Autor Thema: Verräterische Gene in der Prostata  (Gelesen 3772 mal)

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Geri

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Verräterische Gene in der Prostata
« am: 20. Juni 2008, 12:47 »


13.06.2008   

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Er bleibt oft unbemerkt. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben jetzt gemeinsam mit Ärzten der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein neues Verfahren entwickelt, das dabei helfen könnte, Tumoren in der Prostata zuverlässiger zu erkennen. Es gründet darauf, dass bestimmte Gene im Prostata-Gewebe von Krebspatienten anders abgelesen werden als bei gesunden Männern.

Erhärtet sich bei einem Patienten der Verdacht auf einen Prostata-Tumor, etwa durch eine erhöhte Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut, entnimmt der Arzt Gewebeproben (Biopsien) aus der Prostata und überprüft sie auf Krebszellen. Das Problem: Die Größe und die räumliche Lage des Tumors sind zunächst oft unbekannt. Bei der Biopsie kann es deshalb vorkommen, dass die feine Biopsienadel die Wucherung rein zufällig verfehlt und nur tumorfreies Gewebe entnommen wird. In diesem Fall bleibt der Krebs unerkannt. "Das geschieht in etwa dreißig Prozent der Krankheitsfälle", sagt Holger Sültmann von der Abteilung Molekulare Genomanalyse am DKFZ.

Sültmann und seine Kooperationspartner entwickelten deshalb einen zuverlässigeren Test für Prostatakrebs. Sie untersuchten, ob im Prostata-Gewebe von gesunden Männern eine andere Gen-Aktivität vorherrscht als im normalen (also tumorfreien) Prostata-Gewebe von Krebspatienten. Dazu zogen sie Prostata-Biopsien von 114 Männern heran.

Mit Hilfe der so genannten Microarray-Technologie fanden die Wissenschaftler fünf Gene, die bei Gesunden und Krebskranken deutlich unterschiedlich abgelesen werden. Es handelt sich um die Gene FOS, EGR1, MYC, TFRC und FOLH1. "Die Aktivität dieser Gene zeigt an, ob sich in der Prostata ein Tumor gebildet hat – und zwar unabhängig davon, ob die Gewebeprobe Tumorzellen enthält oder nicht", schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "European Urology" (Schlomm et al. Molecular Cancer Phenotype in normal Prostate Tissue; DOI: 10.1016/j.eururo.2008.04.105).

Möglicherweise kann man Prostata-Tumoren mit solchen genetischen Tests wesentlich verlässlicher nachweisen als das bisher möglich war. Für sichere Aussagen hierzu ist es jedoch zu früh. "Unsere Ergebnisse sind als vorläufig zu betrachten und noch nicht in der klinischen Routine einsetzbar", betont Sültmann. "Mit unseren Partnern in Hamburg sind wir derzeit dabei, sie in weiteren Studien zu überprüfen."

Prostatakrebs manifestiert sich oft im fortgeschrittenen Alter, meist jenseits der 50. Etwa jeder zehnte Mann ist betroffen. In Deutschland wird jährlich bei mehr als 58 000 Männern ein Prostata-Tumor diagnostiziert, etwa 12 000 Männer sterben jedes Jahr daran. Eine Heilung gelingt meist nur im Frühstadium der Krankheit. Deshalb ist es wichtig, die Störung rechtzeitig zu erkennen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) e.V.

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2008/dkfz_pm_08_34.php


Richi

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Prostatakrebs, weil .....
« Antwort #1 am: 27. Oktober 2008, 09:24 »
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=081027004

   Neue Gentherapie bei Prostatakrebs erfolgreich

   Forscher identifizierten fehlende DNA-Fragmente als Krankheitsursache

   Rom (pte/27.10.2008/06:10) - Eine Gruppe von italienischen
   Wissenschaftlern hat die Ursachen für die Entstehung von Prostatakrebs
   aufgedeckt.
Verantwortlich sei das Fehlen kleiner DNA-Fragmente am
   Chromosom 13, berichten Forscher des Superiore di Sanità
   http://www.iss.it in Rom, des Ospedale San Giovanni Bosco
   http://www.aslto4.it in Turin und des Istituto Oncologico del Mediteraneo
   http://www.salutesicilia.it in Catania von ihren Ergebnissen.

   "Es ging darum herauszufinden, warum ein Prostatakarzinom aggressiv wird
   und allen Therapieansätzen zum Trotz seine tödliche Wirkung entwickeln
   kann",
erklärte der ISS-Vorsitzende Enrico Garaci. "Die von unserem Team
   anhand von Gewebeproben an vierzig Prostatapatienten durchgeführte
   Untersuchung ergab, dass das Geheimnis bei den in den DNA-Fragmenten
   enthaltenen Genen microRNA-15a und microRNA-16 liegt. Diese sind nämlich
   in der Lage, eine bösartige Weiterentwicklung des Karzinoms zu
   verhindern."

   "Von nun an ist es möglich, aggressive Tumore schnell zu erkennen und
   sofort gezielte Gegenmaßnahmen durch die Zufuhr von microRNA zu
   ergreifen", bestätigt Ruggero De Maria, Leiter des zum ISS gehörenden
   Dipartimento di Ematologia, Oncologia e Medicina Molecolare. Die Methode
   sei bereits anhand von Tierversuchen getestet worden. Prostatakrebs werde
   bisher gewöhnlich durch chirurgische Eingriffe und mit Hormonen
   behandelt. Unter den Tumoren bilde diese Pathologie die zweithäufigste
   Todesursache hinter dem Lungenkrebs.

   In Italien werden jährlich 44.000 Fälle an diagnostiziertem Prostatakrebs
   bekannt. Mehr als 20 Prozent der spät erkannten Erkrankungen führen zum
   Tod. Die Einzelheiten der von der Associazione Italiana di Ricerca sul
   Cancro mitfinanzierten Studie sind in der Fachzeitschrift "Nature
   Medicine" veröffentlicht.
« Letzte Änderung: 27. Oktober 2008, 09:25 von Richi »

Gitti

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Prostatakarzinom: Gen-Signatur steigert Rezidivrisiko
« Antwort #2 am: 18. April 2013, 00:10 »



Prostatakarzinom: Gen-Signatur steigert Rezidivrisiko

Dienstag, 16. April 2013

Boston – Ein Test, der die Expression von 32 Genen im Tumorgewebe bestimmt, hat in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013; 110: 6121–6126) die Vorhersage von Rezidiven und Metastasen beim Prostatakarzinom deutlich verbessert.

Die Aggressivität des Prostatakarzinoms lässt sich durch Gleason-Score, Tumorstadium, Randschnitt und den präoperativen PSA-Wert nur sehr ungenau abschätzen. Einige Patienten entwickeln innerhalb kurzer Zeit Metastasen, bei anderen bleibt der Tumor über viele Jahre auf die Prostata beschränkt.
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Chin-Lee Wu vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter haben jetzt untersucht, ob eine Gen-Expressions-Analyse die Vorhersage verbessern kann. In einem ersten Schritt wurde ........... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54072

Werner

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Um Prostatakrebs oprimal zu behandeln, Risikostatus wichtig!
« Antwort #3 am: 30. Mai 2013, 01:12 »



Um Prostatakrebs oprimal zu behandeln, ist es wichtig, den Risikostatus möglichst genau abzuschätzen. Grafik: CLIPAREA.com - Fotolia.com

Ein neuer Gentest soll helfen, Niedrigrisiko- und Hochrisiko-Prostatakrebs zu unterscheiden und die Entscheidung für Active Surveillance oder radikale Therapie besser zu untermauern.

Der von der Firma Genomic Health, Inc. Vertriebene Test „Oncotype DX®) wurde bei der Jahrestagung der American Urological Association (AUA) Anfang Mai in San Diego, Kalifornien/USA, vorgestellt. Genomic Health entwickelte ihn gemeinsam mit der University of California, San Francisco (UCSF) und der Cleveland Clinic, Ohio/USA .

Wie Prüfarzt Prof. Peter Carroll von der UCSF beim Kongress berichtete, konnte der Gentest die Aggressivität eines Prostatakarzinoms signifikant vorhersagen (p=0,002). „Die Ergebnisse unserer Studie zeigten, dass die individuelle biologische Information aus dem Oncotype-DX-Prostatakrebstest die Anzahl von Patienten verdreifacht, die mit mehr Vertrauen eine aktive Überwachung in Betracht ziehen und eine unnötige Behandlung mit ihren potenziellen Nebenwirkungen vermeiden können“, sagte Carroll. „Der Test identifizierte außerdem eine kleinere Anzahl von Patienten, die trotz scheinbar geringen Risikos aufgrund ihrer klinischen Daten eine aggressivere Krankheit hatten, und würde so eher eine sofortige Therapie anraten. Ich glaube, mit diesen neuen Studienergebnissen können wir die Anwendung der aktiven Überwachung signifikant erhöhen. Diese war bisher zu einem gewissen Teil begrenzt durch das Fehlen eines validierten genomischen Werkzeugs, um zum Zeitpunkt der Biopsie genauer zwischen einer Krankheit mit geringem und hohem Risiko zu unterscheiden.“

Der Test misst die Expression von 17 Genen aus vier Stoffwechselwegen und ergibt einen Score zwischen null und 100. Diese Gene wurden in sechs Machbarkeits- und Entwicklungsstudien in Zusammenarbeit mit der Cleveland Clinic aus mehr als 700 Kandidaten herausgefiltert. Dazu wurden Gewebeproben aus radikalen Prostatektomien und Prostatastanzbiopsien auf die Genexpression hin untersucht.

In der UCSF-Validierungsstudie mit 395 Patienten erhöhte sich durch den Test der Anteil von Patienten mit niedrigem Risiko, also der potenziellen Kandidaten für aktive Überwachung, von fünf bis zehn auf 26 Prozent. Andererseits wurden zehn Prozent der ursprünglich mit niedrigem Risiko klassifizierten Patienten durch den Test als Hochrisikopatienten identifiziert.

„Für Männer mit Prostatakrebs ist die Möglichkeit, die Aggressivität ihrer Krankheit präziser zu definieren, ein bedeutender Schritt nach vorne“, wertete Howard Soule, Vizepräsident und wissenschaftlicher Leiter der Prostate Cancer Foundation, die Studienergebnisse.
Etwas verhaltener äußerte sich Prof. David Penson von der Vanderbilt University, Nashville, Tennessee/USA. Der Urologe, der nicht in die Studie involviert war, nannte die Ergebnisse gegenüber dem „Wall Street Journal“ „definitiv vielversprechend, aber vorläufig“. „Mit zusätzlichen Studien könnte dies wirklich etwas bewegen, aber ich bin noch nicht so weit, jede einzelne Entscheidung davon abhängig zu machen.“

(ms)
Quellen:

    AUA, Wall Street Journal


http://www.biermann-medizin.de/fachbereiche/urologie/medizin-forschung/neuer-gentest-fuer-bessere-risikoabschaetzung