdings weitgehend unbekannt und bis heute gibt es keine wirksame Therapie. Um Patienten mit geschädigtem Gleichgewichtsorgan dennoch helfen zu können, haben die Wissenschaftler nun eine besondere Behandlungsmethode entwickelt.

"Bei einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans müssen die drei intakten Systeme idealerweise die Funktion des ausgefallenen Organs übernehmen", sagt Andreas Lauenroth, der im Rahmen dieses Projekts seine Doktorarbeit verfasste. Durch ein gezieltes, bewegungstherapeutisches Rehabilitationsprogramm können die drei intakten Systeme so sensibilisiert werden, dass den Patienten die alte Standsicherheit zurückgegeben wird und damit die Sturzgefahr reduziert ist.

Die Patienten der Studie absolvierten in 15 Wochen unter Anleitung eines Sporttherapeuten 30 Trainingseinheiten zu je 30 Minuten, die in zwei Phasen unterteilt wurden. In der ersten Phase wurde auf einem Luftkissen trainiert, das unsichere Situation simulieren und die nicht betroffenen Systeme stimulieren sollte. Im Anschluss wurden die Patienten in einem dreidimensionalen Rad, ähnlich einem Rhönrad, trainiert, um das Gleichgewichtsorgan zu reizen. "Das betroffene System sollte in der zweiten Phase so stimuliert werden, dass es langsam wieder zu seiner Funktion zurückfindet", erklärt Lauenroth.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Therapie keine Regeneration der erkrankten Gleichgewichtsorgane ermöglichte. Die erzielte Standsicherheit und die Reduktion der Sturzgefahr waren also auf ein verbessertes Verarbeiten von Informationen im Gehirn zurückzuführen. Dieses konnte durch das zielgerichtete Training erreicht werden.

MEDICA.de; Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg