Autor Thema: Wenn die Krebstherapie ins Auge geht  (Gelesen 3407 mal)

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Jutta

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Wenn die Krebstherapie ins Auge geht
« am: 13. Juni 2008, 09:51 »
Immun-Arzneien können üble Nebenwirkungen haben

Sabine Behrends

Mehr und mehr versuchen Mediziner, das körpereigene Immunsystem in den Kampf gegen Tumore einzuspannen. Die Hoffnung, damit eine hochspezifische und nebenwirkungsarme Therapie gefunden zu haben, erfüllt sich jedoch nicht immer. Im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) weisen Ärzte von den National Institutes of Health in Bethesda darauf hin, dass auch Immuntherapien schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen können.

Mitglieder desselben Forschungsteams hatten bereits vor drei Jahren eine Studie zur Immuntherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs (Melanom) vorgestellt. Das gegen den Hautkrebs aktivierte Immunsystem hatte damals zwar bei etwa der Hälfte der Patienten die Tumore deutlich schrumpfen lassen; bei rund jedem siebten Patienten griffen die Immunzellen allerdings auch die Augen an.

Mit Experimenten an Mäusen untersuchten die Mediziner diesen Zusammenhang nun genauer. Dabei konnten sie nachweisen, dass die Augenschäden tatsächlich von den gegen den Krebs gerichteten Immunzellen herrührten und um so gravierender waren, je effektiver der Tumor bekämpft wurde.

Die von Palmer und seinen Kollegen untersuchte Behandlungsmethode zählt zu den relativ unspezifischen Varianten der Immuntherapie. Die Immunzellen, die außerhalb des Körpers angereichert und dem Patienten anschließend zurückgegeben werden, richten sich gegen ein Gen, das nur in pigmentierten, Melanin-haltigen Zellen aktiv ist. Sie greifen aber nicht nur die von den Pigmentzellen der Haut abstammenden Krebszellen an, sondern alle pigmentierten Zellen des Körpers. Melanin-haltige Zellen kommen auch in den Haarwurzeln und im Auge vor.

Allerdings seien die Auswirkungen der Melanom-Therapie auf die Augen mithilfe von Medikamenten gut in den Griff zu bekommen, betonen Palmer und sein Team. Unspezifische Immuntherapien gegen andere Krebsarten aber könnten wesentlich schwerer wiegende Nebenwirkungen mit sich bringen, warnen sie - abhängig davon, gegen welche Organe und Gewebe des Körpers sie sich wenden.

Die US-Mediziner raten dazu, künftig genetische Testmethoden zu nutzen, um Immuntherapien gegen individuelle Krebsgene zu entwickeln. So gewonnene Immunzellen sollten gesundes Gewebe nicht angreifen, weil darin die ins Visier genommenen Krebsgene in gesunder, unveränderter Form vorliegen oder überhaupt nicht aktiv sind.

PNAS, Bd. 105, S. 8061

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0603/wissenschaft/0079/index.html