Autor Thema: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen  (Gelesen 43605 mal)

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Richi

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Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« am: 13. Juni 2008, 22:44 »

PSA-Bestimmung

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) kommt bei gesunden Männern vor, eignet sich aber auch als Tumormarker: Sein Blutspiegel kann Hinweise auf ein Prostatakarzinom geben und zur Beurteilung von dessen Verlauf und Behandlung dienen.

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Protein (Eiweiß), das von den Prostatadrüsen gebildet wird. Es gelangt mit dem Prostatasekret in den Samen und verflüssigt ihn nach der Ejakulation. Diese biochemische Reaktion zu ermöglichen, ist die Aufgabe des PSA. Somit handelt es sich um ein normales Enzym (Ferment) des gesunden Mannes.

PSA im Blut

Wie andere von Drüsen gebildete Stoffe geht auch das PSA zu einem sehr geringen Teil in das Blut über. Dort ist es zum kleineren Teil frei im Blutserum gelöst, zum größeren Teil jedoch an Serumproteine gebunden (man sagt "komplexiert", weil sich Komplexe bilden).

Die unterschiedlichen Serumkonzentrationen lassen sich einzeln messen:
Das Gesamt-PSA (t-PSA, von engl. total),
das freie PSA (f-PSA) und
das komplexierte PSA (c-PSA). Näheres hierzu s.u.

PSA als Organmarker und Tumormarker

Weil nur Prostatazellen PSA herstellen können, ist es Prostata-spezifisch (daher der Name) und markiert sein Herkunftssorgan; man bezeichnet es deshalb als Organmarker für die Prostata. Doch auch die bösartigen Zellen eines Prostatakarzinoms bilden PSA, im Falle von Metastasen (Tochtergeschülste) selbst außerhalb der Prostata.

Da die PSA-Bildungsrate von Karzinomzellen erheblich (bis zu 10mal) größer ist als die normaler Prostatazellen, eignet sich das PSA auch gut als Tumormarker: Zwar schließt ein niedriger Serumspiegel ein Prostatakarzinom nicht aus, jedoch steigt mit dem Spiegel das Risiko, dass ein Karzinom vorhanden ist.

Einflüsse auf den PSA-Serumspiegel

Die Höhe des PSA-Serumspiegels hängt von zahlreichen Faktoren ab: Zunächst ist es individuell verschieden, wieviel PSA aus der Prostata in das Blut gelangt. Dann beeinflusst die Menge an (gut- wie bösartigem) Prostatagewebe den Spiegel. So steigt er mit dem Prostatavolumen, in der Regel also mit dem Alter wegen der zunehmenden benignen Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung, s. Häufigkeit des BPS).

Auch andere Erkrankungen und Reizungen der Prostata können den PSA-Spiegel (vor allem das freie PSA) erhöhen, meist jedoch nur kurzzeitig: Zum Beispiel Entzündungen (s. akute Prostatitis, chronische Prostatitis, Prostatopathie), Sport (z.B. Radfahren, Reiten), Geschlechtsverkehr, Verstopfung (wegen des Pressens), Prostatamassage, digitale rektale Untersuchung (Abtasten der Prostata, s. DRU), akute Harnverhaltung, Harnblasenkatheter, Urethro-Zystoskopie (Harnröhren-Blasenspiegelung) und Prostatabiopsie (Gewebeentnahme, s. Prostatabiopsie und Broschüre "Die Prostatastanzbiopsie").

Gesenkt wird der PSA-Spiegel hingegen von 5-alpha-Reduktase-Hemmern (Wirkstoffe in manchen Medikamenten gegen Haarausfall und gegen das benigne Prostatasyndrom, s. Medikamente zur BPS-Behandlung) und durch Entfernung oder Ausschaltung von Prostatagewebe: Zum Beispiel durch TUR-P beim benignen Prostatasyndrom (s. Operationsverfahren zur BPS-Behandlung) sowie durch eine radikale Prostatektomie, Strahlentherapie oder Hormontherapie (s. Behandlung des Prostatakarzinoms). Deshalb lässt sich auch beim Prostatakarzinom der Verlauf anhand des PSA-Spiegels beurteilen.

Gesamt-PSA (t-PSA) und Schwellenwert

Zur Bestimmung des Gesamt-PSA-Serumspiegels stehen verschiedene Testsysteme zur Verfügung. Die Ergebnisse werden meistens in ng/ml angegeben (ng = Nanogramm = milliardstel Gramm, ml = Milliliter = tausendstel Liter). Sie sind jedoch nur dann direkt miteinander vergleichbar, wenn das gleiche Testsystem verwendet wurde. Die untere Nachweisbarkeitsgrenze beträgt normalerweise 0,1ng/ml.

Wichtig für die Bewertung des Gesamt-PSA ist, dass Einflüsse auf den PSA- Serumspiegel (s.o.) bekannt bzw. ausgeschlossen sein müssen. Ebenfalls wichtig sind die folgenden Ergebnisse wissenschaftlicher Studien:

Je niedriger das Gesamt-PSA ist, desto unwahrscheinlicher liegt ein Prostatakarzinom vor: Bei weniger als 4ng/ml in 10%, bei 4-10ng/ml in 25% und bei mehr als 10ng/ml in bis zu 50% der Fälle. Ausgeschlossen ist ein Prostatakarzinom also selbst bei einem niedrigen Gesamt-PSA nicht. Deshalb lässt sich auch kein Normalwert oder Maximalwert angeben.

Gleichzeitig sind die Heilungsaussichten beim Prostatakarzinom um so besser, je niedriger das Gesamt-PSA ist: Die Wahrscheinlichkeit für ein organbegrenztes Tumorstadium (s. Untersuchung bei Prostatakarzinom) beträgt 90% bei weniger als 4ng/ml, 70% bei 4-10ng/ml und 50% bei mehr als 10ng/ml.

Gegebenenfalls müssten bei jedem PSA-Wert weitere Untersuchungen zum Ausschluss eines Karzinoms veranlasst werden: Digitale rektale Untersuchung (s. DRU), transrektaler Ultraschall (TRUS) und vor allem eine Prostatabiopsie (Gewebeentnahme, s. Prostatabiopsie und Broschüre "Die Prostatastanzbiopsie"). Ein solches, generelles Vorgehen würde jedoch zwangsläufig insbesondere die Zahl unnötiger, belastender Biopsien erhöhen.

Nach diesen und zahlreichen weiteren Daten hat man sich deshalb auf einen Schwellenwert (cut-off-Wert) für das Gesamt-PSA geeinigt. Er beträgt für die gängigem Testsysteme 4ng/ml (eine Absenkung auf 3ng/ml wird derzeit diskutiert). Bei bis zu 75jährigen mit einem Gesamt-PSA von 4-10ng/ml und unauffälliger DRU (digitale rektale Untersuchung) erfolgt in der Regel zunächst eine Kontrolle. Bleibt der Wert gleich oder steigt er an, sollte eine Prostatabiopsie durchgeführt werden. Eine Biopsie ist dringlich bei auffälliger DRU sowie (unabhängig von der DRU) bei einem Gesamt-PSA über 10ng/ml.

Mit Hilfe weiterer Maßnahmen wird versucht, eine Biopsie zu vermeiden, ohne aber deshalb ein Prostatakarzinom zu übersehen: Man kann das Gesamt-PSA auf das Alter oder die Prostatagröße (PSA-Dichte) beziehen, seine Anstiegsgeschwindigkeit bestimmen und den darin enthaltenen Anteil an freiem bzw. gebundenem PSA messen (f-PSA und c-PSA). Näheres hierzu in den folgenden Abschnitten.

Altersabhängiges Gesamt-PSA

Weil sich die Prostata mit dem Alter oft vergrößert (benigne Prostatahyperplasie, s. Häufigkeit des BPS) und der PSA-Serumspiegel somit meist steigt, wurden folgende altersabhängige Schwellenwerte für das Gesamt-PSA veröffentlicht:
   
40-49 Jahre: 2,5ng/ml
   
50-59 Jahre: 3,5ng/ml
   
60-69 Jahre: 4,5ng/ml
   
70-79 Jahre: 6,5ng/ml


Allerdings gibt es noch zu wenige Untersuchungen, um die Vorteile oder gar Nachteile dieser oder anderer ebenfalls veröffentlichter Schwellenwerte zu beurteilen.
PSA-Dichte

Im Vergleich zum BPS (benignes Prostatasyndrom) steigt beim Prostatakarzinom das Gesamt-PSA stärker an, die Prostata, vor allem die so genannte Übergangszone vergrößert sich jedoch weniger. Bildet man den Quotienten aus Gesamt-PSA und Volumen der Prostata bzw. der Übergangszone, so erhält man die PSA-Dichte (density). Sie ist demnach beim Prostatakarzinom größer als beim BPS. Die Aussagekraft der PSA-Dichte ist jedoch noch nicht abschließend zu beurteilen.

PSA-Anstiegsgeschwindigkeit

Ein verhältnismäßig rascher Anstieg des Gesamt-PSA erhärtet den Verdacht auf ein Prostatakarzinom, selbst wenn weitere Anzeichen fehlen. So soll bei einer PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (velocity) von jährlich 0,75ng/ml trotz negativer DRU (digitale rektale Untersuchung) in einem höheren Prozentsatz ein Prostatakarzinom vorliegen.

Üblicherweise wird die Anstiegsgeschwindigkeit anhand von drei PSA-Messungen (zwei Kontrollen) bestimmt, in jährlichem Abstand und mit dem gleichen Testsystem. Von Vorteil ist diese Bestimmung, wenn der PSA-Ausgangswert unter 4ng/ml liegt oder wenn bei einem höheren Ausgangswert eine Biopsie negativ ausfällt.
%-f-PSA (f/t-PSA)

Aus bisher ungeklärten Gründen ist bei einem Prostatakarzinom mehr PSA im Blutserum an Proteine gebunden (komplexiert, c-PSA) und weniger frei darin gelöst (f-PSA), selbst bei nicht erhöhtem Gesamt-PSA (t-PSA). Der prozentuale Anteil des freien PSA am Gesamt-PSA sinkt also (Berechnung:
%-f-PSA = f-PSA / t-PSA x 100).

Beispielsweise soll bei einem %-f-PSA von weniger als 15% (f/t-PSA kleiner als 0,15) in etwa 75% der Fälle ein Prostatakarzinom vorliegen. Solche Einzelergebnisse erlauben zur Zeit aber noch keine generellen Aussagen.

c-PSA (komplexiertes PSA)

Zur direkten Bestimmung des im Blutserum an Proteine gebundenen PSA (c-PSA) gibt es einen relativ neuen Test. Je nach Testansatz lässt sich damit entweder das Gesamt-PSA oder das c-PSA messen, das f-PSA kann aus Gesamt-PSA abzüglich c-PSA errechnet werden. Der Test umgeht so das Problem mit der Instabilität des f-PSA, berücksichtigt aber dennoch das beim Prostatakarzinom ansteigende c-PSA (s.o. unter %-f-PSA).

Nach bisherigen Untersuchungen scheint der c-PSA-Test der üblichen Gesamt-PSA-Bestimmung gleichwertig zu sein, wobei ein niedrigerer Schwellenwert von 3,2ng/ml anzusetzen ist.

PSA-Schnelltests

Solche Teststreifen zeigen eine farbige Linie, wenn das Gesamt-PSA über 4ng/ml liegt. Vorteil ist die einfache Anwendung, jedoch überwiegen die Nachteile: Weil die Höhe des PSA-Spiegels nicht gemessen wird, lassen sich weder die Dringlichkeit einer Kontrolle noch die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (s.o.) beurteilen. Zudem sind die Tests nicht zuverlässig genug: Ein falsch-negatives Ergebnis (bis zu 29%) kann die Diagnose verzögern. Und ein falsch-positives Ergebnis (bis zu 33%) erfordert wie ein richtig-positives eine genaue Nachmessung des Gesamt-PSA.

Ausblick

Derzeit werden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um neue Testsysteme zur PSA-Bestimmung zu entwickeln und bereits eingeführte zu verbessern. Daneben sucht man nach anderen Verbindungen und prüft sie auf ihre Eignung als Tumormarker. Zu nennen ist hier insbesondere das hK2 (humanes Kallikrein 2), für das bereits Tests in Entwicklung sind.

Diskussion um die PSA-Bestimmung

Die PSA-Bestimmung im Rahmen der Früherkennung des Prostatakarzinoms wird nicht nur unter Wissenschaftlern zum Teil heftig diskutiert. Es geht inbesondere um die Möglichkeit, dass bei einem erhöhten Wert mit nachfolgender Biopsie ein Prostatakarzinom entdeckt und behandelt wird, das ansonsten vielleicht gar nicht zum Tode des Betroffenen geführt hätte. Grund für die Diskussion sind zahlreiche, schwierig zu interpretierende Studienergebnisse. Und es kommen ständig neue hinzu. Deshalb wird vor der PSA-Bestimmung eine umfassende Aufklärung durch den Arzt empfohlen. Und an dieser Stelle sei auf weiterführende Informationen verwiesen.

PSA-Bestimmung bei Erkrankung an Prostatakarzinom

Liegt ein Prostatakarzinom vor, trägt die PSA-Bestimmung zur Planung von Zusatzuntersuchungen und Behandlungsmethoden bei, außerdem dient sie zur Verlaufskontrolle (Näheres hierzu siehe Untersuchung bei Prostatakarzinom, Behandlung des Prostatakarzinoms und Nachsorge nach Prostatakarzinom).

Weitere Informationen
   
Weiterführende wissenschaftliche Informationen finden sich in der aktuellen Leitlinie "PSA-Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnostik (Früherkennung des Prostatakarzinoms)", von der es eine Kurzfassung und eine Vollversion gibt. Beide sind Bestandteil der Leitlinien der Deutschen Urologen bei der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) und dort zugänglich über das Menü "Leitlinien nach Fächern" und dann das Fachgebiet "Urologie".
   
Prostata-Krebs - Viel häufiger als man denkt.
Ein Leitfaden von P. Fornara, H. Rübben, L. Weißbach, M. Wirth und J. M. Wolff in Zusammenarbeit mit dem BPS (Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V.). Thema der Broschüre ist die Früherkennungsuntersuchung, insbesondere der Wert des PSA-Tests in der Diagnostik von Prostatakrebs. Weiter ...


In der Rubrik "Magazin" finden Sie folgende Artikel zum Thema PSA:
   
M. Wirth: Prostatakrebs-Früherkennung. Die Kernpunkte der Leitlinie zur Prostatakrebs-Früherkennung. Weiter ...http://www.prostata.de/m_pk_frueherkennung.html
   
Luboldt: PSA - einzige effiziente Diagnostik in der Prostatakarzinom-Früherkennung. Weiter ...http://www.prostata.de/m_psa_diagnostik.html

   
PSA-Anstieg nach radikaler Prostatektomie. Weiter ...http://www.prostata.de/m_psa_anstieg.html
   
BDU: Krebstest nur in die Hand von Ärzten. Thema sind Streifen-Schnelltests. Weiter ...http://www.prostata.de/m_aerzte_krebstest.html
   
Ch. Weymayr und K. Koch: Pro & Contra: Was bringt der PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakrebs? Weiter ...http://www.prostata.de/m_psa_test_erkennung.html


Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 16.06.2005


http://www.prostata.de/psa_bestimmung.html

   





Richi

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Die Meinungen zum PSA-Test sind gespalten. Die eine Strömung versucht mit vielfältigen Kampagnen, immer mehr Männer dazu zu bewegen, ihren PSA-Wert bestimmen zu lassen. Und diese Botschaft haben viele Männer bereits verinnerlicht.

Vor allem in den USA erfreut sich der Test steigender Beliebtheit, aber auch in Europa wächst der Druck auf die Krankenkassen, den PSA-Test als Instrument zur Früherkennung des Prostatakrebs zuzulassen. Doch dieser Welle läuft eine zweite Strömung entgegen: Früherkennung ist kein Selbstzweck mit dem Ziel möglichst viele Tumore zu finden, sondern sie soll die Heilungschancen verbessern. Bislang ist aber unbewiesen, ob der PSA-Test wirklich das Risiko eines Mannes verringert, an einem Prostatakrebs zu sterben. Fest steht hingegen, dass der Test eine Reihe von Tumoren entdeckt, die ohne Früherkennung nie aufgefallen, also ungefährlich geblieben wären. Wegen dieses Potentials, Schaden durch sogenannte Überdiagnosen zu erzeugen, fordern viele Experten bis auf Weiteres einen sehr zurückhaltenden Umgang mit dem Test.

Was weist der Test nach?

Der PSA-Test, der von etlichen Firmen angeboten wird, misst die Konzentration des so genannten Prostata-spezifischen Antigens im Blut. Das Eiweiß ist Bestandteil der Samenflüssigkeit, geringe Mengen gelangen aber immer auch ins Blut. Bei bösartigen Zellveränderungen in der Prostata kann es zu einem Anstieg des PSA-Spiegels im Blut kommen, daher gilt die Regel: viel PSA, erhöhtes Tumorrisiko. Die meisten Empfehlungen sehen 4 Nanogramm (Milliardstel Gramm) PSA pro Milliliter Blut als Grenzwert an, ab dem der Arzt besorgt sein sollte. Doch der Grenzwert gibt keine Sicherheit: Einerseits erzeugt jeder vierte bis fünfte schnell wachsende Prostatakrebs so wenig PSA, dass der Wert lange unter 4 ng/ml bleibt. Andererseits gibt es viele andere gutartige Ursachen für erhöhte PSA-Werte: Vier von fünf Männern mit PSA-Werten zwischen 4 und 10 ng/ml haben in Wirklichkeit gar keinen Tumor. Ob ein Tumor die Ursache der PSA-Erhöhung ist, lässt sich also erst nach einer Gewebeentnahme (Biopsie) beurteilen.

Was ist der Nutzen des PSA-Tests?

Bislang lässt sich nicht sicher sagen, ob die PSA-Früherkennung tatsächlich Menschenleben rettet. Die meisten Experten warten mit Spannung auf die Ergebnisse zweier großer internationaler Studien, die in den nächsten zwei bis fünf Jahren die Frage beantworten sollen, ob - und wenn ja, wie deutlich - der PSA-Test die Zahl der Prostatakrebs-Toten verringern kann. Bislang gibt es nur widersprüchliche Studien, die mal für, mal gegen den PSA-Test sprechen. Für den Test scheint zu sprechen, dass in den USA wenige Jahre nach der breiten Anwendung der PSA-Früherkennung Ende der 80er Jahre die Zahl der Todesfälle kontinuierlich zu sinken begann - seit 1993 immerhin um 20 Prozent. Auf den ersten Blick liegt es nahe, den Rückgang der Sterblichkeit dem PSA-Test zuzuschreiben. Auffällig ist aber, dass beispielsweise in England, wo der PSA-Test wesentlich weniger verbreitet war, die Sterblichkeit ebenso deutlich gesunken ist. Das spricht dafür, dass andere Faktoren - zum Beispiel Änderungen in der Therapie - die Ursache für den Rückgang sind.

Welchen Schaden richtet der PSA-Test an?

Der Schwellenwert des PSA-Tests liegt mit 4 ng/ml relativ niedrig, weil der Test möglichst wenige Tumore übersehen soll. Die Folge ist aber eine große Zahl "falsch-positiver" Befunde, bei denen die Erhöhung andere Ursachen hat. Ob hinter einem erhöhter PSA-Wert ein Tumor steckt, lässt sich meist erst nach der Entnahme von Gewebeproben aus der Prostata sagen: Bei einem Schwellenwert von 4 ng/ml werden durch Biopsien bei 100 Männern etwa 20 Tumore gefunden, das heißt der Verdacht war in 80 von 100 Fällen falsch.
Wenn ein Tumor gefunden wird, dann hängt es von den Details ab, ob und wie er behandelt wird. Doch in der Regel kommt es zu einer "Prostatektomie", einer Operation, bei der die Vorsteherdrüse komplett entfernt wird. Doch nicht jede Operation wäre wirklich nötig. Das Dilemma des Prostatakarzinoms ist, dass es zumindest zwei Gruppen von Tumoren gibt. Eine verursacht frühzeitig Symptome und wächst aggressiv - darunter fallen jene Tumoren, die Männer relativ jung töten. Die zweite Karzinomgruppe hingegen wächst sehr langsam, und diese "harmlosere" Variante ist extrem häufig: Nach verschiedenen Studien hat die Hälfte bis zwei Drittel der Männer zwischen 60 und 70 Jahren diesen Tumortyp. Das ist aber keine schlechte Nachricht: Die Besonderheit ist, dass diese Karzinome für die meisten Männer nie zu einem Problem werden, weil sie an etwas anderem sterben, bevor der Tumor entdeckt wird oder Symptome entwickelt. Doch das ändert sich, wenn man einen PSA-Test anwendet. Experten gehen davon aus, dass möglicherweise sogar die Mehrzahl der durch den PSA-Test entdeckten Karzinome solche sind, von denen die Männer ohne Früherkennung nie erfahren hätten.
Und diese Diagnosen sind ein echter Schaden. Weil es bis heute keine Möglichkeit gibt, dass Verhalten eines Krebs vorherzusagen, werden die meisten Männer aggressiv therapiert: Diese mit Komplikationen verbundenen Operationen, Bestrahlungen und Hormonbehandlungen an nicht lebensbedrohlichen Tumoren sind das größte Folgeproblem der PSA-Früherkennung und machen die Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test zu einer heiklen Entscheidung. Sollte der Test seine Aufgabe erfüllen, dann würde er auf der einen Seite Männer vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahren. Doch auf der anderen Seite bezahlen andere, eigentlich völlig gesunde Männer für diese Chance einen erheblichen Preis: Sie büßen ihre Gesundheit ein ohne einen Nutzen zu haben.

Meinungsverschiedenheiten auch unter Experten

Die Unsicherheit über die Nutzen-und-Schadens-Bilanz der PSA-Früherkennung spaltet auch die Fachwelt. Die im Oktober 2002 veröffentlichte Leitlinie deuscher Urologen empfiehlt einen jährlichen PSA-Test "nach sorgfältiger Information über Nutzen und Risiko" für Patienten zwischen 50 und 75 Jahren, die den Wunsch zur Prostata-Früherkennung äußern. Eine Stellungnahme des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin kommt hingegen zu der Empfehlung, "beim Angebot dieser Screening-Maßnahme große Zurückhaltung zu üben." Die angesehene "US-Task-Force for Preventive Medicine" hat sich im Dezember 2002 die Datenlage zum PSA-Test noch einmal gründlich angesehen und kommt zu der Schlussfolgerung, dass sie den PSA-Test aufgrund mangelnder Daten weder empfehlen, noch ablehnen kann. Die Männer müssten aber unbedingt über den fehlenden Nachweis eines Nutzens und über die möglichen Schäden aufgeklärt werden.

Dieser Text basiert auf dem Buch:
Christian Weymayr und Klaus Koch, Mythos Krebsvorsorge - Schaden und Nutzen der Krebsfrüherkennung, Eichborn Verlag, 2003
   
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Eine Langfassung und weitere Informationen zur Krebs-Früherkennung finden Sie hier: www.mythos-krebsvorsorge.de/texte/texte_psa.htm

Weitere aktuelle Informationen zum PSA-Test

Klaus Koch, PSA-Test und Prostatakarzinom: Ein Beispiel für das Dilemma der Früherkennung
Bei der Bewertung des PSA-Tests sind wissenschaftliche Fakten, Hoffnungen von Patienten und Ärzten und kommerzielle Interessen miteinander verwoben.
Deutsches Ärzteblatt 100, Ausgabe 39 vom 26.09.2003, Seite A-2486
www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp

Klaus Koch, Tumortests - nur blinder Aktivismus?
Der Bundesrat hat die Regierung aufgefordert, Bluttests zur Früherkennung von Prostatakrebs von den Kassen bezahlen zu lassen. Interview mit Nikolaus Becker, vom Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg
SZ, Dienstag, 25. März 2003, Deutschland Seite V2/12
www.evibase.de/texte/sz/texte/tumortests.htm

Klaus Koch, Nicht die ganze Wahrheit
Kampagnen zur Früherkennung von Prostatakrebs zeichnen ein Bild, das nicht dem Stand des Wissens entspricht
SZ, Dienstag, 17. Dezember 2002, Deutschland Seite 18
www.evibase.de/texte/sz/texte/nicht_die_ganze_wahrheit.htm

Edi

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Neue Leitlinien zum prostataspezifischen Antigen (PSA)?
« Antwort #2 am: 02. Juli 2008, 08:59 »
01/07/08

In Leitlinien zum prostataspezifischen Antigen wird wahrscheinlich ein Screening ab 40 Jahren empfohlen

ORLANDO – Ein basales Screening des prostataspezifischen Antigens für Männer ab 40, Ersatz eines spezifischen PSA-Cutoff-Werts durch „ein Kontinuum der Risikobewertung” und eine neue Betonung der Verfolgung von PSA-Veränderungen mit der Zeit gehören zu den möglichen Aktualisierungen von Leitlinien, die in Kürze von der American Urological Association erwartet werden.

Auslöser für das 2008-Update der PSA Best Practice Guideline der American Urological Association (AUA) sind Fortschritte im Verständnis der Beziehung zwischen PSA-Spiegeln und Prostatakarzinomrisiko. Das Update lag zwar noch nicht in finaler Form vor, Dr. Kristen L. Greene gab auf der Jahrestagung der American Urological Association jedoch schon einmal einen Ausblick auf wahrscheinliche Veränderungen.

Derzeitige Empfehlung laut den bestehenden Leitlinien, die zuletzt 2000 aktualisiert wurden, ist, im Alter von 50 Jahren mit dem Screening zu beginnen. „Wir denken nun über ein Screening ab 40 nach“, sagte Dr. Greene.

Die Leitlinien von 2000 empfahlen, afroamerikanische Männer aufgrund ihres höheren Risikos schon im jüngeren Alter zu screenen. Die Autoren des Updates erstellten nun eine Tabelle, die Ärzten bei der Betreuung ihrer Patienten mit höherem Risiko – basierend auf Faktoren wie ethnischer Zugehörigkeit oder Alter – helfen soll.

Zudem deuten in der Literatur bis 2007 publizierte Studien darauf hin, dass die Prostatadichte eine größere Rolle bei der Diagnose spielen könnte als das Prostatavolumen, und dies werde sich in den Leitlinien wahrscheinlich ebenfalls widerspiegeln, sagte Dr. Greene, die an der Fakultät für Urologie an der University of California in San Francisco tätig ist.

Der in den Leitlinien von 2000 zitierte Cutoff-PSA-Wert von 4 ng/ml könnten zugunsten eines „Kontinuums des Risikos ohne sicheren oder normalen PSA-Wert“ verlassen werden, sagte Dr. Greene. „Die AUA wird vermutlich die Berücksichtigung vieler Faktoren und nicht nur eines Grenzwertes empfehlen.“

Das Komitee empfiehlt möglicherweise auch, dass Ärzte nicht nur die PSA-Veränderungen über die Zeit, sondern auch die Geschwindigkeit dieser Veränderungen nachverfolgen – basierend auf der Annahme, dass das Verhalten von PSA ein besserer Indikator des Risikos ist als ein fester Cutoff-Wert, sagte sie.

„Wie die meisten Leitliniengremien werden wir wahrscheinlich empfehlen, Männer mit weniger als zehn Jahren verbleibender Lebenszeit nicht zu screenen“, bemerkte Dr. Greene.

Die Mortalität durch Prostatakrebs hat seit der Einführung des PSA-Screenings abgenommen. Auch wenn solch ein Screening die Entdeckung frühere Stadien der Krankheit erleichtert, „bleibt das PSA-Screening extrem kontrovers. Kritiker führen an, dass die Überdiagnose zu einer Überbehandlung indolenter Erkrankungen führt“, sagte sie.

„Es gibt keine Evidenz vom Level 1 für das PSA-Screening“, sagte Dr. Greene. „Zwei laufende Studien werden sich damit befassen. Bis dahin basieren die Leitlinien auf der verfügbaren Evidenz.“

Das Leitlinienkomitee der AUA sichtete alle Artikel zu PSA in der Literatur von 1999 bis 2007 und wählte die relevantesten Artikel aus. „Sie befinden sich noch im Peer-Review-Verfahren und sind noch nicht bestätigt. Ich kann die letztendlichen Leitlinien zu diesem Zeitpunkt noch nicht diskutieren“, sagte sie. „Bleiben Sie dran. Die Leitlinien kommen bald.“

http://www.univadis.de/medical_and_more/de_DE_News_Article_Medical?profileAOI=9&profileAOIName=Nephrologie/Urologie&articleItemId=fb7832cd335668c0661d15bab22e2451



Werner

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PSA-Test ja oder nein?
« Antwort #3 am: 04. August 2008, 13:30 »

Interaktiv zur Entscheidung

01.08.08 -

Erhöhte PSA-Werte sind längst nicht gleichbedeutend mit Krebs,
andererseits weist jeder fünfte Patient mit Prostatakrebs Normalwerte auf.
Soll man sich unter diesen Umständen auf den Test einlassen? Eine neue interaktive Website erleichtert die Entscheidung enorm.

Ob der PSA-Test im Einzelfall sinnvoll ist, wird hauptsächlich durch persönliche Einschätzungen bestimmt. Erschwert wird die Entscheidung dadurch, dass angesichts der vielen unterschiedlichen Aspekte und Argumente der Überblick leicht verloren geht. Die neue Website psa-entscheidungshilfe.de hilft, alle Gesichtspunkte zusammenzutragen und zu einer Gesamtbewertung zu vereinen.

Initiiert wurde die Website vom AOK-Bundesverband, dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Universität Bremen. "Viele Männer sind sich gar nicht bewusst, dass ein erhöhter PSA-Wert nur bedingt auf Krebs hinweist: Wer beispielsweise an den Tagen vor dem Test Fahrrad fährt, hat wahrscheinlich einen erhöhten Wert", erklärt Dr. Bernhard Egger, der Leiter des Stabsbereichs Medizin im AOK-Bundesverband.

Nur in knapp einem Drittel aller Fälle mit erhöhten Werten liegt wirklich Prostatakrebs vor. Umgekehrt geht jeder fünfte Prostatakrebs mit unauffälligem PSA einher.

Grafik sammelt Pros und Kontras

Die Website liefert Informationen zum PSA-Test, zu Prostatakrebs allgemein und zum Thema der individuellen Entscheidung. Erfahrungsberichte von Betroffenen, Informationen über Früherkennung im Ausland und Grafiken zu den Risiken und Nebenwirkungen runden den Auftritt ab.

Am Ende jeden Abschnitts können die User eingeben, wie sie die Informationen bewerten. Alle Bewertungen fließen in eine Grafik ein, die Pros und Kontras übersichtlich darstellt. Patienten können anhand der verständlichen, seriösen Informationen eine fundierte Entscheidung fällen für oder gegen den PSA-Test fällen.

www.psa-entscheidungshilfe.de


me / Quelle: DKFZ

Josef

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Täuschen niedrige PSA-Werte nur Sicherheit vor?
« Antwort #4 am: 09. September 2008, 00:23 »

Schmerzmittel senken PSA-Wert

08.09.08 - Die regelmäßige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) senkt die PSA-Konzentration im Blut um rund zehn Prozent. Ob die Schmerzmittel damit auch das Risiko eines Prostatakarzinoms senken oder eher dessen Diagnose erschweren, ist noch ungeklärt.

Ein Forscherteam um Dr. Eric Singer von der University of Rochester (US-Bundesstaat New York) hatte die Daten von 1.319 Männern aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) ausgewertet. Das Alter der Studienteilnehmer lag bei 40 Jahren und älter.

Männer, die regelmäßig nichtsteroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen einnahmen, wiesen durchschnittlich etwa zehn Prozent niedrigere PSA-Werte auf.

Ob die durch die Medikation verringerte PSA-Konzentration das wahre Tumorrisiko verschleiere oder ob Männer bei der Einnahme von NSAR wirklich seltener an Prostatakarzinomen erkranken, könne die Studie nicht beantworten, stellt Singer fest. Dazu seien weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen nötig.

Die Studie erscheint in der Oktober-Ausgabe von "Cancer".

http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_urologie_prostata_prostatakarzinom_122087876515.htm

fs / University of Rochester / American Cancer Society / CANCER (DOI: 10.1002/cncr.23806)

Alle Artikel zum Stichwort:
Prostatakarzinom
Schmerzmittel
PSA
NSAR
Antirheumatika

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Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Josef

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Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #5 am: 21. Oktober 2008, 11:59 »

"Als einen interessanten Beitrag sehe ich dazu:


Es ist sehr empfehlenswert, darauf zu achten, daß alle PSA-Messungen im gleichen Labor gemacht werden und daß das Labor bei Nennung der Meßwerte dem Arzt auch die Art des Meßverfahrens bekanntgibt (Hybritech, Abbott u.a.). Grund ist, daß es rund 70 verschiedene Verfahren und, anders als bei vielen Verfahren, keine DIN-Normung dafür gibt. Zwar haben die Hersteller gewisse Übereinkommen und Referenzwerte getroffen, es gibt aber Unterschiede zwischen den Verfahren. Hierzu kommt, daß jedes benutzte Verfahren seine eigenen Toleranzwerte hat, die sich ggf. mit anderen Werten addieren können.

Ich selbst lasse meine PSA-Werte seit 1999 stets im gleichen Labor und im gleichen Meßgerät messen. Dabei rechne ich bei der Beurteilung der Veränderung mit Toleranzwerten von +/- 10% um den Meßwert, wobei dies eher ein niedriger Wert ist.

Im übrigen sind für die Aggressivität eines PCa nicht ein oder zwei einzelne Meßwerte aussagekräftig, sondern eigentlich nur die PSA-Verdopplungszeit (gemssen über mindestens 3 Werte), eine Biopsie und ggf. andere moderne Verfahren.

Nachstehend ein Auszug aus einer Veröffentlichung von Prof. Axel Semjonow, Prostatazentrum Münster."

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Ergebnisse von PSA-Meßverfahren differieren bei gleichen Blutprobenfficeffice" />

Bereits vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler der Universität Münster und der Berliner Charité bei den gebräuchlichen PSA-Meßverfahren erhebliche Unterschiede in dem PSA-Werten aus der gleichen Blutprobe festgestellt. Jetzt – nach mehreren Jahren - haben andere Wissenschaftler der Charité von 314 Patienten mit Prostatakrebs und von 282 krebsfreien Patienten Blutproben entnommen und in verschiedenen Laboren und mit unterschiedlichen Meßsystemen auf den PSA-Wert messen lassen. Die Studie zeigt nach Meinung des Projektleiters Dr.Carsten Stephan hochsignifikante Unterschiede zwischen dem Total-PSA und besonders zum Prozentgehalt von f/t-PSA sogar innerhalb von Prüfsystemen (assays) nach dem WHO-Standard (Welt-Gesundheitsorganisation). Es wurden die t-PSA-Werte von 0,05 – 10 ng/ml mit den vielfach gebräuchlichen kommerziellen Meßgeräten von Abbott (AxSYM), Beckman Coulter (Access), DPC (Immulite 2000) und Roche (Elecsys) gemessen. Die Geräte hatten eine Empfindlichkeit von 90% bei der Krebs-Detektion, die PSA-Bereiche bei den verschiedenen Meßsystemen variierten aber zwischen 2,5 und 3,1 ng/ml. Das freie PSA wurde berechnet aus tPSA minus cPSA. Es wurde festgestellt, daß eine bessere „Harmonisierung„ der PSA-Ergebnisse zwischen den verschiedenen Meßsystemen notwendig sei. Dies sei eine essentielle Voraussetzung für bestimmte Indikatoren, die für eine Biopsie benötigt werden.

Solange zu den meisten, auf dem Markt befindlichen, PSA-Bestimmungsverfahren keine ausreichend validierten Referenzbereiche bekannt sind, sollten Sie von Ihrem Labor die folgenden Informationen einholen, um eine Schädigung des Patienten und unnötige Folgekosten möglichst zu vermeiden:

· den Namen des benutzten Bestimmungsverfahrens (diese Angabe muß auf jedem Laborbericht genannt werden, damit zumindest ein Wechsel des Bestimmungsverfahrens für Sie erkennbar wird (s. Abb. §1).
· den für dieses Verfahren vom Labor oder Hersteller ermittelten Referenzbereich unter Angabe von: Anzahl, Geschlecht und Alter der untersuchten Probanden, sowie dem Anteil an Männern mit benigner Prostatahyperplasie oder unbehandeltem Prostatakarzinom.
· die biologische untere Nachweisgrenze des Verfahrens, sie wird ermittelt als Mittelwert von mindestens 20 Messungen weiblicher Seren in einem Untersuchungsgang (intra-Assay) zuzüglich 3 Standardabweichungen. Existieren nur Informationen über die analytische untere Nachweisgrenze des Verfahrens (ermittelt als Mittelwert von mindestens 20 Messungen des 0-Standards eines Testverfahrens zuzüglich 3 Standardabweichungen) sollte diese untere Nachweisgrenze nicht unkritisch bei Männern nach radikaler Prostatektomie zur Diagnose eines serologischen Rezidives benutzt werden (s. Abb. §2).
· das Verhältnis, in dem durch das Verfahren freies und komplexiertes PSA erkannt wird.

4.2.10 Schlußfolgerungen

PSA kann die rektale Palpation und die Prostatabiopsie nicht ersetzen, es steigert jedoch die Sensitivität der Diagnostik. Die Effizienz des Einsatzes aufwendiger und für den Patienten belastender Verfahren kann durch PSA erhöht werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Interpretation von PSA-Konzentrationen unter Kenntnis der benutzten Bestimmungsmethode und des, zu dieser Methode gehörenden, Referenzbereiches. Die unkritische Übernahme des etablierten Referenzbereiches von < 4,0 ng/ml für beliebige PSA-Bestimmungsverfahren kann neben überflüssigen, kostenintensiven und den Patienten belastenden Untersuchungen zu übersehenen Prostatakarzinomen führen und somit den Wert des PSA in der Diagnose und Therapiekontrolle unnötigerweise schmälern.
Seit der Einführung der separaten Bestimmung von f-PSA ist das Angebot an Bestimmungsverfahren weiter gewachsen. Einige Anbieter, die Testverfahren für f-PSA produzieren, deren t-PSA-Testverfahren aber nicht äquimolar messen, haben ihre t-PSA-Testverfahren geändert. Nicht alle dieser Änderungen resultierten in äquimolar messenden Testverfahren, eine Änderung der Kalibrierung ist jedoch häufig. In Abwesenheit einer effizienten Standardisierung von Testverfahren zur Bestimmung des PSA ist es dringend zu raten, daß jeder, der an Hand vorliegender PSA Konzentrationen klinische Konsequenzen zieht, möglichst genaue Informationen über den Referenzbereich des benutzten Testverfahrens einholt. Die Verantwortung für die Bereitstellung solcher Angaben liegt beim Hersteller des Testverfahrens, nicht beim Labor, das das Testverfahren einsetzt
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
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Josef

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Ich erinnere an den vorigen Beitrag:

"Dabei rechne ich bei der Beurteilung der Veränderung mit Toleranzwerten von +/- 10% um den Meßwert, wobei dies eher ein niedriger Wert ist."

Das ist natürlich "stark", denn ob ich 8,6 oder 7,8 PSA habe, ist sehr wesentlich, z. B. für die Verlaufskontrolle, alle 3 Monate oder alle 6 Monate.

----------------------------------------------------------


Weitere Beiträge dort informieren über:

............ sicherlich meinst Du diese Dissertation

"Analytische und klinische Validierung der fünf meistbenutzten Testkombinationen zur Bestimmung des totalen und freien prostata-spezifischen Antigens: Vergleichsmessungen an 798 Seren von Patienten mit Prostatakarzinom und benigner Prostatahyperplasie zur Erlangung des akademischen Grades:
88 Seiten unter http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000002586/0_Diss_Klaas.pdf?hosts=

Doctor medicinae (Dr. med.) vorgelegt der Medizinischen Fakultät

Charité – Universitätsmedizin Berlin

von Moritz Klaas"

-----------------------------------------------------------------------------------


Zitat:
Geht die normale Untersuchung denn nicht über das einfache PSA hinaus?


Bei manchen Ärzten lässt die Flexibilität zu wünschen übrig!

Hätte doch der Urologe einfach mal einen Test gemacht ob die Prostata entzündet ist oder einen Virus trägt, ist das Eine!

Aber, wenn nicht, dann könnte doch was dran sein wenn der PSA-Wert in 10 Wochen (s.o.) um 0,7 ng/ml steigt. Das 
ergibt bei der PSA-VZ Ermittlung gleich 11,6 Monate!
Siehe: http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/psavz.html

Dein Mann ist 55 Jahre alt und da dürfte in dieser Zeit die Anstiegsgeschwindigkeit keinesfalls 0,7 ng/ml betragen nicht einmal in einem Jahr! Die meisten Urologen gehen immer noch von < 4 ng/ml aus und meinen, das liegt zwar an der Grenze, aber da ist bestimmt nichts?
« Letzte Änderung: 21. Oktober 2008, 12:08 von Josef »
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Richi

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Statin-Therapie senkt den PSA-Wert
« Antwort #7 am: 03. November 2008, 16:16 »
Ärzte Zeitung, 31.10.2008

DURHAM (mut). In einer Studie haben US-Forscher die PSA-Werte von über 1200 Männern analysiert. Dabei sank der Wert nach Beginn einer Statintherapie im Schnitt um vier Prozent.

Unklar ist, ob damit auch das Krebsrisiko sinkt oder ob durch die Therapie Tumoren maskiert werden, heißt es im aktuellen "Journal of the National Cancer Institute".

Dietmar E.

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Ob bei einem Wert von 2, oder 4, oder 6 oder 8 "Feuer am Dach" ist, wichtig ist auch der Verlauf,
also die Erhöhung bei der regelmäßigen PSA-Messung (mit fPSA).


Und was ist sonst noch wichtig vor einer Messung:


1) 5 Tage vorher
keinen Geschlechtsverkehr,
2) kein Radfahren,
3) keinen "Leistungs"sport
4) kein ASS / Aspro (siehe unten), und
5) taggleich und am Tag davor immer in etwa gleich viel Tagesflüssegkeit zu sich nehmen
5a) Ein harter Stuhl, voller Darm, drückt auf die Prostata - diese schüttet dan vermehrt PSA aus.
6) keine Prostata-Abtastung
und das WICHTIGSTE
7) immer das gleiche Labor wählen!

Und wenn du mehr dazu wissen willst, siehe Anlage, hier ganz unten, wenn du angemeldet bist.



21.11.08.
ASS senkt PSA-Wert und damit: Einnahme verändert Resultat der Prostatakrebs-Vorsorge
Washington (AP) Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) senken den Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) und verändern so das Resultat des Tests zur Krebsvorsorge. Untersuchungen an mehr als 1.200 Männern zeigen, dass ASS den Wert, der auf Veränderungen der Prostata hindeutet, um durchschnittlich neun Prozent senkt. Noch stärker reduziert war er bei jenen Teilnehmern, bei denen die Forscher der Vanderbilt Universität in Nashville tatsächlich ein Prostatakarzinom feststellten.
Unklar ist die Interpretation des Resultates: Die Senkung des Wertes könnte bedeuten, dass NSAIDs vor Prostatakrebs schützen. Diese Vermutung, auf die schon frühere Studien hingedeutet haben, könnte aber auch lediglich darauf beruhen, dass Erkrankungen wegen des geringeren PSA-Wertes unerkannt bleiben. Dies müsse nun geklärt werden, sagte Studienleiter Jay Fowke auf einem Krebsforscher-Kongress in Washington. Fast die Hälfte der Untersuchungsteilnehmer nahm NSAID-Präparate ein. Erst kürzlich hatte eine Studie gezeigt, dass auch Cholesterinsenker den PSA-Wert verringern.
« Letzte Änderung: 04. Juni 2009, 10:08 von admin »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

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Prostatakrebs-Früherkennung mit PSA-Test: Viele Fehldiagnosen
« Antwort #9 am: 10. Januar 2009, 11:58 »

Die deutsche Stiftung Warentest hat mehrere Studien über die Prostatakrebs-Früherkennung durch den PSA-Test ausgewertet. Demnach gebe es bei diesem Test das Risiko falscher Einschätzungen und Übertherapien.

Von tausend untersuchten Männern werden laut Studienauswertung im Schnitt 190 positiv getestet. 150 Fälle davon hätten sich jedoch als Fehlalarm herausgestellt. Erst Tastuntersuchungen, Ultraschall und Gewebeentnahme würden Sicherheit geben. So kämen nach einem positiven PSA-Test neben beträchtlichen psychischen Belastungen auch weitere Untersuchungen hinzu.

Doch auch Fehldiagnosen in die andere Richtung sind laut Stiftung Warentest beim PSA-Test nicht ausgeschlossen: Bei zehn der tausend Männer wurde der Krebs übersehen. In insgesamt 40 Fällen war die Diagnose durch die PSA-Früherkennung richtig und ein Tumor wurde entdeckt.
   
Der PSA-Test
Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern. Besonders die Generation über 60 Jahre ist durch ihn betroffen.
Der PSA-Test misst ein in der Prostata gebildetes Eiweiß (Prostata-spezifisches Antigen), das im Blut nachgewiesen und als Indikator für Krebs herangezogen wird.
Der PSA-Test kann einen Tumor schon in frühem Stadium aufspüren, wenn die Chancen auf Heilung noch sehr hoch sind.
   
Risiken-Nutzen-Abwägung
Wegen der häufigen Fehl- und Überdiagnosen sei der Nutzwert des Tests allerdings durchaus umstritten.

Die Stiftung Warentest bewertet nach ihrer Untersuchung jedenfalls die Risiken des Tests höher als seinen Nutzen. Der Test selbst sei harmlos, seine oft falschen oder nicht eindeutigen Befunde könnten jedoch zu unnötigen psychischen und physischen Belastungen führen.

So sei der Test ist in vielen Fällen überflüssig und belastend. Er könne aber im Ernstfall auch das Leben retten.
   
Neue Webseite hilft bei der Entscheidung
Das Deutsche Krebsforschungszentrum, der AOK-Bundesverband und die Universität Bremen wollen jetzt mit einer neuen Informationsplattform umfassend über die Themen Prostatakrebs und die Früherkennung durch den PSA-Test informieren.

Neben allgemeinen Informationen gibt es dort auch die Möglichkeit seine persönliche Einschätzung zu pro und contra des PSA-Tests zu ergründen.

www.krebsinformationsdienst.de

http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/index.php

http://www.krebsinformation.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php

http://www.leben-mit-prostatakrebs.de/prostatakrebs/prostatakrebs/psa-marker/content-126307.html

http://www.prostatakrebs-selbsthilfe.net/html/psa.html

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Carola-Elke

Heribert

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #10 am: 10. Januar 2009, 23:58 »
Diese Aussage der Stiftung Warentest möchte ich nicht unkommentiert hier stehen lassen:
Zitat
Der PSA-Test
Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern. Besonders die Generation über 60 Jahre ist durch ihn betroffen.
Der PSA-Test misst ein in der Prostata gebildetes Eiweiß (Prostata-spezifisches Antigen), das im Blut nachgewiesen und als Indikator für Krebs herangezogen wird.
Der PSA-Test kann einen Tumor schon in frühem Stadium aufspüren, wenn die Chancen auf Heilung noch sehr hoch sind.
Der PSA-Test ist kein Krebsmarker und kann deshalb auch nicht als Indikator für Krebs herangezogen werden. Als Marker für veränderte Stoffwechselvorgänge, kann er sehr wohl angesehen werden. Er verändert sich also bei entzündlichen, benignen und malignen Veränderungen in der Prostata.
Gruß Heribert

Geri

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #11 am: 11. Januar 2009, 13:11 »
Hallo Heribert, komisch, dass dies dann so interpretiert wird, von einer "seriösen" Konsumentenorganisation, oder?
Stimmt es, dass überhaupt nur das PSA (Prostatakrebs) und der NMP22 (Blasenkrebs) von der amerikanischen FAD als Tumormarker anerkannt wurde? Aner dann wäre es doch ein "Indikator für Krebs", was du bemängelst.
Gruß Geri

Heribert

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #12 am: 12. Januar 2009, 00:13 »
Hallo Geri,

mein Einwand ist im Zusammenhang mit dem Artikel "Der PSA-Test" als Früherkennung zu sehen. Solange die Prostata noch nicht entfernt wurde, wird durch die Zellen der Prostata das PSA produziert und in die Blutbahn abgegeben.

Wenn aber die Prostata nach einem Krebs total entfernt wurde, ist ein PSA nicht mehr nachweisbar. Und nur dann wird das PSA krebsspezifisch. Also immer dann, wenn eigentlich kein Prostatagewebe mehr da sein sollte, welches PSA produziert.

Selbst nach Total-OP kann nicht mit absoluter Sicherheit bei sehr geringen PSA-Werten davon ausgegangen werden, dass es sich um PSA-Produzierende Tumorreste handelt. Besonders nach nervschonenden OPs können gesunde Reste an Schnitträndern noch PSA produzieren. Hier deutet erst der Anstiegsverlauf auf einen Resttumor, ein Rezidiv oder eine systemische Erkrankung hin.

Gruß Heribert

Geri

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Das PSA - Prostata Spezifische Antigen, der unsichere Tumormarker
« Antwort #13 am: 12. Januar 2009, 01:11 »
Hallo Heribert, ich dachte bisher:

Das PSA (ProstataSpezifischesAntigen) beim Mann wird "von Geburt an" produziert, die Menge ist (meist) altersabhängig.
Das PSA kann nur durch die Zellen der Prostata produziert werden und durch kein anderes Organ.
Das PSA entsteht, egal ob die Zellen benign (gesund) oder malign ("krebsig") sind.
Der PSA-Wert kann hoch oder nieder sein, unabhängig ob Krebs oder kein Krebs.

Wird die Prostata total entfernt, kann doch kein PSA mehr entstehen. Nun sprichst du von "Schnitträndern",
also "Anschlüsse", wo die Prostata gewesen ist, oder?
Wird dort zu wenig "sauber" operiert, entfernt, bleibt also Prostatagewebe drinnen, können die verbliebenen
Prostatazellen sich wieder verbinden, wachsen, PSA abgeben, oder?
Oder geschieht sogar:
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,410.msg5663.html#msg5663

Ein ansteigender PSA nach einer Totaloperation muss also nicht heißen, dass diese im Körper verbliebenen
Prostatazellen "krebsig" sind, denn gesundes Prostatagewebe erzeugt doch auch PSA, oder?
Trotzdem wird dann bestrahlt! Ist das ein Denkfehler von mir, oder ein Kunstfehler beim Arzt?

Wie versichert sich der Arzt, dass das leider im Körper verbliebene Gewebe "krebsig" ist und bestrahlt gehört? Auch
bei einer BPH, also gutartigen Prostatavergrößerung, steigt das PSA meistens.

Die Beachtung (Verdoppelung) des PSA-Anstieges in einer gewissen Zeit sei wichtig, o.k.! Wie groß, in mm,
ist da das Gewebe, dass es bildgebend wahrgenommen, als malign manifestiert (geht das überhaupt?) und
bestrahlt werden kann?

Nachdem die Bestrahlung oft kurz nach der Prostatektomie erfolgt, wieso wird nicht
gründlicher heraus operiert? Ist der Grund der, dass (möglichst) Nerven erhaltend operiert wird,
ansonsten Inkontinenz (Impotenz) droht? Wird lieber das Risiko in Kauf genommen, dass nicht alles
entfernt wurde und noch Bestrahlung (und Chemo?) erfolgen muss?

Wäre da eine Kombi Operation/Laser nicht besser, oder kann man man mit dem Laser die
Nervenbahnen auch nicht besser schonen.

In Summe bin ich geneigt zu sagen: ein unbekannter Teufelskreis, obwohl das Rundherum um das PSA nur die Größe
eines Stecknadelkopfes hat, bezüglich der umfangreichen Materie Prostatakrebs, speziell dann noch der
verschiedensten Therapien!

Eigentlich bin ich entsetzt, wie wenig weit man hier ist!
In Summe: besser abwarten und Tee trinken, und wenn es dazu zu spät ist, besser (vorerst nur) bestrahlen?

Gruß Geri

Heribert

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen, der unsichere Tumormarker
« Antwort #14 am: 12. Januar 2009, 13:46 »
Hallo Geri
Hallo Heribert, ich dachte bisher:
Das PSA (ProstataSpezifischesAntigen) beim Mann wird "von Geburt an" produziert, die Menge ist (meist) altersabhängig.
Das PSA kann nur durch die Zellen der Prostata produziert werden und durch kein anderes Organ.
Das PSA entsteht, egal ob die Zellen benign (gesund) oder malign ("krebsig") sind.
Der PSA-Wert kann hoch oder nieder sein, unabhängig ob Krebs oder kein Krebs.
Nichts anderes ist aus dem zu entnehmen, was ich schrieb.
Zitat
Wird die Prostata total entfernt, kann doch kein PSA mehr entstehen. Nun sprichst du von "Schnitträndern",
also "Anschlüsse", wo die Prostata gewesen ist, oder?
Wird dort zu wenig "sauber" operiert, entfernt, bleibt also Prostatagewebe drinnen, können die verbliebenen
Prostatazellen sich wieder verbinden, wachsen, PSA abgeben, oder?
Oder geschieht sogar:
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,410.msg5663.html#msg5663

Ein ansteigender PSA nach einer Totaloperation muss also nicht heißen, dass diese im Körper verbliebenen
Prostatazellen "krebsig" sind, denn gesundes Prostatagewebe erzeugt doch auch PSA, oder?
Trotzdem wird dann bestrahlt! Ist das ein Denkfehler von mir, oder ein Kunstfehler beim Arzt?
Beide Entwicklungen sind möglich. Es handelt sich weder um einen Denkfehler deinerseits noch um einen Kunstfehler des Arztes. Früher, bei alten Operationstechniken wurde das neurovaskuläre Bündel bei der OP selten geschont. Im Gegenteil, es wurde sogar der Blasenboden, der an der Prostatakapsel anlag mit entfernt. Anschließend wurde der Blasenboden gerafft und an der verbliebenen Harnröhre oberhalb des unteren Schließmuskels vernäht. In neueren Zeiten und bei immer jünger werdenden Betroffenen, geht der Operateur den Kompromis ein, bei präoperativ intrakapsulärem Tumor, was sich augenscheinlich während der OP bestätigt, durch Schnellschnitte der Sentinel-Lymphknoten erhärtet, die Erektionsnerven zu schonen und die Prostatakapsel vom Blasenboden abzulösen.
Zitat
Wie versichert sich der Arzt, dass das leider im Körper verbliebene Gewebe "krebsig" ist und bestrahlt gehört? Auch
bei einer BPH, also gutartigen Prostatavergrößerung, steigt das PSA meistens.
Ich erklärte bereits und Du hast es oben bestätigt, PSA ist kein Krebsmarker sondern ein egal wie gearteter Prostata-Zellmarker. Es zeigt an ob Prostatazellen vorhanden sind. Nur von neuroendokrinen Prostatakrebszellen wird kein PSA mehr produziert. - Was verbliebene Tumorreste nach einer OP betrifft, so gibt es keine absolut verlässlichen Parameter, die dem Arzt das anzeigen. Hier verlässt der Operateur sich auf Wahrscheinlichkeiten nach Prüfung aller Induzien.
Zitat
Die Beachtung (Verdoppelung) des PSA-Anstieges in einer gewissen Zeit sei wichtig, o.k.! Wie groß, in mm,
ist da das Gewebe, dass es bildgebend wahrgenommen, als malign manifestiert (geht das überhaupt?) und
bestrahlt werden kann?
Zunächst gehe ich auf gesundes Restgewebe an den Schnitträndern ein. - Wenn nach einer RPE der Kontrollmesswert des PSA nur gegen Null(z.B. konstant 0,15ng/ml) geht und engmaschige Kontrollen über längere Zeit keinen Anstieg vermelden, sollte man mit einer folgenden Radiatio abwarten, um nicht unnötig zu bestrahlen.
Zitat
Nachdem die Bestrahlung oft kurz nach der Prostatektomie erfolgt, wieso wird nicht
gründlicher heraus operiert? Ist der Grund der, dass (möglichst) Nerven erhaltend operiert wird,
ansonsten Inkontinenz (Impotenz) droht? Wird lieber das Risiko in Kauf genommen, dass nicht alles
entfernt wurde und noch Bestrahlung (und Chemo?) erfolgen muss?
An Deiner Fragestellung erkennt man, welch enger Grad es ist, auf dem sich auch der beurteilende Arzt sich befindet, die für den Patienten bestmögliche Entscheidung zu treffen.
Zitat
Wäre da eine Kombi Operation/Laser nicht besser, oder kann man man mit dem Laser die
Nervenbahnen auch nicht besser schonen.
Alles was mit Hitze in unmittelbarer Nähe der neurovaskulären Bündel zu tun hat, kann sie auf Dauer verletzen. Das gilt gleichermassen für die Hitzekoagulation der elektrischen Messer, die die Gewebeturchtrennung bei der OP vornehmen, wie die Laser TUR-P und selbst bei der Bestrahlung werden Bereiche außerhalb der Prostata durch notwendige Überschneidung geschädigt. Dank der immer besser werdenden Instrumentarien, haben sich diese Schäden in den letzten Jahren stark verringert.
Zitat
In Summe bin ich geneigt zu sagen: ein unbekannter Teufelskreis, obwohl das Rundherum um das PSA nur die Größe
eines Stecknadelkopfes hat, bezüglich der umfangreichen Materie Prostatakrebs, speziell dann noch der
verschiedensten Therapien!

Eigentlich bin ich entsetzt, wie wenig weit man hier ist!
In Summe: besser abwarten und Tee trinken, und wenn es dazu zu spät ist, besser (vorerst nur) bestrahlen?
Ganz so düster sehe ich es nicht. Es ist in den letzten Jahren schon viel geschehen, das Los von uns Betroffenen zu verbessern. Bei allen möglichen Therapien ist es wichtig den Arzt mit den größten Erfahrungen zu finden, dem man vertraut.
Schöne Grüsse Heribert

christine2348

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #15 am: 12. Januar 2009, 14:25 »
Hallo Heribert,

den Arzt mit der größten Erfahrung, dem man vertraut, zu finden,
das ist wohl eine ganz besondere Kunst. Wo ist der passende ???

Danke übrigens für die guten Erklärungen.

Christine


Heribert

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Re: Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #16 am: 12. Januar 2009, 16:06 »
Hallo Christine,
die Prostata-Totaloperation ist die zweitschwiergste urologische Operation. Sie verlangt ansich schon sehr hohes Können vom Operateur um den Blutverlust so gering zu halten, dass keine Konserven erforderlich werden. Je häufiger ein Arzt die Operation durchgeführt hat, je wahrscheinlicher sind sehr gute Ergebnisse. Man sagt, mindestens 100, besser 200 RPEs in einem Jahr sollte das Haus vorweisen können, um Letzteres zu gewährleisten.

Ob hierbei der/die ProfessorIn selbst operiert, halte ich für weniger wichtig. Bei der Durchführung ist mindestens ein Oberarzt dabei. Außer den anatomischen Kenntnissen ist in erster Linie handwerkliches Geschick gefordert.

Liebe Grüsse Heribert

Dietmar E.

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ACHTUNG!

(Nur) Jeder Angemeldete kann die interessante Anlage öffnen!!!


= einige Beiträge vorher, sowie unter:
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,1832.msg7394.html#msg7394



Ob bei einem PSA-Wert von 4, oder 6 oder 8 "Feuer am Dach" ist, wichtig ist auch der Verlauf,
also die Erhöhung bei der regelmäßigen PSA-Messung (mit fPSA).


Und was ist sonst noch wichtig vor einer Messung:


1) 5 Tage vorher
keinen Geschlechtsverkehr,
2) kein Radfahren,
3) keinen "Leistungs"sport
4) kein ASS / Aspro (siehe unten), und
5) taggleich und am Tag davor immer in etwa gleich viel Tagesflüssegkeit zu sich nehmen
5a) Ein harter Stuhl, voller Darm, drückt auf die Prostata - diese schüttet dan vermehrt PSA aus.
6) keine Prostata-Abtastung
und das WICHTIGSTE
7) immer das gleiche Labor wählen!

Und wenn du mehr dazu wissen willst, siehe Anlage, hier ganz unten, wenn du angemeldet bist.



21.11.08.
ASS senkt PSA-Wert und damit: Einnahme verändert Resultat der Prostatakrebs-Vorsorge
Washington (AP) Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAIDs) senken den Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) und verändern so das Resultat des Tests zur Krebsvorsorge. Untersuchungen an mehr als 1.200 Männern zeigen, dass ASS den Wert, der auf Veränderungen der Prostata hindeutet, um durchschnittlich neun Prozent senkt. Noch stärker reduziert war er bei jenen Teilnehmern, bei denen die Forscher der Vanderbilt Universität in Nashville tatsächlich ein Prostatakarzinom feststellten.
Unklar ist die Interpretation des Resultates: Die Senkung des Wertes könnte bedeuten, dass NSAIDs vor Prostatakrebs schützen. Diese Vermutung, auf die schon frühere Studien hingedeutet haben, könnte aber auch lediglich darauf beruhen, dass Erkrankungen wegen des geringeren PSA-Wertes unerkannt bleiben. Dies müsse nun geklärt werden, sagte Studienleiter Jay Fowke auf einem Krebsforscher-Kongress in Washington. Fast die Hälfte der Untersuchungsteilnehmer nahm NSAID-Präparate ein. Erst kürzlich hatte eine Studie gezeigt, dass auch Cholesterinsenker den PSA-Wert verringern.

« Letzte Änderung: 04. Juni 2009, 10:34 von Dietmar E. »
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Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #18 am: 04. Juni 2009, 10:10 »

Nicht neu, aber immer noch aktuell:

Beeinflussende Faktoren des PSA-Tests identifiziert  Horst MUC, 19.12.05, 00:14 

Bei alten Männern arbeitet die Prostata wie alle anderen Körperteile langsamer und produziert entsprechend weniger PSA. Wenn Männer mehr essen, produziert auch die Prostata mehr PSA (wie bei den Kühen mit der Milch). Fettleibige Männer haben mehr Blut, sodass sich das PSA verteilt und prozentual weniger ist. Nehmen sie an Gewicht ab, ist die Entwicklung gegenläufig. Dass schwarze Amerikaner doppelt soviel PSA haben wie weisse erklärt sich aus unterschiedlichem Sexualverhalten. Das PSA muss da mitmachen. Schönen Tag, Reinardo

Alter, Herkunft und Gewichtsveränderungen beeinflussen Ergebnisse

Beeinflussende Faktoren des PSA-Tests identifiziert
Demographische Faktoren und der Lebensstil beeinträchtigen die Reliabilität des Screeningtests auf Prostatakrebs, so US-Wissenschaftler.


12.12.05 - Alter, Rasse und Ernährung beeinflussen die sich über die Zeit verändernden Konzentrationen des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) signifikant, was zu falsch niedrig oder hohen Werten führen kann. Dies fand Alan Kristal des Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle anhand der Überprüfung der PSA-Werte und der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSAV) von 3 341 nicht an Krebs erkrankten Männern heraus.

Die PSAV sank bei alternden Männern und stieg mit einer hohen Energiezufuhr, heißt es in „Cancer“. Schwarze Amerikaner wiesen durchschnittlich doppelte Level der PSAV auf als weiße. Auch große Gewichtsschwankungen spielten eine Rolle: Legten Männer an Gewicht zu, sank die PSAV. Gewichtsverluste spiegelten sich in höheren Werten wider. Wie bereits in anderen Studien gezeigt, stiegen die Werte bei PSA-Einzelbestimmungen mit dem Alter und fielen mit dem Übergewicht.

Quelle: Ärztl.Praxis
« Letzte Änderung: 04. Juni 2009, 10:11 von admin »

Dietmar E.

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Das PSA - Prostata Spezifische Antigen
« Antwort #19 am: 04. Juni 2009, 12:11 »

PSA und Prostatakrebs


Ist bei einem PSA-Wert von 4, oder 6 "Feuer am Dach"?
Wichtig ist auch die Erhöhung bei der regelmäßigen PSA-Messung (mit fPSA; ggf. cPSA); denke an den „imPSA“ (siehe hier im Forum!)!
Die Höhe des PSA-Wertes ist (auch) abhängig von der Größe der Prostata
und vom Alter des Patienten.

Ganz wichtig sind die richtigen Vorbereitungen zum PSA-Test:


1) 5 Tage vorher keinen Geschlechtsverkehr,
2) kein Radfahren,
3) keinen "Leistungs"sport.
4) Taggleich und am Tag davor immer in etwa gleich viel Tagesflüssigkeit.
5) Ein harter Stuhl, voller Darm, drückt auf die Prostata - diese schüttet dann vermehrt PSA aus. Daher
    auf gute Verdauung, weichen Stuhl, achten.
6) Auch manche Medikamente, z. B. Aspro (ASS) verändern den PSA-Wert (10 %)!
7) keine Prostata-Abtastung  und das WICHTIGSTE ……
8) immer das gleiche Labor wählen!

Wenn du mehr dazu wissen willst: www.krebsforum.at, Selbsthilfegruppe Praterstern,
prostatakrebs@krebsforum.at , Tel. 0650-577-2395

Urologen mit Zusatzfach Onkologie: http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,2933.msg7772.html#msg7772
... ggf. auf dessen Anraten Antibiotika-Behandlung wegen Prostataentzündung.

Und wenn du angemeldet bist,
dann schau dir die Anlage an (1 Seite)!
« Letzte Änderung: 14. Juni 2009, 14:16 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)